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Caliban - Interview mit Andy Dörner - 28. Dezember 2005, Übach-Palenberg
„Also, Patrick liest gar nicht, Marc liest auch nicht, Marco auch nicht und Denis liest Harry Potter, glaube ich...“

Im Rahmen der 'Spirit X-Mas Tour' besuchten Caliban zusammen mit Narziss, Destiny, Six Reasons To Kill, Fear My Thoughts, Neaera und Pitfall am 28. Dezember 2005 auch die Rockfabrik in Übach-Palenberg. Spätestens mit der Veröffentlichung der letzten Scheibe 'The Opposite From Within' stellten Frontmann Andy Dörner, die Gitarristen Marc Görtz und Denis Schmidt, sowie Bassist Marco Schaller und Drummer Patrick Grün die Metalcore-Szene auf den Kopf und Songs wie 'The Beloved And The Hatred' wurden zu wahren Moshpit-Hymnen. Kein Wunder also, dass es an diesem Abend proppe voll war. Aber bevor es für den Fünfer ausem Pott auf die Bühne ging, trafen wir den etwas angekränkelten Sänger Andy zum Gespräch. Wahrhaft Erstaunliches über ihre neue Scheibe 'The Undying Darkness', die Arbeit mit Anders Fridén und Andys besondere Verhältnis zu Groupies kamen ans Tages- bzw. Abendlicht. Aber lest selbst.

Caliban - Interview mit Sänger Andy Dörner - 28. Dezember 2005Wastin!com: Ich seid jetzt gerade auf der Spirit X-Mas-Tour unterwegs. Wie läuft es bis jetzt?

Andy: Sehr gut auf jeden Fall. Wir haben ja jetzt schon länger nicht mehr gespielt und die erste Show seit langem war vor ein paar Wochen die Underground-Show in Köln. Und jetzt sind wir auf dieser Tour. Ja, keine Ahnung, es läuft sehr gut. Wir haben gestern in Würzburg gespielt, war sehr gut. Ich glaube, wir waren vorher noch nie da. In Kassel waren wir auch noch nie. Es war restlos ausverkauft. Die Leute haben uns restlos ausverkauft an den Klamotten. Es war unglaublich! Also, man merkt auf jeden Fall dass Weihnachten war. Hehe, gut für uns. Also, für alle Bands! Es war echt sagenhaft. Alle Bands mussten schon Klamotten nachbestellen, weil die Leute kaufen wie die Wahnsinnigen. Und die Shows laufen – bis auf diese Krankheitsgeschichte so - auch sehr gut.

Wastin!com: Spielt ihr denn schon Songs von der neuen Platte während der Tour?

Andy: Ja, also, wir haben uns jetzt vier Stück herausgepickt. Die kommende Single 'It´s Our Burdon To Bleed', dann 'A Song About Killing', 'Together Alone' und 'I Break Myself'. Und dann tauschen wir die halt noch immer unter einander ein bisschen. Wir spielen pro Set immer so zwei mindestens manchmal auch drei Songs. Kommt drauf an.

Wastin!com: Und wie ist die Reaktion auf die neuen Songs? Immerhin sind die den Fans ja völlig neu.

Andy: Dafür, dass die echt noch nicht bekannt sind, außer vielleicht die Single – ich weiß ja nicht, ob die schon im Netz ist, weil die Promos sind schon ja raus – sind die Reaktionen ganz gut auf jeden Fall. Also, ich meine, die Leute sind noch ein bisschen unkoordiniert bei dem, was sie tun, sie hören halt mehr zu als jetzt abzugehen, aber sobald sich dann eben was wiederholt, dann wissen die schon bescheid und gehen dann auch ab. Also, ist schon ganz geil auf jeden Fall!

Wastin!com: Was magst du prizipiell daran, auf Tour zu sein und was stört dich jedes Mal?

Andy: Auf Tour zu sein ist immer ein riesen Spaß halt eigentlich im Großen und Ganzen. Es gibt natürlich immer Höhen und Tiefen, klar. Aber allein immer viele Menschen zu treffen, andere Kulturen kennen zu lernen, halt in andere Länder zu reisen oder so, das macht auf jeden Fall sehr viel Spaß. Und auf der Bühne zu stehen und mit den Leuten zusammen zu agieren, mit denen zusammen das Konzert durch zu ziehen und Spaß zu haben, das ist auf jeden Fall ein riesen Spaß. Nachteile, keine Ahnung, je nachdem wie lange man jetzt unterwegs ist, hat man zwischendurch schon mal Heimweh. Aber keine Ahnung, ich habe jetzt zum Beispiel niemanden – also jetzt keine Freundin oder so – wo ich jetzt sofort Heimweh kriegen würde so nach dem Motto; „Ich muss da jetzt sofort hin!“ Da sind nur halt meine Freunde, die ich dann irgendwann mal vermisse. Aber jetzt hier in Deutschland gibt es eigentlich nichts Negatives an einer Tour, weil man reist halt, wenn man eine große Tour macht, mit einem Nightliner, das ist dann echt Luxus und ansonsten geht´s eigentlich gut. In den Staaten ist es manchmal ein wenig anstrengend, weil man da mit einem Van fährt meistens. Und dann kann es schon allein körperlich echt anstrengend werden, weil man viel fahren muss auf engem Raum und nicht viel Schlaf bekommt und so was, aber ansonsten ist Touren immer Spaß eigentlich.

Wastin!com: Aber niemand von deinen Bandkollegen hat eine Angewohnheit, die dich stört?

Andy: Ach, wir haben alle unsere Macken und Ticken und Tacken, keine Ahnung. Ich glaube, wir heben uns da gut gegenseitig auf. Jeder macht den anderen ein bisschen fertig, dann wieder anders rum.

Wastin!com: Führt ihr ein gemeinsames Ritual durch, bevor ihr auf die Bühne geht?

Andy: Nee, eigentlich nicht. Also, wir wärmen uns alle auf, springen rum, laufen ein bisschen rum, machen dann normalerweise ein bisschen warm-up für die Stimme. Aber jetzt so ein richtiges Ritual, das wir zusammen durchziehen, haben wir eigentlich nicht.

Wastin!com: Um eine gute Show abzuliefern, auch Bühnenoutfittechnisch, wie viele Gedanken macht ihr euch darüber?

Andy: Wir versuchen halt schon, einheitlich auszusehen, damit wir halt auch wie eine Einheit rüberkommen. So von wegen; „Die Band ist eine Einheit!“ Und wir wollen das auch rüberbringen. Ich meine, wir ziehen immer etwas schwarzes an, das ist ja dann schon fast eine Einheit, so lang jetzt keiner da ein buntes T-Shirt an hat oder so. Wir haben eigentlich mal gesagt, dass wir immer Hemden anziehen, aber das ist jetzt eigentlich egal so, Hauptsache irgendwie schwarz. Wir haben jetzt nur gesagt, wir wollen jetzt keine Bandshirts anziehen. Keine Ahnung, nur schwarz, just black. Ja, und das ist für mich mit das Wichtigste so, eine gute Show durch zu ziehen mit den Leuten halt. Wenn wir scheiße sind, sind die Leute auch scheiße, wenn ich die Leute nicht animier´, haben die Leute vielleicht keinen Bock oder so oder vielleicht haben sie Bock, aber wenn ich sie animier´ haben sie noch mehr Bock. Also, ich versuche halt immer schon alles aus denen rauszuholen. Manchmal fällt´s mir schwer, wenn ich auch selber scheiße drauf bin. Ich glaube, heute könnte es echt ein bisschen ätzend werden, weil ich mich richtig scheiße fühle jetzt. Die ersten drei Shows, die gingen, aber heute ist es richtig übel. Deswegen, mal sehen wie es wird. Aber ich versuche immer mein Bestes und das ist für uns auch mit das Wichtigste halt, ´ne gute Show abzuliefern und egal wie scheiße es uns geht, immer das Beste rauszuholen und mit den Leuten ´ne gute Show zu machen.

Caliban - Interview mit Sänger Andy Dörner - 28. Dezember 2005Wastin!com: Ihr pflegt ja auch die Tradition mit der 'Wall Of Death'. Ist es da schon mal vorgekommen, dass sich die Leute dabei extrem wehtun und würdet ihr dann euer Konzert auch abbrechen falls so etwas passiert?

Andy: Ja, klar!

Wastin!com: Ist das schon mal vorgekommen?

Andy: Bei ´ner Wall Of Death nicht. Also, das geht eh so schnell, das kriegst du nicht mit so, wenn da einer untergeht. Ich sag´s dann immer an – also fast immer – so von wegen; „Passt auf!“ Ich sage zwar auch immer; „Nehmt das Haus auseinander! Macht alles kaputt!“ Aber ich sage auch zusätzlich, dass alle aufpassen sollen und dass es nicht ganz ungefährlich ist. Und wenn dann jemand hinfällt, dann wird der auch meistens direkt wieder aufgehoben. Aber wenn es irgendwelche Ausschreitungen gibt, so dass jetzt mal richtig was losgeht, dass Leute sich richtig boxen, dann brech´ ich ab. Das hatten wir jetzt letztens in Brasilien, da gab´s eine Schlägerei im Pit und dann habe ich auch abgebrochen direkt. Ich habe erstmal die Leute angemotzt, so; „Eh, was soll der Scheiß hier? Das könnt ihr draußen machen, wenn´s denn sein muss, aber nicht hier! Das muss nicht sein, wir sind hier, um Spaß zu haben, nicht um uns gegenseitig die Köpfe einzuschlagen!“ Auch wenn´s für Außenstehende so aussieht, aber es ist ja nicht so.

Wastin!com: Aber so wird ja heutzutage „getanzt“.

Andy: Ja, das hat sich halt so ergeben.

Wastin!com: Mit welchem Gefühl sollten die Fans denn deiner Meinung nach nach einer Caliban-Show Hause gehen?

Andy: Als wenn sie den geilsten Orgasmus ihres Lebens hatten! (lacht!) Keine Ahnung, halt sowas in der Art. „Glücklich sein“, von wegen; „Ja, heute habe ich was Geiles gesehen, was Geiles erlebt, das werde ich für mein Leben oder für lange nicht vergessen.“ Das würde mich freuen, wenn das immer so wäre. Ich meine, das kann natürlich auch sein, dass manche sagen; „Oh Mann, so eine Scheiße habe ich noch nie gesehen!“ (lacht!) Aber so soll´s nicht sein!

Wastin!com: Caliban ist ja schon sehr viel im Ausland herumgekommen und ihr seid dort sehr erfolgreich wie in Japan zum Beispiel. Bist du der Meinung, dass es für eine deutsche Band hilfreich ist, erstmal in anderen Ländern zu überzeugen, um dann in Deutschland so richtig durch zu starten?

Andy: Hmmm... hmm, es ist, glaube ich, schon pressefördernd, wenn man sagen kann, dass man in den Staaten schon tausend Mal war, und in Japan, dass man da und da war, das macht die Leute aufmerksam. Aber ich glaube nicht, dass es so wichtig ist. Guck, Heaven Shall Burn zum Bespiel. Die waren zwar auch in Brasilien schon und Island, glaube ich, aber jetzt auch noch nicht so viel weg. In den Staaten waren sie zum Beispiel gar nicht, weil die halt tourfaul sind, die wollen einfach nicht. Aber die haben auch einen riesen Erfolg halt. Ich meine, die haben denselben Status wie wir, würde ich halt sagen. Keine Ahnung, es ist halt, glaub´ ich, schon gut, wenn das so ist, und ich meine, wir wollen ja eh touren, touren, touren und da ist es gut halt überall bekannt zu sein. Das finden wir halt, weil vor allem in den USA – da ist der größte Musikmarkt – ist es auch sehr schwer reinzukommen als europäische Band und du musst halt immer präsent sein. Deshalb fahren wir auch immer, wenn wir können, rüber, um da weiterhin Fuß zu fassen, so dass die Leute immer mehr und mehr werden und das wird jetzt von Tour zu Tour immer besser. Anfangs kennt einen keine Sau, jetzt mittlerweile hat man schon seine Crew, das ist schon ganz gut.

Wastin!com: Also, du meinst, es ist nicht zwingend erforderlich für eine deutsche Band, im Ausland erfolgreich zu sein?

Andy: Ich galube nicht. Nicht unbedingt so. Ich meine, natürlich ist es nützlich.

Wastin!com: Aber es schien ja leider immer so gewesen zu sein, als ob eine ausländische Band bei uns direkt schneller erfolgreich geworden ist als eine nationale.

Andy: Ja, aber das ist mittlerweile auch nicht mehr ganz so extrem. Vor ein paar Jahren war es noch so, dass sobald eine Ami-Band gekommen ist, die sofort Headliner war, egal wie groß die jetzt war oder sonst was. Aber mittlerweile ist es nicht mehr so. Mittlerweile ist es auch so, dass halt eine deutsche oder europäische Band dann Headliner ist, auch wenn Amis spielen, eben weil sich das schon ein bisschen geändert hat. Und das finde ich auch gut, weil warum soll das so sein, dass sie sofort Headliner sind, so dass die einfach so einen Status haben nur weil sie aus den Staaten kommen oder sonst woher. Das ist ein bisschen albern. Und wir haben in Deutschland und Europa echt viele gute Bands und das muss halt nicht sein, dass dann einfach ein Ami kommt und allen einfach den Rang abläuft. Und das finde ich gut, dass es sich so entwickelt hat, dass jetzt daran gemessen wird, welchen Status die Band wirklich hat, wie bekannt die Band ist und wie viele Leute für diese Band kommen – So wie es auch sein sollte.

Wastin!com: Herkunft sagt eben nichts über Qualität aus!

Andy: Eben!

Caliban - Interview mit Sänger Andy Dörner - 28. Dezember 2005Wastin!com: Okay, dann lass uns jetzt mal über eure neue Platte 'The Undying Darkness' sprechen. Was sollten die Leute darüber wissen?

Andy: Sie ist noch besser als der Vorgänger! (lacht!) Sind wir alle der Meinung. Also allein produktionstechnisch halt. Der Sound ist noch fetter, meine Stimme ist viel kräftiger, also die ist halt sehr bullig irgendwie! (lacht!) Hab´ mich selber erschrocken! Ich finde, die Platte ist ein wenig grooviger, sie geht mehr nach vorne, es ist ein wenig mehr Rhythmus drin, finde ich so, sie ist melodiöser. Von den cleanen Sachen her hält es sich in der Waage wie beim Vorgänger, bisschen mehr. Ich weiß nicht, das Songwriting ist ein bisschen besser noch geworden. Und insgesamt ist sie auch ein bisschen härter. Mag vielleicht auch an der Aufnahme liegen oder an dem krasseren Gesang, ich weiß nicht, aber so die Metalsachen, die sind auf jeden Fall härter, würde ich sagen, und insgesamt noch ein bisschen runder und geht gut nach vorne. Sie ist so ein bisschen eingängiger noch als der Vorgänger auf jeden Fall.

Wastin!com: Also, du bist vollends zufrieden?

Andy: Ja, auf jeden Fall!

Wastin!com: Und würdest nichts dran ändern wollen?

Andy: Nur einen Song. Da bin ich nicht zufrieden mit dem Anfang von mir. Weil da hab´ ich scheiße gesungen irgendwie. Ich meine, die Leute hören das meistens nicht, aber ich hör´ es immer und den Song skip´ ich immer weg! (lacht!)

Wastin!com: Welcher Song ist das?

Andy: Das sag´ ich nicht! (lacht!) Das wirst du selber herausfinden!

Wastin!com: Ich konnte bislang nichts Schlechtes feststellen!

Andy: Ich meine, so scheiße ist es auch nicht, aber ich hätte es anders noch besser gefunden. Wie auch immer! (lacht!)

Wastin!com: Und wo liegen Calibans Stärken?

Andy: Ich würde sagen, unsere Bühnenpräsenz. So viele Leute finden uns live auch besser als auf Platte zum Beispiel. Ich glaube, es ist eine unserer Stärken, dass wir mittlerweile schon ´ne recht gute Liveband geworden sind, was ja auch traurig wäre wenn nicht, nach dem ganzen Rumtouren! Und wir versuchen unsere Musik ja auch immer relativ abwechslungsreich zu gestalten, so dass es halt nicht langweilig wird. Denn ich kenne viele Platten, da sind die ersten Lieder halt richtig geil, aber dann wird es auch langweilig so. Das ist immer das Gleiche oder da passiert dann nicht mehr viel. Und wir versuchen halt in jedem Song immer ein so´n (schnalzt mit dem Finger) „Schnipp“ zu haben, das ist noch geil irgendwie, so etwas, das den Song wieder interessant macht und so. Und ich glaube, das ist vielleicht noch so ein Punkt eben, dass wir halt versuchen jeden Song immer interessant zu gestalten. Natürlich haben wir wahrscheinlich auch ein paar Songs dabei, die so ein bisschen dahinplätschern vielleicht, aber überwiegend, glaube ich schon, dass wir das gut im Griff haben, die Songs interessant zu gestalten. Und auch unser Liveprogramm zählt zu den Stärken. Ich meine, was heißt Liveprogramm? - Wir haben jetzt nicht so ein Programm, wo wir sagen das und das machen wir. Aber wir sagen halt schon von wegen; „Wir geben hier alles!“ Wir haben schon unsere Passagen, wo wir halt alle extrem abgehen, keine Ahnung, vielleicht auch das ... ich weiß nicht so.

Wastin!com: Beim letzten Interview mit deinem Bandkollegen Patrick, hat er gesagt, dass du der Belesene in der Band bist. Siehst du das genauso? Liest du wirklich so viel?

Andy: Oohhh, also im Gegensatz zu den anderen lese ich schon viel, ja. Also, Patrick liest gar nicht, Marc liest auch nicht, Marco auch nicht und Denis liest Harry Potter, glaube ich.

Wastin!com: Aha!

Andy: Ja, aber auch mal was anderes! Ja, aber von denen bin ich schon der Belesenste, aber ich würde mich nicht als belesen bezeichnen, denn so viel lese ich auch nicht. Ich habe schon mal meine Phasen, wo ich halt schon mal viel lese. Und ich habe auch immer ein Buch dabei auf Tour. Wenn mir dann mal langweilig ist oder sonst was, dann lese ich auch schon mal. Aber jetzt so, würde ich mich nie als belesen bezeichnen. Ich würde sagen, mein Mitbewohner, der ist belesen halt und intellektuell so. Aber im Caliban-Paket bin ich der Intellektuelle! (lacht!)

Caliban - Interview mit Sänger Andy Dörner - 28. Dezember 2005Wastin!com: Welches Buch hast du zuletzt gelesen?

Andy: Ich habe jetzt zwei Bücher von Charles Bukowski angefangen, einmal 'Hollywood' und einmal ... wie heißt das jetzt? Im Original heißt das 'Ham On Rye'. Ich habe jetzt auch grad nicht so einen Bock, wenn ich jetzt krank bin, da häng´ ich zwar auch nur rum, aber selbst lesen ist zuviel. Ich habe halt ein bisschen gelesen, ein paar Seiten, dann bin ich eingeschlafen. Na ja, deswegen. Aber Bukowski habe ich jetzt grade ein bisschen gelesen.

Wastin!com: Und dient dir auch einer der großen Schriftsteller als Vorblid oder Inspiration für deine Lyrics?

Andy: Na ja, nicht wirklich. Also, ich höre manchmal, dass Leute sagen, dass meine Texte Nietzsche-mäßig seien. Aber mit Nietzsche kenne ich mich nicht so gut aus, ich hatte zwar Philosophie und Deutsch-LK in der Schule, aber ich war kein guter Schüler, ich hatte keinen Bock! (lacht!) Und da ging mir das alles am Arsch vorbei und deswegen hab´ ich mich nie damit so beschäftigt. Ich lese auch ganz willkürlich, also ich habe jetzt keinen bestimmten Autor, den ich jetzt besonders gute finde. Ich gehe wirklich durch viele verschiedene Bereiche und habe jetzt keinen Favouriten unbedingt so. Ich meine, ich finde Bukowski schon so richtig gut eigentlich, der ist halt so der Gossen-Typ, richtig rotzig so. Den finde ich schon richtig gut und – wie heißt der jetzt? Irving Welsh heißt der, der 'Trainspotting', 'Drecksau' und 'Extasy' geschrieben hat, und die habe ich auch gelesen. Der ist auch ein bisschen rotzig so, also ich steh´ schon eher so auf diese rotzigen Schreiber. Obwohl ich teilweise auch Benjamin von Stuckrad-Barre so ein bisschen gut finde, so das ist auch teilweise echt witzig wie er schreibt, obwohl der mir zu arrogant ist, der Typ. Aber wie gesagt, ich gehe durch alle Bereiche.

Wastin!com: Also, du stehst mehr auf zeitgenössische Literatur?

Andy: Ja. Aber ich habe auch mal ein Buch über Kaliban gelesen, das hieß 'Die Insel des Magiers' von Tad Williams. Das ist halt die Geschichte über Kaliban, wie er halt mit seiner Mutter auf die Insel kommt, dort aufwächst und Prospero trifft und die ganzen Leute, halt seine Geschichte. Das war auch ganz geil. Das habe ich mal wegen Caliban geschenkt bekommen und ich hatte halt das Stück von Shakespeare nicht gelesen damals, aber dann dieses Buch. Und 'Die Insel des Magiers' ist auch sehr interessant. Ist ja auch ein bisschen was älter.

Wastin!com: Und wie sieht es da beim Textschreiben bei euch aus? Denis übernimmt ja die melodischen Gesangsparts. Teilt ihr euch dann auch das Schreiben der Lyrics oder schreibst du sie im Alleingang?

Andy: Ich schreibe die insgesamt, weil ich bin halt nicht so der Textschreiber auf Kommando, das geht halt irgendwie nicht. Ich habe zwar jetzt im Studio einen Text geschrieben zu 'A Song About Killing'. Den finde ich auch ganz gut so, aber das ist auch ein krasser Text und der fällt auch ein wenig raus, weil meine anderen Texte, die sind halt wie immer sehr persönlich gehalten. So auf Beziehungserfahrungen aufgebaut und auf Sachen, die mich angepisst haben. Das schreibe ich dann halt einfach auf und pick´ mir dann da einen schönen Satz raus, den man als Refrain nehmen kann. Und wenn da jetzt nichts drin ist, was man benutzen kann, weil das sollte ja eine Linie vom Gesang her sein, dann gucken wir, ob etwas reinpasst. Wenn´s nicht so ist, dann mache ich mir noch mal Gedanken, weil Denis ist nicht in der Lage, sich etwas auszudenken, der kommt halt nicht auf irgendwelche Ideen und kann sich auch nicht so in den Song reinversetzen und in den Text. Dann schreibe ich also noch einen Chorus meistens, wenn nicht schon irgendetwas da ist. Also, so machen wir das dann.

Wastin!com: Du hast mal gesagt, du könntest nur texten, wenn es dir schlecht geht. Jetzt frage ich mich, da ihr ja sehr erfolgreich seid und viel erlebt, viel rumkommt und so. Bist du jetzt überhaupt noch mal schlecht drauf? Wenn nicht, woher nimmst du dann deine Inspiration? Oder erlebst du jetzt auch immer noch so viele schlechte Dinge?

Andy: Ja also, wie gesagt, meine Texte sind alle sehr beziehungsbezogen. Und was ich heute schreibe, das hole ich mir dann von damals, erlebe es neu und schreibe es neu auf. Ich hatte jetzt ewig schon keine Beziehung mehr, also, das ist vier Jahre her oder was auch immer und da fehlt mir so ein bisschen der Input jetzt! (lacht!) Also, ich habe es echt immer von meiner Ex-Freundin bezogen, halt so die ganze Scheiße immer und jetzt sauge ich das halt von damals noch oder davon, wenn ich mal wieder jemanden treffe und dann wieder irgendein Scheiß aus Mißverständnissen passiert. Das kann ich dann auch aufschreiben oder so. Aber es ist ja nicht alles nur darauf bezogen, manchmal sind es auch Träume, die ich habe. Das sind dann halt immer die ganz zerstörerischen Texte, wo es dann um Töten geht meistens oder darum irgendwas kaputt zu machen oder sonst wie. Das sind dann halt mehr so Träume und manche Sachen sind auch filmbezogen. Meistens schreibe ich halt einen Text so an David Lynch angelehnt, weil der ist mein Prophet - ein großer Meister! Dabei versuche ich immer ihn zu huldigen! (lacht!) Und das sind halt zum Beispiel Inpirationsquellen. Oder ich versuche mich einfach mal so ein bisschen lyrisch, aber meistens klappt das nicht so wirklich. Aber irgendwas kommt dann raus, das kann irgendwie aus irgendeinem Anlass kommen, ich weiß nicht. Dann kommt´s einfach und dann schreib ich´s auf und es ist immer irgendetwas da, das einen anpisst, und da habe ich schon immer Material. Ich sammle das ja auch immer über ein ganzes Jahr bis wir wieder ins Studio gehen und das reicht dann schon! (lacht!)

Caliban - Interview mit Sänger Andy Dörner - 28. Dezember 2005Wastin!com: David Lynch, eine gute Wahl! Welches ist denn dein Lieblingsfilm von ihm?

Andy: Boah, das kann ich gar nicht sagen! Also David ist für mich also echt der König der Filmemacher. Der ist einfach ein durcher Typ, nicht verständlich für mich, der Mann irgendwie, der ist grandios. Also, Mulholland Drive ist ganz groß, eine der geilsten Serien, die ich kenne, ist Twin Peaks, auch wenn sie echt scheiße aufhört. Also, auch diese ganzen schweren Filme von ihm: Blue Velvet ist ja ... na gut, Blue Velvet ist ja noch echt ein ruhiger, der hat ein Anfang und ein Ende eigentlich. Aber ganz zerstörerisch ist Lost Highway – Hallo!? (lacht!) Und seine ganzen Kurzfilme! Der Typ ist einfach fertig so, ich kann nicht sagen, was man Favourit ist, weil der ist in jedem Bereich immer ziemlich geil und ich finde eigentlich nichts scheiße von ihm. The Elephant Man habe ich vor Ewigkeiten mal gesehen, den müsste ich mal wieder gucken und Earaserhead, aber das sind auch Filme, die sind so schwer irgendwie, da brauche ich eine gewisse Zeit für. Die sind sehr anstrengend!

Wastin!com: Ja, die kann man nicht mal eben auf Tour im Nightliner gucken!

Andy: Auf gar keinen Fall! Außerdem, die anderen stehen auch gar nicht auf Lynch, da bin ich eh der einzige, glaub ich. Obwohl Marco vielleicht. Der guckt sich sowas manchmal an, Denis vielleicht auch, aber die anderen beiden gar nicht.

Wastin!com: Du hast mal gesagt, dass du dir einige Texte von der 'The Opposite From Within' zusammen geschnorrt hast, weil du nicht genug Zeit hattest zum Schreiben. War das nur damals oder machst du das auch jetzt noch?

Andy: Bei der neuen Platte jetzt nicht. Also, ich mache das dann echt nur, wenn die Platte ansteht und ich sehe, ich werd nicht fertig, ich hatte halt zu wenig schlechte Momente, zu wenig Input so. (grinst) Und dann habe ich das schon mal gemacht. Ein Freund von mir, der schreibt halt auch zwischendurch einfach mal immer so Sachen auf, die finde ich auch ganz gut. Und der hatte mir dann mal was gegeben und von der 'Opposite'-Platte, der Sänger, der die Cleanvocals gemacht hat, der hatte auch zwei, drei Texte geschrieben. Da war ich auch echt dankbar für, weil da hatte ich echt ´nen Engpass. Aber jetzt bei der letzten Platte habe ich alles selbst geschrieben. So, da war genug Input da.

Wastin!com: Okay. Ihr habt ja wie auch schon beim Vorgänger wieder mit In Flames-Sänger Anders Fridén zusammengearbeitet. Glaubst du denn, dass das auch bei der nächsten Platte so sein wird, so frei nach dem Motto; „Don´t touch a running system.“ Oder wollt ihr dann auch mal jemand anderen ausprobieren?

Andy: Also, für mich war die Zusammenarbeit wieder super mit ihm, vor allem mit ihm als Sänger halt. Ich weiß jetzt nicht, wie es mit Marc und so aussieht. Ich meine, im Großen und Ganzen war es wieder geil wie halt auch vorher. Wir wollten vielleicht bei der nächsten Platte noch jemanden dazu holen, weil ich glaube, dass sich Marc so gitarrentechnisch noch ein bisschen mehr erhofft so oder erhofft hatte. Deswegen wird vielleicht bei der nächsten Platte noch jemand dazu kommen. Andy Sneap hat gesagt, er würde gern die nächste Platte mit produzieren komplett. Also, nicht nur mixen, sondern auch produzieren, das wäre vielleicht auch noch eine Möglichkeit. Dann halt Anders für Vocals und songwritingmäßige Sachen und Andy Sneap speziell für Gitarren, weil er ist ja selber Gitarrist halt auch, das wär´ halt auch ein gutes Paket, das könnte ich mir gut vorstellen.

Wastin!com: Auf 'The Undying Darkness' gibt es auch Gastauftritte. Bei einem handelt es sich um Mille von Kreator, wie kam es dazu?

Andy: Also, ich kenne Mille jetzt auch nur über Marc und Patrick, die kennen sich aber jetzt auch schon länger von Konzerten her. Ich meine, Marc kommt aus Essen, Mille kommt aus Essen, die kennen sich aus der Zeche Carl oder sonst was, da hängt der ja auch immer oft rum. Ich kenne den halt echt nur darüber so und eigentlich war es geplant, dass Mille ein Solo spielt bei einem Song. Aber 'Moment Of Clarity' ist ja echt auch so ein Trashmetal-Song à la Kreator irgendwie und ich tu mich immer schwer mit solchen Songs. Ich bin nicht so der Trashmetal-Typ. Also, mit schnellem Singen habe ich es nicht so und dann haben wir ihn eben gefragt; „Eh hier, wie sieht es denn aus, ich hab´ ein paar Probleme, hast du nicht Bock auch ein bisschen mitzusingen?“ Und dann hat er halt den Chorus gesungen. Und das fand ich halt ziemlich geil! Das Solo wurde zwar jetzt nicht genommen, keine Ahnung warum, wie auch immer, aber jetzt ist er halt wenigstens stimmlich drauf, das finde ich ziemlich geil! Echt geil, er ist eine Legende!

Wastin!com: Und bei dem Cover von 'Army Of Me' habt ihr die Tanja Keilen dabei. Wie kam man überhaupt dazu Björk zu covern? Du magst sie ja sowieso.

Andy: Ich glaube, den Anstoß dazu, hat das Management gegeben. Irgendwie so von wegen; „Covert doch mal was total Unverhofftes.“ Ich bin eh immer dafür, aber ich bin auch immer so der einzige und dann hör´ ich immer; „Äh nee, ist ja voll scheiße hau ab!“ Und da war ich total überrascht und hab´ mich end gefreut, als so was aufkam, weil ich Björk eh voll gerne mag. Das fand ich dann eh super geil. Und ich kenne Tanja halt von Sister Love und finde super cool, was die machen. Und da habe ich gedacht, ein Mix aus mir und Tanja wäre doch geil, weil sie auch echt so eine Björk-Stimme hat, so die verspielte Mädchenstimme, ein bisschen rauchig irgendwie, super cool. Und dann habe ich sie eben angerufen und sie gefragt, ob sie Zeit und Bock hat und sie war natürlich sofort dabei und dann haben wir das gemacht.

Caliban - Interview mit Sänger Andy Dörner - 28. Dezember 2005Wastin!com: Das ist wirklich mal was Unverhofftes! Gefällt mir gut!

Andy: Ich bin mit dem Cover auch super zufrieden, also ich find´s richtig cool.

Wastin!com: Live wird es das aber wohl eher nicht zu hören geben oder?

Andy: Nee, wahrscheinlich nicht. Also, ich hatte überlegt, dass man das ja vielleicht auf der Release-Show spielen kann als Special so von wegen, dass dann auch alle anderen Gastmusiker da sind, die auch mitgearbeitet haben an der Platte wie halt Mille, Tanja und diese ganzen Backgroundsänger. Wir haben ja auch Chöre drauf von den ganzen Ruhrpottleuten, dass die dann alle mit machen, und dann der Typ, der bei uns die Keyboards gemacht hat. Dass halt alle Gastleute, die jetzt da auf der Platte mitgewirkt haben, halt auch da sind. Da könnte man den Song dann vielleicht auch machen, weiß ich aber nicht so. Aber ansonsten eher nicht. Weil das sollte dann schon sein so, dass der Frauengesang auch dabei ist.

Wastin!com: Wie selbstkritisch bist du? Und ihr als Band? Geht ihr nach einem Konzert hin und analysiert, was ihr alles hättet besser machen können?

Andy: Ja, klar.

Wastin!com: Drückt das dann auch die Stimmung oder ist es euch prinzipiell egal, solange die Fans die Show toll fanden?

Andy: Also, wir messen so eine Show an uns. Ich meine, auch die Leute können noch so gut abgegangen sein, wenn wir halt scheiße waren, dann war´s halt scheiße. Das legt sich darin nieder, wenn wir halt faul waren oder unsere Ärsche nicht hochgekriegt haben an manchen Stellen oder ich mich end verquatscht habe, irgendeinen Scheiß gelabert habe so. Keine Ahnung, es ist schon mal so, dass ich mich schon mal irgendwie verspreche, das regt mich dann auch selber auf, aber ich krieg´ dann end die Krise, wenn mich jemand von den anderen in dem Moment verbessert, weil ich halt in so einem Bühnenmode bin. Dann bin ich aggressiv halt so; „Äh, Schnauze! Laß´ mich in Ruhe!“. Und dann gibt's danach immer so kurz Stress, aber dann ist auch wieder gut. Aber wenn wir gut waren, ist alles cool so. Wenn die Leute auch cool waren, dann ist es noch geiler. Keine Ahnung, es gibt immer so ein paar Sachen, wo wir dann sagen; „Ja, da hätten wir noch das machen können!“ Es gibt immer Sachen, die man besser machen kann. Man kann immer mehr machen als das, was man tut. Auch wenn man es dann hinterher, wenn es mal aufgenommen wurde, dann sieht, ja dann denkt man; „Oh, das ist ja voll scheiße!“ (lacht!) Aber im Grunde ist es halt meistens schon okay, wenn jetzt halt nicht so riesen Patzer passiert sind, dass man sich end verspielt hat oder sonst was. Dann ist es meistens schon okay.

Wastin!com: Und ist dir schon mal etwas so Peinliches passiert, dass du es jetzt am liebsten ausblenden würdest?

Andy: Ja, so Versprecher halt manchmal im Englischen. Wenn ich mir nicht vorher überlege, was ich jetzt sagen will, dann laber ich manchmal so einen Scheiß, weil ich auch nicht so der Englischcrack bin. Und grammatikalisch ist das dann manchmal voll daneben oder ich benutze falsche Wörter und dann denke ich so; „Ohhh, ohhh, ohhh!“ Oder: Auf so einem Festival bin ich vorne auf den Boxen rumgelaufen aber da war so ein Spalt zwischen, der abgedeckt war mit einer Plane. Da bin ich dann reingeflogen. So was ist halt peinlich. Oder: Wenn man auf der Bühne einfach umfällt, irgendwie stolpert und so was. Aber das gehört dazu halt. Das ist in dem Moment ein bisschen peinlich, aber scheiß drauf!

Wastin!com: In welcher musikalischen Periode hättest du gerne gelebt, wenn nicht heute?

Andy: Wenn nicht heute? Ich glaube, die wilden 70er fänd´ ich gut oder die 80er in der Gothic-Szene mehr so. Also, die 80er Wave-Gothik-Sachen finde ich wirklich gut oder halt die durchgeknallten 70er „Gitarren-ich-freß-alles-Freaks“ so. (lacht!) Da war alles so schön bunt! (lacht!)

Wastin!com: Wenn man sich in der Szene so umhört, dann wird schnell laut, dass die Mädels dich ja immer ganz süß finden. Wie erklärst du dir das und wie gehst du damit um?

Andy: Ich glaube, das ist einfach ein Sängerding so. Es könnte sonst wer Sänger sein, das ist halt einfach so ein Sängerding. Man steht halt vorne die ganze Zeit und ist halt immer der, der mit den Leuten agiert. Keine Ahnung, wie gehe ich damit um? Ich bin halt eher so der zurückgezogene Typ. So dass ich mich oft dann auch im Backstage verkrieche. Ich meine, ich gehe dann natürlich auch oft schon mal raus, um halt ein bisschen mit den Leuten zu quatschen, wenn sie wollen auch Autogramme zu geben oder sonst was. Aber was Groupies angeht oder sonst was, da versuche ich mich halt schon eher ein bisschen zurück zu ziehen, weil es kann mal lustig sein und mal Spaß machen irgendwie, davon kann ich mich nicht freisprechen, aber ich bin jetzt nicht so ein Typ, der das total auskostet oder ausnutzt, würde ich sagen, nein. Das bringt mir nicht viel so, ich bin mehr so ein Typ, der sich gerne an zu Hause anlehnt und irgendwas Festes hat oder so. Und Groupie oder nicht Groupie, die können mir sonst noch was erzählen, so; „Ja nee, das ist nicht wegen Caliban!“ oder so. Ich kann mir da nicht sicher sein und sobald jemand ankommt vorm Konzert oder in der Disco, block´ ich das direkt ab. Man kann quatschen natürlich gern, aber selbst das ist manchmal nicht okay, weil da kriegt man dann auch hinterher Ärger, weil die dann sagen von wegen; „Äh, ich hab´ mich in dich verliebt, du Arschloch! Du bist so nett!“ Dann weiß ich auch nicht, wie ich reagieren soll oder wie ich zu denen sein soll. Soll ich ein Arsch sein, soll ich jetzt nett sein, soll ich die ausnutzen? Keine Ahnung, also ich habe da schon Probleme mit denen so ein bisschen. Darüber schreibe ich dann übrigens auch mal einen Text! (lacht!) Aber wie gesagt, keine Ahnung, ich handle das halt so, dass ich mal damit umgehe und mal nicht, aber eher zurückgezogen bleibe so.

Caliban - Interview mit Sänger Andy Dörner - 28. Dezember 2005Wastin!com: Deswegen ist es wohl auch so schwer, jemanden für eine feste Beziehung zu finden.

Andy: Ja, das liegt aber auch an mir. Ich block´ halt auch ab, weil meine letzte Beziehung sehr intensiv für mich war. Deswegen ist es schwer, jemanden zu finden, der mich halt noch mal so catchen kann. Das kommt halt auch noch dazu.

Wastin!com: Wenigstens liefert so was immer Inspiration für sehr gute Texte! Das sieht man ja immer wieder.

Andy: Ja, klar! Aber Liebe und Haß liegen nah bei einander halt. Liebe und Schmerz wie auch immer, wie man es will.

Wastin!com: Okay, dann mal ein ganz anderes Thema. Welches war denn für dich das Album des Jahres 2005?

Andy: Hmhhh ... was fand ich denn extrem gut? Was ist denn jetzt rausgekommen? Ich glaube, ich fand die Still Remains ziemlich geil, also, die ist eine meiner Favourites auf jeden Fall! Die finde ich ziemlich gut, die ist nicht so überproduziert irgendwie und die kann ich mir von vorne bis hinten anhören. Die rocken gut, die Leute, das ist ein guter Mix aus allem, fand ich auf jeden Fall sehr geil die Still Remains - 'Of Love And Lunacy'. Ich fand auch die Chimaira - 'Chimaira' ziemlich gut. Anfangs nicht so, als ich die das erste Mal gehört hab´. Ich so; „Hmmmhhh?!“ Aber nach ein paar Mal hören, geht die echt gut rein und ist auch richtig gut dann. Die kann ich auch gut hören, ja.

Wastin!com: Wo und wie wirst du Silvester feiern und hast du dir schon gute Vorsätze für das neue Jahr gefasst?

Andy: Ich habe gestern meine Silvesterpläne umgeschmissen. Geplant war, dass ich nach Berlin fahre, mit meiner Ex und ein paar Freunden da feiere. Ja, aber das habe ich jetzt umgeschmissen, weil ich wollte eigentlich mit meinem besten Freund hinfahren, aber der kann halt nicht aus gesundheitlichen Gründen leider. Und ich will alleine jetzt auch nicht dahin fahren, weil ich möchte halt schon mit ihm feiern, weil er mir wichtiger ist als meine Exfreundin jetzt und deswegen bleib´ ich jetzt hier vielleicht in Wuppertal oder so und werde so feiern. Mal sehen. Also jetzt ist noch nichts festes Konkretes geplant, halt irgendwohin bis zum Umfallen alles geben, keine Ahnung. Vorsätze für´s Neue Jahr setze ich mir nie, weil die sind eh nur da, um gebrochen zu werden. Deswegen gibt's das halt nicht. Ich könnte jetzt sagen, noch mehr gute Shows, noch mehr gute Parties, noch mehr Erfolg wie auch immer, aber wie gesagt, Vorsätze setze ich mir nie, ich hoffe einfach nur, dass alles gut wird. Das wär´s eigentlich.

Wastin!com: Das ist wohl auch das Beste! So, das war dann auch schon meine letzte Frage, vielen Dank! Hat viel Spaß gemacht!

Andy: Ja, vielen Dank an euch! Viel Spaß bei der Show!

Wastin!com: Werden wir haben!

Mehr Info:
Website Caliban
Website Sister Love
Autor: Vera Bunk