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4Lyn - Interview mit Ron Clauß - 13. Dezember 2005, Köln
„Einen wunderschönen guten Tag. Mein Name ist Ronnie Brasko und meine Aufgabe bei meiner Top-Band 4Lyn ist der Gesang! Das ist meine Aufgabe.“

4Lyn - 13. Dezember 2005 - KölnNa, dann kann´s ja losgehen! Wir treffen 4Lyn-Sänger Ron „Braz“ Cazzato vor der Show im Kölner Underground am 13. Dezember 2005. Erwartungsgemäß hat sich der Platz vor dem Club bereits jetzt, ca. 3 Stunden vor dem Konzert, schon mit zahlreichen 4Lyn-Fans gefüllt. Im letzten Jahr ist viel bei der Hamburger Band passiert, also gibt es auch viel zu erzählen. Wir nehmen auf dem Sofa Platz und schon sind wir mitten im Gespräch über die neue Platte 'Compadres', exquisite Weihnachtsgeschenke und Namedropping. Aber lest selbst!

Wastin!com: Ihr seid schon eine ganze Weile unterwegs, wie läuft die Tour?

Ron: Die Tour ist ja eigentlich mehr eine Guerilla Tour. Wir machen ja immer, bevor wir auf eine grosse Tour gehen, eine kleine Vorab-Tour für die ganz heißen Fans, die es gar nicht mehr abwarten können. Dementsprechend spielen wir auch in kleineren Clubs, weil die Ticketzahlen dementsprechend begrenzt sind und die, die am meisten Bock haben, kommen und holen sich sofort die Karten. Deswegen ist auch: a) Immer volles Haus und b) die Stimmung halt sehr „back to the roots“. Genauso wie wir angefangen haben und wie die meisten unserer Fans uns auch kennengelernt haben, im kleinen Rahmen, ohne grosses Pipapo, ohne grosse Show! Nämlich als kleine Band!

Wastin!com: Was ist für dich das Schönste daran, jetzt wieder mit neuem Material on the road zu sein?

Ron: Das neue Material, denke ich mal. Also, wir sind immer noch dieselben alten vier Jungs und von Album zu Album dudeln sich die Songs ein bissle ab. Klar, das ist das vierte Album und von den drei Vorgängeralben plus B-Seiten plus irgendwelche Cover-Versions oder so haben wir generell immer genug Material gehabt. Aber das haben wir alles irgendwie schon gespielt und da freut man sich natürlich dann immer am meisten auf die neuen Songs. Und wir haben die Erfahrung gemacht, gerade auch bei den letzten Shows von der Drrty Rokka Tour, dass die Leute die neuen Songs teils echt mehr abfeiern und mehr Gas geben als bei den Alten. Und das ist halt das Beste, was dir als Musiker passieren kann, weil du stehst natürlich immer so da und denkst; „Ahhh, stehen die da nur rum und spielen Musikerpolizei und gucken, ob das überhaupt noch cool ist oder ist es ganz scheisse?“ – Aber nein, im Gegenteil! Die Leute feiern das ab und deshalb würde ich sagen: Mission gelungen!

Wastin!com: Habt ihr eigentlich bevor ihr auf die Bühne geht, ein spezielles Ritual unter euch Vier?

Ron: Ja, aber nicht nur unter uns Viern, sondern auch mit allen Crewmitgliedern. Was manchmal natürlich nicht möglich ist, weil der Lichtmann vorne schon am Lichtpult steht und nicht mehr durch den Club rennen kann wenn´s dann losgeht. Aber kurz vor der Show bilden wir einen Kreis und legen immer die linke Hand auf die Schulter des Nebenmannes und mit der Rechten halten wir 'nen Drink und dann sage ich nochmal kurz, was mir auf der Seele brennt und putsch die Jungs halt ein bisschen auf und mich dann dementsprechend natürlich auch. Und das Ganze endet mit dem Spruch „Geht gesund rauf und kommt gesund wieder runter“. So, das ist, denke ich mal, was man als Ritual bezeichnen könnte. Klar, früher haben wir dieses so alle Hände aufeinander und „One, Two, Three, 4Lyn gemacht, aber das sind die alten Zeiten gewesen und wir haben irgendwann gesagt, jetzt machen wir was Neues. Und ich denke mal, das jetzt passt auch natürlich perfekt zu 'Compadres', weil wir alle mehr oder minder Homies sind, Freunde seit ewig. So kommt´s mir zumindest vor!

Wastin!com: 4Lyn ist ja bekannt dafür, dass ihr euren Fans immer eine Hammer-Liveshow bietet. Mit welchem Gefühl sollten die Leute nach Hause gehen, wenn sie eure Show gesehen haben? Was wäre dir da am Liebsten?

Ron: Wow. Ja, also dadurch, dass immer ganz viele Leute zu den Shows kommen, die schon mal bei einer Show waren, ist natürlich der erste Ansporn, dass die dann sagen; „Wow, das war ja besser als beim letzten Mal!“ So, aber in erster Linie möchte ich einfach nur, dass die Leute halt sagen; „Schön, die Jungs haben sich so nicht verändert. Sie sind nach wie vor für ihre Leute da und die neuen Songs gefallen mir gut und boah, bin ich fertig!“ In Hamburg hatten wir jetzt grad ganz viele Verletzte bei der Show, weil es auch nebenher noch ein Videodreh war und da wollte natürlich jeder mal zu sehen sein. Und dementsprechend hatten wir teilweise bis zu zehn Diver auf der Bühne gleichzeitig, wo du von der Band beim Videodreh nix mehr gesehen hast. Und dann gab´s halt blutige Nasen und angeknackste Rippen und blaue Augen und gebrochene Hände und Knie und was weiß ich nicht alles. Das ist natürlich schade, wenn das passiert. In erster Linie möchte ich, dass die Leute nach Hause gehen und sagen; „Wow, was für eine Show?! Ich kann nicht mehr, ich bin im Arsch, bin total fertig!“

4Lyn - 13. Dezember 2005 - KölnWastin!com: Ist dir im Laufe der Zeit eigentlich etwas Peinliches auf der Bühne passiert?

Ron: Klar, es passiert ab und zu, dass ich die falsche Stadt ansage. Grad auf einer grossen Tour ist das peinlich. Wir waren in Darmstadt und in Darmstadt habe ich gesagt; „Hallo Bielefeld!“ Und in Darmstadt zu sagen; „Hallo Bielefeld“, das ist schon voll quer so. Das geht halt gar nicht! Aber dann habe ich dem Publikum die Chance gegeben mich auszubuhen bzw. mal ganz laut „Fick dich, du Penner!“ zu rufen. Und alles im allen befanden sich vor der Bühne natürlich so ein paar zehn Tausend Menschen, und wenn die hören; „Hey, ich darf ich den Sänger anpöbeln!“, dann machen die das auch – ohne nochmal nachzufragen. Aber das war mir nicht peinlich, weil wir waren einfach so geballert von diesem Ausblick. Das sah so ähnlich aus wie das Ärzte-Konzert, das die in Berlin für´s SO36 gegeben haben. Das war Openair, ich glaube, das war auf dem Ku´Damm und der Eintritt hat nur zwei Mark gekostet, also das war quasi kostenlos. Und dementsprechend kann man sich vorstellen, wie viele Ärzte-Fans da standen und so haben wir uns auch gefühlt an dem Abend. Wir waren Headliner in Darmstadt an dem Abend und das war schon sehr beachtlich, aber in dem Moment, wie gesagt, sehr peinlich. Ansonsten wüsste ich jetzt nichts irgendwie ... obwohl: Peinlich ist es mir immer, wenn ich die Setlist im Eifer des Moments falsch lese und einen Song ansage und sich die Band schon auf den Song, der jetzt eigentlich kommen sollte, vorbereitet hat und ich was ganz anderes gesagt habe. Entweder der Song ist schon angestimmt und ich sage; „Jetzt kommt 'Pearls & Beauty' und dann aber kommt 'Incomplete' oder so. Das ist in dem Moment echt peinlich, aber meine Bandkollegen schütteln dann immer nur mit dem Kopf und dann weiß ich; „Hey, das ist jetzt passiert, ist raus, kann ich nicht mehr rückgängig machen“. Aber sowas richtig Peinliches ... Nee, das ist irgendwie noch nicht passiert.

Wastin!com: Und was hat sich seit dem Release von 'Take It As A Compliment' alles bei euch getan?

Ron: Hmm, was hat sich geändert? Wir haben auf der 'Take It As A Compliment' Tour in Graz im Orpheum auf der Bühne gesessen und einen Krisenrat gehalten. Die Platte 'Take It As A Compliment' war gerade raus und wir haben uns schon überlegt; wie soll eigentlich die nächste Platte klingen? Klar, das zeigt erstmal, wie fleissig wir sind (lacht!) Aber wir haben gesagt, was viele bei der 'Take It As A Compliment' mochten, viele aber auch nicht mochten und kritisiert haben, war einfach der Fakt, dass wir sehr viel Pomp da reingepackt haben. Viiiieeel! Wenn ich nur an 'The Good Life Period' denke. Auf der Platte ist ein 40-stimmiger Chor von mir drin, ein Orchester, viele Beats und viele Drumloops und sowas und viele Harmonien. Und dann haben wir einfach gesagt; „So, das machen wir live auch nicht wirklich so oft und von daher laßt unser nächstes Album näher an unseren Livesound rankriegen.“ Und ich glaube, das haben wir mit 'Compadres' geschafft. Und deshalb klingt zumindest fast der gesamte O-Ton, den ich von den Leuten kriege, dass das das Beste ist, was 4Lyn je abgeliefert hat. Weil, wenn du dir zum Beispiel Kopfhörer aufsetzt und die Augen zumachst, hast du das Gefühl, die Jungs stehen direkt neben dir. Wir haben einfach ´ne dreckige Platte aufgenommen, eine richtig dreckige Platte und das war halt auch die Aufgabenstellung. Wir haben diesmal alles komplett alleine produziert. Wir haben´s nur noch zum Mischen ins Studio gegeben. Ins Principal Studio. Der René hat innerhalb von ein paar Monaten 20 Songs komponiert. Also, Bass, Schlagzeug und Gitarre komplett allein. Er hat mir immer nur die Songs geschickt. Und ich habe ja nun auch mittlerweile eine Vocalkabine zu Hause, sprich, wo ich jederzeit, zu jeder Tages- und Nachtzeit singen kann ohne jemanden auf´n Sack zu gehen. Und da hab´ ich dann einfach meine Vocals drübergeschmettert und das war´s dann. Und rein beim Songswriting war es diesmal so, dass sich Björn und Sascha halt komplett rausgehalten haben und René und ich das Dingen im Alleingang geschrieben haben. Und die Songs dann einfach nur rumgeschickt und haben so zu Sascha und Björn gesagt haben; „Wie findet ihr das und so?“ Und dass sie mal was dazu sagen sollen. Und das Ende vom Lied war, dass wir jetzt ein 15-Track starkes Album mit dem Namen 'Compadres' haben, was sich allgemeiner Begeisterung erfreut. Und momentan kommen ganz viele Leute auf mich zu und sagen; „Jungs, die Leute mögen euch wieder!“ Weil das Ding ist einfach, 'Take It As A Compliment' war für viele zu melodiös und zu detailverspielt und bei 'Compadres' da gibt’s einfach nur noch einen auf´n Sack so. Das ist wie so ein Typ, der gerade aus der U-Haft kommt irgendwie. So kommt das Album daher. So einfach „Leck mich am Arsch, ich hab´ echt schlechte Laune, ich habe schlecht geschlafen und hab´ Kopfschmerzen!“ Und das ist 'Compadres' geworden im Endeffekt.
Also, wir haben wirklich echt nur für 'Compadres' gearbeitet, weil wer rastet, der rostet. Wir haben nichts anderes gemacht, wenn du so willst.

Wastin!com: Damals hast du mir das ja auch erzählt, dass 'Take It As A Compliment' sehr melodiegetragen war und beim nächsten Mal alles dreckiger werden soll.

Ron: Siehst du, und ich hab´ mein Versprechen gehalten, oder wir haben unser Versprechen gehalten! Also, das war uns ein Anliegen das so zu machen.

Wastin!com: Damals hast du auch gesagt, die erste Platte war happy, die Zweite ernster und die Dritte tiefgründig. Worum geht es also auf der neuen Platte?

Ron: Dadurch, dass ich auf der 'Take It As A Compliment' rein textlich alles verarbeitet habe, was mich persönlich betrifft und was Leute aus meinem Umfeld persönlich betroffen hat, geht´s bei dieser Platte, weil ich mir eben den ganzen Frust von der Seele geschrieben hatte, lyrisch gesehen so um; „Mir passt dies nicht, mir passt das nicht und das passt mir schon gar nicht. Darauf hab´ ich kein Bock!“ Und ich frage; „Leute, wenn ihr das nicht mögt, warum konsumiert ihr es dann und pöbelt aber darüber?“ Das ging ganz stark an gewisse Gruppen, wie diese Hochglanz High-Society-Scene, die wir in 'Drrty Rokka' klatschen. Der Song geht über diese „Wannabe-wichtigen Menschen“, die alle auf diesen VIP-Parties rumhängen, die eigentlich gar nicht wichtig sind und eigentlich keiner weiß, warum die da sind, aber die haben halt ´nen Access All Areas-Pass um den Hals. Gerade nach Konzerten oder auf Festivals merken wir das. Die Künstler sitzen an der Bar und trinken entspannt ihr Bier und dann kommen irgendwelchen A&R's und Produktmanager und sind super busy und super wichtig auf der Party und koksen sich da einen zurecht. Also, die haben wir einmal behandelt, dann natürlich unsere Freunde von den Major-Musiksendern. Einfach wo wir gedacht haben; „Leute, das geht so nicht. Hey, sorry das, was ihr grad bringt, ist die komplette Volksverdummung!“ Tja, wem haben wir noch ans Bein gepinkelt? Ja, den Journalisten natürlich, in Songs wie 'Ruin Me Now'. Also, aber nur denen, die uns nicht so gut gesonnen sind bzw. einfach Journalisten in dem Sinne, wo ich gedacht habe, die geben sich gar keine Mühe bei ihrer Arbeit. Wenn ich etwas nicht mag, dann begründe ich das. Aber die Begründungen gehen halt echt immer unter, Begründungen gibt’s bei denen einfach nicht. Das ist so wie ich meinen Postboten nicht mag. Den werde ich nie mögen, und das ist einfach so. Aber bei einem Produkt ist das was anderes. Ich werde nicht dafür bezahlt meinen Postboten zu mögen, weisst du? Aber die werden dafür bezahlt, ihre Aufgabe zu erledigen und sachlich etwas zu beschreiben, ob im Guten oder im Schlechten.
Und so Familienstreitereien sind auch auch drin vertreten. Was haben wir noch für Songs?

4Lyn - 13. Dezember 2005 - KölnWastin!com: Die Popmäuschen bekommen eins auf´n Deckel.

Ron: Genau, die Popmäuschen kriegen´s auf´s Maul. Aber auch ein wunderschöner Song auf diesem Album ist 'Even'. 'Even' ist, denke ich mal, so der einzige Song, wo du sagen kannst, da wird nochmal - also rein textlich immer gesehen - eine Retrospektive auf eine Beziehung gemacht, die ich mal hatte. Und das ist so der einzige Song, wo ich echt noch sagen kann, dass der mich ganz, ganz, ganz, ganz doll persönlich betrifft. Aber ansonsten kriegen dieses Mal viele ihr Fett weg. Wir nennen keine Namen, das ist total unwichtig. Aber ich denke mal, es ist eh wieder ein gutes Stück Musik, das die Leute, die es eh nicht hören wollen, nicht interessiert – von daher – fuck it!

Wastin!com: Aber prinzipiell hat die Platte ja einen sehr positiven Charakter. Und das ist ja das Schöne daran! Es wird zwar viel so kritisiert, aber die Message „Wenn ihr es nicht gut findet, dann ändert´s doch halt!“ fehlt nie.

Ron: Ja, Curse hat mal gesagt; „Es reicht mir nicht zu schreiben, dass alles scheisse ist – ich bin hier, um den Kids zu zeigen, was gut ist!“ Und Kritik muss ja nicht immer schlecht sein. Wenn ich was nicht mag, dann muss ich nicht immer nur ... ich bin ja nicht anti gegen alles. Ich kann ja auch was scheisse finden und kann mir aber auch die Argumentation anhören. Das Problem ist, wir sind den Leute teilweise nur an den Karren gefahren, weil sich einfach nichts geändert hat. Sei es einfach die Bundestagswahl oder sei es das momentane Fernsehprogramm oder seien es die eigenen Eltern. Machmal sagst du einfach; „So geht’s einfach nicht. Ich mag euch irgendwo und irgendwie sind wir in irgendeiner Weise von euch abhängig, aber ich muss es nicht gutheißen, was ihr da macht, von daher mach´ ich mein Maul auf! Das ist, denke ich mal, der Stern unter dem das Album textlich gesehen steht.

Wastin!com: Und dieses Wir-Gefühl drückt sich ja auch schon im Titel 'Compadres' aus und es gibt ja auch einen gleichnamigen Track auf der Platte. Was kannst du dazu sagen?

Ron: Sehr positiver Song. Eine Hommage einfach an die drei Jungs, mit denen ich die letzten sechs, sieben Jahre verbracht habe. Der Song 'Compadres' ist halt eine Hommage und ein Dankeschön meinerseits so im Text. „Danke für die beste Zeit, die ich je hatte.“ Überleg´ doch mal, ich hab´ in dieser Zeit, dank dieser drei Jungs auch mehr gesehen, mehr erlebt als jeder, der irgendwie einmal im Jahr Adventure Urlaub macht oder so ein Hangloose-Typ ist. Ich hab´ Pferde kotzen sehen und Jungs und Mädels kotzen sehen, ich hab' bekiffte Straight Edge Leute gesehen. Es gibt nichts, glaub´ ich, was wir auf diesen Touren nicht gesehen haben. Und es kommt noch mehr, es kommt immer noch mehr. Immer wenn ich denke, es kann nichts mehr kommen, kommt noch was. Und dafür hab´ ich den Jungs halt gedankt. 'Compadres' wird übrigens auch unsere nächste Single. Da haben wir grad ein Video zu gedreht und drehen noch nach demnächst.

Wastin!com: Und das war da, wo die Leute sich so zerquetscht haben, wovon du eben gesprochen hast?

Ron: Das war da, ja!

Wastin!com: Könntest du dir Musikmachen auf Dauer überhaupt ohne die Jungs vorstellen?

Ron: Man muss das ganz klar so sagen, es gibt Bands, die überdauern einfach alles. Wie die Rolling Stones oder Motörhead. Aber ´ne Band ist wie 'ne Beziehung. Sagen wir so: Wenn morgen einer auf mich zu kommt und sagt „Sorry, ich bin momentan kreativ sowas von zugeschüttet, ich kann momentan nicht mit euch arbeiten. Oder ich habe einfach Wichtigeres oder anderes zu tun“, dann... was aber bei uns nicht der Fall ist. Wenn ich sehe wie wir zusammengewachsen sind, wird das so schnell erstmal nicht kommen. Wenn ich überlege, was wir da alles durchgemacht haben, was wir alles durchgezogen haben! Das ist eine Erfahrung, die geht nicht mehr auszulöschen. Das ist einfach nicht drin. Dafür haben wir dann doch zuviel durchgemacht. Das ist ja das Schöne, wir sind vier ehrliche Jungs und deswegen haben wir diesen ganzen Wust überstanden von Hype über Niederlagen bis hin zum Comeback bishin zu dies und das. Das hätten wir nicht geschafft, wenn wir irgendwie unehrlich miteinander gewesen wären und einfach unser Maul nicht aufgemacht hätten. Und alle paar Monate kracht´s auch bei uns, wie in jeder verkackten Ehe so. Und da rummst es einfach mal und dann ist es wieder gut. Wir sind nicht irgendwelche Jungs, die sich in die Ecke stellen und sagen; „Oh, das ist so gemein – mit dem möchte ich nix mehr machen, ich geh´ jetzt nach Hause. Oder ich such mir 'ne andere Band!“ oder so. Hey, das ist totaler Schwachsinn bzw. das macht man nicht. Das machst du ja in einer Ehe auch nicht, jedenfalls wenn es eine funktionierende Ehe ist. Und 4Lyn ist schon immer eine Ehe gewesen.

Wastin!com: Ihr habt ja alles selber produziert. Wenn aber zum Beipsiel ein Top-Produzent wie Rick Rubin kommen und sagen würde; „Hey, mit euch will ich was machen!“ Habt ihr da überhaupt Bock drauf oder würdest du das ablehnen?

Ron: Ach, natürlich! Also, von vornherein zu sagen; „Das würde ich nicht machen, weil...“ ist, finde ich, totaler Schwachsinn, denn wir können behaupten, dass wir sehr weltoffene Typen sind. Und warum sollten wir etwas ausschlagen? Erstmal davon abgesehen, dass ein Rick Rubin so viel Geld bekommt, dass wir davon vier Jahre dick leben könnten. Deswegen haben wir zum Beispiel 'Compadres' auch komplett in Eigenregie gemacht, weil wir auf Produzenten in dem Sinne keinen Turn hatten. Wir hatten einmal einen guten Produzenten, das war der Chris Wolff, der hat die 'Take It As A Compliment'-Platte gemacht. Und einen guten Engineerer, das war der Darren Grahn, der bei uns in der Co-Produktion die 'Neon' gemacht hat. Die meisten Produzenten können den ganzen Tag reden und labern und nach jeden Take 'nen Witz machen. Und die Studios kosten Geld. Aber viele Bands machen das, weil Namedropping angesagt ist. Wenn auf der Platte steht gemastert in den Masterdisk Studios in New York von XY oder produziert von „Jake Gelee“ das ist eben toll, aber das interessiert uns nicht. Das macht die Songs nicht unbedingt besser. Wir haben die Songs einfach so aufgenommen wie wir dachten dass sie klingen sollen und wir haben sie so auf´s Album gepackt und die Kids sind mehr als happy, dass sie genauso klingen. Klar, mit einem Produzenten hätten wir vielleicht eine Mega-Single gehabt oder so. Aber diese Leute kosten Geld, und wir haben es nicht eingesehen dieses Geld für diese Leute auszugeben. Nicht, wenn wir es selber besser machen können. Und das Schöne ist, mit der Technik am Rechner kann mittlerweile jeder 14-Jährige, wenn er es will, mit ein bisschen Talent, guter Software und guter Aufnahmetechnik ein Majoralbum zusammenstellen. Man kann das alles machen mittlerweile. Und nichts anderes haben wir gemacht. Wenn du so willst, ist diese Platte separat in unser aller Wohnzimmer entstanden. René hat seinen Scheiss zu Hause eingespielt, Björn hat seinen Bass zu Hause eingespielt und ich habe meine Vocals zu Hause eingesungen. Nur Sascha musste ins Studio, weil mit ´nem Schlagzeug kannst du nicht in der Mietwohnung aufnehmen, das geht nicht.
Aber, wenn ein namenhafter Produzent sagen sollte; „Ey, wisst ihr was – ich find´ euch so schnieke, ich mach´ euch das für ein Butterbrot und ein Ei, dazu vielleicht dann mit 'nem Kakao noch dabei, dann geht das in Ordnung.“ Dann klar! Dann würden wir uns das anhören und gucken, was er so zu bieten hat.

4Lyn - 13. Dezember 2005 - KölnWastin!com: Und jetzt, wo ihr ja die neuen Songs so oft schon live gespielt habt, gibt da irgendwas, was dich stört, was du doch noch ändern wollen würdest?

Ron: Du bist niemals fertig! Das gibt es einfach nicht. Du bist nie mit einem Song richtig fertig. Ein Song ist eigentlich nie fertig, es sei denn, du sagt, bis er auf CD ist. In seinem Kopf spinnt man sich noch alles Mögliche zusammen. „Ja, Mensch hier hätten wir noch mal einen zackigeren Break machen können,“ oder so. Und es gibt eine Stelle bei 'Hey Kids (Something Better)', das ist, wenn der zweite Refrain kommt, da denke ich mir immer – da sieht man bei mir auch immer ganz kurz ein Fragezeichen überm Kopf ; „Muss dieser Break jetzt sein“? Und dann denke ich aber; „Cool, ich kann ja nochmal durchatmen!“ Wenn ich Zeit zum Denken habe, habe ich auch Zeit zum Atmen, also atme ich nochmal, freu´ mich und ich denke einfach, „Geil, dass dieser Break da ist. Wie genial ist der bitte?!“. Aber vorher frag´ ich mich; „Muss der sein?“ - „Ja, er muss sein!“ Aber ansonsten funktionieren die neuen Songs 1A.

Wastin!com: Und bist du so der absolut selbstkritische Typ? Also, setzt ihr euch nach den Gigs hin und habt Krisenstimmung, weil sich irgendwer irgendwo mal verspielt hat? Es gibt ja Bands, die können einen Auftritt, den die Kids total super fanden, nicht genießen, weil sie sich über sich selber aufregen. Macht ihr das auch?

Ron: Was heißt Kriesenstimmung, das ist in dem Sinne keine Kriesenstimmung, weil man darf ja nie vergessen – wir machen das hauptberuflich. Wir kennen jede Ecke, jede Kante, jeden Ton, jedes Drumfill, jeden Basslauf - wir kennen alles. Weil wir es auch geschrieben haben. Ich mein´, stell´ dich mal auf ein Konzert, eigentlich hörst du nur Lärm und weil du die Platte kennst, weißt du, was das ist. Jetzt ohne Scheiss, wenn die Kids glücklich sind, alles mitsingen, sich freuen und die neuen Songs abfeiern und pogen, diven und crowdsurfen und nach der Show noch Autogramme wollen, dann ist es mir doch scheissegal, ob ich mich hier und da versungen oder mal ´nen Text vergessen habe. Das ist doch scheissegal. Wenn die Kids glücklich sind und damit zufrieden sind, was die für ihren Eintritt bekommen haben, dann ist doch alles wunderbar. Ich bin kein Architekt, der was perfekt zeichnen muss, weil sonst ein Haus zusammenbricht. Bei uns hängt ja nicht unsere Karriere daran, ob man mal einen Ton schief gesungen oder schief gespielt hat oder dass einem mal der Drumstick an einer ganz unglücklichen Stelle gebrochen ist. Das ist live. Dafür ist es live. Dafür sind wir keine Playbackband, dafür sind wir keine Pussypop-Band, deren ganze Karriere dann daran Bankrot geht, weil irgenwer einen Mitschnitt gemacht hat und im Netz veröffentlicht, wie bei Enrique Iglesias. Ich hab´ das abgefeiert von dem! Für alle Leute, die das noch nicht kennen - ich habe mir das extra abgespeichert - es gibt eine Textpassage, da will der irgendwie singen; „Can I hold this feeling for ever – dadadada!“ Der singt aber eine Zeile, die klingt wie; „Ulla, ulla, ich brauch´ die Zange!“ Hört euch das bitte mal an. „Ulla, ulla ich brauch´ die Zange!“ Das ist 1 zu 1 und ich meine, an diesem Song ist, wenn du es so willst, seine Kariere einfach gecrashed. Weil alle wußten, der Typ kann nicht singen. Kann er nicht! Und er ist der Sohn von einem der grössten Sänger unserer Zunft oder unserer Zeit.
Aber unsere Karriere hängt nicht daran. Und wenn wir uns verspielen – ja, Gott, fuck it! Es ist live so. Wir können auch nur proben und es so gut wie möglich machen, aber ´ne Liveshow ist bei uns, wie du weißt, immer spontan. Klar, wir haben eine Setliste, aber was passiert, wenn eine Saite reißt? Da musst du improvesieren und da kann nicht alles grade und perfekt und clean sein. So, nee? So ist das.

Wastin!com: Ja, das ist auch die beste Einstellung, wie ich finde. Man will ja schließlich Spaß haben mit der Band.

Ron: Eben!

Wastin!com: Auf 'Compadres' gibt es ja auch wieder einen Gastauftritt, nämlich bei 'The Phoenix Takeover'. Da singt Robbi Robb von Tribe After Tribe mit, wie kam es denn dazu?

Ron: Tja, bei Robbi Robb von Tribe After Tribe ist es immer witzig, keiner kennt ihn. Keiner kennt diesen Mann, aber alle haben schon was von ihm gehört, aber wirklich sagen, wer das ist, kann wirklich keiner! Thorsten, unser Manager, ist der absolute Metalhead und der ist ja auch der Leiter von unserem Management, von Rodeostar. Und der ist halt ein richtig alter Heavy Metal Typ. Der hat sich mit 14 Jahren bei mit seinen schulterlangen Haaren in der Gitarre verfangen. Also, der ist wirklich beinhart Metal der Typ. Der bringt´s auch zu einem Meeting, wo halt die ganzen Anzug-Typen sitzen, mit ´nem Cannibal Corpse-Shirt anzukommen. Und der Typ hat Robbi Robb aufgespürt. Man muss dazu sagen, dass Robbi Robb ein Weltmusiker ist. Der arbeitet mit den großartigsten Leuten zusammen, von Pearl Jam bis was weiß ich. Der mixt Metal mit Weltmusik. Dieser Typ spricht zwanzig Sprachen, darunter shamanisch und tibetanisch und solche Sachen. Und daher hat er dementsprechend ein ganz anderes Know-How in Sachen Singen. Und der singt auch ganz eigen. Und der lebt in Joshua Tree. Dort, an dem Ort, von dem alle wissen, dass die großartigsten Stadionbands alle ihre Hits da aufgenommen haben. Tja, und der war mal in Deutschland und Thorsten hat zu ihm gesagt, dass er schon immer mega Tribe After Tribe-Fan war. Und der kam zu und ins Studio, und Thorsten meinte: „Hey, probiert hier doch mal was 'Phoenix Takeover'-mässiges aus. Da haben wir ja noch keine Hook und so. Laßt den doch einfach was ausprobieren.“ Also, Thorsten hat ihn ins Boot geholt und wir haben einfach nur gesagt; „Ja, bitte, bitte den und niemand anders!“

Wastin!com: Und wie war die Zusammenarbeit dann mit ihm?

Ron: Der Typ hat sich hingestellt, das hat keine zwei Minuten gedauert, da hatten wir alle eine Gänsehaut. Aber komplett. Alle! Und das war ganz, ganz großartig. Und dann haben wir uns gedacht, warum sollen wir jetzt noch überlegen, ob wir uns irgendeinen namenhaften Featuring-Partner holen sollten? Wir haben sowieso nur die Leute genommen, die was drauf haben. Klar, könnte bei uns auf der CD auch sonst wer draufstehen. Ich denke mal, durch unsere jahrelange Erfahrung könnten wir bei Leuten anklingeln, wo andere Leute sagen; „Wow, die kennt ihr?“ Und ich muss sagen; „Ja, die kennen wir, aber die passen nicht.“ Und der Typ kam und hat einfach alle an die Wand gespielt und gesungen. Und das ist nachher soweit gegangen, dass er den Song so geil fand, den ja René nun komplett geschrieben hat, so dass er gesagt hat; René, bitte schreib´ mir einen Song für die neue Tribe After Tribe-Platte!“ Und seine Platte wird einen Song geschrieben von René Russo enthalten.

4Lyn - 13. Dezember 2005 - KölnWastin!com: Wow! Und der Song ist auch absolut großartig! Der hat mir auch direkt gefallen!

Ron: Das ist mein Lieblingssong von der Platte neben 'Even'.

Wastin!com: Gutes Stichwort. 'Even' ist ja der ruhigste Song der Platte, der auch mal wieder – wie du eben schon sagtest - sehr persönlich ist. Ist das denn das Thema, um das sich der Song dreht, damit endgültig abgehandelt?

Ron: Dieses Thema wird nie wirklich abgehandelt sein. Ich weiß nicht, da geht es mir ähnlich wie Curse, denk´ ich mal. Curse ist auch jemand, der sehr gut über Beziehungen schreiben kann. Aber 'Even' behandelt eigentlich ein Thema, mit dem ich eigentlich abgeschlossen habe. Aber doch, gerade wenn ich schreibe, kommt´s manchmal wieder durch. Also, da kann ich auch nichts gegen machen. Irgendwas steckt dann doch noch in einem. So eine Trennung ist manchmal sinnvoll, manchmal aber auch nicht. Und wenn es halt nicht sinnvoll ist – wobei man sagen muss, es sind viele geniale Songs dadurch entstanden, durch Trennung, wenn du überlegst. Wenn ich dir jetzt erzählen würde, welche Songs von 4Lyn alle aufgrund einer Laune nach einer Trennung entstanden sind, dann würdest du sagen; „Waaasss“!?
Der Refrain bei 'Even' besteht ja nur aus einem Satz; „I give up now“, „Ich gebe jetzt auf.“ Ich hab´ keinen Turn mehr dadrüber zu reden. Eigentlich will ich nicht mehr darüber reden. Eigentlich will ich dieses Thema jetzt hat da lassen, wo es ist, nämlich in der Versenkung und gut ist. Aber es war mir noch ein Anliegen. Als ich den Song gehört habe, wusste ich; „Das muss jetzt ... das muss jetzt der Schlussstrich eigentlich sein.“ Aber das sag´ ich immer, weisst du? Es geht eigentlich, wenn du so willst, um dieselbe Person, um die es auch bei 'Incomplete' ging. Immer wieder kommt das durch, obwohl ich ein glücklicher Mann bin. Aber trotzdem, denke ich, komme ich manchmal nicht drüber hinweg. Aber das ist nur menschlich, denke ich.

Wastin!com: Denke ich auch. Und wenigstens liefert einem das Inspiration für sehr gute ...

Ron: ... für gute Songs. Es werden dann komischerweise immer die Besten, wie ich finde. 'Even' ist, wenn du mich fragst, der beste 4Lyn-Song, den es gibt. Das ist für mich der beste 4Lyn-Song! Klar, das kann auch mal ein anderer sein und jeder ist anderer Meinung, aber für mich ist es einfach dieser. Mir liefen einfach mal die Tränen runter, mitten in der Bahn. Ich hatte eine Sonnenbrille auf und hatte diesen Song gehört, ich habe das selber nicht mitgekriegt, es war einfach dieser Song. Er hat mich in dem Moment so auf dem falschen Fuß erwischt, wo ich echt gedacht habe; „Scheisse, ich habe doch eigentlich gute Laune!“ Aber dieser Song ist so... der zieht dich so ... , also, den darfst du nicht hören, wenn du gerade sowieso in einer Scheisslaune bist. Dann darfst du den Song ganz bestimmt nicht hören, weil da machst du bestimmt Dinge, die du bereuen könntest, oder die du nicht mehr bereuen kannst. Also, es ist echt so ein Grenzgänger-Song. Wenn ich gute Laune habe, dann höre ich den nicht.

Wastin!com: Was waren deine persönlichen musikalischen Highlight des Jahres?

Ron: Also, mein persönliches Highlight war ... boah Gott! Ich kann das gar nicht sagen ... (überlegt) Eins der persönlichen Highlights war natürlich folgendes: Während des Mischprozesses, den der Engineerer gemacht hat, konnten wir nicht die ganze Zeit im Studio sein. Der wollte halt lieber seine Privatsphäre beim Mischen haben. Aber wir haben jeden Abend immer einen gemischten Song bekommen. Und das war wie Weihnachten! Jeden Tag ein neues Geschenk und es wurde immer geiler. Das war toll, dass man gesehen hat, wie sich das Album zusammengefügt hat. Ansonsten sind viele schöne Sachen passiert so, aber wovon ich jetzt sagen würde – das wäre mein persönliches Highlight? (zuckt die Achseln)

Wastin!com: Fasst du dir eigentlich irgendwelche guten Vorsätze für´s Neue Jahr?

Ron: (schüttelt den Kopf) Gar nicht. Ich brauche keinen Jahreswechsel, um mich von etwas zu trennen oder etwas dazu zu gewinnen. Entweder ich will was, dann kann ich das aber auch am 14. März um 13 Uhr Mittags machen. Da brauche ich nicht irgendwie den 31. Dezember für. Das halte ich für totalen Humbug und meine Band sieht das ähnlich, das weiß ich. Ich halte nichts davon, sich gute Vorsätze aufgrund eines Jahreswechsels zu machen. Gute Vorsätze sind immer toll, klar, wir wollen alle bessere Menschen werden. Da kann man aber jeden Tag was für tun, das muss man jetzt nicht nur machen, weil ein neues Jahr anfängt. Eigentlich hätte man gestern schon damit anfangen sollen, wenn man es so will.

Wastin!com: Beim letzten Mal hast du mir gesagt; „Wenn nicht Musiker, dann entweder Kindertherapeut oder Pornoproduzent.“ Hat sich an der Berufswahl irgendetwas geändert?

Ron: (lacht!) Öhm..., der Pornoproduzent steht noch. Kindertherapeut finde ich auch immer noch einen spannenden Beruf. Ich hätte keine anderen Vorschläge eigentlich. Eigentlich ist das immer noch genau das, was ich machen wollen würde, wenn ich nicht bei 4Lyn wäre. Also, klar meine berufliche Zukunft wird immer, denke ich, irgendwas mit Musik zu tun haben oder mit dem familiären Unternehmen, das meine Eltern führen. Meine Eltern sind Zigeuner, sind halt Schausteller. Und da habe ich schon immer einen Fuß mit drin gehabt, weil ich das halt schon von Kind auf mache. Aber meine Wunschvorstellung liegt ganz klar in der Erotikbranche oder halt bei einem Job mit kleinen Zwergen, die halt Bock auf so einen fertigen Typen haben, mit dem abzuhängen und irgendwie rumzuflachsen und rumzududeln. Das bockt! Ich weiß nicht, meine Tochter ist so wundervoll und Kinder sind einfach echt was Cooles und ich werde nun auch nicht jünger. Ja, das wärs schon. Nee, also an meinem Berufswunsch hat sich nichts geändert, das bleibt so, mal gucken, was mir vielleicht beim nächsten Mal noch für ein Humbug einfällt. (grinst breit!)

4Lyn - 13. Dezember 2005 - KölnWastin!com: Und jetzt, wo das Fest der Liebe ja vor der Tür steht, kannst du unseren Lesern denn da einen Erotikstreifen empfehlen, den man dem Partner schenken könnte?

Ron: (brüllt los vor Lachen!) HAHAHAHAHA – einen Erotikstreifen! Oh, Scheisse! Also, generell kann ich alles empfehlen, wo Rocco Siffredi mitspielt, aber ansonsten? - Ich mochte die 'Hart an der Grenze Compilation' schon mal ganz gerne, aber das ist halt auch nicht jedermanns Business so. Also, nicht jeder steht so auf... ich kann ja jetzt nicht sagen; „Ich hätt´ gerne Fotzen und Kaviar, bitte, weil das der beste Porno ist!“ Also, es gibt ´ne Menge guter Pornos, aber es gibt leider zu viele Schlechte. Genau deswegen würde ich ja gerne ins Pornogeschäft einsteigen früher oder später. Weil alle sagen, dass alles schon mal da war, dass man alles schon gesehen hat. – Ja, in sexueller Hinsicht bestimmt, aber nicht in Sachen Aufbau und wirkliche Erotik, die dich umhaut. Manchmal mag ich Andrew Black-Filme, wo nicht wirklich irgendwas geht, sondern es einfach Erotik für´s Hirn gibt und halt Topmodels sind. Aber sind wir doch mal ehrlich, wer steht eigentlich noch auf Topmodels? Topmodels sind ganz nice zum angucken, aber auch unerreichbar, sehen gut aus vor der Kamera, sind aber eigentlich auch nur Standards. Ich steh da eher auf andere Kaliber, ich mag halt lieber ... (zögert) Jetzt werd´ ich zu persönlich, wir beenden das an der Stelle mal! (lacht!) ... Ähm, nee, aber ansonsten 'Hart an der Grenze' Teil 6 oder 16, da bin ich mir jetzt nicht mehr sicher, welcher der Beste war. Aber der beste Teil war der mit dem kleinen Vogel und dem Bong. Da kommt ein Liliputaner als Bimbo verkleideter drin vor und ein Bong. Ein riesen Bong. Da wird halt die ganze Zeit gekifft. Das ist so eine Traumfabrik und da kommen halt immer Leute rein und die sagen; „Hey, hören Sie mal, ich möchte gerne dies oder das“ und da hängen nur so zwei zugekiffte Typen und sagen: „Geh mal da vorne durch die Tür!“ Und dort passiert dann halt auch genau das, was die gerne in sexueller Hinsicht hätten. Von daher: Checkt 'Hart an der Grenze' – egal welchen Teil. Die sind alle irgendwie nicht schlecht!

Wastin!com: Ok!

Ron: (lacht!) Ich kann nicht glauben, dass ich das grad gesagt habe; „Kauft euch 'Hart an der Grenze'!“


Wastin!com: So, das war auch schon meine letzte Frage! Vielen Dank, es hat mir viel Spaß gemacht!

Ron: Mir auch! Danke euch!


Mehr Info:
Gig-Review 4Lyn – Köln, Underground, 13. Dezember 2005
CD-Review 4Lyn – 'Take It As A Compliment'
Interview 4Lyn am 23. September 2004
Gig-Review - 4Lyn Köln, Prime Club, 23. September 2004
Website 4Lyn
Autor: Vera Bunk