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Good Riddance Interview - 23. März 2004 - Köln
Good Riddance – Interview

Mit: Sänger Russ Rankin

Good RiddanceIm kleinen, aber sehr gemütlichen Kölner Prime Club treffen wir am Montag, 22. März, kurz nach dem Soundcheck Good Riddance - Sänger Russ Rankin. Nachdem wir die Suche nach einem geeigneten „stillen Örtchen“ für´s Interview abgebrochen und beschlossen hatten, uns einfach auf die ja jetzt noch leere Bühne zu setzen, kommen wir ins Plaudern.

Wastin!com: Hi, kannst du dich kurz vorstellen?

Russ: Na klar! Mein Name ist Russ und ich bin der Sänger von Good Riddance.

Wastin!com: Gestern habt ihr in Lindau gespielt Was hast du heute schon alles gemacht?

Russ: Also heute sind wir hier aufgewacht, haben den Soundcheck gemacht und sitzen hier einfach rum. Ein paar von uns sind ein bisschen draußen rum gelaufen und haben versucht die Innenstadt zu finden. Wir waren nämlich schon lange nicht mehr hier, ich kann mich gar nicht daran erinnern, wann genau wir, also Good Riddance, das letzte Mal hier waren.

Wastin!com: Wie läuft die Tour denn bis jetzt?

Russ: Es ist großartig! Es ist aber auch ein bisschen komisch, weil es nur eine sehr kurze Tour ist. Ich glaube, wir spielen nur 9 Shows. Außerdem sind wir seit 2001 nicht mehr in Europa gewesen. Und so konnte es entweder nur gut werden, weil die Leute sich darauf freuen uns wieder zu sehen oder es wird schlecht, weil die Leute uns schon längst vergessen haben. Aber es ist echt toll! Alle Konzerte waren sehr gut besucht und die Leute scheinen sich zu freuen uns zu sehen. Und für None More Black ist es das erste Mal hier. Wir werden jetzt noch in Belgien, Holland und in England spielen und dann fahren wir wieder nach Hause.

Wastin!com: Was macht für dich die Fahrtzeiten erträglich. Gibt´s einen Fernseher?

Russ: Ja, aber ich mag es lieber irgendwo in Ruhe bei einem Kaffee zu sitzen und in mein Tagebuch zu schreiben. Ich schreibe nämlich regelmäßig Tagebuch auf Tour und verfasse Gedichte und lese sehr viel. Ich habe mir eine Menge Bücher mitgenommen. Ich bin da auch sehr gespannt drauf, denn kurz vor dem Beginn unserer Tour kam das neue Buch von ]John Grisham heraus und das habe ich dabei. Ich habe 3 oder 4 Bücher jetzt angefangen und versuche die noch zu ende zu lesen.
Und überhaupt die Gelegenheit zu haben, hier nach Europa zu kommen und viele verschiedene Orte zu sehen - wir waren zwar schon oft hier - aber es ist jedes Mal toll. Besonders, wenn man eine Zeit lang nicht da war.

Wastin!com: Habt ihr denn überhaupt Zeit was von den Städten zu sehen auf der Tour?

Russ: Wir haben etwas Zeit. Aber ich bin oft zu müde. Ich bin dann zu spät ins Bett gegangen und schlafe dann den ganzen Tag. Aber ich weiß ja schon, dass wir morgen in Amsterdam sein werden und da kenne ich mich schon ganz gut aus, da weiß ich wo ich hingehen kann. Aber hier weiß ich heute eigentlich gar nicht so genau, wo ich bin und was es hier so gibt.

Wastin!com: Und wie hältst du während der Zeit Kontakt nach Hause?

Russ: Ich rufe an, aber versuche das kurz zu halten, damit ich nicht so eine hohe Telefonrechnung habe. Ich versuche immer ein Münztelefon zu finden und rufe dann an.

Wastin!com: Was sind für dich die Unterschiede zwischen dem Touren in Amerika und in Europa?

Russ: Ja, da gibt es viele Unterschiede. In Europa haben wir immer einen Bus, das ist schon ziemlich cool. Das einzige Mal, dass wir einen Bus in Amerika hatten war als wir die „Vans Warped Tour“ gemacht haben. Aber in Europa allgemein kümmern sich die Leute sehr gut um uns, besonders in den Clubs. Das ist eine ganz andere Welt hier. Wenn du in einer Bar in Amerika spielst, ist um 22 Uhr in der Regel schon alles wieder vorbei. Nur wenn wir halt für alle Altersstufen spielen, dann spielen wir in gemieteten Hallen, während man in Europa oder in Deutschland Gebäude hat, in denen schon seit 20, 25 Jahren Bands spielen. Außerdem gibt es hier nie Probleme, nie kommt die Polizei und macht alles dicht. Die Leute wissen hier die Clubs zu schätzen, sie werfen die Fenster nicht ein oder machen alles kaputt. In Amerika trinken die Kinder Alkohol und es endet in einer großen Dummheit. Und hier wirkt es so, als ob die Leute eh immer trinken, also fangen sie nicht plötzlich an sich zu streiten oder so, sie kommen immer gut miteinander aus. Also, das ist auf jeden Fall schon mal ein Unterschied. Und des Weiteren ist es ja so, dass wir alle Veganer oder Vegetarier sind, und – na gut, heute ist das eine Ausnahme, weil es hier keine Küche gibt – aber sonst Good Riddancekochen sie dann für uns und das ist unglaublich! Und die Leute gucken auch, ob es uns gut geht, ob der Soundcheck gut gelaufen ist. Gerade in Deutschland sind die Menschen sehr aufmerksam und wollen sicher gehen, dass wir einen guten Soundcheck hatten, dass das Equipment in Ordnung ist, damit die Show auch gut wird. In den Vereinigten Staaten kümmert sich da eigentlich keiner drum. Du kommst in einem Club an, hast einen furchtbaren Soundcheck mit ´nem Typen, der sauer ist, weil er es nie geschafft hat in einer Band zu spielen, und dann werfen sie noch Chips und Cola auf dich. Aber ich meine, es ist okay. Jeder Ort hat seine Vor- und Nachteile. Aber ich genieße es immer nach Europa zu kommen mit Leuten, egal jetzt ob sie für uns arbeiten oder unser Support sind, die halt noch nie hier waren. Und es ist immer toll zu sehen, wie sie darauf reagieren. Wir haben einen dabei von NMB, der noch nie hier drüben war und er hat gesagt; „Oh, ich kann nicht glauben, wie viel Essen die uns hier geben! Das ist alles so cool! Die Gebäude und die Städte!“ Und er guckt ständig aus dem Fenster, wenn wir Bus fahren. Und das ist toll, denn man bekommt schnell Routine bei so etwas, und man vergisst schnell, dass man in Europa ist und man in Gebäude spielen darf, die älter sind, als die Vereinigten Staaten. Und das ist wirklich cool und ich bin glücklich, dass wir das machen dürfen! Und ich finde es gut, dass wir die Unterschiede erleben dürfen, denn wenn wir nur in Europa touren würden, dann würde es langweilig werden und genauso, wenn wir nur in Amerika touren würden. Und so ist das toll. Als ein Amerikaner habe ich jetzt das Gefühl, dass ich nun ein besseres Verständnis von meinem eigenen Platz in der Welt habe, weil ich soviel gereist bin. Und ich denke mehr Amerikaner sollten reisen und etwas von der Welt sehen. Denn wir kapseln uns sehr ab und engen uns in unserer eigenen Kultur sehr ein. Also bin ich sehr glücklich.


Wastin!com: Wir haben in letzter Zeit oft von amerikanischen Bands gehört, dass das Publikum hier zulande die Musik mehr zu schätzen weiß und dass sich der Mainstream hier im Underground noch nicht so breit gemacht hat, wie in Amerika. Würdest du dem zustimmen?

Russ: Ich habe bemerkt, dass die Leute hier drüben mit etwas mehr Leidenschaft bei der Sache sind. Egal, was für Musik sie gerne hören. Es scheint so, als sei ihnen auch völlig egal, wie sie vor ihren Freunden aussehen, wenn sie tanzen oder mitsingen. In Amerika sind die Leute sind, glaub ich, gelangweilt, weil vieles, was in der Welt angesagt ist, aus Amerika, aus ihrem Land, kommt. Und so ist man schneller gelangweilt. „Oh ich habe diese Band schon tausendmal gesehen, dieses Mal gehe ich nicht hin“, so halt. Und die Kids hier wollen einfach nur ihren Spaß haben und kümmern sich nicht darum, was irgendwer denkt. Was ich ziemlich cool finde!

Wastin!com: Und wenn du jetzt zurückblickst, was hat sich wohl deiner Meinung nach in der Musikszene in Santa Cruz, Kalifornien, oder in ganz Amerika verändert?

Russ: Es hat sich viel verändert. Als ich in die Punkszene kam, und das ist schon lange her, da war alles noch sehr weit vom Kommerz entfernt. Und nun ist alles fest in der Hand der Industrie. Da ist schon irgendwie traurig. Aber es ist auch interessant zu beobachten. Als ich in die Punkrockszene einstieg, da ging es noch darum dazu zugehören und einen guter Charakter zu werden. Wir mochten nicht, was auf MTV lief oder im Radio. Wir wollten unser eigenes Ding machen. Und nun läuft genau „unser Ding“ auf MTV und im Radio. Und das mag ich nicht besonders. Ich warte darauf, dass das wieder vorbei ist. Aber was cool daran ist, dass Bands, die diese Musik machen, nun Geld für die Shows bekommen, die sie spielen. Sie können von einer Tour zurückkommen und davon ihre Miete bezahlen. Und Bands, wie NoFx zum Beispiel, die wirklich bekannt sind, können nun über Politik und über wichtige Dinge reden und haben ein Publikum, das ihnen auch zuhört. Und das ist auch das Besondere am Punkrock, und das war auch das, was mich daran begeistert hat, dass es ein Medium der Kommunikation war, und nicht nur Entertainment. Das ist nicht nur Musik, die gut klingt, sondern auch etwas mit einer Botschaft, die etwas aussagen will und die sehr wichtig ist. Und wenn das natürlich dann auf einer „größeren Bühne“ passiert, dann ist das wohl das einzig Gute daran.

Good RiddanceWastin!com: Und wenn du dich zwischen Clubs und großen Hallen entscheiden müsstest?

Russ: Na ja, wir werden besser bezahlt für die großen Hallen, aber jede Band wird dir sagen, dass sie eigentlich lieber in einem kleineren Club spielt. Ich meine, na gut, Jason von None More Black, er ist der Sänger und spielt gleichzeitig Gitarre, also hat er einen Mikrofonständer, genauso wie Fat Mike, und wenn du dann in einem kleineren Club spielst und es geht richtig ab, dann bekommst du den Ständer schon mal ins Gesicht geschlagen und das ist dann natürlich nicht so toll. Aber ich muss mir da ja keine Gedanken machen und so mag ich die kleinen Clubs ohne Barrikaden viel lieber! Das macht jedes Mal viel mehr Spaß. Für uns war es immer schön, dass wir die Gelegenheit bekamen in immer größeren Clubs zu spielen, die aber nie zu groß waren. Ich meine, wir haben in etwas größeren Hallen gespielt als wir auf der „Deconstruction Tour“ waren oder als wir NoFx supportet haben, aber bei unseren Headliner Touren hatten die Clubs immer die perfekte Größe. Groß, aber nicht zu groß.

Wastin!com: Und hier die Bühne für heute Abend, ist diese Größe auch okay?

Russ: Oh ja, ich glaube, das gibt ´ne Menge Spaß! Ich freu´ mich schon drauf!

Wastin!com: Schön! Dann lass´ uns doch mal über euer aktuelles Album sprechen. Welches sind deine Lieblingsstücke darauf?

Russ: Ich mag den Song „There is No "I" In Team“ aber niemand anders aus der Band mag den Song (lacht!) also wird der wohl nie live gespielt werden. Das ist einer meiner Lieblingssongs. Das war der letzte Song, den wir für das Album geschrieben haben. Und das war einer von diesen Songs, wo du ins Studio gehst und hoffst, dass etwas Gutes rauskommt und danach denkst du dir; „Wow, der ist großartig geworden!“ Und die werden meistens meine Lieblingssongs. Oft denkst du im Studio noch, dass dem Lied noch was fehlt, dass es noch nicht fertig ist. Aber wenn du dann das Album hörst, bist du einfach begeistert, wie gut es eigentlich ist. Ich mag auch den ersten Song „Made To Be Broken“.
Das Album zu machen war sowieso eine seltsame Erfahrung, jeder war so beschäftigt, und kam sporadisch ins Studio um seine Sachen zu machen, um dann wieder zu verschwinden und viele der Songs waren noch nicht komplett fertig geschrieben. Und so hatte unser Produzent Bill Stevenson wirklich eine Menge Arbeit zu tun. Und ich bin überrascht, wie gut es dann geworden ist. Ich glaube, vielleicht ist es sogar unser bestes Album. Wenn du mich vorher gefragt hättest, dann hätte ich wohl gesagt, dass es wahrscheinlich sehr gut wird, aber es endete damit, dass ich es jetzt am allerbesten finde.

Wastin!com: Was inspiriert dich zu diesen Texten und wie wichtig ist dir die politische oder soziale Botschaft dabei?

Russ: Die Wichtigkeit der Botschaft ist sehr subjektiv. Ich glaube, sehr viele Leute hören unsere Musik, weil sie unsere Texte über politische oder soziale Dinge gut finden. Aber gerade viele Freunde von mir sagen, ich sollte mehr Liebeslieder schreiben, die seien nämlich so gut. Aber ich habe keine Lust mehr dazu mir das Herz brechen zu lassen, um dann auch noch darüber zu schreiben. Andere tanzen zur Musik und denen ist es vielleicht ganz egal, was wir sagen. Es sind so viele verschiedene Menschen, deshalb kann ich nicht genau sagen, was denen am Wichtigsten ist. Für mich war Punk halt immer, wie schon gesagt, ein Medium der Kommunikation, halt mehr als Entertainment, also solange die Texte Leidenschaft und irgendeine Relevanz zu irgendetwas haben, dann sind es für mich gute Texte. Du kannst das politische in den Texten nicht völlig vergessen, wie das mittlerweile sehr viele Bands machen, aber es gibt so viele Dinge in der Welt mit denen ich nicht einverstanden bin und solange das so ist, werde ich Texte darüber schreiben. Das ist meine Befreiung. Das ist wohl meine Art von Therapie. So kann ich mich ausdrücken. Andere Menschen schreiben Bücher oder so, ich schreibe halt meine Texte. Und wenn andere das hören und sich dazu verbunden fühlen, dann ist das großartig. So ging es mir nämlich mit den meisten Bands, die ich mir anhöre, wie zum Beispiel bei den Dead Kennedys. Das war eine der ersten Bands, die mich berührt haben. Sie haben dafür gesorgt, dass ich mich so leidenschaftlich zur Politik hingezogen fühle. Ich hatte nicht mehr das Gefühl, dass ich alleine bin, sondern, dass es andere Menschen gab, die genau dasselbe gedacht haben, wie ich. Und dass wir zusammen vielleicht etwas bewirken können. Ich denke, das ist immer wichtig.

Wastin!com: Gibt es denn jemanden, mit dem du gerne mal zusammen arbeiten würdest. Als Musiker oder als Produzent?

Russ: Also, ich habe ja gerade erst eine neue Band gegründet, in der ich auch singe. Und es ist irgendwie meine Traumband. Jeder, mit dem ich so gerne zusammen spielen wollte, ist dabei. Das ist wirklich richtig, richtig cool! Die Band heißt Only Crime. Bill Stevenson von den Descendents und Black Flag spielt Drums Aaron Dalbec von Bane spielt Gitarre Zach Blair von Hagfish spielt auch Gitarre. Das sind einfach nur großartige Leute!
Und was das Produzieren angeht, ich habe schon sechs verschiedene Bands produziert und ich mag das wirklich! Und ich würde das auch gerne wieder machen, aber bei keiner speziellen Band. Ich mag das Produzieren einfach und ich möchte das auch auf jeden Fall weitermachen. Das macht viel Spaß, die Dinge, die ich in vielen Jahren im Studio gelernt habe weiterzugeben und anderen Bands zu helfen.

Wastin!com: Nach so vielen Jahren, die es „Good Riddance“ jetzt schon gibt, gibt es da noch viele andere Bands, vielleicht auch jüngere, die euch als Band beeinflussen?

Russ: Also, die letzte Band, die mich beeinflusst hat, ist Bane aus Massachusetts. Aber sie sind nicht jünger als wir. Als Band zwar schon, aber sonst sind sie alle in unserem Alter. Eine großartige Band! Wirklich, das sind tolle Jungs. Aber den meisten Einfluss haben ältere Bands auf mich gemacht, wie Black Flag, Adolescence oder Bad Religion, so was halt.

Wastin!com: Und kannst du dir vorstellen, was du in 10 Jahren machen wirst?

Russ: Ich werde dann hoffentlich noch Musik mit irgendwem machen. Ich habe dann noch mein Record Label, dass ich gerade gegründet habe, „Lorelei Records“ und ich liebe das, denn es ist für mich eine schöne Art in der Musik involviert zu bleiben auch wenn man selber nicht mehr soviel spielt. Hoffentlich wird es dann auch noch meine jetzt noch neue Band geben. Und Good Riddance wird wohl auch noch da sein. Wir werden so lange weiter machen, so lange sich die Leute noch für uns interessieren. Aber wir sind alle sehr beschäftigt mit anderen Projekten, ich hoffe, dass wir dann alle noch die Gelegenheit haben werden zusammen zu spielen, wenn wir es wollen. Ich hoffe einfach, dass ich in 10 Jahren immer noch in der Punkszene bin, und ich glaube fest, dass ich immer da bleibe.

Wastin!com: Du hast ja eben schon gesagt, dass [b]None More Black euer Support auf dieser Tour ist. Habt ihr selbst entschieden, sie mit zunehmen oder haben das euer Management oder Fatwreck entschieden?[/b]

Russ: Das war von allem etwas. Wir brauchten eine Supportband für diese Tour und NMB sind halt unsere Labelkollegen und wir sind befreundet und so war es auch eine leichte Entscheidung gerade sie mit zunehmen. Und es wird ihnen helfen, hier bekannter zu werden und vor vielen Menschen zu spielen. Und Fatwreck hat uns so geholfen eine gute Supportband zu finden. Und wir kennen sie halt alle schon lange, so war es also wirklich eine einfache Entscheidung.

Wastin!com: Die Tour heißt ja „Question Authority/Peta2 – Tour“. Warum unterstützt du „Peta2“? Du bist ja Veganer, das liegt dann wahrscheinlich daran,oder?

Russ: Ja, also, wir arbeiten zuhause mit Peta zusammen. Wir verteilen ihre Infoheftchen bei unseren Konzerten an unserem Merchandise-Stand wenn wir auf Tour sind. Und Peta2 wollte sich schon lange mehr in die Musikszene in Europa einbringen und sie dachten, jetzt sei die Zeit reif, dass mehrere Bands ihre Botschaft auch nach Europa bringen könnten. Denn gerade jetzt wächst das Verständnis für Vegetarier und Veganer und für Tierrechtsschützer überall in der Welt. Und ich denke, gerade die Punkrockszene kann viel dazu beitragen, dass zu verbreiten. Und so wollte Peta2 den Bands, die sich dafür interessieren auch die Möglichkeit geben, diese Botschaft in die Welt zutragen. Was wir aber auf keinen Fall damit machen wollen ist, dass wir so den Kids etwas in die Hand geben und sagen; „Los, les´ das! Und dann musst du dein Leben ändern!“ Wir wollen diese Dinge nur für alle verfügbar machen. Wenn man daran interessiert ist, dann kann man zugreifen. Wir finden diese Informationen jedenfalls alle sehr wichtig und es gibt sie hier umsonst. Und das ist schon alles. Ich möchte niemandem sagen, dass das, was er macht, falsch ist. Aber ich habe früher Fleisch gegessen und mache es nun nicht mehr, weil mir jemand Informationen umsonst gegeben hat und sich sehr cool mit mir darüber unterhalten hat. Und das ist alles, was wir machen wollen. Chris von Peta2 reist nun mit uns und er hat jede Menge coole Sachen auf Deutsch dabei, die es umsonst gibt und auch schöne Merchandise-Artikel. Und das ist jetzt die erste Tour, die Peta2 sponsert und ich weiß, dass sie damit weitermachen wollen und so hoffe ich, dass auch viele Bands das unterstützen werden. Es ist doch toll, wenn Kids zum Konzert kommen, die Musik genießen und dann noch etwas Wertvolles mit nach Hause nehmen können. Sie müssen die Heftchen ja nicht hier lesen, sondern können alles erstmal einstecken. Wir haben eine riesige Resonanz in den Staaten bekommen und hoffen, dass das uns auch hier gelingt.

Wastin!com: Das ist euch auf jeden Fall zu wünschen! Wo wir gerade beim Thema sind, was ist denn dein Lieblingsessen?

Russ: Ich mag sehr gerne thai oder vietnamesisches Essen, auch Indisch oder Chinesisch. Auch mexikanisches Essen schmeckt mir sehr gut, aber nur in Kalifornien, denn es ist schwierig gutes mexikanisches Essen woanders zu bekommen.

Wastin!com: Auf eurer Website habe ich gesehen, dass ihr sogar jeden eurer Roadies und Merch-Jungs aufgeführt habt. Ich hab mir schon oft die Frage gestellt, wie man eigentlich Roadie wird. Sind das Freunde von euch gewesen oder mussten sich die Jungs um den Job bei euch bewerben?

Russ: Oh, ich glaube, wenn du das 10 verschiedene Bands fragst, wirst du auch 10 unterschiedliche Geschichten dazu hören. Aber bei uns lief das so. Mario ist jetzt seit 1997 dabei und als wir nach Europa gingen, stieß er in allerletzter Sekunde dazu, denn derjenige, der eigentlich den Verkauf übernehmen sollte, hat sich entschieden doch nicht mitzukommen. Und Mario ist ein Freund von Chuck aus Kindertagen und wir alle kannten ihn. Und so kam er mit. Und weil er so einen guten Job machte und so viel Spaß daran hatte, kommt er seitdem überall mit hin. Australien, Japan und mehrmals nach Europa. Und nun ist es schon so, dass wenn Mario nicht da war, wenn wir ein Konzert gaben dann fragen uns die Kids wo er ist. Denn am Wochenende kann er oft nicht mit, weil er arbeiten muss, und dann wollen sie alle wissen, wo er ist. Deshalb haben wir ihn auch auf die Website genommen. Er ist sogar schon fast so was, wie ein Held für jüngere Merchandise-Jungs, die schauen nämlich alle zu ihm auf. Sie wollen alle wissen, wie es Mario macht. Er hält einfach alles zusammen, ich wüsste nicht, woran wir wären ohne ihn. Und so gehört er auch einfach mit zur Band.

Wastin!com: Meine letzte Frage ist: Wann werden wir euch wieder sehen? Kommt ihr im Sommer noch mal nach Deutschland, vielleicht bei der „Deconstruction Tour“?

Russ: Good Riddance hat bis jetzt noch keine anderen Pläne nach dieser Tour. Wir wollen da was planen in Japan und Australien und einen Trip nach Neuseeland im Juni. Aber es wird schwierig, so wie es momentan bei Good Riddance aussieht; Luke ist nämlich ein Vollzeitstudent und wird bald heiraten, David ist auch schon verheiratet und besitzt ein Haus und hat einen Vollzeitjob, Chuck ist ebenfalls verheiratet, hat ein Haus und einen Vollzeitjob und seine Frau hat gerade erst ein Kind bekommen. Und dann hat jeder von uns auch noch andere Bands und andere Interessen. Früher waren wir eine richtige „Touring-Machine“, aber das ist nicht mehr so. Jetzt ist es so; wenn wir alle Zeit haben und es gibt Anfragen, dann machen wir es auch und wir würden sehr gerne wieder zurück nach Europa kommen. Spätestens in einem Jahr, das wäre toll! Denn jetzt waren es zwei Jahre. Aber wir haben noch keine festen Pläne, wir werden abwarten und sehen, was sich ergibt. Aber wir wissen alle, dass es uns gelungen ist alles zu erreichen, was wir nur erreichen konnten und wir sind sehr dankbar dafür. Wir wollen halt immer noch spielen, wenn’s uns allen auch passt, denn wir haben alle viel Spaß daran. Und solange uns die Leute sehen wollen, werden wir auch spielen, aber wir werden bei der diesjährigen „Deconstruction Tour“ nicht dabei sein, das steht fest. Vielleicht aber im nächsten Jahr, wer weiß.

Wastin!com: Das sind großartige Schlussworte! Ich danke dir für das Interview!

Russ: Kein Problem! Vielen Dank an euch!
Autor: Vera Bunk