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The Dillinger Escape Plan - 03. April 2005 - Köln
Am 03. April waren The Dillinger Escape Plan aus New Jersey gekommen, um das Kölner Underground in Schutt und Asche zu legen. Bereits sehr früh fanden sich die Besucher in dem kleinen Club ein, doch bevor die Jungs die Bühne unsicher machen sollten, trafen wir Sänger Greg Puciato im bequemen Tourbus zum Gespräch. Er verriet uns seine Meinung zu Genrezuweisungen, Kollaborationen und Gerüchte, die man so sicher noch nie gehört hat. Viel Spaß!

The Dillinger Escape PlanfWastin!com: Hi Greg! Schön dich zu sehen! Wie geht es dir?

Greg: Hi! Danke es geht mir gut, wir sind schon sehr lange auf Tour und wir sind immer noch blendend gelaunt! (lacht!)

Wastin!com: Ja, ihr seid jetzt fast seit einem Jahr unterwegs. Magst du es so lange auf Tour zu sein?

Greg: Ja, ja, ja! Wir lieben es Konzerte zu spielen, aber wir mögen es nicht unbedingt auf Tour zu sein, denn es ist dann ziemlich schwierig in anderen Aspekten deines Lebens produktiv zu sein während du so lange unterwegs bist. Du wachst auf und dann verwendest du den ganzen Tag dazu dich für das Konzert am Abend fertig zu machen oder du wartest einfach nur darauf spielen zu können. Und wenn die Show dann vorbei ist, dann wartest du darauf müde zu werden und einzuschlafen. Du schaust Filme und versendest E-Mails oder SMS an deine Leute Zu hause, aber es ist wirklich schwierig Fortschritte in anderen Bereichen deines Lebens zu machen, gerade was Beziehungen und so was angeht.
Aber wir lieben es Shows zu spielen und deshalb genießen wir das auch auf jeden Fall!

Wastin!com: Ist da ein großer Unterschied zwischen euren Shows in den USA und in Deutschland?

Greg: Oh, da ist ein riesiger Unterschied, obwohl es sich in den letzten zwei Jahren ein wenig angenähert hat. Einer der größten Unterschiede ist die Beförderung und die Tatsache, dass du nicht einfach in der Stadt umher fahren und mit jedem sprechen kannst. Und an vielen Orten in Deutschland und Frankreich sprechen die Leute nicht besonders gut Englisch. Und das Essen ist wirklich sehr verschieden, das sagen wahrscheinlich viele Bands. Aber in den Vereinigten Staaten ist es sehr einfach jede Art von Essen zu bekommen und das zu jeder Zeit des Tages egal ob es 3 oder 4 Uhr am Morgen ist. Und in Europa musst du erstmal lernen daran zu denken dir das Essen schon früh am Tag zu besorgen und dann für später aufzuheben. (lacht!)

Wastin!com: Und wenn du dir das Publikum anschaust, gibt's da auch einen Unterschied?

Greg: Ja. Hier erscheint das Ganze gar nicht so sehr wie eine Szene. Viele der Underground US Kids sehen alle ziemlich gleich aus, während man in Europa, wenn wir
spielen, nicht gleich darauf kommt, um welche Art Band es sich handelt, wenn man sich das Publikum anschaut. Und in Amerika weißt du einfach automatisch, dass es sich um eine Art Band wie uns handelt, wenn du die Kids siehst. Und auch die Art wie sie auf uns reagieren ist ziemlich anders. Das US Publikum ist definitiv energetischer und ein bißchen brutaler – das ist besser oder schlechter, wie man´s nimmt! Aber ich glaube, dass die Leute die Musik ebenso sehr genießen, das aber nur etwas anders zeigen.

Wastin!com: Euer Support heute Abend sind Heaven Shall Burn aus Deutschland, seid ihr zufrieden damit?

Greg: Ja, wir haben mit ihnen vor ein paar Wochen zusammen in Japan gespielt auf so einem Festival in Tokio. Sie spielten etwas früher am Tag. Um ehrlich zu sein, ich weiß nicht wirklich viel von ihnen, aber ich glaube es ist cool, dass sie mit uns spielen.

Wastin!com: Sie sind hier in Deutschland sehr bekannt und beliebt!

Greg: Echt? Das ist ja toll!

Wastin!com: Sie haben auf der Resistance Tour letztes Jahr gespielt, da hab ich sie auch gesehen, war eine sehr coole Show!

Greg: Na ja, Deutschland ist für uns eins der schwierigsten Länder um zu Touren, in ganz Europa haben wir hier die schlechtesten Besucherzahlen und so und jede Hilfe, die wir kriegen können, ist also gut!

Wastin!com: Liam hat mal in einem Interview gesagt, dass es sehr verwirrend sein kann, euch live zu sehen, wenn man euch nicht kennt!

Greg: Ja, da bin ich sicher! Wir haben eine Menge Festivals in Europa gespielt und da haben wir mit wirklich unterschiedlichen Bands gespielt. Zum Beispiel in Norwegen mit PJ Harvey und Alicia Keys. Und ich bin sicher, dass viele Leute, die nur für diese Künstler kamen, sehr genervt waren sich unser ganzes Set ansehen zu müssen.

Wastin!com: Also, was können wir dann heute von euch erwarten?

Greg: Na ja, hoffentlich werden die Leute heute Abend nicht verwirrt sein, denn ich hoffe, dass die uns alle kennen. (lacht!) Aber ich weiß ja auch nie, womit ich rechnen muss jede Nacht, aber das ist ja eine der wirklich tollen Sachen an der Band, die so aufregend sind. Du hast einfach keine Ahnung, was dich erwartet, wenn du uns live erlebst. Da gibt es soviel, was passieren kann, ich meine, ich hab mir schon jede Menge Verletzungen dabei zugezogen und wir hatten schon mächtig Probleme auf der Bühne, aber es macht immer eine Menge Spaß!

The Dillinger Escape PlanfWastin!com: Da bin ich ja mal sehr gespannt! Und was würdest du gerne haben, woran sich eure Fans erinnern, wenn sie eine Show von euch gesehen haben?

Greg: Oh, je! Ich möchte, dass die Leute das Gefühl haben eine echte Erfahrung gemacht zu haben und nicht dass sie nur denken, sie hätten lediglich eine Band gesehen, die nur die Songs von ihrem Album gespielt hat. Denn jeder könnte sich einfach auf eine Bühne stellen und einen Sound wie von CD erzeugen. Ich möchte, dass sie einfach nicht genug davon kriegen können und dass sie immer wieder kommen wollen, um uns immer und immer wieder zu sehen. Es ist nicht so, dass wir eine spezielle Absicht hätten, was die Leute sich denken sollten, so nach dem Motto: „Oh, das war das Verrückteste, das wir je gesehen haben!“ oder so. Wir wollen einfach, dass alle mit uns eine gute Zeit haben und dass alle merken; „Das sind The Dillinger Escape Plan!“ Das ist nicht dasselbe wie von CD, du musst uns einfach live sehen, um es zu verstehen. Ich denke, bei uns ist da ein großer Unterschied zwischen dem Live-Erleben und den Aufnahmen von CD.

Wastin!com: Habt ihr ein bestimmtes Ritual bevor ihr auf die Bühne geht?

Greg: Wir wärmen uns vorher ziemlich viel auf. Dafür brauchen wir ungefähr eine Stunde. Das heißt wir machen Stretching und so, Chris spielt sogar eine ganze Stunde Drums bevor wir auf die Bühne gehen. Ben und Brian spielen was Gitarre und ich wärme meine Stimme auf. Aber wir haben kein seltsames Ritual wie vorher Voodoo Puppen zu verbrennen oder so, da gibt es nichts Seltsames, bei uns ist eigentlich alles ganz normal.

Wastin!com: Und was war das Peinlichste, das dir jemals auf der Bühne passiert ist?

Greg: Oh je, das ist wirklich schwer zu sagen. Ich meine, Ben ist schon von der Bühne gefallen, ich habe mich schon mal versehentlich voll geschissen, was ziemlich peinlich war! Aber ich war auch ziemlich krank! Aber nichts wirklich Peinliches! Aber manchmal vergisst du ziemlich plötzlich ein paar Worte eines Songs und das ist das wirklich Peinlichste! Denn du denkst dir, als ein professioneller Sänger sollte dir das eigentlich nicht passieren. Ich meine, wie kannst du nur die Worte deines eigenen Songs vergessen?! Und es ist ja nicht so, dass du sie nicht mehr kennst, denn schließlich spielst du sie ja schon über ein Jahr, aber plötzlich hast du einfach ein Blackout. Tja, und das ist dann immer ziemlich offensichtlich, wenn dir das passiert und du fühlst dich dann wirklich nicht gerade toll. Und das ist mir jetzt schon zwei oder drei Mal passiert und das war wirklich definitiv peinlich!

Wastin!com: Das kann ich mir gut vorstellen, besonders, wenn die Fans dann fröhlich weiter singen und sich fragen, warum du aufhörst!

Greg: Genau! Ich murmel´ mir dann einen ab und die Kids denken sich; „Was sagt der da?!“

Wastin!com: Sehr lustig! Was bedeutet euer Bandname?

Greg: Eigentlich hat er gar keine Bedeutung. John Dillinger war ein Bankräuber in Amerika, aber wir sind jetzt nicht irgendwie vernarrt in den Mann oder so. Wir brauchten einfach einen Namen und ich glaube, wir haben damals ein Special über ihn gesehen und einer schlug vor; „Hey, laßt uns doch 'The Dillinger Escape Plan' nehmen!“ Diesen Ausdruck mussten sie wohl irgendwo bei dieser Dokumentation über Dillinger benutzt haben. Und wir waren damit einverstanden. Das war noch nicht mal ernst gemeint und ich glaube noch nicht mal, dass wir diesen Namen für immer behalten wollten, aber ich denke, es ist ein Name, wenn ihn du nur ein mal hörst, kann es zwar sein, dass du ihn vergisst, aber wenn du ihn dann zum zweiten Mal hörst, dann weißt du definitiv, dass du ihn schon mal gehört hast. So einen Namen sieht man nicht oft, und er hört sich auch nicht typisch an. Und das war genau das, was wir immer wollten. Das fängt beim Artwork unserer CDs an, über unseren Sound bis dahin wie wir uns selbst präsentieren. Wir möchten einfach nicht, dass die Leute mit dem Finger auf uns zeigen können und direkt meinen alles über uns zu wissen.

Wastin!com: Es ist ein sehr besonderer, einzigartiger Name!

Greg: Ja, und es klingt einfach nicht wie der Name einer Metal-Band, du weißt einfach nicht, was für eine Art Musik sich hinter diesem Namen verbirgt.

Wastin!com: Wer hat eigentlich das Artwork für die CD gemacht?

Greg: Das war ein Freund von uns, sein Name ist Brian Montuori, er ist so was wie ein aufstrebender New Yorker Künstler. Er ist eigentlich schon seit es die Band gibt darin involviert, früher hat er immer das Licht für uns gemacht und er hat schon ein paar T-Shirt-Designs für uns entworfen. Er hat immer ziemlich verrückte Ideen, aber diese enden dann nie darin, wie sie eigentlich geplant waren. Er hat immer recht großartige Visionen, zum Beispiel sagte er mal; „Oh, ich weiß! Lasst uns einen verdammt riesigen Banner machen mit all diesem verrückten Zeug und der soll dann 200 Fuß lang werden!“ Und wir sagten nur; „Okay!“ Aber da ist dann nie was draus geworden. Aber als er von unserem Album gehört hat, rief er uns an und ich erzählte ihm ein paar Lyrics und dann sagte er, dass er sehr gerne unser Album-Cover machen würde. Er meinte; „Ich habe da diese Idee mit diesen Körperteilen und das soll dann wie Krankenhausaufzeichnungen aussehen.“ Und ich meinte nur; „Oh, okay?“ Und ich dachte, dass es furchtbar aussehen würde und wohl das aller Schlimmste überhaupt werden würde. Dann vergingen zwei Wochen und wir waren in Australien. Dann mailte uns Brian das volle Layout und es sah fantastisch aus. Und wir wussten gleich – Das ist es! Zum Glück! Denn wir waren schon etwas spät dran, wir sollten unser Album in knapp zwei Wochen veröffentlichen und unser Label Relapse Records hatte bis jetzt noch nicht einmal was vom Artwork gesehen und sie fragten uns schon; „Was zum Teufel werdet ihr machen?“ Und dann haben wir ein bißchen rumgescherzt und gesagt, sie müssten einfach ein Foto aus einem Magazin nehmen und das dann als Album-Cover benutzen. (lacht!)
Aber zum Glück hat Brian alles zeitlich geschafft. Ich meine, viele Leute hassen es, aber ich denke, dass es großartig ist, denn du kannst nicht einfach drüber gucken, du musst das Cover aufklappen und es dir ganz genau ansehen. Man fragt sich, was das alles soll. Du willst einfach raus kriegen, was das alles bedeuten soll, und genau so ist es auch mit unserer Musik.

The Dillinger Escape PlanfWastin!com: Ja, du musst auf jeden Fall zweimal hinschauen! Das ist alles so verworren.

Greg: Genau, genau! Ja, ja, du kannst es nicht einfach nur öffnen und die CD raus nehmen.

Wastin!com: Okay, dann lass uns jetzt auch mal mehr zur inhaltlichen Seite von 'Miss Machine' kommen. Wie kamst du auf diesen Plot mit den Beziehungen zwischen Mensch und Maschine?

Greg: Die meisten Songs haben eine doppelte Bedeutung. Einmal geht es um die Beziehung zwischen Menschen und Maschinen, es geht darum, wie sehr wir von ihnen abhängig sind und umgekehrt sie von uns abhängig sind. Aber gleichzeitig beziehen sich die Texte auch auf die Beziehungen zwischen Menschen. Zwischen einer Person und einer anderen, wie dem Freund und der Freundin, Mann, Frau, was auch immer. Es geht darum, wie schnell Menschen eine Symbiose eingehen, wie sehr sie von einander abhängen können. Viele der Songs können also so gelesen werden, dass es um Beziehungen allgemein geht und auch so, dass es um die Beziehungen zwischen Menschen und Maschinen geht.
Ursprünglich sind die Songs aus Problemen entstanden, die ich mit einem Mädchen hatte, mit dem ich zusammen war. Ich schrieb die Lyrics und mir fiel auf, dass vieles auch im Hinblick auf dieses „Mensch und Maschine“-Thema gedeutet werden könnte, also hab ich das in den anderen Songs fortgesetzt, so dass alles am Ende gut zusammen paßt.

Wastin!com: Welche Bands beeinflussen The Dillinger Escape Plan?

Greg: Oh, ich glaube, das ist sehr schwierig zu sagen. Also, wenn du durch unsere iPods zwitschen würdest, dann würdest du sehen, dass da sehr viele verschiedene Sachen drauf sind. Aber, ich glaube, wir werden mehr von den Idealen bestimmter Menschen beeinflusst als davon wie ihre Musik klingt. Ich fühle mich mehr verbunden mit Leuten wie Björk und Aphex Twin als mit Bands wie Cannibal Corpse oder so. Ich glaube, wir werden gar nicht so sehr musikalisch beeinflusst, eher davon dass Leute einfach das tun, was sie wollen. Genau wie Mike Patton oder eben Aphex Twin oder Massive Attack, einfach von Leuten, die sich nicht darum kümmern, was andere von ihnen denken. Nine Inch Nails zum Beispiel auch. Also nicht wirklich speziell davon wie jemand klingt.

Wastin!com: Wenn ihr unterwegs seid, wie läuft da das Songschreiben?

Greg: Wenn du auf Tour bist, ist es sehr schwer zu schreiben. Wir sind auf jeden Fall eine Band, die unterwegs nicht sehr gut schreibt. Das liegt daran, dass man dann sowieso nur die Sachen spielt, die man sowieso jede Nacht auf der Bühne spielt. Und wenn du dich dann tagsüber mit einer Gitarre hinsetzt, dann endet das nur damit, dass die Hälfte der Sachen so klingt wie das, was es schon gibt. Ich glaube, man muss erstmal eine zeit lang Zu hause sein, damit man wieder was Neues schreiben kann. Ich denke aber auch, dass die Zeit auf Tour dir genügend Munition liefert, also genügend Inspiration, um dann wieder was zu schreiben. Denn du erlebst so wahnsinnig viel, du triffst so viele Leute, hörst so viel neue Musik und bekommst soviel Input, damit musst du erstmal umgehen. Und Zu hause hast du dann so viele Emotionen von denen du dann erstmal zehren kannst. Aber auf Tour schreiben wir nicht wirklich viel.

Wastin!com: Ich kann mir das auch sehr schwer vorstellen.

Greg: Ja, ja, ich meine, das Letzte, woran Ben denkt, während er sowieso schon den ganzen Tag damit verbringt auf´s Spielen zu warten und dann Abends zu spielen, ist, sich am Nachmittag, wenn er mal eine Stunde frei hat, eine Gitarre zu nehmen und versuchen Musik zu schreiben. Er möchte wohl lieber versuchen irgendwo eine Internet-Café zu finden, um seiner Freundin zu mailen oder so.

Wastin!com: Klar! Aber nach mal zu 'Miss Machine'. Mit dem Album habt ihr wahnsinnig gute Kritiken bekommen!

Greg: Darüber waren wir sehr überrascht!

Wastin!com: „Es ist revolutionär!“ wird da gesagt und all das. Ist das ein bißchen unheimlich so was zu hören?

Greg: Das ist es! Ich bin mir dessen immer bewusst. Denn ich glaube, die Leute sind wirklich schnell mit solchen Äußerungen. Einer sagt, dass es großartig ist, und schon sagen es alle, denn niemand will derjenige sein, der das nicht versteht.
Als wir begannen die Reviews zu lesen, rechneten wir damit, dass wir viele gute Reviews lesen würden, aber eben auch damit, dass wir ebenso viele Schlechte finden würden. Einfach von den Leuten, die es nicht gut, dass wir neue Sachen ausprobieren und so. Aber als ich dann begann alle zu lesen, bemerkte ich, dass wirklich jedes einzelne umwerfend gut war. Ich meine, ich bin froh, dass die Leute das Album mögen, aber ich brauchte doch eine ganze Weile, um das zu glauben. Ich meine, wie kann jeder der Meinung sein, dass es dermaßen gut ist? Ich bin sicher, dass es viele gar nicht so toll finden, aber das Gefühl haben, sie müssten das sagen, denn sie wollen nicht diejenigen sein, die das Album, dass alle anderen toll finden, niedermachen. Sie wollen nicht die Außenseiter sein indem sie sagen, dass es scheiße ist, weißt du? Aber was auch immer, ich finde es gut!

Wastin!com: Aber fühlst du dich dennoch unter Druck gesetzt wegen dem vielen Lob, dass das neue Album nun auch so gut werden muss?

Greg: Ich glaube auf jeden Fall, dass wir uns selber mehr unter Druck setzen, denn eigentlich lachen wir eher über die Kritiken, egal ob sie nun gut oder schlecht sind. Es ist wirklich witzig zu lesen, was andere Menschen über das denken, woran du so lange gearbeitet hast. Aber wir denken nicht wirklich darüber nach, was die Leute denken könnten, wenn wir schreiben. Ich glaube, keiner von uns hat jemals damit gerechnet, dass wir mal mit unserer Musik Geld verdienen würden, und dass wir jetzt ein wenig damit verdienen ist immer noch sehr überraschend für uns. Und ich glaube nicht, dass wir jemals besorgt darüber wären, wie unser nächstes Album ankommt. Und auch wenn die Leute es hassen würden, dann bin ich sicher, dass wir trotzdem noch weitere veröffentlichen werden. Jedenfalls so lange wir damit zufrieden sind, denn das ist alles was zählt!

The Dillinger Escape PlanfWastin!com: Wie du eben meintest, ihr lacht euch schon mal gerne über Reviews kaputt, wie würdest du denn euren Stil beschreiben oder welchen Namen würdest du ihm geben? Denn jeder versucht ja immer eine Bezeichnung für alles zu finden.

Greg: Das hasse ich wirklich! Sie nennen es „Math Core“ oder „Noise Core“ oder so. Ich meine, „Math Metal“, was soll das denn sein? Ich glaube, die Leute fühlen sich immer unwohl, wenn sie etwas nicht einordnen können, wenn sie es nicht in eine bestimmte Schublade stecken können und sagen können, das ist Hip Hop und das ist Death Metal und das da ist Country Musik. Aber bei unserer CD können sie das eben auch nicht.
Man muss sich unsere CD ganz anhören, um zu verstehen, was wir machen. Du kannst nicht einfach Track 4 nehmen und sagen, so klingen wir. Das nervt echt, aber ich glaube, du kannst die Leute auch nicht davon abhalten das zu tun, aber es geht mir echt auf die Nerven, wenn ich so Sachen höre wie „Math Metal“, denn darum geht es bei uns nicht! Wenn wir uns jetzt entscheiden würden ein komplettes Keyboard-Album aufzunehmen, so ein scheiß Videogame-Soundtrack oder so, dann würden wir es immer noch The Dillinger Escape Plan nennen. Egal um welche Art von Musik es sich nun handelt. Wir wollen einfach nicht nur auf eine einzige Sache beschränkt werden.

Wastin!com: Man muss alles hören, um zu wissen, was ihr macht!

Greg: Genau! Wir sind The Dillinger Escape Plan – das ist alles. Wir machen kein Math Metal, wir sind einfach nur The Dillinger Escape Plan und ich frage mich, warum die Leute das nicht als das akzeptieren können was es ist.

Wastin!com: Ich denke mal, diese Kategorisierungen brauchen die Leute auch einfach, um sich unter einer Band, die sie nicht kennen besser was vorzustellen.

Greg: Aber das ist das Schlimmste! Wenn dich die Leute fragen; „Ey, wie klingt deine Band?“ Sie erwarten dann, dass du dich anhörst wie Slayer gemischt mit diesem oder jenem. Aber das ist es nicht! Wir sind nichts von dem. Hört es euch einfach an, dann wisst ihr wie wir klingen.

Wastin!com: Was ist deiner Meinung nach, die größte Stärke der Band? Dass ihr so viele Styles vereint?

Greg: Unsere größte Stärke? Ja, ich glaube, das ist die Fähigkeit, so viele verschiedene Musikstile miteinander zu aggressiver Musik zu verbinden ohne dass es erzwungen klingt. Und ehrlich gesagt glaube ich, dass unsere Live-Performances auch eine Stärke ist, ich weiß, das hat jetzt nichts mit unserer CD zu tun oder damit zu tun Songs zu schreiben, aber ich glaube ungeachtet von allem anderen ist uns live zu sehen wohl unsere größte Stärke.

Wastin!com: Hattest du eigentlich damals jemals Zweifel, dass man dich als neuen Sänger akzeptieren würde?

Greg: Ich meine, ich fühlte mich am Anfang mehr unter Druck gesetzt. Und ich wäre sehr skeptisch gegenüber jemanden wie mir gewesen. Ich hätte mir wahrscheinlich gedacht; „Wer zum Geier ist dieser Typ da auf der Bühne?! Warum haben sie den genommen?“ Aber nach der ersten Tour, die wir machten, hatte ich eigentlich keine Zweifel mehr. Und die Mike Patton-Geschichte passierte dann so schnell, ich meine, das passierte schon als ich in der Band war und so wurde er eigentlich mehr unter den Druck gesetzt, der eigentlich auf mir lastete. Ich glaube, um ehrlich zu sein, die EP, die wir mit ihm aufnahmen, nahm sehr viel Druck von mir.

Wastin!com: Ich kann mir gut vorstellen, dass du mittlerweile genervt sein musst von diesen Mike Patton-Fragen, aber ich habe auch nur eine!

Greg: Das ist schon okay!

Wastin!com: Mike sollte kein festes Bandmitglied werden, weil ihr unter anderem Sorge hattet, dass er sich dann nicht so sehr um die Band kümmert, da er ja noch tausend andere Projekte hat. Aber gibt es denn Pläne noch mal was mit ihm zu machen? Vielleicht einen Song oder so?

Greg: Überhaupt nicht! Wir haben es schon mal gemacht, also warum sollten wir es noch mal tun? Ich meine, vielleicht werden wir in Zukunft noch mal mit Leuten zusammenarbeiten, aber wer weiß schon, wer das dann sein wird und welches dann ihr Instrument sein wird. Es muss ja nicht unbedingt ein Sänger sein, es könnte ja auch ein Keyboarder oder so sein. Aber im Moment wollen wir CDs mit diesem Line-Up veröffentlichen, damit die Leute wissen, das wir zu der Band gehören. Wir denken, jeder von uns hat selbst soviel Potential, das wir noch nicht genutzt haben. Kollaborationen sind aber gut, sie helfen dir viel über dich zu lernen, indem du gezwungen bist mit Leuten zusammenarbeiten mit denen du dich vielleicht nicht so wohl fühlst. Aber wir haben erst ein Album zusammen veröffentlicht und ich glaube, wir werden auch noch einige raus bringen, bevor wir uns mal wieder mit Kollaborationen versuchen.

Wastin!com: Und wenn du dir das andere Material von euch anschaust, was ist da jetzt der größte Unterschied und Fortschritt zu 'Miss Machine'?

Greg: Na ja, ich glaube auf jeden Fall, dass die aller erste EP, die jemals herauskam – ich weiß gar nicht, ob die hier erschienen ist oder nicht – und das war noch vor der 'Calculating Infinity' (1999) und vor 'Under The Running Board' (1997), die klang auf jeden Fall noch völlig anders als alles andere, das jemals danach erschien. Also war da schon ein riesiger Fortschritt zwischen dieser und 'Under The Running Board'.'Under The Running Board' und 'Calculating Infinity' waren ziemlich gleich. Aber dann gibt es einen gewaltigen Unterschied zwischen 'Calculating Infinity' und 'Irony Is A Dead Scene' (2002). Ich meine, Mike Patton machte einen großen Unterschied, aber ich glaube auch, dass die Band da begann verschiedene andere Musikstile zu vereinen und daraus eigene Melodien zu schaffen und man begann spezielle Arrangements zu verwenden anstatt alles nur aneinander zu klatschen und man begann damit das Ganze schneller werden zu lassen. Und ich denke 'Miss Machine' (2004) ist sowas wie eine Brücke zwischen 'Calculating Infinity' und dem, wie das nächste Album klingen wird, das wir machen werden. Als wir die Songs geschrieben haben waren wir sehr aufgeregt. Und ich freue mich schon sehr darauf endlich wieder neue Songs zu schreiben. Denn ich habe das Gefühl, wenn wir erstmal wieder zurück sind und anfangen zu schreiben, werden wir großartiges Material auf CD bringen. Also, ich kann es nicht erwarten, ein neues Album zu schreiben!

The Dillinger Escape PlanfWastin!com: Das glaube ich! Kannst du denn sagen, welcher dein Lieblingssong ist?

Greg: Das ist definitiv schwierig, denn sie sind so unterschiedlich. Ich mag verschiedene aus verschiedenen Gründen, deshalb kann ich nicht einen bestimmten auswählen, um ehrlich zu sein.

Wastin!com: Ich mag Nummer 5: 'Phone Call' sehr gerne!

Greg: Cool, cool, cool das mag ich auch sehr gerne, der Song war einer der ersten, die wir geschrieben haben.

Wastin!com: Produziert wurde 'Miss Machine' von Steve Evetts und Chris und Ben. Denkst du, dass es sehr viele Vorteile hat, jemanden in der Band zu haben, der sich damit auskennt?

Greg: Das ist ein großer Vorteil, ich meine, keiner kennt unsere Musik besser als wir. Es hilft uns auf jeden Fall, dass Chris und Ben während der Jahre genug über´s Producing gelernt haben, so dass sie nun in einem Raum mit Steve sein können und mit ihm auf einem bestimmten Level kommunizieren können. Und zwar so, dass man nicht einfach nur zum Produzenten, der all dieses technische Wissen hat, sagt; „Hey, ich glaube, das sollte aber irgendwie heftiger klingen!“ Oder so was. Dann würde der Produzent dich wohl einfach nur raus schmeißen wollen! Aber sie reden über so Sachen wie Frequenzen und Computer Tools, die sie benutzen und so. Und dass die Drei sich verstehen, ist sehr hilfreich für uns.

Wastin!com: Das glaube ich. Wenn es ein Gerücht über dich oder The Dillinger Escape Plan gäbe, das du nun aufklären könntest, welches wäre das und warum?

Greg: Eins, das wir jetzt aufklären könnten, mal überlegen.

Gerade kommt Paul, der Tourmanager in den Bus.

Greg: Hey, Paul, kennst du ein Gerücht über uns, dass wir jetzt aufklären könnten? Eins, das nicht wahr ist?

Paul: Vielleicht, dass euer Gitarrist nicht homosexuell ist?

Greg: Genau! Das Gerücht lautet, dass unser Gitarrist kein wilder Homosexueller ist. Und die Leute sagen, dass Liam´s Penis nicht ein Fuß lang ist, aber er ist wirklich so lang! Und die Leute sagen auch, dass unser Bus nicht stinkt, aber wie du riechen kannst, stinkt der fürchterlich!

Wastin!com: Ich hab da mal eine Story gehört, dass du bei eurem ersten Konzert zwei Zähne verloren hättest! Stimmt das?

Greg: Ja, das ist war, ich habe zwei Zähne verloren! Ich habe zwei unechte Zähne, Ben hat mir seine Gitarre ins Gesicht geschlagen. Das hat echt scheiße weh getan und viele der Kids fanden das wirklich großartig, aber das war gar nicht toll! Ich meine, ich bin ja froh, dass die Leute da auf dem Konzert was gesehen haben, das sie nie vergessen werden, aber es war nicht schön dann zum Zahnarzt zu gehen. Das war ein Schaden im Wert von 5000 Dollars und ich hatte noch nicht mal eine Versicherung, das war eine schlimme Zeit für mich. (lacht!) Und das Schlimmste war, dass wir noch eine Woche der Tour vor uns hatten und ich nicht zum Zahnarzt gehen konnte und so musste ich die Woche mit meinen fehlenden Zähnen zu ende bringen. Und nichts ist so wie dich im Spiegel mit fehlenden Zähnen zu sehen, das ist echt das Schlimmste. Du siehst so dämlich aus, du siehst direkt wie Abschaum aus, wie der Blödste von allen. Und außerdem ist es erstaunlich wie anders die Leute dich plötzlich behandeln, wenn dir ein paar Zähne fehlen. Wenn du einfach irgendwo hingehst und versuchst mit Leuten zu reden, dann halten die dich direkt für irgend so einen Proleten, der gerade aus seinem Trailerpark gestolpert ist oder so.
Aber na ja, solche Sachen passieren eben!

Wastin!com: Und wie ist das genau passiert?

Greg: Ich sang gerade den ersten Song unseres Sets und naja, Ben schwang heftig seine Gitarre herum, wir sind nämlich ziemlich brutal auf der Bühne, und noch bevor wir auf die Bühne gingen hatte ich zum ihm gesagt, dass er mir irgendwann noch mal die Zähne ausschlagen wird. Und dann 20 Sekunden später traf er mich mit seiner Gitarre mitten ins Gesicht. Ich fühlte dann mit meiner Zunge an meine Zähne und die baumelten nur noch so rum und fielen dann ganz raus. Ich wollte dann sofort aufhören. Ich wollte einfach nur noch aufhören, denn da war überall Blut. Aber Ben sagte zu mir, dass ich verdammt noch mal zurück auf die Bühne gehen sollte um das Set zu beenden und ich sagte; „Okay, Ben!“ Also spielten wir den Gig zu ende und die Kids flippten einfach nur aus, denn ich hörte einfach nicht auf zu bluten, das war wie ein Strom, der aus meinem Mund quoll. Und als wir fertig waren fuhren wir zur Notaufnahme und die sagten mir dann ich müsste 15 Stunden warten. Dann hab ich gesagt, dass ich so lange nicht warten könne, weil wir in eine andere Stadt fahren müssten zum nächsten Konzert, da sagten die nur, dann könnten sie mir auch nicht helfen. Also habe ich mir einen Haufen Papiertaschentücher in den Mund gesteckt und hab mich schlafen gelegt, und am nächsten Morgen bin ich aufgewacht und hatte da diese riesigen Lücken und Blutgerinnsel.

Wastin!com: Das ist ja furchtbar! Da wäre es wohl besser gewesen, wenn es sich dabei wirklich nur um ein Gerücht gehandelt hätte! Wie sehen denn eure weiteren Pläne für dieses Jahr aus? Werdet ihr wieder nach Deutschland kommen?

Greg: Ja, wir werden Rock am Ring und Rock im Park im Juni spielen und danach besteht die Chance, dass wir noch mal gegen November, Dezember wieder kommen. Mal gucken, wir mögen Europa sehr! Aber wir sind jetzt fast ein Jahr hier gewesen und deshalb müssen wir jetzt auch mal wieder zurück in die Vereinigten Staaten und uns darauf ein wenig konzentrieren. Aber wir kommen auf jeden Fall im Juni zurück! Und das wird wieder Spaß machen!

Wastin!com: Schön zu hören! Das war auch schon die letzte Frage, vielen Dank! Ich freue mich auf eure Show!

Greg: Ja, danke, hat sehr viel Spaß gemacht! Habt viel Spaß!

Website The Dillinger Escape Plan
Autor: Vera Bunk