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Agnostic Front - 02. März 2005
Gerade waren Agnostic Front – die Godfathers of Hardcore - auf erfolgreicher Europa-Tournee, am Ende des Jahres werden sie erneut im Rahmen der Resistance Tour nach Deutschland kommen und zwischendurch wird Frontmann Roger auch mit seiner zweiten Band The Disasters zwischen Juli und August in unseren Landen die Clubs rocken. Die New Yorker gelten ohne Zweifel zu den Wegbereitern des heutigen Hardcore-Movements. Wir haben mit dem sympathischen Sänger im Backstage-Raum umringt von all seinen Freunden ein ausführliches Gespräch über die aktuelle Platte 'One Voice', die Hardcore-Szene, erhebende Momente und weniger erhebende Momente im Leben gesprochen. Lest selbst!

Agnostic FrontWastin!com: Hallo Roger! Es ist mir eine Freude dich zu sehen!

Roger: Hi! Danke ebenso!

Wastin!com: Wie läuft denn eure Tour bis jetzt?

Roger: So weit so gut! Die Tour läuft gut! Unsere neue Platte ist wirklich sehr, sehr, sehr gut angenommen worden. Einige Leute singen schon die Texte der neuen Platte mit, was sehr schön ist. Und wir spielen ein schönes gemischtes Set unserer Songs der verschiedenen Alben. Das Set ist sehr energiegeladen, ich denke es ist kraftvoll und ich glaube auch, dass die Leute das sehr genießen.

Wastin!com: Letztes Jahr haben wir euch beim 'With Full Force Festival' in Leipzig gesehen. Das war eine riesen Show! Heute spielt ihr hier, magst du die kleinen Clubs lieber?

Roger: Ich mag die kleinen Clubs, denn da ist es intimer, es ist mehr Hardcore! Aber die großen Festivals sind wichtig. Die Leute, die diese großen Festivals organisieren sind gute Leute und die, die das With Full Force organisieren, veranstalten auch Shows auf Coney Island und solche Sachen und halt eben das in Leipzig. Die sind wirklich sehr nett und die machen einfach ein riesiges Festival um der Hardcore-Community zu helfen und das ist auch ziemlich cool!

Wastin!com: Das stimmt! Es waren auch ansonsten großartige Bands da.

Roger: Ja! Das stimmt!

Wastin!com: Und wenn ihr so auf Tour seid, wie jetzt, gibt es da eine schlechte Angewohnheit von einem Bandmitglied, die dich richtig nervt?

Roger: Nicht wirklich! Ich denke, jeder in der Band ist ein Party-Mensch und hat Spaß und eine wirklich gute Zeit und da hat eigentlich niemand eine schlechte Angewohnheit. ... Keine Drogen-Sünden, zum Glück! Alles ist gut!

Wastin!com: Und habt ihr denn ein Ritual bevor ihr auf die Bühne geht?

Roger: Durchaus nicht! Ich gehe einfach da raus und mache das Beste daraus und hoffentlich steigen die Leute darauf ein und ich hoffe, dass sie den Vibe spüren und die Energie fühlen und uns dadurch wieder Energie zurück geben können. Es macht die ganze Show besser desto mehr Leute auf das reagieren, was wir da auf der Bühne machen und desto mehr wir wiederum dann wieder auf das reagieren macht alles noch energiegeladener und besser.

Wastin!com: Das verstehe ich! Und was sollten die Fans deiner Meinung nach im Kopf behalten, wenn sie eine Agnostic Front-Show gesehen haben?

Roger: Ich würde mir wünschen, dass sie die Show großartig fanden, dass sie sie für eine fantastische Show halten, dass sie spüren, dass es die Leute näher gebracht hat. Und ich würde wollen, dass sie alle eine tolle Zeit mit guter Musik und gutem Rock´n´Roll hatten.

Wastin!com: Ich glaube, dass das klappt! Dann lass´ uns mal über 'Another Voice' sprechen. Der Titel ist doch wohl in Anlehnung an eure großartige Scheibe 'One Voice' ausgesucht oder was ist die Bedeutung des Titels genau?

Roger: Ich will ehrlich sein, eigentlich stand der Titel der Platte schon fest bevor wir überhaupt einen Song für die Platte hatten. Wir waren auf Tour und Jamey Jasta und ich saßen betrunken im Nightliner und da sagte er plötzlich: „Komm schon! Lass´ uns 'Another Voice' machen!“ Halt im Sinne von noch einer Platte, die eben diesen Titel tragen soll und die eben eine weitere 'One Voice' ist. Und da kam der Gedanke mit dem Namen. Und da sitzen wir heute mit der neuen Platte 'Another Voice'. Nach dieser Tour sind wir ins Studio gegangen und hatten keinen einzigen Song. Zwei Tage waren wir dann drin und haben das gesamte Album geschrieben.

Wastin!com: Großartig! Das ist doch mal ´ne Story wie man so zu einem Album-Titel kommen kann! Du hast es ja gerade schon erwähnt, ihr habt dies mal mit Jamey von Hatebreed gearbeitet. Inwiefern hat das die Platte beeinflusst und wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?

Roger: Oh, wir sind Freunde. Wir sind seit fast 12 Jahren Freunde, vielleicht sogar schon was länger. Agnostic Front hat auf Jimmy Jastas 16. Geburtstagsparty gespielt (lacht!). Also sind wir wirklich schon lange befreundet. Und er ist ein großer Fan von Agnostic Front und eine seiner Lieblingsplatten war immer 'One Voice' und nun ist es 'Another Voice', weil er ein Teil davon ist. Es war einfach nur natürlich, dass wir zusammen ins Studio gegangen sind und er ist ein großartiger Produzent. Er war sehr darin vertieft mit Agnostic Front im Studio zu sein und die Platte zu machen, von der er immer geträumt hat, sozusagen mit seinen „Helden“.

Wastin!com: Das war bestimmte eine coole Zeit für ihn!

Roger: Eine sehr coole Zeit, aber für uns beide!

Agnostic FrontWastin!com: Und wie ist da so die Atmosphäre während der Aufnahmen, gestresst oder entspannt? Wie geht ihr ans Werk?

Roger: Alles ist großartig, wir haben alle einfach jede Menge Spaß und das steht auch im Vordergrund. Wir schreiben einen Song und dann besaufen wir uns und haben Spaß und dann trinken wir noch mehr und verblöden völlig und dann schreiben wir noch mehr Texte und denken uns; „Yeah, das ist hart!“ Und zwischendurch kommt dann auch mal ein ernsthafter Song dabei raus, aber das ist alles einfach eine tolle Zeit, die wir da haben.

Wastin!com: Ihr habt also wirklich ´ne Menge Spaß!

Roger: Ja klar! Wenn du keinen Spaß dabei haben kannst, warum solltest du es dann machen?

Wastin!com: Wie wichtig sind dir denn die Texte neben der Musik?

Roger: Die Lyrics sind mir wichtiger als alles andere. Da wo ich herkomme, aus unserer Bewegung, aus der Hardcore-Bewegung, und ich komme vom Old School Gedanken, da bedeuteten Lyrics alles, weißt du. Über Sozialpolitisches oder allgemein was so passiert in der Welt. Und das ist wichtiger als die Musik. Heute achten die Leute mehr auf die Musik als auf die Texte, aber da wo ich herkomme, von der School of Hardknox, da hatten die Texte wirklich noch viel zu sagen. Und wenn sich Musik gut angefühlt hat, dann war sie noch ein Plus zu den Texten.

Wastin!com: Und wenn du dir jetzt nach der Produktion von 'Another Voice' die älteren Platten anschaust, was habt ihr jetzt besser gemacht?

Roger: Na ja, ich denke, dass eine unsere reifsten und sicherlich auch wegweisendsten Platten 'One Voice' war. Sie ist sehr wegweisend. Agnostic Front zählte schon immer zu den Vorreitern, offensichtlich waren wir die Gottväter der Hardcore-Szene. Und dann haben wir dasselbe mit der Crossover-Szene gemacht und wir sind direkt verantwortlich für diese ganze Crossover-Metal-Hardcore-Szene wegen den Cro Mags und so. 'Cause For Alarm' 1996 war auch so ein Meilenstein. Und mit 'Liberty And Justice' war es genauso mit diesem ganzen Speed-Metal-Zeugs und so. Und dann kam 'One Voice' raus und sie leitete den New School-Hardcore ein. Und wenn du dir 'One Voice' anhörst und meinen Gesang daraus nimmst und Freddy´s Gesang einsetzt, dann hört es sich genauso an wie eine Mad Ball-Platte und das liegt daran, weil es einfach dieses New School Ding ist. Und wie gesagt ist 'One Voice' sehr wegweisend gewesen. Es ist eine Platte mit vielen Elementen, die ihrer Zeit voraus waren. Und 'Another Voice' ist heute wie eine Fortsetzung von 'One Voice'. Für mich ist sie wie 'One Voice' meets 'Something´s Gotta Give' meets 'Liberty And Justice'. Sie ist eine gute Mischung von allen Songs, sie ist sehr kraftvoll und sehr ehrlich.

Wastin!com: Also, bist du wohl sehr zufrieden mit der Platte!

Roger: Oh, ich bin sehr zufrieden damit!

Wastin!com: Agnostic Front hat ja während der langen Zeit schon sehr viele Line-Up Wechsel erlebt. Inwiefern hat das die Band beeinträchtigt oder beeinflusst?

Roger: Na ja, es hat mich oder Vinnie eigentlich nie wirklich beeinträchtigt, denn wir machen das zusammen schon so lange. Schon mehr als unser halbes Leben und es ist auch etwas, dem wir unser Leben verpflichtet haben. Ein Statement wie: „Hardcore for life!“ bedeutet für Vinnie und mich wirklich etwas, denn wir sind hardcore, wir leben Hardcore, das ist unser Lifestyle und wir lieben es! Und manchmal können Bandmitglieder nicht weiter machen, aus welchen Gründen auch immer, aus familiären Gründen oder so, und dann laden wir andere Leute ein, mit uns unseren Lifestyle, unsere Parties und den Spaß, den wir haben, mit uns zu genießen. Und das ist okay. Wir machen immer weiter, denn wir glauben daran.

Wastin!com: Also, so lang du und Vinnie zusammen sind, gibt´s keine Probleme.

Roger: So lange wir beide zusammen sind, wird es Agnostic Front immer geben. Und nun spielen wir mit Mike Gallo, der schon ein paar Platten mit uns aufgenommen hat, und mit seinem Bruder Steve Gallo, der sogar schon länger dabei ist, und nun haben wir ja auch noch Lenny, der Gitarre spielt, und das ist sehr cool.

Wastin!com: Und der passt auch gut zu euch?

Roger: Ja!

Wastin!com: Und was würdest du als die größte Stärke der Band bezeichnen?

Roger: Was genau meinst du damit?

Wastin!com: Ja, die tollste Sache an der ganzen Band eben!

Roger: Das bin ich! (lacht!)

Agnostic FrontWastin!com: Natürlich!

Roger: Ich bin natürlich das Beste an der Band! (lacht laut!)

Wastin!com: Du bist halt der Sänger und der Songschreiber!

Roger: Ja, das stimmt, aber das Beste an der Band ist unsere Ehrlichkeit, die wir den Leuten geben. Wir sind echt und wir reden über reale Begebenheiten. Jeder, der uns trifft oder zu unseren Shows kommt, der kann diese Ehrlichkeit spüren. Das ist wahrer Hardcore, wir sind hardcore! Und das ist das Beste an Agnostic Front! ... Und ich! (lacht!)

Wastin!com: Was bedeutet Musik dann für dich, es ist ja dein Lifestyle. Also, schätze ich mal, dass es für dich kein Leben ohne Musik geben könnte?

Roger: Nein, ich denke nicht! (lacht!) Es ist wie eine Sucht, ich kann sie nicht loswerden. Weißt du, was ich meine?

Wastin!com: Ja, klar!

Roger: Es ist so, als wärst du abhängig wie von einer Droge und du kannst es einfach nicht lassen. So geht es mir mit Hardcore. Hardcore ist meine Droge von der ich nicht loskomme.

Wastin!com: Aber es ist eine gute Angewohnheit!

Roger: Ja, das ist es. Es ist eine gute Angewohnheit! Eine gute schlechte Angewohnheit! (lacht!)

Wastin!com: Und ist dir denn schon mal was wirklich Peinliches auf der Bühne passiert?

Roger: Ich weiß nicht, von Zeit zu Zeit fällst du mal hin, aber dann lachst du, das ist wirklich nicht peinlich. Du versuchst einfach das Beste daraus zu machen.

Wastin!com: Das ist wohl auch die beste Einstellung bei so was. Wenn du der mächtigste Mann der Welt sein könntest für ...

Roger: Das bin ich doch!

Wastin!com: Echt?

Roger: Klar!

Roger ruft in den Raum hinein, in dem alle seine Freunde und Bandkollegen sitzen.

Roger: Hey, Jungs! Bin ich der mächtigste Mann der Welt?

Die anderen: Na, klar!

Roger: Siehst du?

Wastin!com: Wow, ich sehe es!

Plötzlich ruft ein Mädel noch hinterher: Aber er ist ein Diktator!

Roger: Ja, ich bin ein Dick-tator! (lacht!)

Wastin!com: Aber wenn du dann alles in der Welt so verändern könntest wie du wolltest, was würdest du dann machen?

Roger: Um wirklich ehrlich zu sein, ich kann die Welt nicht verändern, niemand kann das. Alles, was ich machen kann, ist dafür zu sorgen, dass es ein besserer Platz zu leben wird für meine Kinder und meine Enkel und jeden anderen. Deshalb denke ich nicht daran, was ich an der Welt verändern würde, sondern ich denke darüber nach, wie ich die Leute dazu bewege mal mehr über bestimmte Dinge nachzudenken. Damit sie weniger hassen und endlich damit zu beginnen friedlich miteinander zu leben und zu versuchen, die Welt zu einem besseren Platz zum Leben zu machen. So dass unsere Kinder zusammen friedlich aufwachsen können, das ist ein Teil von dem, was ich tue.

Wastin!com: Ja, ich denke, dass ist eine gute Idee, wenn man sich die Situation in der Welt heutzutage mal anschaut.

Roger: Aber wenn ich wirklich mal der mächtigste Mann wäre, dann würde ich mir ein riesiges Schloss, jede Menge Geld und einen Swimmingpool gönnen. Für einen Tag! Aber danach wache ich dann wieder in der Hölle auf! (lacht!)

Wastin!com: Agnostic Front hat den Begriff „Hardcore“ ja eigentlich erst geprägt. Ihr habt viele Bands, die nach euch kamen, beeinflusst. Wenn du nun zurückblickst zu den Anfängen, hat sich da sicherlich viel verändert? Was genau?

Roger: Natürlich hat sich sehr viel verändert vom Beginn bis heute. Aber das kommt zwangsläufig, wenn Dinge wachsen. Als wir damals begannen war Hardcore nur eine sehr kleine Szene, vielleicht 20 oder 30 Leute. Und heute sind es 300 oder sogar mehr als 10.000 Leute. Aber offensichtlicher weise ist es so, dass nicht alle so dahinter stehen wie andere. Aber manche Sachen werden einfach trendy. Aber da wird es immer Leute wie mich geben, die wirklich an das Movement glauben und es stark und rein halten. Aber alles, was wächst, wird nach einer Zeit immer wieder überflutet, jede Szene oder jedes Movement.

Agnostic FrontWastin!com: Ja, jede Szene erlebt mal ihren Höhepunkt.

Roger: Ja, egal ob das Punk-Rock, Hardcore oder Rap ist.

Wastin!com: Ich habe vor einiger Zeit mit Daryl von Snapcase gesprochen und er meinte, dass er das Gefühl habe, dass vieles im Hardcore verloren geht, dass vieles sich nur noch um Modetrends und Drogen dreht, dass man nur noch cool sein will. Würdest du dem zustimmen?

Roger: Das glaube ich nicht. Ich glaube nicht, dass es so schlimm ist. Das klingt eher nach der Gangster Rap Hip Hop Szene oder so. Das hat nichts mit Hardcore zu tun. Ich kenne keine Hardcore-Bands, die von Ruhm, Geld oder Mädchen singen, das gibt es wirklich nur beim Gangster Rap nicht im Hardcore. Das habe ich jedenfalls noch nicht gesehen. Also bin ich nicht seiner Meinung.

Wastin!com: Dann nehme ich an, dass du auch keine Probleme hast, dich immer noch zur Hardcore-Szene zu zählen?

Roger: Ich denke, dass wir ein sehr großer Teil der Szene sind, was sehr gut ist. Ich fühle mich sehr geehrt, dass wir als „Godfathers of Hardcore“ gesehen werden und nun 20 Jahre später zu sehen, wo die Szene heute ist, fühlt sich richtig gut an. So habe ich das Gefühl, dass ich mein Leben nicht verschwendet habe.

Wastin!com: Das hast du wahrlich nicht!

Roger: Nein, stimmt!

Wastin!com: Und gibt es da ein Motto nach dem du lebst?

Roger: Hardcore! (lacht!) Das ist mein Leben, ich lebe das! Glaubst du eigentlich, dass ich fett bin?

Wastin!com: Nein!

Roger: Okay, ich check´ das nur mal ab! (lacht!)

Wastin!com: Gut, dann hätten wir das ja geklärt. :) Nächste Frage: Im Moment erfreut sich Hardcore auch bei uns in Deutschland einer unglaublichen Beliebtheit. Was glaubst du, an welchem Punkt wird Underground zu Mainstream?

Roger: Na ja, der Underground wird immer der Underground bleiben und der Mainstream wird immer der Mainstream bleiben. Aber wie es mit allem ist, das wächst, genau wie die Trends auch wachsen, das bleibt dann eine Weile oben, bekommt ein größeres Publikum und dann entscheidet sich, wer da bleibt, wenn der Trend wechselt. Dann zeigt sich, wer seine Bands weiterhin supportet und welche Bands ihre Fans, die sie lieben, weiterhin supporten. Denn das ist alles, was zählt! Die Wellen gingen schon mächtig auf und ab, aber ich denke, dass wir sie immer recht geradeaus geritten haben. Ich denke, dass ist der Grund, warum der Underground immer sehr respektvoll mit Agnostic Front umgegangen ist. Ich meine, wir waren da oben und wir waren da unten, wir waren schon überall, aber wir wissen das, wir sind authentisch und ehrlich zu jedem. Wenn Bands so zu ihren Fans sind und die Fans umgekehrt zu der Band, dann wird es immer gut sein. Aber der Underground ist das absolut Beste! Ich würde lieber der König des Undergrounds sein als ein One-Hit-Wonder von gestern, weißt du?

Wastin!com: Ein One-Hit-Wonder für das sich danach niemand mehr interessiert.

Roger: Ja, eine One-Hit-Band. Wen kümmert´s? Nächstes Jahr warst du jemand und jetzt kennt dich keiner mehr. Also würde ich lieber der König vom Underground sein, weiterhin großartig sein und weiterhin Respekt bekommen, denn es geht alles um Respekt.

Wastin!com: Agnostic Front hat ja auch noch nie einen Scheiß auf große Labeldeals gegeben, obwohl ihr die sicher hättet haben können.

Roger: Nein, und die Leute sollten sich aber nicht unbedingt darum kümmern, auf welchem Label eine Band ist und was die so machen. Ich meine, es ist völlig egal auf welchem Label eine Band ist. So lange du diese Band liebst und die CD´s, die sie machen, und so lange sie ehrlich und authentisch ist und es sich gut anfühlt, dann ist es völlig egal, ob es ein Metal-Label, ein Major-Label oder ein Ska-Label ist. Ich meine, wen interessiert das? Du supportest doch die Band. Das einzige, was Labels machen, ist doch das, dass sie die Alben vertreiben damit Leute wie du und deine Freunde sie kaufen können. Viele Bands haben ja schon ein schlechtes Gewissen, wenn sie bei einem Major unterschreiben. Aber ein Major macht nicht irgendwas für dich, sie bringen einfach deine Platten an mehr Orten heraus, es liegt an den Bands da raus zu gehen und jedem zu zeigen, dass sie immer noch dieselben sind.

Wastin!com: Aber glaubst du nicht, dass ein Major-Label dich auch als Band sehr unter Druck setzen kann und dich dazu bringen will mehr Alben zu veröffentlichen, noch mehr zu touren und all das? So, dass eine Band vielleicht ausbrennt?

Roger: Auf keinen Fall! Jedenfalls nicht gilt das nicht für Agnostic Front. Ich kenne einige Bands, die auf Major-Labels genau dasselbe gemacht haben wie vorher. Sick Of It All zum Beispiel, sie waren eine zeit lang bei einem Major und es hat einfach nicht geklappt, sie blieben einfach die Band, die sie immer sein wollten. Wenn du diesen Lifestyle lebst und diese Art Musik machst, dann läßt du dir von keinem sagen, was du tun sollst. Alles geht darum keinen Regeln zu folgen, es geht darum Sachen selbst zu machen. Ich meine, andere können das ruhig versuchen, aber ich werde nur das machen, was sich gut für mich anfühlt.

Agnostic FrontWastin!com: Ich glaube, das ist auch das wichtigste, denn unter Druck schreibt man sicherlich keinen authentischen Sachen mehr. Und wenn es da jetzt ein Angebot von einem Major-Label, das dir viel Geld bietet, geben würde, würdest du dann ablehnen?

Roger: Nein, denn ich denke, ich bin ehrlich, wenn ich sage, dass falls ein Major zu mir kommen und sagen würde; „Hey, du kannst alles machen, was du willst, ihr könntet weiterhin Agnostic Front sein und wir werden im Gegensatz eure Platten überall vertreiben und dies und das für euch tun!“ Ich meine, warum nicht? Was ist schlimm an ein wenig Erfolg mit dem, was du tust? Meine Theorie für Hardcore lautet sowieso, unsere Message in der ganzen Welt zu verbreiten. Ich würde das Radio jeden Tag viel lieber anschalten, wenn Agnostic Front, Death Before Dishonour oder Diecast laufen würden anstelle von diesem Bullshit, der da jetzt läuft. Und ich würde auch lieber fernseh schauen, wenn dort unsere Videos laufen würden anstatt die, die da jetzt laufen. Also, was ist falsch daran? Warum wollen alle immer etwas, das so gut und informativ für die Jugend ist, geheim halten? Die ganze Idee ist doch es unter die Leute zu bringen, damit sie von den Ungerechtigkeiten und Unterdrückungen in der Welt erfahren und das ist es auch worum es bei 'Another Voice' geht. Sie ist die Stimme der Unterdrückten. Wenn wir das Album nehmen könnten und es der ganzen Welt in die Hände geben könnten, dann könnten wir einige Dinge ändern, wir könnten einen Unterschied bewirken, also warum sollten wir es im Underground verstecken damit es niemand hört? Weißt du, das ist meine Theorie. Ich komme aus der alten Schule und da glaubte man an Revolutionen und ich glaube immer noch, dass man das System umstürzen kann und ich glaube daran, dass man seine Chance nutzen sollte.

Wastin!com: Also, dann hat das für dich nichts mit Sell-out zu tun?

Roger: Nein, ich denke, wenn ich heute aufhören würde und zu Mc Donalds gehen würde, dann wäre das sell-out. Dann hätte ich mich verkauft, weil ich denke, ich habe der Welt was zu sagen. Du gibst mir die Chance mich mitzuteilen und dann werde ich die Dinge ändern können und das ist alles worum es geht! Es geht nicht um Verkaufszahlen, es geht darum die Welt wachzurütteln indem man seine Message verbreitet und indem man Kids erreicht, die dir zuhören und alles über die Ungerechtigkeiten und alles andere, was in der Welt abgeht, erfahren. Und dass sie auch erfahren wie man was ändern kann.

Wastin!com: Dann gehe ich auch mal davon aus, dass das Internet in deinen Augen ein sehr großes Plus für dich ist oder?

Roger: Es kann ein großes Plus sein, aber es kann auch sehr zerstörerisch sein.

Wastin!com: Was war den stolzester Moment in deinem Leben?

Roger: Na ja, das war als meine Tochter geboren wurde, das hat sich sehr gut angefühlt. Das hat mein Leben verändert! Es macht dich wirklich stolz etwas von dir zu sehen. Wow, ich war überwältigt! Anfangs war ich etwas ängstlich, aber das war nur eine Woche lang, danach dachte ich nur noch; „Wow, ist das ein großartiges Mädchen! Sie ist wundervoll und eine gute Person.“ Das macht mich stolz.

Wastin!com: Wie alt ist deine Tochter jetzt?

Roger: Sie wird 18 Jahre alt im April. Sie ist schon eine Frau! Und da gibt es noch viele andere Kleinigkeiten. Die Familie ist mir wichtiger als alles andere auf der Welt und Hardcore ist meine Familie – wir sind alle sehr eng mit einander verbunden, wir helfen uns alle, wie in einer großen Familie.

Wastin!com: Und wie hältst du Kontakt zu deiner Familie, wenn du soweit weg bist?

Roger: Na ja, sie haben alle Cell Phones und so was und ich rufe dann meine Tochter und meine Frau an und schicke ihnen E-Mails. Aber jetzt ist das ja auch alles einfacher, früher war das alles schwieriger wegen den verschiedenen Währungen und so, aber heute ist das nicht mehr so schwierig.

Wastin!com: Was hältst du von den folgenden Bands? Zuerst: Walls Of Jericho?

Roger: Ich denke, sie sind eine sehr gute Band, ich mag sie sehr gerne. Ich denke, Candace ist eine großartige Sängerin und sie ist verdammt hardcore!

Wastin!com: Und Killswitch Engage?

Roger: Killswitch Engage ist möglicherweise die beste Metalcore-Band da draußen. Sie sind eine sehr gute Band in ihrem Genre. Sie machen was anderes als wir, auch wenn manche Leute sagen, dass Agnostic Front Metalcore machen - aber das ist nicht so. Da gibt es nämlich einen großen Unterschied zwischen Hardcore und Metalcore, aber ich finde sie machen das sehr gut, großartige Menschen, nette Jungs und eine wirklich gute Band.

Wastin!com: Okay und die letzte Band ist Caliban?

Roger: Caliban, die Deutschen? Ich kenne sie nicht wirklich gut, deshalb kann ich sie auch nicht bewerten. Ich kenne aber ihren Bassisten, er spielte in einer anderen Band mit der wir mal zusammen gespielt haben und der ist ein sehr netter Typ. Es scheint auf jeden Fall so als ob sie sehr viel Spaß an dem hätten, was sie machen. Aber ich kenne ihre Musik nicht gut genug, um hier eine Bewertung abzugeben, das wäre nicht fair.

Agnostic FrontWastin!com: Das ist nett. Aber du musst sie dir mal anhören, die sind wirklich gut.

Roger: Okay, das mache ich. Ich meine, wir haben mit ihnen gespielt und sie haben sich gut angehört und so. Aber ich habe halt nicht genug gehört, um es zu beurteilen.

Wastin!com: Wenn es ein Gerücht über dich oder Agnostic Front gäbe, das du nun aufklären könntest welches wäre das wohl und warum?

Roger: Ein Gerücht?

Wastin!com: Ja, genau!

Roger: Hmm... mal überlegen.

Er fragt wieder mal in die Runde.

Roger: Hey! Habt ihr mal irgendwelche Gerüchte über Agnostic Front gehört?

Allgemeine Antwort aus dem Raum: Nein, nicht wirklich.

Roger: Ich eigentlich auch nicht.

Wieder richtet er die Frage in den Raum.

Roger: Und kennt ihr irgendwelche Gerüchte über mich?

Alle: Warum? Da gibt´s so viele!

Roger: Ich habe jetzt die Chance alle Gerüchte über mich aufzuklären.

Stickman: Ich kenne da ein Gerücht von einem vollgeschissenen Portemonnaie. (Alle lachen!) Aber das ist auch wahr!

Wastin!com: Ich sehe, ihr habt wirklich viel Spaß auf Tour!

Roger: Mit den Kerlen auf jeden Fall!

Wastin!com: Wie war das mit dem Portemonnaie?

Stickman: Er hat sich auf´s Klo gesetzt und das Portemonnaie ist aus der Tasche gefallen und dann hat er es vollgeschissen! (Alle lachen noch mehr!)

Roger: Ja, wir klären das Gerücht vom vollgeschissenen Portemonnaie jetzt mal auf.

Wastin!com: Also ist das nicht wahr?

Roger: Doch, das ist wahr. Es war dann vollgeschissen und ich hab´s weggeworfen. Da war dann Zeit für ein neues Portemonnaie!

Wastin!com: Okay, dann hätten wir das ja auch geklärt. Wo siehst du dich in 10 Jahren oder wo würdest du dich dann gerne sehen?

Roger: Na ja, ich schaue niemals so weit in die Zukunft, auch was die Band betrifft nicht. Auch wenn die Leute mich fragen; „Hey, wie sehen eure Pläne für die Zukunft aus?“ oder so. Wir leben einfach für den Moment, für heute, für jetzt. Natürlich will man auch was erreichen und so, aber hey, ich lebe jeden Tag als wäre es mein letzter. Hoffentlich treffen wir uns in 10 Jahren wieder und sagen dann; „Hey, kannst du dich noch an damals erinnern? Und wie geht´s jetzt?“ Ich hoffe, dass ich dann noch Freunde wie dich haben werde, dass ich noch Musik machen werde, dass noch immer Leute zu unseren Shows kommen werden und dass ich einfach weiterhin das machen kann, was ich liebe.

Wastin!com: Das ist eine gute Sache, denn es könnte ja dein letzter Tag sein. Wer weiß?

Roger: Tja, das kannst du einfach nicht wissen, vielleicht läufst du vor einen Bus und dann ist es vorbei, wer weiß. Also genieße es!

Wastin!com: Aber jetzt muss ich trotzdem auch mal so eine Frage stellen: Werdet ihr denn im Sommer wieder kommen und ein paar Shows spielen?

Roger: Wir kommen für eine Show zurück nach Finnland, das ist ein Festival, und dann werde ich noch mal mit meiner anderen Band The Disasters zurück kommen. Vom 17. Juli bis 15. August touren wir ein wenig. Mit The Disasters machen wir ja Punk-Rock. Wir haben bei Hellcat Records jetzt ein neues Album raus. Aber mit Agnostic Front komme ich Ende des Jahres für die Resistance Tour noch mal zurück. Wir kommen also nicht für irgendwelche Festivals zurück, weil wir als Gäste der Resistance Tour zwei Wochen Shows spielen werden.

Wastin!com: Das ist cool! Okay, das ist meine letzte Frage gewesen! Vielen Dank für dieses nette Interview!

Roger: Ja, war mir eine Ehre! Hab viel Spaß bei der Show!


Gig-Review Agnostic Front vom 02. März 2005
Agnostic Front
The Disasters
Hellcat Records
Autor: Vera Bunk