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Emil Bulls - Interview mit Christ und James - 08. Oktober 2005, Aachen
Die Emil Bulls sind mit 'The Southern Comfort' wieder zurück und stopfen damit jeglichen Kritikern, die daran nicht mehr geglaubt haben, endgültig das Maul. Wir haben Sänger Christoph und Bassist James aka Citnoh im bequemen Tourbus getroffen, bevor sie am 08. September 2005 Aachen im Musikbunker das Rocken lehren sollten. Ganz offen plauderten sie über Produzenten-Auswahlverfahren und über seltsame Rituale vor der Show. Außerdem verriet uns Christ, wieso Rammstein doch gar nicht mal so schlecht sind und warum er eine gute Platte zum Heulen und Jägermeister zum Kotzen findet. Das alles und viel mehr lest ihr hier!

Emil Bulls - 08. Oktober 2005 - AachenWastin!com: Hallo, ihr zwei! Schön euch hier zu haben! Gestern war der erste Tag, also wie läuft die Tür bis jetzt, wenn man das überhaupt schon sagen kann?

Christ: Ja, gestern war der erste Tag. Also, gestern war es, würde ich sagen, ein fulminanter Auftakt.

James: Wahnsinn.

Christ: Aschaffenburg im Colossal. Ja, die Hütte war voll, die Leute waren der Wahnsinn. Für uns war's sehr schön. Wir haben gestern wieder gemerkt, dass es einfach das Geilste ist wieder auf Tour zu sein und Clubshows zu spielen. Dagegen stinkt dann doch eigentlich jedes Festival ab.

James: Ja, es ist voll geil. Es ist wunderbar, wenn die Leute wegen einem auf ein Konzert kommen, weil man das wirklich merkt, also dass die Leute da mit Herzblut dabei sind.

Christ: Ja.

Wastin!com: Hat also mehr Vorteile im Club zu spielen, weil die Leute für einen kommen und weil es mehr intimer ist.

Christ: Genau!

Wastin!com: Wie kam es eigentlich dazu, dass ihr jetzt die Jungs von Itchy Poopzkid als Support dabei habt?

James: Naja, wir haben halt ein bisschen nachgedacht, und es gab da einfach auch eine Anfrage von denen.

Christ: Also, die haben sich erstmal beworben. So wie - muss man auch sagen - viele andere Bands auch. Und wir haben uns dann Demos angehört bzw. die neue Platte von den Jungs und fanden das ganz famos und haben gesagt; „Klar nehmen wir die mit! Das sind nur drei, die nehmen nicht so viel Platz weg!“(beide lachen!) Das ist eigentlich der wahre Grund, haha. Nein, natürlich nicht. Da wir schon immer eine Band waren, die mit Vorbands experimentiert, sprich auch mit Bands, die was völlig anderes machen als wir selber, ist die Mucke von den Itchys einfach perfekt, um dieses Experiment auszubauen. Wir hatten schon Bands wie Kungfu dabei, die auch überhaupt nichts mit uns jetzt eigentlich zu tun haben. Und das ist ja eigentlich eine Erziehungsmaßnahme an den Fan, weil der soll ja offen werden für jegliche Musikrichtungen.

James: Ja.

Wastin!com: Ja, genau Kungfu waren damals auch hier in Aachen dabei.

Christ: Waren die da noch dabei? Krass! Das weiß ich gar nicht mehr.

Wastin!com: Als lokaler Support waren French Polish dabei und dann eben Kungfu.

James: Ja genau! Da kann ich mich dran erinnern

Christ: Das weiß ich auch noch! Krass!

Wastin!com: Da gab´s dann auch noch den Heiratsantrag!

James & Christ: Ja, genau!

Christ: Die beiden sind auch immer noch zusammen. Sie haben aber nicht geheiratet. Neulich haben wir den jungen Mann getroffen, der diesen Antrag gemacht hat, und ja, die sind noch glücklich, aber sie haben sich dann doch nicht getraut zu heiraten.

Wastin!com: Das ist ja lustig zu erfahren. Ich habe mich immer gefragt, was aus denen geworden ist. Ja, und heute wieder im Musikbunker, es ist ja schon ziemlich viel los. Freut ihr euch?

Christ: Ja, natürlich!

James: Ist schon viel los?

Christ: Ich weiß nicht, es geht. Es hält sich noch in Grenzen. Also, ich bin hier eh sehr gespannt, weil wir so lang nicht mehr in Aachen waren. Ob uns hier überhaupt noch jemand kennt ist die Frage. Aber wir werden heute Abend wieder zocken und es ist jeden Abend auf´s Neue ein Spaß. Und so auch heute hier!

James: Ja, auf jeden Fall!

Wastin!com: Bei euch hat sich ja im letzten Jahr und nach dem letzten Album sehr viel getan. Auch Line-Up-technisch. Gab es denn da auch eine Zeit, in der ihr persönlich daran gezweifelt habt, dass es mit der Band überhaupt weitergeht?

Christ: Zweifel würde ich jetzt nicht sagen. Klar, fängt man, wenn jemand aussteigt, irgendwie an darüber nachzudenken; „Oh scheiße, wie macht man jetzt weiter?“ Dass man aber weitermacht, das ist von Vornherein klar. Aber wie macht man weiter? Sucht man jetzt einen Ersatz? Klar, beim Schlagzeuger brauchst du einfach einen Ersatz, aber beim DJ haben wir uns wirklich die Frage gestellt; „Wollen wir 'nen Neuen?“ Und wir haben uns da gedacht; „Nee, scheiß drauf, wir sind eigentlich 'ne Rockband!“ Und den Paul kann sowieso niemand ersetzen, deshalb suchen wir auch keinen Ersatz. Und es war auch eher so, als die Jungs ausgestiegen sind, dass sich auch so ein Ansporn breitgemacht hat, so das man sagt ; „Wow – jetzt erst recht! Das lassen wir nicht auf uns sitzen, dass uns jemand sitzen lässt. Wir zeigen´s denen jetzt und es geht auch ohne die!“

James: Genau!

Emil Bulls - 08. Oktober 2005 - AachenWastin!com: Ja, auch sehr zur Freude der Fans. Als die Nachricht, dass Fini aussteigt, die Runde machte, war man ja schon ziemlich beunruhigt. Das ist ja für den Fan schon ein ziemlicher Bibbermoment, bevor man dann weiß, wie es mit einer Band weitergeht.

James: Wir sind, glaub ich, schon 'ne feste, ziemlich feste Instanz.

Wastin!com: Nun gut, Fini ist weg. DJ Zam Zoe geht auch nicht mehr mit auf Tour. Fabian ist der neue Schlagzeuger. Wie hat sich der Wechsel an den Drums auf euren Sound ausgewirkt? Vielleicht: Stichwort „Rockiger“?

Christ: Nee, würde ich jetzt nicht sagen ...

James: Also, das Schlagzeugspielen ist jetzt natürlich anders, aber so von der Grundidee, was wir an Sound machen wollen und so, hat sich nicht so viel geändert. Es ist jetzt halt noch eine andere Komponente dazugekommen. Fab bringt jetzt vielleicht mal was anderes ein als es Fini früher getan hat, aber das Grundding ist eigentlich geblieben.

Christ: Aber das neue Album ist ja auch eher so zustande gekommen, oder klingt so wie es ist, weil wir so wahnsinnig viele Songs geschrieben haben. Wir hatten, glaub´ ich, am Ende für das Album 50 Songs, die komplett fertig waren. Und wir hätten eigentlich aus diesen 50 Songs drei verschiedene Alben machen können. Also eins hätte wahrscheinlich geklungen wie die Bulls Oldschool. Das andere wäre eher ein bisschen poppiger ausgefallen und das dritte Album wäre dann so eine Schweine-Rotz-Rock-Platte geworden. Und dann haben wir lange überlegt, was wir aus diesen, sagen wir, drei Richtungen machen sollen. Wir haben uns dann aber dafür entschieden, wir tun einfach, unserer Meinung nach, die besten Songs aus allen drei Richtungen auf ein Album. Und ich mag das sehr gerne, wenn Alben so vielschichtig sind. Wenn nicht gleich beim ersten Song alles gesagt ist. Viele sagen; „Okay, die Band hat keinen roten Faden in diesem Album.“ Aber was bringt das dem einem, wenn man beim ersten Song schon alle restlichen Songs kennt? Ich entdecke auf Alben auch beim zehnten Mal hören ...

Plötzlich kommt Drummer Fabian die Treppe hoch und schaut zu uns rein.

Christ: Weg! Ab! Du wurdest schon abgehandelt, du brauchst jetzt nicht herkommen. (alle lachen!)

Fabian: Och, scheiße!

James: Dein Part ist schon vorbei!

Resignierend tritt er zurück und geht die Treppe wieder runter.

Christ: Wo war ich? Nein, man will ja auch noch beim zehnten Mal entdecken, was man beim vierten, fünften Mal noch nicht gehört hat.

James: Außerdem, wer unseren roten Faden nicht kapiert ...

Wastin!com: ... der hat eben Pech gehabt! Ihr habt ja jetzt schon zehn Jahre Bandgeschichte auf dem Buckel. Habt ihr da manchmal nicht auch Bock mal was völlig anderes als die Bulls zu machen? Christ, du als Sänger, hast du da auch schon mal Solo-Ambitionen?

James: Passiert eh.

Christ: Ja, also, ich mache etwas solo, aber mit den Jungs. Hehe. Nee, ich hab so ein Elektro-Melancholie-Pop-Nebenprojekt, also Soloprojekt, das nennt sich Flamingo. Und in der Live-Band spielen aber auch der Chrissy und der Jamy wieder mit und ... ja, das sind einfach die Besten für diesen Zweck, die ich kenne, und dann werden sie auch genommen.

James: Ja, ich habe auch noch so eine Kreisch-Grunz-Metal-Band so nebenher halt. Also so andere Sachen leben wir nebenher schon aus. Also, dafür bleibt schon noch Zeit.

Wastin!com: Singst du denn da auch?

James: Ja... schon.

Christ: Da schreit er!

James: Da schreit er ... (grinst breit!)

Wastin!com: Das ist ja geil – wie heißt die?

James: Van Drunen.

Wastin!com: Bekommt man die Band hier auch mal zu sehen oder zu hören?

James: Wir müssen erst ... ja, das dauert alles noch.

Wastin!com: Da bin ich aber mal gespannt!

Christ: Ist aber sehr gut.

Emil Bulls - 08. Oktober 2005 - AachenWastin!com: Ihr seid jetzt ja bei Pirate Records untergekommen. Fühlt ihr euch da wohl? Und ist es vielleicht auch schön, nicht bei einem Major-Label zu sein, weil vielleicht auch viel Druck von einem abfällt?

Christ: Also, ich würde mal sagen, bei Pirate fühlen wir uns bis jetzt sehr gut aufgehoben, weil es einfach ein Team ist, das einfach Bock auf die Band hat und das anspornt. Ich weiß nicht, im Vergleich zum Major ... Also, unsere Majorerfahrungen mit Motor waren irgendwie so beschissen, dass alles andere nur besser sein kann. Aber die alten Island-Zeiten waren auch trotz Major-Firma super.

Wastin!com: Also, ihr seht das jetzt nicht als Rückschritt?

Christ: Nee, überhaupt nicht. Also, heutzutage ist ein Indie-Label kein Rückschritt, weil Major-Labels auch kein Geld mehr haben. Deshalb ist es völlig wurscht.

Wastin!com: Vor allem habe ich das Gefühl, dass der einzige Vorteil eines Majors darin besteht, dass die euch als Band wesentlich mehr promoten. Aber ich sehe darin immer die Gefahr, dass man dann ja eher so in die kommerzielle Ausverkaufsschiene rutschen kann. Und deshalb finde ich Indie-Labels besser, weil die sich auch mehr auf die Band und deren Wünsche einstellen.

James: Ja, klar, das sind nicht so viele Leute. Dadurch hat man dann auch ein bisschen die Kontrolle darüber, was die machen und wo die die Promo ansetzen oder sonst was. Also, man kriegt einfach viel mehr mit von dem ganzen Geschehen, das auch in der Plattenfirma passiert, und wie die arbeiten und bei einem Major kriegt man das nicht mit. Da weißt du überhaupt nicht, was die machen. Du siehst die irgendwie zwei, drei Mal im Jahr und das war´s halt dann. Gehst mit denen fett essen und das war´s.

Wastin!com: Okay. DJ Zam Zoe ist ja jetzt auf Tour nicht mehr dabei, wie realisiert ihr seine Parts auf der Bühne?

Christ: Mit ´nem Sampler. Also, eigentlich kommt jetzt alles, was eigentlich der Paul gemacht hat, vom Band sozusagen.

James: Von einer kleinen Kiste.

Wastin!com: Ja, das habe ich eben beim Soundcheck schon gesehen, da habt ihr nämlich 'Quiet Night' gespielt!

James:Ooohh, da hast du unseren Schmankerl schon gehört!

Wastin!com: Ja, und da freu ich mich schon sehr drauf!

Christ: Ja, gestern in Aschaffenburg da hast du echt gemerkt, wie die Leute dachten; „Äh, was ist denn jetzt los?“

James: Voll, das haben die nicht ganz kapiert, dass wir den Song jetzt tatsächlich spielen.

Christ: Die haben sich gefreut!

Wastin!com: Das bedeutet also, es gibt für euch live ohne Paul keinerlei Einschränkungen. Ihr könnt alles spielen!

Christ: Ja ja, klar.

Wastin!com: Ihr seid ja sowieso immer ziemlich energiegeladen auf der Bühne. Habt ihr vorher ein Ritual, um euch darauf einzuschwören?

James: Das ist Saisonbedingt. Es sind immer verschiedene Rituale, manchmal haben wir keins und letztes Jahr hatten wir eine Zeitlang das Ritual eine halbe Stunde vor der Show die letzte Platte von Deichkind zu hören. Nur Deichkind, total laut, mitgrölen und abgehen. Kurze Zeit haben wir's mit Scooter versucht, aber das geht einfach nicht.

Christ: Mit ganz üblem Deutsch-HipHop haben wir´s auch schon versucht - à la Sido.

James: Aber das hat alles nicht die Wirkung.

Wastin!com: Wollt ihr euch damit aggressiv aufladen?

Christ: Nee, ich würde sagen, eher locker machen. Also, weil wir dann immer sehr beschwingt dazu getanzt haben und es ist besser irgendwie ...

James: ... man wärmt sich halt dazu so auf, danct ein wenig mit und dehnt sich ein bisschen.

Wastin!com: Und welches Ritual habt ihr momentan?

Christ: Gestern, beim ersten Tourtag, war irgendwie alles so aufregend. Wir müssen das Ritual für diese Tour erst noch finden. Das wird sich wahrscheinlich in den nächsten zwei, drei Tagen rauskristallisieren was das sein wird. Vielleicht schweigen wir uns an?

James: Ja, bestimmt.

Christ: Oder reden über irgendwelche Probleme, die wir miteinander haben, kurz vor der Show. Ich glaube, das ist sehr gut, um das Bühnenaggressionspotential zu steigern.

James: Ja, auf jeden Fall!

Emil Bulls - 08. Oktober 2005 - AachenWastin!com: Na ja, so lange ihr hier im Musikbunker nichts von Fler spielt ist ja alles okay; Da gab´s ja hier etwas Stress wegen.

Christ: Das mit Fler haben wir gehört.

Wastin!com: Ja, mittlerweile ist ja das ganze Guestbook vom Musikbunker voll mit Hasseinträgen von Fler-Fans, die darüber erbost sind, dass der hier nicht spielen durfte.

Christ: In München im Backstage war´s auch ähnlich, als der da spielen sollte. Ich glaube, der hat da auch gespielt, hier hat er dann ja gar nicht gespielt, ne?

Wastin!com: Nee, das Konzert wurde wenige Tage vorher vom Bunker abgesagt. Auch nicht die feine Art.

Christ: Aber in München war das auch so, das dass Guestbook von dem Club total voll war, also ich find´ das voll Banane.


Wastin!com: Ja, aber die Fans kann man einerseits ja auch verstehen, ich wär´ auch sauer gewesen. Aber jetzt noch mal zurück zum Ritual: Die Poopzkids trinken immer Jägermeister vor der Show, das finde ich gut!

Christ: Ja, das habe ich gestern auch beobachtet.

James: Aber die Jägermeister-Zeit ist, glaube ich, bei uns vorbei. Wir haben die zweite Tour mit dem Jägermeister-Nightliner und einem unerschöpflichen Kontingent an Jägermeister gemacht, den wir natürlich vernichtet haben. Aber aus dem Alter sind wir, glaube ich, schon raus.

Christ: Jetzt sind wir auf Whisky und Vodka umgestiegen, ist auch ein bisschen edler.

Wastin!com: Oh, ich glaube, ich muss ´ne Band gründen und auch mit dem Nightliner fahren! ;) Jeden Tag Jägermeister...

Christ: Den gibt's aber leider nicht mehr. Und das war aber irgendwann krass. Das war die Hölle, nach vier Wochen nur Jägermeister saufen ...

James: Ja, und wir haben´s halt echt volle Kanne ausgekostet.

Christ: Wenn´s umsonst ist, muss ja weg.

Wastin!com: Das kann man auch verstehen. Habt ihr eigentlich nach den Shows Kontakt zu den Fans?

James: Ja, klar! Wir gehen eigentlich immer noch raus zum Merchstand, um den Leuten noch ein paar Autogramme zu geben und uns zum grandiosen Konzert beglückwünschen zu lassen oder so.(beide lachen!) Ich glaube eh, dass wir eine der wenigen sehr, sehr Fan-nahen Bands sind und wir haben das eigentlich von Anfang an so gemacht und werden das auch immer offen halten, außer wir werden so groß wie Robbie Williams oder so.

Wastin!com: Ja gut, wenn dann so bekloppte Weiber hinter einem her sind...

James: Dann geht's natürlich nicht.

Christ: Das ist ja immer das Problem bei diesen großen Bands. Da heißt es dann immer; „Ahh, der kommt nicht raus. Der ist arrogant und blah, blah, blah!“ Aber der kann einfach nicht raus. Also, das geht einfach nicht, denn dann ist der halt tot oder andere sind tot oder was weiß ich. Das ist halt eher zur Sicherheit des Fans.

Wastin!com: Das stimmt! Das sehe ich auch so. Aber jetzt mal zu eurer neuen Scheibe 'The Southern Comfort'. Beschreibt doch mal mit drei Worten die neue Platte!

Christ: „Für alle Lebenslagen.“

James: Ähm, ich hatte grad was im Kopf, jetzt fällt´s mir nicht ein. Was haben wir immer gesagt? Harte Musik ... ? Ahhh, ich weiß es nicht mehr. Wir hatten so eine gute Umschreibung.

Christ: Hatten wir, oder was?

James: Jaaa.

Wastin!com: So gut zurechtgelegt und jetzt doch vergessen?

James: „Geschmackvolle Musik mit Wums!“ Das war es!

Christ: (lacht sich kaputt!) Was'n das für´n Scheiß?

James: Kennst du das noch nicht?

Christ: Nö!

James: „Geschmackvolle Musik mit Wums“ – das machen wir!

Christ: Okay ... Machen wir T-Shirts, wo sowas draufsteht! ... mit Wums!

James: ... oder Bums oder wie auch immer!

Emil Bulls - 08. Oktober 2005 - AachenWastin!com: Sehr geil! Und was würdet ihr sagen, musikalisch gesehen, wo liegen die größten Unterschiede und Fortschritte zu den vorigen CD's?

Christ: Ich finde absolut im Songwriting. Also, der Song an sich ist viel runder geworden auf der neuen Platte.

James: Ja, wir haben uns halt Zeit gelassen und dadurch haben wir halt viel mehr an den Songs gearbeitet als zum Beispiel bei der 'Porcelain'. Ist halt einfach nicht so ein Schnellschuss gewesen, sondern sehr, sehr intensives Arbeiten!

Wastin!com: Also quasi, das reifste Emil Bulls Album bis jetzt.

Christ: Würde ich sagen, ja.

Wastin!com: Und woher nimmst du die Inspiration für die Lyrics – wo kommen die her?

Christ: Früher habe ich immer sehr viel aus der Ich-Perspektive geschrieben. Da hat sich eigentlich alles um meine persönlichen Gedanken gehandelt. Jetzt bei der Platte ist das anders, was sicher auch daraus resultiert, was mit der Band eben alles passiert ist. Was weiß ich, darüber dass du eine Zeitlang einfach keinen Plattenvertrag hast, dass du Bandmitglieder verlierst oder sowas einfach. Daraus hat sich eher so ein „Wir-Gefühl“ gebildet. Also, ich habe die Texte absichtlich immer in der, meistens zumindest, in der Wir-Perspektive geschrieben. So nach dem Motto: „Nur Gemeinsam ist man stark“ und man kann auch in den schlechtesten Situationen, wenn man zusammenhält, alles schaffen. Und Inspirationen hole ich mir eigentlich von überall her. Also, das können Filme sein, das können Momente auf Tour sein, das können Momente im Proberaum, im Studio sein. Ist einfach ... joa ...

Wastin!com: Das Leben!

Christ: Das Leben, genau!

James: Ich schreibe die Texte nicht, ich kann nichts zu sagen.

Wastin!com: Aber du bist mit den Texten zufrieden? Also, das sollte ja so sein, dass die Band damit zufrieden ist.

Christ: (scherzt) Die kennen die Texte nicht.

James: Bei uns ist es eher so, dass das halt Christoph´s Ding ist so. Er will jetzt nicht einen Text von jemand anders singen, ist ja auch bescheuert irgendwie. Und von daher lassen wir ihm freie Hand. Und ich meine, drauf gucken tun wir schon, aber ich bin kein Kulturkritiker oder was weiß ich. Also, ich kritisiere sowas nicht. Mir gehen auch zum Beispiel so Literaturkritiker toootal auf´n Sack! Also, es soll jeder so machen wie er will.

Wastin!com: Aber man kann ja schon sagen, dass die neue Platte sehr positiv ist. Also, ich finde man hat ein positives Gefühl.

James: Ja, wir hatten auch nach dem ganzen Quatsch eigentlich schon wirklich ein sehr positives Wir-Gefühl. Als wir die Platte aufgenommen und geschrieben haben und daher kommt das, schätze ich auch mal, dass uns das einfach irgendwie mehr Schub gegeben hat als uns das runtergezogen hat.

Wastin!com: Ja, wie Christoph eben sagte, so von wegen: „Jetzt erst recht!“

Christ: Ja! Genau!

Wastin!com: Was könnt ihr zum Titel 'The Southern Comfort' sagen?

Christ: Ja, wir sind ja Münchener Jungs, Bayern, die auch dieses unser Heimatland sehr verehren. Kulturell, auf keinen Fall politisch. Und wenn du 'The Southern Comfort' übersetzt, dann kannst du ja sagen, es ist „Die bayrische Gemütlichkeit“. Und joa, so isses.

James: Ja!

Wastin!com: Und mit dem Getränk habt ihr auch kein Problem?

Christ: Mit dem Getränk kommen wir sehr gut klar, soll aber in diesem Kontext mit dem Getränk gar nichts zu tun haben. Denken auf den ersten Blick natürlich die meisten, weil keiner so schlau ist.

James: Letztens habe ich jemand getroffen, der das gar nicht gecheckt hat. Der meinte; „Ah ja, stimmt. Es gibt ja auch so ein Getränk, das wäre mir jetzt nie eingefallen.“

Christ: Krass! Der war jung noch – oder?

James: Ja, der hat's aber sofort gecheckt, was wirklich damit gemeint war. Der kannte das Getränk gar nicht.

Christ: Ach so, ... ach krass! Wow.

Emil Bulls - 08. Oktober 2005 - AachenWastin!com: Welche Bands haben die Emil Bulls schon immer beeinflusst und welche tun es heute noch?

Christ: Heute noch ... also bei mir beim Gesang ist es absolut die Band A-Ha also Morten Harket von A-Ha. Das ist bei mir einfach so, das ist auch immer noch so. Das kann ich auch nicht mehr ablegen, glaub´ ich. Auch wenn meine Stimme nicht so klingt, ist auch eine völlig andere Stimme. Ist aber so ... ich merke das so an den Melodiebögen oder sowas. Da weiß ich einfach, das würde der genauso machen bzw. ich hab´s von ihm geklaut. (lacht!)

James: Ansonsten würde ich sagen, dass unsere Einflüsse eher so breit gefächert sind, dass man das gar nicht so direkt sagen kann. Also, uns hat jetzt nicht eine Band irgendwie durchgehend inspiriert oder so, es ist halt mehr die Musik, die uns inspiriert als jetzt wirklich eine Band oder so. Weil eine Band sind wir selber. Da kann man nicht direkt was nennen, wir hören so viel verschiedenes Zeug.

Wastin!com: Ja, klar. Man will ja auch keine Iron Maiden-Abziehbildchen-Band sein, das will ja keiner hören.

James: Ja, genau. Oder wie heute, da habe ich Nuclear Assault das erste Mal gehört – das ist die totale Slayer-Kopie. Das ist halt sowas ... pfff...

Christ: Stimmt, da dachte ich auch, das wäre Slayer.

James: Nee, war´s nicht.

Wastin!com: Kenn' ich gar nicht.

James: Naja, ich kannte die auch nicht, ist so'ne Band aus den 80ern irgendwie.

Wastin!com: Bei der Neuauflage zu 'Monogamy' habt ihr ja mit dem Refused-Produzenten zusammengearbeitet. Diesmal war es Klaus Scheuermann. Wie war da die Zusammenarbeit, was hat er für euch getan?

Christ: Den Klaus kennen wir schon länger. Der Klaus kommt musikalisch aus einer völlig anderen Richtung, hat selber eine Punk-Rock-Band, die so ...

James: ... in die Itchy Poopzkid-Richtung geht ...

Christ: ... nur auf Deutsch. Und er hat sehr viel Werbemusik komponiert. Der hat zum Beispiel für Franziskaner Weißbier den Werbespot gemacht. Und der hat uns einfach mal angehauen; „Hört mal Jungs, ich hab´ doch eh mein Studio, machen wir doch mal 'ne Aufnahme, einen Song. Schauen wir mal, ob wir klarkommen.“ Und da wir zu der Zeit eh Produzenten ausgetestet haben über ganz Deutschland, haben wir halt gesagt; „Okay, gehen wir halt zum Klaus und nehmen da auch 'nen Song auf.“ Und das war so geil, dass wir alle anderen sofort vergessen haben und gesagt haben; „Hey Klaus, irgendwie dumme Frage, aber hast du Bock unser komplettes Album zu machen?“ Und der war dann irgendwie erst vor den Kopf gestoßen, hat dann aber ziemlich schnell „ja klar“ gesagt. Und es war sehr seltsam anfangs in München aufzunehmen, weil wir da auch alle wohnen. Früher war´s so, dass wir einfach gemeinsam weggefahren sind und da hat keiner an zu Hause gedacht. Da ist man einfach dann sechs bis acht Wochen komplett von zu Hause weg. Wir waren in Köln bei der ersten Platte. Dann bei der Zweiten waren wir in Spanien. Und jetzt eben in München daheim. Und ich hab´s mir am Anfang gar nicht vorstellen können; „Oh, krass nach dem Studio immer dann nach Hause“ - schon komisch. Irgendwie ist da jeder im Studio konzentriert, arbeitet da gescheit zusammen, aber es hat sich herausgestellt, dass es sehr, sehr angenehm war. Und eben auch mit dem Klaus zu arbeiten. Es war seine erste richtige Platte, er hat zum ersten Mal mit einer Band eine komplette Platte aufgenommen. Seine Arbeitsweise - und wir haben mit vielen Produzenten gearbeitet - aber war mit Abstand die beste. Allein beim Gesang, der kommt ja immer ganz am Schluss dran, und bei vielen Produzenten vorher habe ich gedacht; „Ja, oh Gott, der Gesang muss jetzt halt noch drauf irgendwie!“ Da wurde dann sehr viel gehudelt, würde ich sagen. Aber der Klaus, der ja auch selber Sänger ist, hatte sehr viel Verständnis für mich und wusste genau, wie er mit mir umgehen muss, und es war sehr schön. Deshalb bin ich zum ersten Mal auf der Platte mit dem Gesang richtig zufrieden. Früher war´s immer so, dass ich die Platte hinterher gehört habe und dachte; „Wie haben die den Gesang denn gemixt?“ Also, das war echt immer so total telefonmässig und dünn und jetzt endlich, jetzt klingt´s endlich mal – finde ich. Und deshalb bin ich sehr zufrieden.

James: Das merkt man ja auch an den Reaktionen. Alle sagen halt auch, dass die Platte von der Stimme her und vom Gesang her sehr grandios ist. Und er hat aus uns allen irgendwie einfach das Beste rausgeholt, in der richtigen Weise. Das ist ja immer noch ein kleines psychologisches Spiel, was man da treibt.

Wastin!com: Ja, das glaube ich. Mir gefällt die Platte auch sehr gut!

Christ: Dankeschön.

Wastin!com: Aber Gesangsmäßig hat´s mir schon immer gefallen.

James: Das war jetzt auch keine Abwertung von den alten Sachen.

Wastin!com: Ja, als Sänger hat man da wohl andere Ansprüche. Aber cool war´s schon!

Christ: Klar, das hat dann ja auch irgendwie zum Gesamtsound gepasst. Also, ich sage jetzt nicht irgendwie, dass es schlecht war, aber ich habe mich da selber nicht so erkannt. Und jetzt ist es eigentlich so, ja – so kling´ ich halt. Also, für mich auch selber, ist es ja immer schwierig. Ich weiß nicht, hast du dich schon mal aufgenommen und angehört? - Das ist ja immer total ätzend. Und jetzt ist es zum ersten Mal so, dass ich es selber anhören kann und sag' irgendwie: „Hey, das ist okay.“

Emil Bulls - 08. Oktober 2005 - AachenWastin!com: Das ist sehr cool. Also würdet ihr mit Klaus auf jeden Fall noch mal was machen?

James: Ja!

Christ: Also, würde ich mal sagen.

Wastin!com: Wenn ihr euch die Platte jetzt noch öfter anhört, fällt euch da irgendwas auf, wo ihr denkt; „Scheiße, da hätten wir das und das noch besser machen können“?

Christ: Deshalb höre ich mir die Platte so gut wie nie an.

James: Als wir losgefahren sind gestern beim Tourauftakt, haben wir sie unten angehört und eigentlich fand ich es geil. Also auffallen tut mir eigentlich bei jeder Platte was. Aber das ist völlig normal so.

Christ: Das ist ja der Graus an dem Musikerdasein, dass wir überhaupt nicht mehr unbefangen Musik hören können. Das ist fürchterlich. Und das ist auch so ein Wunsch von mir, dass ich das irgendwann mal wieder kann, aber ich weiß einfach, dass das nie wiederkommen wird. Ich werde nie wieder ´ne Platte so hören oder auf ein Konzert gehen und das so anhören, wie ich das mit zwölf oder dreizehn Jahren getan habe. Man achtet zwangsläufig immer darauf und denkt; „Oh, wie klingt die Snare, wie ist der Gitarrensound, was haben die mit dem Gesang gemacht?“

James: Man fragt sich; „Wie hat der das gespielt?“

Christ: Das ist fürchterlich. Oder halt auch bei Live-Konzerten;„Ahh, das ist aber ein Scheißsound“ oder so. Früher war mir das völlig wurscht, Hauptsache es geht ab. Und das würde ich mir sehr gerne wieder zurückwünschen, aber es ist der Preis.

Wastin!com: Der Preis, den man zahlt ... Das kenne ich, das sagen viele Musiker. Ich frage mich dann immer, was zum Geier hören die da alles?

Christ: Aber dafür fühlst du es halt und wenn´s sich gut anfühlt, dann magst du es halt und nimmst es nicht auseinander.

Wastin!com: Das stimmt. Und das gefällt mir auch sehr gut!

James: Das ist das, was wir leider nicht mehr können.

Christ: Es gibt ja auch Sachen, die nimmt man wahnsinnig gerne auseinander. Wenn ich mir zum Beispiel die neue Dredg-Platte anhöre, da finde ich das total geil; „Was macht da hinten noch die Gitarre und so und da blubberts irgendwo rum, der Gesang ist eh der Wahnsinn!“ Also, da ist es mir - wenn es eh saugeil ist - auch scheißegal. Oder wenn zum Beispiel bei Platten wie von Social Distortion Mike Ness mal ein bisschen daneben singt, dann ist es mir auch scheißegal, weil´s einfach so sein muss.

James: Wenn die Qualität richtig ist, dann ist es bei mir auch so, dass ich schon mal abschalten und einfach nur hören kann, aber dafür muss es halt einfach richtig geil sein.

Christ: Die KoRn 'Issues' ist meine Lieblingsplatte zum Auseinandernehmen. Die muss man sich mal vorknöpfen und wirklich mal mit dem Kopfhörer im Bett anhören. Hey, da passiert Zeug, das ist unglaublich! Das hörst du auf einer normalen Anlage gar nicht. Aber da sind überall im Hintergrund irgendwelche komischen Gitarren und sowas, das ist Wahnsinn, super.

Wastin!com: Ich bin ja eher Fan der alten KoRn-Sachen. Aber die 'Issues' ist noch sehr geil!

James: Ohhh, ich bin wohl der einzige Verfechter der neuen Sachen.

Wastin!com: Ich liebe die alten Sachen heiß und innig 'Life Is Peachy' und 'Follow The Leader'. Aber als ich dann gesehen habe, dass Jonathan einen Teleprompter beim Singen braucht, war ich tief getroffen.

Christ: Das hab' ich auch schon gehört.

Wastin!com: Da ist für mich eine Welt zusammengebrochen, ich kenne doch auch alle Texte auswendig!

Christ: Das finde ich auch total strange. Ich meine, der Typ ist Ende 20 oder Anfang 30, was weiß ich, und hat 'nen Teleprompter – sag mal, geht's noch!? Also, wenn das Ozzy hat – okay. Aber ich verstehe das nicht, das gibt's überhaupt nicht.

James: Das ist halt totale Dekadenz einfach nur, nichts anderes. Wahrscheinlich weiß er die Texte auch, aber er findet das irgendwie geil so. Da muss er nicht Nachdenken.

Christ: Wahrscheinlich standen da auch noch Ansagen drauf und so.

Wastin!com: Ja, wahrscheinlich: „Jetzt hallo sagen, ich bin Jonathan Davis – Ah, ja in Cologne sind wir heute“.

James: „Jetzt Wasser trinken“

Wastin!com: „Jetzt atmen.“

Christ: „Jetzt zur Sauerstoffmaske hingehen.“ (alle lachen!)

Emil Bulls - 08. Oktober 2005 - AachenWastin!com: Aber musikalisch ist die 'Issues' auf jeden Fall, wie du sagtest, schon Hammer. Auf jeden Fall, klar.

Christ: Ja. Wahnsinn!

Wastin!com: Nochmal zurück zu eurer Produktion. Macht ihr euch Gedanken darüber, ob das, was ihr macht, dem gerade herrschenden Trend der Massen gefällt oder ist euch das völlig wurscht?

Christ: Völlig wurscht, sonst würden wir deutsch singen.

James: Dann hätten wir eine deutschsprachige Metalcore-Platte gemacht.

Christ: (lacht!) Genau!

James: Und das ist nicht passiert. (lacht!)

Wastin!com: Auf Holz klopf. Zum Glück nicht. Ihr bekommt ja sehr viel mit von der Musiklandschaft in Deutschland. Gibt man da denn schon acht drauf?

James: Pfff. Man kriegt das halt mit.

Christ: Man kriegt es mit und man will ja als Band jetzt auch nicht auf der Stelle treten, aber es ist jetzt nicht so, dass man sich denkt; „Woa krass, die Band ist grad in, deshalb müssen wir jetzt so ein Album machen.“ Weil, wie gesagt, dann hätten wir ein komplett anderes Album machen müssen. Nämlich entweder irgendwelchen 70ties Rock oder deutschsprachigen Metalcore, keine Ahnung.

James: Oder so ein Latino Pop. (beide lachen!)

Wastin!com: Und wenn ihr die Gelegenheit hättet mit einem Top-Produzenten zusammenzuarbeiten, wer sollte das sein?

James: Da gibt's schon ein paar.

Christ: Ja, ich fänd' Rick Rubin schon geil. Weil ich find´s Wahnsinn, der Typ produziert einfach so clean. Also, der nimmt die Band, glaube ich, wirklich so auf, wie sie einfach aus der P.A. rauskommt. Das ist einfach total ungekünstelter Sound. Wenn du dir da diese Sachen anhörst, die der mit Johnny Cash gemacht hat, dann denkst du dir wirklich, der Typ sitzt neben dir und spielt Gitarre. So klingt das alles. Das ist einfach so geil eingefangen. Auch die Slayer-Platten, die der gemacht hat. Und auch die 'Blood, Sugar, Sex, Magic' von den Red Hot Chili Peppers. Da ist mir erst neulich wieder aufgefallen, was das für ´ne krasse Platte ist. Das ist halt der Wahnsinn. Ich habe die nur ewig lang nicht gehört, weil man die ja in seiner Jugend bis zur Vergasung gehört hat. Da liefen jetzt aber neulich im Backstage im Biergarten ein paar Songs. Das ist der Wahnsinn. Ansonsten ...

James: Ja mei, Terry Date könnte man auch ausprobieren, natürlich. Wenn man die Wahl hätte (lacht!)

Christ: Ja. Klaus Scheuermann gehört schon auch in diese Liga.

James: Klaus Scheuermann, natürlich! (lacht!)

Wastin!com: Und wenn ihr jetzt diese Chance bekommen würdet, egal ob mit Terry Date oder so. Und ihr würdet da hinfliegen und produzieren, aber würdet dann merken, dass es einfach nicht fluppt. Würdet ihr dann auch sagen; „Nee, danke, das war´s!“ Oder würdet ihr versuchen mit Hängen und Würgen das Ganze doch noch über die Bühne zu kriegen?

Christ: Also, ich glaube, musikalisch bauen die keinen Scheiß, würd' ich jetzt mal sagen. Aber klar, wir sind immer eine Band, wir wollen Mitspracherecht.

James: Ja, genau.

Christ: Also, wir haben jetzt keinen Bock auf einen Produzenten, der irgendwie so sagt; „Hey, die Melodie muss total anders werden, macht das weg, schmeißt das alles weg!“ Das ist bei uns, glaube ich, schwierig. Und ich glaube, solche Produzenten können so sein und da würde es dann wahrscheinlich eher krieseln und da muss man sich eben entscheiden, lässt man dem jetzt alleinige Befehlsgewalt oder hört man auf.

James: Das ist halt die Frage, also wir haben auf jeden Fall schon öfter was abgebrochen so, weil wir gesagt haben, so geht es einfach nicht, wir wollen das nicht so haben. Es kommt halt auf die Situation an.

Wastin!com: Ja, das finde ich gut, denn von Rick Rubin sagen manche ja zum Beispiel: Kennt man eine Platte, kennt man alle und man hört ihn eben raus.

James: Was ja nicht unbedingt schlecht sein muss.

Christ: Genau.

Emil Bulls - 08. Oktober 2005 - AachenWastin!com: Aber da frage ich mich doch aus der Sicht einer Band, will man sich da in so eine Reihe von „Rubin-produzierter-Bands“ einreihen oder will man lieber was Eigenes machen?

Christ: Ja (überlegt). Es gibt ja mittlerweile wahnsinnig viele Produzenten, die auch saugute Arbeit machen. Aber es ist ja so, dass diese Top-Leute halt eben auch die geilsten Sachen machen. Und man will ja auch selber auch immer das Geilste haben dann ist es mir auch scheiß egal, ob Slayer mit dem schon mal was gemacht haben, weil wir eh niemals nach Slayer klingen werden. Also, das ist völlig wurscht.

James: (lacht!) Emil Bulls haben mit Rick Rubin ´ne Platte aufgenommen und das klingt voll wie ´ne Slayer-Kopie. Wie geil!

Christ: Ich bin überhaupt kein kein großer Slipknot-Fan, aber ich finde, dass der die letzte Slipknot-Platte super gemacht hat.

James: Ja, die hat der super gemacht!

Christ: Und das finde ich halt super, also da waren wieder so ein paar Singles dabei, wo ich echt sage; „Wow, geil!“ Also, die 'Iowa' fand ich halt persönlich totalen Schrott.

James: Ja, die war auch Schrott.

Christ: Die erste fand ich, glaube ich, auch nur gut, weil es halt neu und krass war, aber so jetzt bei der letzten Platte die erste Single war halt der Wahnsinn, das war halt voll der Hit. Ich weiß nicht wie die hieß.

Wastin!com: 'Duality'!

Christ: Genau, das ist einfach ein Hammer-Song.

Wastin!com: Da stimme ich euch zu. Wenn ihr die Wahl hättet, in welcher musikalischen Periode hättet ihr gerne gelebt, wenn nicht heute?

Christ: Wenn ich es überlebt hätte, jeder, der 'The Dirt' von Moetley Crue gelesen hat, wäre da sicher mal für ein paar Tage dabei gewesen. (lacht!)

James: Naja , okay, aber musikalisch vielleicht nicht.

Christ: Nee, musikalisch ... ach so musikalisch jetzt.... oh ähm?

James: Ich find´s eigentlich grade so gut.

Christ: Nee, ich weiß es nicht, ob ich jetzt oder lieber ... hmm das ist schwierig ...Vielleicht wären die 90er ganz geil gewesen so, weil ich einfach finde, dass die besten Platten, die ich besitze, und die besten Bands, die ich auch immer noch wahnsinnig gerne höre, alles in den 90ern passiert ist. Suicidal Tendencies ...

James: Ja!

Christ: Biohazard! Mann, was waren wir Fans!

James: Ja, natürlich, aber das ist ja...

Christ: ... 'The Black Album' ...

James: Mein Gott, das ist ja ... aber ich finde, das kann man nicht so sagen, also ich find´s jetzt halt voll gut so. Okay, wenn man natürlich jetzt da mal lebt und den Background hat ... ach keine Ahnung.

Wastin!com: Ja, ist schwierig. Aber ich denke auch oft, dass in den 90ern die Platten alle viel besser waren als heute.

Christ: Ja, das finde ich auch.

Wastin!com: Welches ist das beste Album in diesem Jahr, könnt ihr das schon sagen?

Christ: Unser Album natürlich! Emil Bulls – 'The Southern Comfort'...

James: ... und auf Platz 2 vielleicht 'Reise Reise'?

Christ: Ja, schon, also das ist komisch, ich habe mir dieses Jahr ganz wenige CDs gekauft und ich habe mir zum ersten Mal in meinem Leben eine Rammstein-CD gekauft und ich finde das neue Album wirklich Ober-Hammer! Ich hätte nie gedacht, dass ich mal zum Rammstein-Fan werde, aber ich bin seit dem Album einfach komplett Fan.

James: Aber wirklich erst seit dem Album (lacht!)

Christ: Aber ich mag jetzt auch die anderen Sachen, weil ich die Band jetzt, glaube ich, endlich verstehe. Ich hatte einfach früher total krasse Vorurteile. Aber auch noch so ein absolutes bestes Album dieses Jahr und auch das beste Album, was auch auf meiner „besten-ever-Liste“ ganz oben ist, ist die neue Social Distortion-Platte! Also, mir hat noch nie ein Album beim ersten Mal hören so viel gegeben, also das war einfach ... ich hätt´ fast geweint!

Wastin!com: Und Dredg hattest du ja eben auch schon mal genannt.

Christ: Ja, Dredg, wobei ich die letzte Scheibe jetzt nach mehrmaligem Hören besser finde. Die ist zwar eine super Platte, aber die ist mir manchmal für Dredg zu schnell, also die schwebt nicht mehr so geil.

Wastin!com: Wie findet ihr denn die Team Sleep-Platte?

James: Ah, das ist meine Platte!!!! (total begeistert)

Christ: Ich kenne die gar nicht!

James: Klar! Voll vergessen! Ja, das ist halt meine absolute Lieblingsplatte, die Team Sleep-Platte. Ich war auch auf dem Konzert und leider sehr traurig, weil kaum Leute da waren, also irgendwie wissen das nur sehr wenige zu schätzen. Aber das ist einfach so schöne Chill-Mucke so, man kann einfach nur so dahingleiten und das passt zu jeglicher Gemütsstimmung. Das ist einfach perfekt. Selbst wenn ich aggressiv bin, kann ich das hören!

Wastin!com: Ja, wir haben die Shows in Köln und Frankfurt gesehen, sehr geil!

James: Ja, Wahnsinn, das Konzert war auch so Killer mit dieser Videoleinwand mit diesen 70er Jahre Pornos und was die da alles abgespielt haben. Das war der Wahnsinn. Das war einfach unglaublich und leider kommen die irgendwie nicht durch.

Wastin!com: Ja, außerdem ist es schade, dass viele auch nur wegen dem Chino da sind und nicht wegen der neuen Band.

James: Ja, da würde ich mich also auch jetzt dazu zählen, also, dass ich dadurch natürlich aufmerksam geworden bin.

Wastin!com: Ja, aber ich meine, du interessierst dich ja auch für Team Sleep und kommst nicht nur, weil du den Chino sehen willst, weil der halt von den Deftones ist oder?

James: Ja, naja... das ist egal, das ist ein sehr privates Thema.

Wastin!com: Stehste auf den?

James: Ja, der ist eben...

Wastin!com: Ein Schnittchen?!

James: (Er nickt zustimmend!) Sorry Frau! Aber die weiß es ja!

Wastin!com: Ja, der Chino ist ja auch cool und sehr nett!

James: Aber leider schon fett!

Wastin!com: Ja, aber die Stimme!

James: Ja, lieber Themawechsel! (grinst breit)

Christ: Schwule Sau! (beide lachen!)

Wastin!com: Welche Platte würdet ihr nie hergeben, auch wenn ihr total pleite wärt?

Christ: Ja mei, das sind eigentlich meine Social Distortion-Platten, aber die hatten wir ja schon thematisiert. Ich glaube, von Shade die 'Lover´s Rock' würde ich nie hergeben.

James: Oh, ihr stellt immer so schwere Fragen, da muss ich jetzt meine gesamte CD-Sammlung durchgehen ... (denkt nach) Ich habe keine Ahnung. Ich habe keine Ahnung, was was gibt's denn da?

Christ: Bei dir, weiß ich jetzt nicht, irgendwie ´ne Obituary? Keine Ahnung!

James: Naaa! Ach, das ist so schwierig!

Wastin!com: Vielleicht irgendeine Originalpressung auf Vinyl, die auch wertvoll ist oder so?

James: Ach so, okay, da gibt's eine, das ist von Level 42. Da habe ich so´ne Platte, damals ´82 gekauft oder so. Die ist halt alt und die Beste von ihnen und einfach der Oberknüller.

Wastin!com: Wie sehen die weiteren Pläne aus nach der Tour?

Christ: Nach der Tour geht die Tour eigentlich weiter! Also, wir werden - das können wir jetzt noch nicht so genau verraten - aber wir werden dann noch viele Konzerte spielen. Und dann wird es so langsam wieder, ich schätze mal im Frühjahr oder Januar, Februar ... Ah nee, nach England geht's ja wahrscheinlich auch noch!

James: Ja!

Christ: Weil unsere Platte da jetzt released wird, was sehr geil ist! Und dann geht's dann wieder ans Songschreiben und vielleicht im Herbst schon wieder ins Studio, wer weiß.

Wastin!com: Ja, und ihr habt ja auch noch genug Songs gehabt, hast du gesagt.

Christ: Ja, stimmt! Wir machen jetzt irgendwie mit den ganzen Songs, die nicht auf´s Album draufgekommen sind, einfach noch mal ´ne Platte, da brauchen wir gar keine Neuen machen! (lacht!)

James: Ich würde ja am Liebsten die 'Porcelain'-B-Seiten noch auf ein Album packen, aber das ist jetzt eigentlich viel zu intern.

Wastin!com: Das waren dann also die Probleme untereinander, die ihr eben angesprochen habt?

James: Nee, das waren überhaupt gar keine Probleme. Das ist nur das, was man im Nachhinein dann merkt, was man vielleicht doch irgendwie geiler gefunden hätte.

Wastin!com: Na gut, da sind wir ja beruhigt, dass da nichts im argen liegt! So, das war´s jetzt auch! Ich danke euch vielmals, hat viel Spaß gemacht und wünsche euch noch jede Menge Spaß auf der Tour!

Christ: Ja, danke ebenfalls!

James: Ja, danke und euch viel Spaß beim Gig!

Website Emil Bulls
Autor: Vera Bunk