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Days In Grief Interview im Studio - 19. März 2005, Hagen
Studiobesuch bei Days In Grief im Woodhouse Studio in Hagen

Ihr erstes Album 'Portrait Of Beauty', das Anfang 2004 erschien, sorgte schon für ordentlich Begeisterung in der Musikszene. Vielerorts hörte man den verwunderten Kommentar: „Wie! Die kommen aus Köln!?“ Und tatsächlich, so etwas Gutes hatte man aus Deutschland auch wirklich schon lange nicht mehr gehört. Ein wütender, aggressiver Gesang, grandiose Gitarrenarbeit der beiden Gitarristen, ein treibendes Schlagzeug und dazu noch ordentlich viel Druck vom ruhelosen Bass – Days In Grief setzten zum Angriff an! Viele Shows durch das ganze Land und das angrenzende Ausland folgten und überall konnten sich die vier Jungs zahlreiche Fans erspielen. Im März 2005 begab sich die Truppe dann zusammen mit Produzent Siggi Bemm ins Woodhouse Studio in Hagen, um den Nachfolger zum Debüt aufzunehmen. 'Behind The Curtain Of A Modern Tomorrow' wird dieser heißen und soll ab dem 13. Juni zu haben sein.
Wir haben Jörg (Gesang, Bass), Florian (Gitarre), Max (Schlagzeug) und Sebastian (Gitarre) im Studio besucht und mit ihnen über die laufende Produktion, neue Pläne und vor allem über den neuen Silberling gesprochen. Außerdem durften wir schon mal in ein paar Songs reinhören und seid versichert: Das rockt wie SAU!!! Man darf also mehr als gespannt sein – 'Behind The Curtain Of A Modern Tomorrow' wird einschlagen wie eine Bombe!


Days In GriefWastin!com: Hi Jungs! Vor einem Jahr haben wir uns schon mal zum Interview getroffen. Damals habt ihr das Release eurer ersten Platte im Kölner Underground gefeiert. Seitdem ist viel passiert. Heute steht ihr wieder im Studio und produziert ein neues Album. Was habt ihr im vergangenen Jahr so alles erlebt? Wie war das Jahr für euch?

Jörg: Das war am 29. März – Das ist sehr lange her. Ja, es ist viel passiert. Es ist alles wirklich gut gelaufen. Wir haben super viel gespielt seitdem, haben sehr viele nette Leute auf Konzerten kennen gelernt und das Musikerleben genossen, würde' ich sagen. Worüber wir uns besonders gefreut haben, ist, dass uns dann auch manche Shows ermöglicht wurden, wie so Sachen mit Offspring oder Clawfinger, mit denen wir gespielt haben. Halt so mit Bands, die man in der Jugend gehört hat, das war ganz cool. Und cool war auch, dass man im Radio lief und so Sachen. Aber im Endeffekt war es eigentlich nur cool, dass man so in dieser Musiklandschaft angekommen ist und man irgendwie jetzt ein Teil davon ist. Man muss sich jetzt nicht mehr jeden Tag 5 Stunden hinsetzen, um dann irgendwann einmal im Monat ein Konzert zu kriegen oder so. Das ist eigentlich das Angenehmste an der Sache.

Wastin!com: Du hast Clawfinger erwähnt. Damals habe ich euch gefragt, welches bis dato euer schönstes Konzert war und warum. Damals nanntet ihr The Offspring. Hat das irgendwas innerhalb dieses Jahres getoppt?

Flo: Uuuuhh, ja es gab schon ein paar Sachen. Wir haben diese Schwarzer Krauser-Tour gemacht, die war schon sehr geil und halt immer ziemlich voll. Und das Ambiente war immer ganz nett. Dann das Fuck X-mas in Hamburg. Das war auch sehr schön. Das hatte so ein bißchen Arenafeeling irgendwie dadurch, dass der Raum da so abgestuft ist. Aber ansonsten denke ich, hat nichts Offspring getoppt, weil das einfach das erste Mal für uns war vor so viel Publikum als Vorband zu spielen und dann halt mit diesem Jugendtraum The Offspring. Insofern bleibt es schon irgendwo 'ne besondere Nummer.

Wastin!com: Ja, das glaub ich! Kommen wir jetzt mal zu den Aufnahmen. Euer Debüt habt ihr damals in Leverkusen aufgenommen. Diesmal nehmt ihr hier in Hagen auf. Warum?

Max: Ja, warum? Wir haben uns mehrere Studios angesehen und waren mal wieder knapp dran mit der Studioplanung und waren froh, dass wir trotzdem noch 'n paar Optionen hatten. Dabei haben wir uns auch unter anderem hier das Woodhouse angesehen und waren eigentlich direkt begeistert von dem Ding hier. Wir haben uns frühere Produktionen von Siggi auch schon angehört und die haben uns auch vom Sound sehr gefallen und da haben wir uns dann mit Siggi geeinigt, dass wir das zusammen mit ihm hier machen wollen.

Wastin!com: Ich habe mal in der Historie des Studios geblättert, hier haben schon Kreator, Tiamat, Moonspell und zahlreiche andere berühmte Künstler produziert. Wie fühlt man sich denn hier so bei den Aufnahmen? Spürt ihr den Spirit der anderen Bands? ;)

Flo: Ja, ist schon lustig! Jetzt grad hier so diese Tiamat-Sachen habe ich früher auch sehr viel gehört oder hier Dave Lombardo und so und das ist schon krass wenn du auf einmal selbst hier stehst. Du fragst dich; „Was machst du eigentlich hier?“ Also, während das alles so passiert, kriegt man das gar nicht so mit, weil man das einfach so Schritt für Schritt miterlebt. Aber wenn man zurückdenkt, was so vor drei Jahren noch war, da hätte man das sich nicht träumen lassen. Insofern, ist das schon sehr lustig.

Wastin!com: Ja, das glaub´ ich. Eben habt ihr schon den Siggi angesprochen, wer außer ihm ist noch alles in die Aufnahmen und in den ganzen Prozess involviert?

Max: Ansonsten ist noch hier der Danni, der nimmt uns quasi direkt auf. Also, der macht halt wirklich die Handarbeit, sag´ ich mal, und der Siggi ist derjenige, der dann später mit frischen Ohren reinkommt und sich das dann halt nochmal anhört und nochmal auf die Feinheiten achtet. Ob das alles so okay ist.
Bei den Vocals, also beim Gesang, ist noch der Jeff dabei. Worüber wir auch sehr glücklich sind. Er ist jetzt nicht so ein Vocalcouch im klassischem Sinne, der jetzt mit uns Gesangsübungen macht, sondern er ist einfach jemand, der nochmal genau hinhört ob das gesanglich cool ist. Der kommt auch zum Teil mit neuen Ideen und ist auch sehr offen. Er zwingt uns da nicht irgendwas auf, sondern sagt zum Beispiel, dass er noch ein paar andere Ideen hat und wenn wir das cool finden - was auch zum größten Teil so war – haben wir es angenommen. Jeff hat einfach viel Erfahrung, was man sehr merkt. Und wir nehmen das auch gerne an vom ihn, denn so wird das Ganze auch noch um ein paar Feinheiten bereichert.
Ja, und das Label kümmert sich auch immer um uns. Chris und Frank von Eat The Beat Music schauen immer wieder vorbei und treten uns in den Arsch! (lacht!) Nee, quatsch! Die sind einfach auch so die mentale Unterstützung bei der ganzen Sache. Aber letztendlich liegt hier natürlich viel an uns, aber das ist auch gut so. Das war uns selber wichtig, wir wollten nicht, dass wir ins Studio gehen, alles aus der Hand geben und jemand macht uns dann „Hit-tauglich“. Wir wollen ja unser Ding machen, unseren Stil beibehalten.

Über 'Behind The Curtain Of A Modern Tomorrow'

Days In GriefWastin!com: Gut, dann laßt uns mal über die Platte 'Behind The Curtain Of A Modern Tomorrow' an sich sprechen. Schöner Titel übrigens, gefällt mir!

Jörg: Dankeschön.

Wastin!com: Hast du den aufgeworfen oder wer kommt so rüber mit den Titeln?

Jörg: Ja, also, das macht das Label! (alle lachen!) Unsere Ghostwriter bei BMG! Nee, also die kommen schon von uns. Der Titel ist mir eingefallen, aber sogar schon bevor die 'Poetry Of Beauty' rauskam. Das war irgendwie auf dem Weg zu einem Freund. Da denke ich dann über so Textsachen und so nach. Und dann ist mir der so eingefallen, irgendwie war es auf einmal da dieses „Behind the curtain of a modern tomorrow“. Ich wollte ja erst einen Song draus machen, aber dann dachte ich so – weil es auch so ein konzeptmäßiger Titel ist – wäre der ja auch geil als Albumtitel. Und ich finde auch, dass es cool klingt. Dann hab ich das den anderen vorgeschlagen, das wurde gleich abgesegnet und dann stand der Name als Allererstes fest. Eigentlich bevor wir überhaupt einen Song hatten. (lacht!)

Wastin!com: Ja, dann erzähl´ doch mal was über das gute Stück!

Jörg: Ja, also meine Texte drehen sich immer mehr so um den Menschen in diesem ganzen Fortschrittswahn, der sich quasi schon überschlägt. Es geht darum, dass wir uns immer mehr von der Natur und von dem natürlichen „Mensch sein“ entfremden. Dass wir immer mehr in die Hand von technisierten, computermäßigen Abläufen geben. Und dass da eben irgendwie noch einiges hinter dem Vorhang auf uns wartet, was wir im Moment noch gar nicht absehen können. Also, das ist so ein bißchen der Gedanke, der auch so aus Büchern wie 'Brave New World' heraus spricht, welches ich auch sehr geil fand. Wenn man nur von kapitalistischer und wissenschaftlicher Gier angetrieben wird, immer nach Neuem, nach Besserem zu streben, dass kann ja auch irgendwann mal zurückschlagen und uns als Menschen ja vernichten.
Aber andererseits drücke ich ja auch immer meinen Optimismus in den Texten aus und appelliere gerade an dieses „Mensch sein“ und dass ich daran glaube, dass wir, wenn wir uns alle anstrengen, diese negativen Konsequenzen, die uns drohen, verhindern können. Aber deswegen muss man halt auch mal hinter den Vorhang schauen. Ich hoffe, dass ich das schaffe mit den Texten auf dem Album hinter den Vorhang zu schauen und so ein bißchen auch schon vor dem zu warnen, was auf uns zukommen kann, wenn wir einfach so weitermachen.

Wastin!com: Also ist das wirklich sehr Endzeitmäßig.

Jörg: Ja.

Wastin!com: Bei deinen Beschreibungen musste ich auch direkt an 'Brave New World' denken.

Jörg: Ja, ja es ist auch so ein bißchen in Anlehnung daran, obwohl ich das schon vor sehr langer Zeit gelesen habe. Aber es ist so ein Buch, was mir so grundsätzlich ein bißchen die Augen geöffnet hat. Insofern als dass man teilweise auch vorsichtig sein muss. Gerade auch was wie Genforschung und so anbelangt. Und wenn jetzt schon die Schafe geklont werden ist es einfach nicht mehr weit bis zum ersten geklonten Menschen. Und die Sekten, die nehmen das schon in Angriff, dass man jetzt auch Menschen klonen will. Und Bionik und so, keine Ahnung wo das alles hinführt.

Wastin!com: Ja, sehr interessant! Mir hat schon bei eurer ersten Platte gefallen, dass du sehr politische Texte geschrieben hast. Weil ich denke auch, dass sich die Jugend damit mal mehr auseinander setzen sollte. Wie steht es damit auf 'Behind the curtain...'?

Jörg: Es ist teilweise nicht mehr so ganz stark direkt politisch. Auf der 'Poetry Of Beauty' habe ich ja zum Teil sehr klar Stellung bezogen, wie in Songs wie 'God Curb America' und so was. Was aber ich heute nicht mehr so direkt machen würde, weil ich jetzt einfach lieber etwas – ja, das hört sich doof hochgegriffen an - aber philosophischer an die Dinge herangegangen bin. Ich habe mehr mit Bildern und Metaphern gearbeitet, ich glaube, dass ist jetzt auf dem neuem Album eben noch mehr geworden. Ich sage halt jetzt nicht direkt; „Das ist scheiße!“ oder „Das muss sich ändern!“ oder so, sondern, ich gebe nun mehr Denkansätze, indem man halt einfach Szenarien schafft. Und viele Texte schaffen einfach Szenarien. Da muss man halt einfach die Texte lesen und dann wird man verstehen, was ich meine. Aber letztendlich spricht viel Politik daraus, aber auch sehr viel einfach menschliche Gedanken.

Wastin!com: Also gibt es auf jeden Fall immer eine fette Message dahinter?

Jörg: Ja, das sollte schon immer irgendwo dabei sein. Aber es ist auch auf jeden Fall viel Persönliches dabei. Wir haben auch ein Liebeslied drauf und ein Song geht darüber, dass ein Freund von mir gestorben ist als ich 18 war. Da habe ich nach wie vor dran zu knabbern.

Days In GriefWastin: Du würdest also schon sagen, dass du dich als Songschreiber - wenn du jetzt mehr mit Metaphern arbeitest als jetzt auf den Punkt zu schreiben - weiterentwickelt hast?

Jörg: Ja, es ist einfach anders. Also das mit der Weiterentwicklung müssen andere beurteilen, aber es ist auf jeden Fall einfach anders, auf jeden Fall!

Wastin!com: Inwieweit glaubt ihr denn unterscheidet sich die Platte jetzt gegenüber der Ersten?

Flo: Ja, ich denke, die wird halt in sich facettenreicher werden. Wir haben das Spiel jetzt eigentlich nur ein bißchen mehr ausgereizt. Wir kommen ja alle aus verschiedenen Musikrichtungen. Im Prinzip ist es halt ähnlich wie vorher, aber da haben wir uns noch nicht alles ganz getraut. Irgendwie hatte man so im Nachhinein das Gefühl, man hätte einfach sehr viel mehr in eine Richtung gehen sollen und die dann auch für sich stehen lassen. Also wir trennen das jetzt was mehr als vorher. Jetzt nicht bewusst, aber so ist es dann einfach geworden. Wir haben teilweise jetzt auch Akustikgitarren drin. Mal sehen, ob wir das Piano jetzt auch noch rein nehmen, wissen wir noch nicht so richtig. Aber es wird halt ein bißchen mehr rumexperiementiert. Wir wollten jetzt auf keinen Fall eine eins zu eins Kopie haben, sondern weitergehen einfach.

Wastin!com: Kann man denn sagen, meint ihr von euch selber, dass ihr jetzt auch als Musiker gereifter seid? Spielt ihr jetzt auch technisch gesehen auf einem höheren Level? Habt ihr durch die ganze Praxis mehr dazugelernt?

Flo: Definitiv, ja. Also es sind jetzt sehr viel schwierigere Sachen dabei. Wir haben jetzt zum Beispiel die Gitarren in der Hälfte der Zeit eingespielt. Da macht sich das viele Spielen einfach bemerkbar und dass wir einfach besser aufeinander eingespielt sind und einfach die Abstimmung was ausgereifter ist. Ich denke, das wird sich nachher auch bemerkbar machen – hoffe ich zumindest!

Wastin!com: Was würdet ihr als die größte Stärke der Band bezeichnen? Musikalisch oder freundschaftlich gesehen.

Flo: Ich glaube, die Stärke ist vielleicht, dass wir nicht so in dieser Szene mit drinhängen und uns insofern auch musikalisch ein bißchen davon loslösen können. Ich glaube, das macht sich musikalisch bemerkbar. Also, dass das jetzt ein bißchen weiter über dieses sture Hardcore- oder Emo-Geknüppel oder sowas hinausgeht.

Wastin!com: Wie du grad gesagt hast, kommt ihr alle aus verschiedenen musikalischen Backgrounds und mischt diese ja auch sehr gut. Aber mit welcher Stilbezeichnung wärt ihr denn glücklich?

Flo: Also, für mich würde ich sagen, dass es Punk-Rock ist. Denn da kommen wir, glaube ich, alle ursprünglich her. Jetzt ist natürlich auch viel Metal drin. Der Unterschied zwischen uns und den anderen Bands, die Metalcore machen, ist wohl, dass die jetzt anfangen zu singen, bei uns ist es einfach andersrum und ja, ich denke das macht sich auch bemerkbar. Wir haben einfach schon viel Punk-typische Sachen drin, einfach von Rhythmen her und von den Beats.

Max: Und der Gesang ist doch eher auch Hardcore-mäßig, weil der ist halt weniger melodisch als bei den meisten Punk-Bands. Früher haben wir mehr Skate-Punk gemacht und da wurde noch viel mehr gesungen und da hat Jörg auch nicht so viel geschrien. Und da haben wir uns einfach mehr in die Hardcore-Richtung entwickelt kann man sagen. Deswegen würde vielleicht sowas wie „Hardcore-Punk“ oder sowas passen, keine Ahnung.

Wastin!com: Aha, wobei ich ja finde, dass das auch nicht so wirklich paßt, zwar Gesangs-mäßig schon, aber musikalisch ist eure Musik viel zu ausgefeilt, habe ich so das Gefühl.

Seb: Eben, wir wissen es halt selber auch nicht. Wir vermischen viele Stile uns es ist einfach schwer dafür dann einen Begriff zu finden. Ist uns im Endeffekt dann aber auch wurscht, wie die Leute das interpretieren...

Flo: Das sagt ja jede Band: Wir wissen es auch nicht was es ist, insofern ist es Punk-Rock!

Über die Produktion

Days In GriefWastin!com: Kommen wir noch mal zur Produktion der Platte zurück: Wie kann man sich das alles genau vorstellen? Die Songs habt ihr ja alle wohl schon vorher geschrieben. Wie lang hat diese pure Songwritingphase bevor ihr ins Studio gegangen seid gedauert?

Seb: Schwer zu sagen. Wir haben eigentlich immer, wenn wir Zeit hatten, und nach der Tour angefangen Songs zu schreiben. Wir haben immer so Phasen, in denen wir zwei, drei Songs direkt hintereinander schreiben und gibt´s erstmal wieder länger nix. Deshalb ist es schwer zu sagen, wie lange das jetzt genau gedauert hat. Aber die Songs haben wir so über das letzte Jahr verteilt geschrieben. Wir haben dann vorher alle Songs im Proberaum aufgenommen und sind damit erst kurz vor Studiobeginn fertig geworden.

Wastin!com: Wie läuft Songschreiben bei euch ab? Kommt da eins zum anderen oder arbeitet ihr eher theoretisch, Schritt für Schritt?

Max: Wir bringen schon hauptsächlich Ideen mit. Vor allem Flo macht viel Gitarrenarbeit Zu hause und kommt meistens mit Ideen, auf denen wir dann aufbauen. Also, wir gehen jetzt nicht in den Proberaum und zwingen uns einen Song zu machen. Aber meistens fangen wir wirklich mit Ideen an, die Flo oder auch jemand anders von Zu hause mitbringt und worauf wir dann aufbauen. Und so läuft das.

Wastin!com: Habt ihr denn die neuen Songs auch vorher mal live getestet oder wartet ihr bis alles im Kasten ist, weil ja eventuell auch noch Veränderungen dran vorgenommen werden?

Flo: Ich glaube, so knapp die Hälfte haben wir schon live gespielt. Oder ein Drittel vielleicht, keine Ahnung. Aber teilweise gab es die ja schon bevor die alte Platte überhaupt draußen war. Zwei oder drei Songs oder so hatten wir vorher schon, die haben wir auch schon live gespielt. Und sonst ist immer vereinzelt mal eins mit rein genommen worden, um einfach mal zu gucken, wie die so live funktionieren. Da haben wir ja auch sehen können, ob man da noch was ändern könnte oder muss oder soll. Insofern spielen wir einige auch schon mal vorher.

Wastin!com: Und wie sind sie angekommen?

Flo: Ja, das läßt sich immer schwer sagen. Ich würde sagen, eigentlich sind die schon sehr gut angekommen. Aber natürlich funktionieren die, die einfach bekannt sind und die die Leute schon kennen, wo sie die Texte kennen und mit grölen können, besser. Obwohl, manche Leute kennen die Texte auch schon bevor wir die überhaupt das erste Mal gespielt haben. Da gab es schon welche, die auf die Bühne kommen und singen mit, obwohl du das zum ersten Mal spielst, das ist immer sehr lustig.

Jörg: Da freuen wir uns aber immer sehr drüber!

Flo: Ja, ist schon witzig! Manche erfinden auch ihren eigenen Gesang zu Liedern, das ist schon sehr geil!

Wastin!com: Wie lange werden die Aufnahmen hier dauern? Wie lange seid ihr überhaupt schon hier?

Jörg: Wir sind jetzt genau zwei Wochen hier. Und der Rest wird jetzt wohl noch genau eine Woche dauern. Also, sind wir insgesamt drei Wochen im Studio.

Wastin!com: Und wie läuft das ab? Kommt ihr jeden Tag aus Köln hier her oder nur am Wochenende?

Jörg: Nee, jeden Tag. Wir hätten auch eine Wohnung anmieten können, was aber finanziell auf´s Gleiche hinausgekommen wäre wie jeden Tag hier hin zu fahren. Und nach so einem ganzen Tag im Studio schlafen wir auch ganz gerne dann im eigenen Bett. So weit ist es ja auch nicht, wir sind meist weniger als eine Stunde unterwegs und das ist echt okay.

Wastin!com: Und von wann bis wann seid ihr immer hier?

Jörg: Mit dem Gesang fangen wir immer erst gegen Mittags an, weil da die Stimme einfach präsenter ist. Aber wir sind meistens immer von 10 bis Abends um 8 hier. Also, ein Full-Time-Job! (lacht!)

Days In GriefWastin!com: Und wie lange braucht ihr, um einen Song so stückchenweise, also mit allen Instrumenten und Gesang aufzunehmen?

Seb: Das läßt sich jetzt schwer sagen, weil wir halt das ganze Schlagzeug machen, dann den ganzen Bass und so.

Flo: Ich würde sagen im Schnitt einen Tag.

Jörg: Obwohl, das kann man ja ausrechnen. 30 Tage für 14 Songs.

Seb: Ja, wir haben nicht 30 Tage!

Flo: Ach, ruhe jetzt...

Seb: Ja, also sagen wir mal, ein bißchen mehr als einen Tag. Und der eine dauert natürlich auch schon mal länger als der Andere.

Wastin!com: Wie ist denn so die Stimmung bei den Aufnahmen? Hat man sich auch schon mal in der Wolle oder läuft das bei euch ganz harmonisch ab?

Seb: Also, wir in der Band untereinander sind natürlich sehr harmonisch. Na ja, wir mussten uns natürlich erstmal ein bißchen dran gewöhnen hier mit meinem Produzenten zu arbeiten, weil wir das noch nie gemacht haben. Und wenn der dann schon mal reinkommt und sagt; „Die Gitarre fliegt raus!“ Dann denkt man sich erst dann so; „Hhhmm – was passiert jetzt?“ Aber wir werden ja im Nachhinein sehen, ob´s gut wird oder nicht. Ja, aber das läuft schon gut.

Wastin!com: Aber wirkliche Auseinandersetzungen gab es keine?

Jörg: Wir haben uns noch nicht gegenseitig die Köpfe eingeschlagen.

Wastin!com: Wie gesagt, nehmt ihr alle Instrumente und den Gesang einzeln auf. Wie ist es denn so, wenn man alleine da steht ohne die anderen Jungs im Rücken. Ist das nicht irgendwie seltsam?

Seb: Finde ich eigentlich nicht, also man ist es eigentlich schon gewöhnt, da wir das ja genauso machen, wenn wir Demos machen. Und man schaltet da eh um. Also, wenn man im Studio ist, ist es ja was völlig anderes als wenn man live spielt. Was eher komisch ist, ist, wenn man an einem Part länger arbeitet und auch immer nur diesen Part hört und nicht das ganze Lied. Da fragt man sich;„Paßt der später überhaupt rein?“ Oder ist das, was man jetzt gespielt hat – ist es auf den Punkt?

Wastin!com: Wie viele Songs habt ihr schon komplett aufgenommen? Welche sind schon ganz fertig?

Max: Komplett sind es zwei.

Wastin!com: Wie viele der Songs, die ihr mitgebracht habt, schaffen es denn letztlich auf die Platte?

Seb: Wir haben vierzehn Songs mitgebracht und haben auch vierzehn aufgenommen. Wir müssen das später entscheiden, je nachdem ob uns einer nicht mehr so gefällt. Wir haben da schon sone Kandidaten. Müssen wir halt sehen, ob es rein passt und wie lang die CD im Endeffekt wird.

Flo: Damit wir vielleicht auch ein, zwei Bonusgeschichten für später haben.

Wastin!com: Und wann dürft ihr Songtitel verraten?

Jörg: Ja, keine Ahnung ... ich kann ja einfach mal ein paar sagen. Also zum Beispiel: 'Intellect Is Blind' oder 'Kill The Music' und 'When Backhanded Thoughts Carry The Wait', 'The Lights Go Out, The Curtain Falls', 'Don´t Run With The Pack' aber da ist halt noch die Frage, ob der tatsächlich drauf kommt, weil das ist der, der kritische Kandidat. (lacht!) Aber mal schauen.

Wastin!com: Welcher Track wird die erste Single werden?

Jörg: Ja, das wissen wir noch nicht genau, aber 'Kill The Music' macht ein heißes Rennen oder halt eventuell 'In The Margin???', das ist noch ein Song, der vielleicht als Single in Betracht kommt. Oder 'Political Correctness'. Das sind so die Drei, die da in Frage kommen.

Das Neue Material

Days In GriefJetzt wurde es Zeit nicht nur über die neuen Sachen zu sprechen, sondern auch mal was zu hören. Zusammen mit der Band begaben wir uns ins Studio und durften schon mal vorab in zwei der neuen Songs reinhören. Absolut fett! Geniales Material und exzellente Produktion. 'Djihad' dürfte den meisten Day In Grief-Konzertbesuchern schon ein Begriff sein, denn die Jungs spielen diesen eigentlich schon seit Beginn auf jedem ihrer Gigs. Jetzt schafft es der Track endlich auf die Platte. Der zweite Song 'The Lights Go Out, The Curtain Falls' rockt ebenfalls enormst!

Wastin!com: Wenn ihr so ein Stück hört, genießt ihr das oder hört ihr eher mit einem kritischen Ohr zu und denkt; „Da könnte ich aber noch besser sein!“ ?

Max: Ja total.

Flo: Definitiv: Ja.

Seb: Man erwischt sich doch immer wieder dabei wie man auf sich selber hört und dann manchmal denkt, „Ja, da hätte ich noch was anderes machen können!“ Also bei mir ist das so. Davon kommt man einfach nicht los, also auch wenn man heute nochmal die 'Poetry Of Beauty' hört, da ist es auch wieder so.

Flo: Ich glaube, man kann's bei einem selbst nicht genug machen. Also, man kann das zwar irgendwann so stehen lassen und sagen „Das ist geil!“ Aber ich glaube auch, dass man später vielleicht dasitzt und denkt; „Boah, was hab' ich da getan?“ Man wird nie ganz zufrieden sein, was auch ganz gut ist! Man hat einfach einen Anspruch besser zu sein und das spornt einfach immer zu Neuem, zu Besseren, zur Weiterentwicklung an.

Wastin!com: Ihr seid also schon sehr selbstkritisch. Aber ihr würdet jetzt nicht soweit gehen, dass ihr alles noch mal über den Haufen schmeißt, also besonders jetzt im Studio? So weit geht das dann nicht oder?

Max: Nee, quatsch.

Flo: Das machen wir wenn überhaupt nur vorher schon mal neu.

Wastin!com: Und wie ist die Zusammenarbeit mit Siggi? Seb hat das eben angesprochen, dass der dann schon mal einen Gitarrenpart raus schmeißt oder so. Wie fühlt man sich da? Gibt es da von seiner Seite auch schon mal Entscheidungen, die ihr erstmal nicht so nachvollziehen könnt?

Flo: Joa, schon. Weil durch die Vorproduktion ist man die Lieder so gewohnt. Und natürlich fragt man sich dann erstmal warum, wenn er sagt da fliegt 'ne Gitarre raus oder so. Gerade jetzt mich als Gitarrist betrifft´s ja dann! Aber das läuft ja irgendwo schon alles auf einer sehr professionellen Ebene ab, das sieht man ja auch daran wer hier schon alles im Woodhouse war und was die machen. Insofern glaube ich, muss man denen das Vertrauen schenken und dann einfach hoffen, dass da was Gescheites bei raus kommt. Aber ich denke, sonst hätten die hier nicht schon so viele dolle Sachen gemacht, insofern. Klar ist man im ersten Moment vielleicht ein bißchen unzufrieden, aber wahrscheinlich funktioniert´s nachher besser, hoff' ich zumindest!

Wastin!com: Man vertraut den Jungs da quasi alles an?

Flo: Ja, eigentlich schon.

Wastin!com: Das zeichnet natürlich auch einen guten Produzenten aus, dass der soviel Erfahrung hat, dass er es einfach besser weiß. Also ist das Klima da gut und man versteht sich. Immerhin habt ihr euch ja auch andere Studios angesehen und seid letztlich hier beim Siggi hängen geblieben.

Max: Ja, ja. Also so viele waren es jetzt auch nicht, aber ... (lacht!) Die Auswahl war irgendwann was kleiner. Ja, also wir sind jetzt nicht nur hier hingegangen weil wir uns mit dem Siggi so prächtig verstehen, aber es klappt auf jeden Fall gut, ja.

Wastin!com: Jetzt mal zur Webcam, die hier im Studio steht. Wer hatte dazu eigentlich die Idee oder steht die immer hier?

Flo: Die steht immer hier.

Wastin!com: Findet ihr das nicht komisch, jetzt kann euch jeder zu gucken?

Flo: Ach, die vergisst man ganz schnell eigentlich. Jetzt weiß man wie's bei Big Brother zugeht! (lacht!) Nee! Aber dadurch sieht du ja fast nichts. Und Ton gibt's sowieso nicht. Und insofern irgendwie ist die gar nicht da.

Wastin!com: Kann man denn feststellen wie viele Leute euch da grad' zugucken?

Seb: Bis jetzt, glaube ich, niemand. Also es hat noch niemand was dazu ins Guestbook geschrieben oder irgendwas. Ich habe noch keine Resonanz darauf gekriegt. Deswegen hat man das Gefühl, keiner mag uns, was auch nicht weiter schlimm ist.

Zukunftsmusik

Days In GriefWastin!com: Die Platte wird im Juni erscheinen und was ist dann geplant?

Flo: Ja, genau. Da ist erstmal eine zweiwöchige Tour angedacht. Zwar eine Europatour, aber schon sehr auf Deutschland beschränkt. Das ist einfach dadurch bedingt, dass ich einen normalen Job habe und einfach nur meine drei Wochen Urlaub habe. Wo uns einfach schon viel durch Tour und Studio draufgeht. Ja, und Jörg macht grad sein Examen in Jura oder gegen Ende des Jahres und insofern haben wir jetzt nicht ohne Ende Zeit. Was wir nächstes Jahr aber halt schon ändern wollen. Also, wir wollen schon nächstes Jahr mal gucken, hauptsächlich Mucke zu machen. Und dann einfach mal gucken was daraus wird.

Wastin: Ja, mit dem Job ist das natürlich immer so eine Sache. Vor allen Dingen will man ja auch mal einen Urlaubstag für sich haben.

Flo: Ja, so nach drei Jahren mal so ein Urlaubstag, wär' schon geil! (lacht!) Da muss man immer schon immer aufpassen und betteln; „Ahh, bitte!“. (lacht!)

Wastin!com: „Ach bitte, bitte einen. Es ist doch mein Geburtstag!“

Flo: Ja, ich meine, das ist natürlich auch wirklich scheiße. Dann steht irgendwann 'ne Show mit Boy Sets Fire an – haha, schön wär´s! - und da sagst du; „Ja, natürlich geb' ich da meinen letzten Urlaubstag für her!“ Und dann hast du im Endeffekt wieder keinen für dich gehabt.

Wastin!com: Wie sieht es bei dir aus Max? Letztes Jahr hast du ja noch Zivildienst gehabt.

Max: Ich fange im April, in ein paar Tagen ein Studium an. Und dann wird die Zeit für mich auch wieder knapper.

Wastin: Was studierst du dann genau?

Max: Ich mache Sonderpädagogik und will das auch mit Musik machen. Da musst du aber eine ziemlich heftige Aufnahmeprüfung machen. Mit Klausuren, Gehörbildung und zwei Instrumente, Klavier und Schlagzeug vorspielen. Singen auch noch. Das wird auf jeden Fall spaßisch.

Wastin!com: Wo Eat The Beat Music jetzt seit Anfang des Jahres so eng mit Roadrunner Records zusammenarbeitet, macht sich das irgendwie bei euch bemerkbar bis jetzt? Also, dass ihr wirklich auch woanders bekannter seid, vielleicht auch im Ausland?

Max: Also, so viel merkt man bisher nicht, aber was auf jeden Fall cool ist, ist dass wir richtig in die Homepage von Roadrunner integriert sind, von daher denke ich schon, dass einem das ein bißchen weiterhilft. So vom Namen her halt jetzt. Weil viele Leute denken dann wir wären auf Roadrunner. (lacht!) Wir sind halt gespannt darauf, wenn die CD draußen ist, ob sich das dann bemerkbar macht von der Promotion her.

Flo: Die haben ein viel weiteres Netz einfach. Ja, ich bin auch mal gespannt was dann kommt.

Wastin!com: So, das war´s dann auch schon! Vielen Dank für eure kostbare Zeit und weiterhin viel Erfolg bei der Produktion!

Alle: Ja, danke ebenso!

Am 10. Juni soll das Release von 'Behind The Curtain Of A Modern Tomorrow' im Kölner Underground gebührend gefeiert werden. Ein Termin, der schon längst in eurem Timer stehen sollte!


Weitere Infos:

Interview mit Days In Grief vom 29. März 2004
Gig-Review Release-Party von Days In Grief vom 29. März 2004
Gig-Review von Days In Grief am Kölner Ringfest 2004
Tour-Diary 2004 von Days In Grief
Website Days In Grief
Woodhouse Studios
Eat The Beat Music
Roadrunner Records
Autor: Vera Bunk