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4Lyn Interview - 23. September 2004 - Köln
4Lyn - Köln, Prime Club - 23. September 2004Köln, Prime Club am 23. September 2004. Bereits um 18 Uhr stehen eine Menge Fans vor dem Club und freuen sich auf den Abend. Da sollen nämlich 4Lyn heftigst rocken. Wir treffen Frontmann Ron vor der Show zum Interview im äußerst schicken Tourbus und bei einem Schluck gekühlten O-Saft aus einem original Astra-Plastikbecher widmen wir uns den Fragen, die uns Ron auch relaxt und sehr gut gelaunt beantwortet.

Wastin!com: Hi! Stell´dich doch mal kurz vor!

Ron: Also, mein Name ist Ronnie Brasko und ich bin der Sänger bei 4Lyn. Wobei Ronnie Brasko vor drei Nächten gestorben ist und sich jetzt Ronnie Rambo nennt, seitdem „Rambo III“ auf RTL II lief.

Wastin!com: Hey, das ist gleich mal ´ne klasse Überleitung zu meiner nächsten Frage, die da lautet; Worher nehmt ihr immer die Inspiration für eure Pseudonyme? So wie jetzt aus dem täglichen Leben?

Ron: Ich bin Hip Hopper. Beziehungsweise bin ich mit Hip Hop großgeworden und die Pseudonyme kommen einfach bei mir aus dem Hip Hop. Ich hör´ das halt viel, aber ich bin jetzt nicht so krass wie die deutschen Hip Hopper, die dann halt immer so extrem reden; „Yeah, ich wollte hier mal eben was versellen und so around the corner and stuff.“ So rede ich halt nicht. Aber ich liebe es, Leuten Nicknames zu geben. Und bei uns ist das so, wir haben alle unsere Pseudonyme, die sich halt irgendwann mal durch Joke, Witz oder so ergeben haben. Da steckt keine Marketingidee hinter oder so. Das ist alles meine Schuld, weil ich irgendwann angefangen habe, die Leute einfach irgendwie zu nennen. Bei Björn zum Beispiel: Björn heißt mit Nachnamen Düßler, der erste Buchstabe ist das „D“ und er ist einfach, äh sorry, aber Björn ist einfach „Big“, also ist er Big Deee so. Weißte, so kommt so´ne Scheiße eben zustande. René ist halt René Russo und so weiter und sofort. Das kann schnell passieren, dass man sowas macht, wenn man zu viel Hip Hop hört.

Wastin!com: Da artet das dann aus.

Ron: Ganz genau!

Wastin!com: Ihr seid ja schon eine ganze Weile unterwegs. Wie läuft denn eure Tour bis jetzt?

Ron: Boah, das ist der Wahnsinn echt! Ey, wir sind jetzt 8 oder 9 Tage unterwegs, haben noch irgendwie knapp vier Wochen vor uns und es ist der Wahnsinn. Die Hallen sind dicht. Also in Köln ist es jetzt, glaub ich, zum zweiten Mal schon ausverkauft. Was für uns eigentlich immer noch so was wie ein kleines Highlight ist. Im Prime Club haben wir damals als Support von Papa Roach das aller erste Mal vor ausverkauftem Haus gespielt. Und ich krieg´ jedes Mal einen Flashback, wenn ich in den Laden komme, weil als wir da damals als vier kleine Kacksäcke, die von nix eine Ahnung hatten, reingekommen sind, und so vier Typen auf der Bühne gesehen haben, die halt in Amerika irgendwie voll groß sind, da dachten wir; „Naja, gut. Das wird schon werden!“ Aber dann kamen die zu uns und sagten; „Oh, hoffentlich wird der Club voll!“ Und weißte, wir waren alle an kleine Jugendzentren gewohnt, wo keiner hin kam, außer die Eltern und die Freunde und so. Und dann sind wir als Supportband irgendwann rausgegangen und auf einmal standen wir da vor ´ner vollen Halle. Da denkste; „Echt, das kann doch jetzt nicht wahr sein!“ Klar, mir war bewußt, dass die jetzt nicht wegen uns da waren, aber es war einfach ein Flash dort zu spielen. Und seitdem ist Köln immer wieder schön und immer wieder schön voll. Und bis jetzt war die Tour wirklich sehr, sehr gut besucht. Die Leute kaufen wie die Beknackten Merchandise, also solche Zahlen hatten wir noch nie. Und das obwohl es eigentlich um 4Lyn letztes Jahr sehr ruhig war. Wir haben nur ein paar Festivals gespielt und das war´s. Aber die Tour läuft wahnsinn bis jetzt, da hätte keiner mit gerechnet.

Wastin!com: Ihr hattet ja auf der Tour bis gestern auch Bitune mit dabei, ab heute spielen die ja leider nicht mehr mit, denn jetzt habt ihr ja The Butterfly Effect am Start. Aber wie war es denn so mit den Jungs?

Ron: Ohh, das war gestern ein ganz, ganz trauriger Abschied, aber die Jungs von Bitune werden heute Abend alle kommen. So als inoffizieller Tourabschluss für die Jungs. Es war gestern so; da bin ich einfach mal bei denen auf die Bühne gestürmt, so irgendwie mit freiem Oberkörper, in Trainingshose und barfuß und hab´ dann einfach mal so ein bißchen mit ins Mikro reingebrüllt, um zu zeigen, dass die Jungs echt ´ne geile Band sind. Es ist eigentlich sehr, sehr schade, dass wir uns an dieser Stelle trennen müssen. (Seufzt) Das ist immer so. Was meinst du, was das für Tränen gibt am Ende der Tour. Du wächst einfach zusammen, du teilst dir – okay, mit Bitune haben wir uns jetzt keinen Bus geteilt – aber man kommt morgens zusammen in den Club, man hat die selben Kopfschmerzen vom Abend vorher, man hat sich die Geschichten zu erzählen, wer mit wem und wie und was wieder ging gestern und so. Verstehste, das ist wie so eine große Klassenfahrt. Man wächst zusammen und dann auf einmal ist Schicht. Und das bockt nicht. Das bockt gar nicht.

Wastin!com: Das glaub´ ich gerne! Wenn ihr auf Tour seid, was vermisst du denn am meisten von Zuhause?

Ron: Ich vermiss´ am meisten – aber das vermisse ich nicht nur, wenn ich auf Tour bin – meine kleine Tochter, die wohnt nämlich mit der Mutter in Österreich. Wir hatten uns damals getrennt und die vermisse ich so oder so, immer und immer, also eigentlich ohne break. Aber, was ich an Zuhause vermisse sind meine beide Hunde natürlich, und meine Freundin, na klar! Und all solche einfachen Dinge, wie einfach mal ein feststehendes Bett. Wir wechseln heute Nacht den Bus, weil die Betten hier zu klein sind. Wenn ich mich ins Bett lege, dann bin ich mit dem Kopf genau an der Wand und mit den Zehen genau an der Wand. Das ist quasi so, als wärst du so´ne Sardelle da drinne. Ist ja klar, wir sind mit 12 Leuten aufem Bus hier und das fünf Wochen lang und das ist dann schon aggro.

4Lyn - Köln, Prime Club - 23. September 2004Wastin!com: Dann kann ich ja hier schon mal einhaken: „Eobane“ hast du ja für deine Tochter geschrieben. Was bedeutet der Titel denn genau?

Ron: „Eobane“ ist ein privater Ausdruck, den ich auch nie für die Leute auflösen werde. Das ist ein Insider, der ein paar Minuten bevor sie geboren wurde einfach die Mega-Rolle gespielt hat. Ich kann dazu nichts sagen, es liegt mir zwar immer auf den Lippen es einfach auszusprechen, aber ich glaube, ich kann das nicht machen. Weil die Situation war einfach sehr witzig, aber auch sehr privat. Eine Geburt ist das Privateste und Heftigste, was es gibt. Und „Eobane“ selber ist ja ein afrikanischer Name, der bedeutet, glaub´ ich, „Sonnenröte“, aber wofür der steht...die Geschichte dazu ist zu lang! Aber „Eobane“ ist nach wie vor immer noch einer der live am schwersten zu singenden Songs für mich. Gestern zum Beispiel hab´ ich mitten im Song so geweint und das ging einfach nicht anders, weil es einfach so hart ist. Weißt du, jeder, der ein Kind hat, das er nicht sehen kann, der weiß wovon ich spreche. Und gestern war einfach das Gefühl, das vom Publikum rüber kam, und dieser ganze Vibe, der da stattgefunden hat, der war einfach so überwältigend und niederschmetternd zugleich. Klar singe ich den Song durch, dasselbe hatte ich früher bei „Gone“ oder „Husky“. Das sind einfach Songs, die dich bewegen und die sind am schwersten zu singen. Und nun wollen wir mal sehen, dass es heute vielleicht nicht so hart wird.

Wastin!com: Welche Bühne magst persönlich denn lieber, die in den kleinen Clubs oder die riesigen Festivalbühnen, wo man richtig Platz hat zu rocken?

Ron: Es hat beides seine Vor- und Nachteile. Auf einer Festivalbühne da ist es natürlich schön, du hast immer frische Luft, aber du hast trotzdem ein Dach überm Kopf, auch wenn´s regnet. Und man kann hin und her rennen, man ist freier. Aber ich steh´ auch auf die kleinen Clubs, weil das gibt einem dieses Gefühl, das holt dich immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. 4Lyn ist einfach keine Stadionband, das ist einfach so. Zum Beispiel die Butterfly Effect-Jungs, die jetzt dazugekommen sind, die sind eine australische Stadionband. Die füllen in Australien Stadien! Und für die wird das natürlich jetzt mal was ganz Anderes werden, weißte, mit uns hier auf Tour. Wir sind als deutsche Band recht erfolgreich aber nicht so erfolgreich. Das wird ganz was Anderes sein für die. Aber ich liebe kleine Bühnen, weil der Kontakt zum Publikum, der Vibe ist einfach krasser. Ich verstehe die Leute, wenn die was wollen, ich kann denen das von den Lippen ablesen, was die wollen. Aber es ist natürlich auch der Hammer, wenn da 10.000 Leute stehen und deine Songs mitsingen, die du irgendwann mal auf einen Bierdeckel geschrieben hast. Ich mag beides sehr, sehr gern. Aber klar wünsch´ ich mir, wenn ich auf ´ner kleinen Bühne stehe, ich würde jetzt auf einer etwas größeren stehen. Weil heute Abend zum Beispiel ist der Prime Club ausverkauft und ich weiß ganz genau, dass da nicht ein Quenchen Luft und nicht ein kleiner Lufthauch da sein wird. Es wird einfach stickig, heiß und ganz finster sein, aber das ist halt wiederum Rock´n`Roll für mich.

Wastin!com: Und viele kreischende Mädels werden auch da sein. Wir sehen es ja auch hier schon, die Mädels warten da vor dem Bus auf euch und schreien, wenn die dich sehen. Das sind ja schon fast Zustände wie damals bei den Backstreet Boys. Macht dir das als Musiker was aus? Wünscht man sich irgendwie andere, vielleicht „reifere“ Fans? Wenn man das überhaupt so sagen kann?

Ron: Wenn ich morgens aufstehe oder wenn wir auf Tour sind, dann bin ich jeden Tag dankbar dafür, dass uns überhaupt jemand hört. Und mich fragen immer ganz viele Leute, Journalisten, Freunde, Familie und so, ob mich das nicht annervt, weil als wir angefangen haben, da waren einfach nur die Hardcore-Mosher-Typen bei unseren Gigs. Weißte, da waren nur Typen da und irgendwann war es halt so, dass immer mehr Frauen zu den Shows kamen, das hat sich so entwickelt. Und soll ich die jetzt verurteilen, weil sie jünger sind? Jeder, der zu einer 4Lyn-Show kommt, den respektier´ ich. Also den, oh, wie drück´ ich das am besten aus? Ich kann niemand für sein Alter oder für sein Geschlecht anzählen. Klar ist es befremdlich, wenn du da stehst und vor dir steht eine Frau und weint und sagt; „Ey, du bist alles für mich, ich würde mich umbringen für dich!“ Das ist alles schon vorgekommen. Gestern hat sich ein Mädel nach der Show einfach mal eben das gesamte Handgelenk aufgeschnitten, um uns zu zeigen, wie sehr sie uns liebt! Und da hab´ ich gedacht; „Meine Herren, das geht mir jetzt ´ne Nummer zu weit.“ Da habe ich gesagt; „Baby, es tut mir leid, überdenk´ dein Leben.“ Das war jetzt der krasse Extrem-Fall. Aber ich kann niemanden verantwortlich machen für sein Alter und für sein Geschlecht und Gott, wenn Mädels kommen und uns anhimmeln, bitte sehr! Jeder Mann würde sich freuen dadrüber. Und ich freu´ mich über jeden, der wegen der Musik kommt, aber ich freu´ mich auch über jeden, der kommt, um uns anzuschauen oder so. Ich bin da nicht so politically correct, dass ich jetzt sage; „Nee, zu unseren Shows müssen nur Leute mit Tätowierungen kommen und die auch alle super in Rock-Magazine passen würden“. Ich freu´ mich über jeden, der kommt und da hab´ ich auch kein Problem mit, warum auch.

Wastin!com: Ja, mitsingen können die Mädels eure Musik sowieso immer, also, von daher bedeutet ihnen das ja auch sehr viel, schätze ich mal.

Ron: Anscheinend bedeutet mittlerweile 4Lyn für viele junge Menschen einfach eine Menge. Denn nach den Shows kommen viele Leute zu mir und sagen; „Eure Musik gibt mir was, eure Musik ist einfach was. Ich muss mir heute Abend nicht meinen Arm aufritzen, weil ich irgendwie ganz krasse Probleme hatte als Kind oder so, nein ich hab´ mir eure Songs angehört und ihr habt mir den Tag gerettet mit eurer Musik“. Und damit ist das Ziel erreicht. Und mir ist es egal, wer da vor mir steht. Und ich bin auch mit 12 Jahren auf Konzerte gegangen und hab´ mir Bands angeguckt und da hat auch niemand gesagt; „Ey, verpiss´ dich mal, du bist doch viel zu jung!“ Nee, da kann ich niemanden für anzählen.

4Lyn - Köln, Prime Club - 23. September 2004Wastin!com: Dann lass uns jetzt noch mal auf eure neue Platte „Take It As A Compliment“ zu sprechen kommen. Welches ist denn dein Lieblingslied von dem Album?

Ron: Spontan jetzt auf der neuen Platte? Da würd´ ich sagen, das ist „S.T.C.“, die Nummer mit Curse. „Shoot Them Canons“ das ist für mich so die absolut brutalste Nummer, die 4Lyn nach „No 11“ je aufgenommen hat. Und ich bin einfach Fan von Curse, ich bin einfach ein Fan von seiner Musik und für mich ist ein Traum damals in Erfüllung gegangen als wir das erste Mal Kontakt knüpfen konnten. Und als wir beide gemerkt haben; Wow, wir sind auf derselben Wellenlänge, wir haben dieselben Ansichten von Musik und wir beide kacken mehr oder minder auf „Realness“, so auf dieses politisch korrekt sein. Nein wir sagen, was wir denken und das ist im Endeffekt auch „real“ und da sind wir auf einen Nenner gekommen. Ich hab´ noch nie einen deutschen Künstler gehört, der dich so dermaßen ins Kopfkino versetzt, wie der Typ. Der erzählt dir ´ne Geschichte und du sagt nachher; „Klar, der Typ hat so recht!“ Ich meine, klar, wir hätten jetzt auch sagen können, wollen wir hier Sido oder Eko Fresh haben oder so (lacht!). Aber das würde natürlich gar keinen Sinn machen. Curse war für uns sofort erste Wahl, das ist ein supernetter Kerl und einfach ein Buddy über die Zeit geworden.
Die Leute denken immer Curse ist so der einfache Hip Hopper, aber der Typ hat früher in einer Metalband gespielt bei den Phat Kicks und sein Name war Mike Genius. Der Typ hat früher in der übelsten Schraddel-Hardcore-Band gespielt und der ist so facettenreich der Mann und genauso ist es auch bei 4Lyn. Curse hört nicht nur den ganzen Tag Hip Hop, der hört den ganzen Tag Jazz und der hört den ganzen Tag Weltmusik. Der hört zwar auch viel Hip Hop und so, aber deutschen Hip Hop tut der sich gar nicht an zum Beispiel. Weißte so und das ist das Ding und deswegen hat der Mann einfach meinen größten Respekt und deswegen war der für uns auch sofort Nummer eins. Er tut einfach genau das, was wir auch tun, wir sind eben nicht so festgefahren. Und nein, wir hören nicht nur den ganzen Tag Slayer. Wenn ich in meine CD-Box guck´, dann ist von Ella Fitzgerald bis Adriano Celentano alles drin. Das macht auch Sinn.

Plötzlich öffnet sich die Schiebetür im Bus, die den Gang von der bequemen Sitzcouch abtrennt, und Big Deee steht mit erstauntem Gesicht in der Tür.

Ron: Ahh, da kommt der Björn und der will meinen Wäschesack.

Björn: Und der will wissen, ob das der braune ist, der da vorne steht mit tausend Sachen drin. Der so richtig schwer ist.

Ron: Der graue!

Björn: So ein brauner irgendwie.

Ron: Moment. Darf ich mal kurz...könnt ihr mal kurz auf Pause drücken das mit meinem Wäschesack ist nämlich sehr wichtig.

Wastin!com: Kein Problem! Das ist ja ein Notfall :)

Ron eilt Big Deee zur Hilfe und händigt ihm den richtigen Sack aus. Danach fletzt er sich wieder auf das bequeme Sofa und das Interview kann weitergehen.

Wastin!com: Wie kam es denn überhaupt zu der Zusammenarbeit mit Curse?

Ron: Damals auf unserer ersten großen Tour hab´ ich sein zweites Album in die Hände bekommen. Ich kannte ihn von der „Feuerwasser“-Platte noch aber das zweite Album, „Von Innen nach Außen“, hat mir jemand geschenkt und gesagt, dass ich mir das mal anhören sollte. Und ich habe diese Platte bis zum Abkotzen, bis sie kaputt war in diesem Bus gespielt, bis die Leute gesagt haben; „Wenn du das noch einmal anmachst, dann schmeißen wir dich aus der Band!“ Und dann hab´ ich in den Clubs gesehen, dass Curse immer zwei Tage nach uns in denselben Clubs gespielt hat und dann habe ich angefangen in den Backstage-Räumen überall mit Edding was hinzuschreiben. So was wie; „Ey Curse, dein Album ist der Knaller! Ich flieg´ bald aus der Band wegen dir und du bist der Obergott für mich! Na ja, was heißt der Obergott, das nicht aber du bist halt für mich einfach der größte MC, den´s gibt im deutschen Bereich.“ Und irgendwann ist sein DJ darauf aufmerksam geworden, weil die ja immer zwei Tage später in den gleichen Backstage-Räumen waren wie wir. Der meinte dann mal irgendwann zu Curse; „Guck mal, der Verrückte, der hat schon wieder überall hier was hingeschrieben!“ Ja, und dann haben wir uns mal getroffen, weil ich hab´ ja immer als Absender „Ron von 4Lyn“ geschrieben und so haben wir uns irgendwann mal auf einem Festival kennengelernt. Er hat sich unsere Show anguckt, ich hab´ mir seine Show angeguckt und eine Woche später kam die Anfrage, ob ich auf seiner Platte „Innere Sicherheit“ bei „Schocktherapie“ den Refrain singen möchte, und das hab´ ich dann auch getan. Und wir haben es dann halt nicht so gemacht, wie das die Ami-Hip Hopper immer machen so von wegen; „Ey, ich geb´ dir hier `ne Million so und dann singst mal bei mir!“ Sondern er meinte; „Ey, pass´ auf, du singst bei mir, ich sing´ bei euch!“ Und hab ich gesagt; „Perfekt! Bin ich Fan von!“ Ja, dann hat er uns besucht und wir hatten ein paar Songs für ihn vorbereitet oder haben ihm vielmehr ein paar Demos vorgespielt und haben ihn gefragt, worüber er gerne rappen würde. Da meinte er; „Ey, ihr habt mir nur so´ne Funknummern oder so´ne Rapnummern da hingepackt. Rappen tu´ ich immer, ich will ´ne Aggro-Nummer! Ich will abgehen, verdammt noch mal!“ So und dann haben wir ihm halt „S.T.C.“ vorgespielt und er war sofort Fan.

4Lyn - Köln, Prime Club - 23. September 2004Wastin!com: À propos Rap-Nummern. Auf der ersten Platte „4Lyn“ hast du ja noch so richtig viel gerappt, bei „Whooo“ und „Down & Out I“ und so. Das war ja dieses Mal, außer innerhalb der Songs, nicht ganz so vertreten. Warum?

Ron: Ich hab´ den Leuten auf dem ersten und auf dem zweiten Album bewiesen, dass ich rappen kann und irgendwann bist du als Künstler so weit, dass du halt sagst, jetzt ist Schluss, jetzt mach´ ich was anderes. Jeder von uns stellt sich jeden Tag die Frage; „Wie weit kann ich diese Band noch bringen?“ Ich hätte ja natürlich jetzt, weil „Whooo“, „Lyn“ und „Bahama Mama“ so erfolgreich waren, immer weiterrappen können, nur irgendwann wird´s fade. Weißt du, ich hasse so Bands, die immer dasselbe machen, die einen Track machen und den 13 mal fürs Album kopieren, also das 13 mal klonen, nur weil´s erfolgreich ist. Das war 4Lyn nie und das ist 4Lyn nicht und das wird 4Lyn auch nie sein. Die Leute wissen, wenn ich mal wieder Bock auf ´nen Rap-Song habe, dann dann setz´ ich mich an meinen heimischen Computer und rappe da, nur dieses Rap-Metal-Ding ist bei uns komplett raus jetzt. Wir haben bewiesen, dass wir es können, ich hab´ bewiesen, dass ich rappen kann. Und jetzt zum Beispiel auf dem letzten Album habe ich sehr viel gesungen, wobei ich jetzt auch sag´; „Alles klar, das hab´ ich jetzt auch abgefrühstückt, jetzt will ich mal gucken, wie das nächste Album wird.“ Und das wird 100 Pro wesentlich dreckiger und auch wieder wesentlich härter, weil das jetzige Album ist sehr, sehr melodiegetragen, was schön ist, aber es ist mal wieder Zeit umzusiedeln, weil 4Lyn hat noch nie immer dasselbe gemacht. Die erste Platte ist nicht wie die Zweite, die Zweite ist nicht wie die Dritte und so lala. Du kannst nur kontinuierlich Musik machen, wenn du dir das abkaufst, was du da machst. Und wenn ich sage, ich hab´ keinen Bock mehr zu rappen, dann rap´ ich nicht. Punkt.

Wastin!com: Das ist ja auch durchaus ´ne schöne Sache, weil ihr so auch all eure Facetten zeigen könnt und man als Hörer immer wieder überrascht wird.
Die Lyrics handeln auf der „Take It As A Compliment“ oft von Enttäuschung, Wut und Mißverstanden werden. Du schreibst ja die Texte selbst, also sind dies alles deine Erfahrungen. Ist die Musik also ein Ventil für dich?


Ron: Sieh´s mal so, ein Künstler baut Skulpturen, weil er es muss, ein Maler malt, weil er es muss, ein Dichter dichtet, weil er es muss und ein Musiker macht Musik, weil er es muss. Ich glaube, ich würde durchdrehen, wenn ich kein Ventil hätte. Wir erleben in unserem Leben und allein „on the road“ momentan so viel, und während das erste Album noch ein bißchen happier war, war das Zweite schon so ein bißchen ernster und das Dritte ist jetzt noch wesentlich tiefgründiger. Und wer weiß, was jetzt kommt. 4Lyn hat jetzt jedes Jahr ein Album rausgebracht, also beeinhaltet das immer ein Jahresabschnitt und ähm...(tiefdurchatmet) es passiert so viel und ich schreibe den ganzen Tag. Ich habe immer ein Buch dabei und wenn ich halt grad kein Buch dabei habe, dann schreib´ ich´s auf eine Serviette und trag´s später in mein Buch ein. Die Ideen gehen nicht verloren, ich hab´ immer was zu schreiben dabei. Yo.

Wastin!com: Welche Bands beeinflussen dich denn noch so?

Ron: Hmmm...ich würd sagen, Bands beeinflussen mich eigentlich gar nicht wirklich. Was mich sehr beeinflusst, ist so die Zeit um die 40er, 50er und auch noch die Zeit davor, was die Jazzbewegung angeht. Ich muss ganz ehrlich sagen, ich bin der Mega-Ella Fitzgerald-Fan, ich hab´ alles von ihr oder von Billy Holiday. Und ich hab´ alles dabei, ich habe, ich weiß nicht wie viele 100 MP3s von diesen Künstlern dabei, weil die Musik, die kannst du einfach den ganzen verfickten Tag lang hören, ohne dass sie dir nervig wird. Und ich weiß nicht, was beeinflusst mich noch? Mich beeinflusst diese ganze Sache! Die hatten damals einfach nicht die Möglichkeiten wie heute. Da haben sich die ganzen Afro-Amerikaner und die ganzen Einwanderer in Kellern getroffen und musiziert. Also bei Jazz hab´ ich manchmal das Gefühl, dass das mehr Rock´N´Roll ist als Rock`N`Roll selber. Weißt du, weil das war eine Bewegung, die war einfach verboten und die haben nachher alle vor vollen Hallen gespielt! Und die benutzen Rhythmiken, die sind so...die Deutschen lieben ja ihre „iftz, iftz, iftz, iftz“ Vier Viertel Takte so und das ist einfach beim Jazz nicht gegeben. Also, Jazz vom Free Jazz über Blue Note, das ist eine so großartige Musikwelt, aber was beeinflusst mich noch? Ja, Hip Hop, Gott, beeinflussen tut´s mich bestimmt irgendwo hier unten in der Magengegend, aber ich setz´ mich nicht hin und sag; „Wow, so jetzt muss ich mal wieder anfangen hier rumzujazzen oder so“, das isses nicht. Ich denke mal, mich beeinflussen die anderen drei Jungs, wenn wir jetzt von Inspiration sprechen. Weil, wenn René ein Riff spielt, dann geh´ ich meine Kartei durch, was ich in meinem Buch stehen habe oder was ich jetzt noch schreiben könnte. Aber so von Bands lass´ ich mich generell nicht so gerne beeinflussen. Das haben wir am ersten Album gesehen, da haben wir uns alle, glaub´ ich, ein bißerl sehr beeinflussen lassen. Alter, wir waren alle 18 oder noch jünger, deshalb haben wir irgendwann gesagt, das können wir nicht noch mal machen.

Wastin!com: Was wärst du, wenn du nicht Musiker geworden wärst?

Ron: Ich wär´ gern Pornoproduzent! Für mich ist Porno also Pornographie eine der letzten verkannten Kunstformen überhaupt. Deswegen auch das „Sex and Violence“-Shirt. Ich glaub´, ich bin einer der wenigen Rockmusiker, ah...nee quatsch, gar nicht wahr Rocker gucken alle gerne Pornos! Aber, ich wäre gerne entweder Kindertherapeut oder Pornoproduzent, eins von beiden. Das ist zwar ein zweischneidiges Schwert, aber durch die Geburt meiner Tochter hat sich einfach eine ganz neue Welt aufgetan für mich. Das eine ist eben mehr der Rock`N`Roll-Job, weil Gott, ich atme, esse, trinke und liebe Pornos einfach! Ich hab´ ´ne Freundin Zuhause weißte, aber die supportet das halt auch. Das ist halt auch cool und das ist alles vom Feinsten und, ja ich glaub´, das wären so die Jobs, die ich machen würde. Gerne machen würde!

Wastin!com: Gibt es in deinem Leben eine Entscheidung, die du ernsthaft bereust?

Ron: (Langes Überlegen) ´Ne Entscheidung...?

4Lyn - Köln, Prime Club - 23. September 2004Wastin!com: Ja, wo du zurückdenkst und sagst, hätt´ ich das doch mal anders gemacht!

Ron: Wenn ich mir angucke, wo ich jetzt bin, dann nicht. Weil alle Umstände haben dazu beigetragen, dass ich da gelandet bin, wo ich jetzt bin. Dass ich mir alles das leisten kann, was ich mir gerne leisten würde, ich muss mir keine Sorgen machen. Und ich bin rein emotional total im Frieden mit mir selbst. Und Gott, auch wenn ich am Ende des Monats nicht mehr so viel Geld über habe, so weiß ich aber, dass ich von diesen Erfahrungen, die wir zum Beispiel auf Tour machen oder im Musikbusiness überhaupt, dass ich davon so zehren kann. Ich bin ein sehr glücklicher Mann und von daher würd´ ich jetzt sagen, dass wenn ich jetzt irgendwas in der in der Vergangenheit ändern würde, dass das vielleicht genau nicht so wäre. Vielleicht wäre genau das der Umstand, der das alles kippen würde und von daher würde ich sagen, ich würde alles genau noch mal so machen und bereue eigentlich nichts.

Wastin!com: Das ist wohl auch die beste Einstellung! Wo siehst du dich denn in 10 Jahren oder wo würdest du dich gerne sehen?

Ron: In 10 Jahren, also ich hatte mal so `ne Wunschphantasie, wo ich irgendwo auf Kreta in so ´ner kleinen weiß angemalten Fischerhütte sitze. Aber ich war jetzt grad auf Kreta und das war nicht das Kreta, das ich mir immer vorgstellt hab (lacht!) Ähm, nee keine Ahnung , ich weiß nicht, was in 10 Jahren ist. Vielleicht bin ich irgendwo in Italien, weil bei Italien weiß ich ganz genau, wo ich da hingeh´. Ja, da vielleicht in ´nem Haus mit Hof und vielleicht mit ´nem kleinen landwirtschaftlichen Betrieb, das wär´ natürlich schön. Na klar würd´ ich gerne Musik machen, aber ich bin jetzt fast 30 und ich möchte nicht einer von denen werden, die da oben stehen und sich irgendwann nur noch komplett lächerlich machen. Ich glaube, ein Mensch hat auch nur ein begrenztes Level von dem, was er zu sagen hat und ich hab´ mir sowieso geschworen, an dem Tag, wo ich nichts mehr verspüre für das, was ich da tue, höre ich auf. Weil dann kann ich mich auch gleich bei „Deutschland sucht den Superstar“ casten lassen, weil die Leute haben da eh alle nichts zu sagen. Aber jetzt habe ich noch das Bedürfnis danach auf die Bühne zu gehen und was zu sagen und wenn ich das irgendwann nicht mehr habe oder beziehungsweise mir das selber nicht mehr abkaufe, was ich da tue, dann höre ich auf. Und dementsprechend würde ich dann überlegen, was nach 4Lyn kommt. - Keine Ahnung, ich denk´ mal, ich werde immer irgendwie Musikliebhaber bleiben, vielleicht mach´ ich auch irgendwann mal ein Label auf oder arbeite einfach stumpf in ´nem Plattenladen. Ich habe einfach Spaß da dran, ich habe Spaß an Musik aber ich mache mir nicht die Illusion, dass ich in 20 Jahren immer noch „No 11“ brüll´ und über Chicks und Autos rappe und so (lacht!). Das kann ich nicht bringen! Weißte? Und deswegen würde ich sagen, dass ich eher der Familienmensch bin. Ich würde dann gerne irgendwann einfach nach Hause gehen und einfach nach wie vor das tun, was ich sehr liebe und solange ich glücklich bin würde ich das gerne so halten.

Wastin!com: Kommen wir nun zu unseren Entscheidungsfragen. Du musst dich einfach zwischen den beiden entscheiden, wie der Name schon sagt!
Tiffy oder Samson?


Ron: Samson.

Wastin!com: Vanille oder Schoko?

Ron: Vanille.

Wastin!com: Britney oder Christina?

Ron: Beide.

Wastin!com: Airwolf oder Knight Rider?

Ron: Boah, das ist mal ´ne harte Frage! Ich hab´ letztens „Navy Seals“ gesehen und da spielt ja noch der Schauspieler von Airwolf mit, wie heißt der noch mal? Das war sein letzter Film, den er noch gedreht hat, nach dem ist er komplett in die Betty Ford Klinik eingewiesen worden. Wie hieß denn der noch mal? Egal, auf jeden Fall sag´ ich Airwolf, der Typ ist genauso schlecht wie Michael Madson.

Wastin!com: Freddy oder Jason?

Ron: Puhh...Jason.

Wastin!com: Oben oder unten?

Ron: Bekifft unten, besoffen oben!

Wastin!com: Sommer oder Winter?

Ron: Winter.

Wastin!com: Geld oder Liebe?

Ron: Liebe.

Wastin!com: Boxershorts oder Slips? Bei dir!

Ron: Shorts auf jeden Fall.

Wastin!com: Okay, das war´s! Vielen Dank, war sehr cool mit dir!

Ron: Yo, fand´ ich auch! Und ich wünsch´ euch viel Spaß bei der Show!

Wastin!com: Den werden wir sicher haben! Danke!
Autor: Vera Bunk