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Corvus Corax – Interview mit Patrick der Kalauer – 03. April 2006
Castus Rabensang, Teufel, der Kalauer, Wim (Venustus Olere), Harmann der Drescher, Ardor vom Venushügel und Hatz, das sind die Mitglieder der wohl bekanntesten Mittelalterband der Gegenwart – Corvus Corax. Seit Ende der 80er Jahre des 20. Jahrhunderts zieht die Band aus Ostdeutschland in mittelalterlicher Spielmannstradition durchs Land und erfreut die Menschen mit ihren altertümlichen Klängen von Dudelsack, Trommeln, Drehleiern und Flöten. 17 Jahre und 15 CD´s nach der Gründung konnten sich die Spielmänner bereits in die Herzen tausender Fans spielen und führen heute unumstritten die Mittelaltermusikszene an. Wir haben mit Patrick dem Kalauer über die Entstehung der Band, den immensen Erfolg ihrer Cantus Buranus-Inszenierung und über ihre Zukunftspläne gesprochen. Außerdem hat er uns von ihrer Eroberung des amerikanischen Marktes berichtet, dabei kam Erstaunliches zu Tage. Lest selbst!

Corvus Corax – Interview mit Patrick der Kalauer – 03. April 2006Wastin!com: Seit wann genau gibt es Corvus Corax?

Patrick: Seit 1989.

Wastin!com: Was bedeutet euer Bandname?

Patrick: Lateinisch für Kolkrabe, den grössten Singvogel der Welt.

Wastin!com: Wer ist von der Urbesetung noch übrig? Warum kam es zu den Line-Up-Changes?

Patrick: Von der Urbesetzung sind Castus und Wim übrig. Zu Line-Up-Wechseln kam es immer wieder mal, weil man sich musikalisch und/oder zwischenmenschlich nicht mehr verstanden hat.

Wastin!com: Auf euren ersten Werken sind noch viele Gesangs- und Flötenstücke. Bei den neueren Werken ist davon nicht mehr viel zu hören. Warum?

Patrick: Weil sich eine Band im Laufe ihrer Karriere immer wieder mal verändert.

Wastin!com: Ihr seid die erste Band gewesen, die diese brachiale Dudelsackmusik gespielt hat. Was denkt ihr über die ganzen Bands, die mittlerweile auf den Mittelaltermärkten vertreten sind? Also diese Bands mit beispielsweise 3 bis 4 Dudelsäcken und brachialer Percussion?

Patrick: Wir haben, ehrlich gesagt, gar nicht soviel Zeit, um uns mit diesen ganzen Bands auseinander zu setzen. Es ist jedoch schön zu sehen, dass wir so viele junge Menschen dazu bewegt haben, selbst Musik zu machen.

Wastin!com: Auf den mittelalterlichen Stücken liegen ja keine Urheberrechte oder dergleichen. Jeder, der möchte, darf diese Stücke also spielen. Einige Bands machen sich aber nicht die Mühe, die Stücke neu zu arrangieren, sondern covern sozusagen eure Arrangements. Macht euch das stolz oder nervt es euch?

Patrick: Es wäre schon schön, wenn sich die Bands auch selbst mal die Arbeit machen würden, nach alten Stücken zu suchen. Wenn es zu dreist geklaut ist, meldet sich unser Anwalt bei den jeweiligen Bands und trifft meist schnell auf Einsicht.

Wastin!com: Warum ist Meister Selbfried nicht mehr als aktiver Musiker dabei? Ist er ganz ausgestiegen oder agiert er weiter im Hintergrund?

Patrick: Er arbeitet nun hinter den Kulissen in unserem Büro.

Wastin!com: Wer von euch hat die Stücke für die Carmina Burana komponiert?

Patrick: Das waren Wim, Castus, Teufel, Harmann und ich.

Wastin!com: Habt ihr alle Stimmen selber komponiert?

Patrick: Ja, das haben wir.

Wastin!com: Wie lange haben die Vorberitungen für die Carmina Burana Komposition gedauert?

Patrick: Das lässt sich schwer sagen. Die Idee bestand schon einige Jahre. Die ersten musikalischen Grundgerüste entstanden auch schon zeitig. Es ist dadurch, dass wir in der Zwischenzeit an so vielen verschiedenen Projekten gearbeitet haben, schwer zu sagen, wie lange es tatsächlich gedauert hat.

Wastin!com: Wie viele Proben mit Orchester und Chören gab es vor der Uraufführung?

Patrick: Es gab etliche Satzproben und, ich glaube, drei Probetage, an denen gemeinsam das ganze Konzert durchgespielt wurde.

Corvus Corax – Interview mit Patrick der Kalauer – 03. April 2006Wastin!com: War es ein grosses Problem, die mittelalterlichen Instrumente mit den klassischen Instrumenten zu kombinieren? Oder sind die mittelalterlichen Instrumente in der gleichen Stimmung wie die klassischen Instrumente?

Patrick: Da gab es ebenfalls keine Probleme.

Wastin!com: Wird es weitere Aufführungen der Carmina Burana geben?

Patrick: Ja, zum Beispiel in der Zitadelle Spandau (Berlin), oder auf dem WGT. Am besten ihr schaut mal auf der Cantus Buranus Website nach. Da erfährt man alle Termine und sonstige Informationen, ohne die man nicht weiterleben könnte.

Wastin!com: Gab es Komplikationen mit den klassischen Musikern? Die entstammen ja schon einem ganz anderen Genre.

Patrick: Zwischenmenschlich gab es keine Probleme. Die waren bloß sehr erstaunt, wie genau wir spielen. In der Klassik spielen ja alle nach dem Dirigenten und nicht nach Gehör. Deshalb ist alles vom Timing her ziemlich ungenau. Das war dann auch etwas gewöhnungsbedürftig, für die Herren und Damen, dass wir den Takt angeben und der Dirigent sich nach uns richtet.

Wastin!com: Ihr baut eure Instrumente alle selber. Wer macht das von euch? Habt ihr das gelernt?

Patrick: Wim ist der Instrumentenbauer. Er hat das zwar auch gelernt, die Dudelsäcke in ihrer jetzigen Form, sind jedoch seine Eigenkreation und absolut einzigartig.

Wastin!com: Auf der DVD sieht man eine grosse Drehleier. Habt ihr die auch selber gebaut?

Patrick: Die hat auch Wim gebaut. Ein so genanntes Organistrum. Ich glaube, es gibt weltweit nur ein einziges weiteres Exemplar.

Wastin!com: Waren eure ersten Instrumente auch schon selbst gebaut oder kam das erst mit der Zeit?

Patrick: Das waren teils gekaufte Instrumente und teils eigene Versuche. Beides klang jedoch relativ kläglich.

Wastin!com: Sind euch die selbstgebauten Instrumente vorbehalten oder kann man das eine oder andere Instrument bei euch kaufen?

Patrick: Wir verkaufen nichts. Es wäre nahe liegend, dass ein gewisser Dudelsackbauer sie sofort in Serie nachbauen würde.

Wastin!com: Viele Instrumentenbauer kommen aus Ostdeutschland. Gab es vor der Wende eine grosse Mittelalter/Folkszene im Osten? Oder wie kommt es, dass dort eine Menge Instrumentenbauer herkommen?

Patrick: Folklore und Mittelalter war in der DDR viel häufiger vertreten als im Westen, was vielleicht auch daran liegen mag, dass es sehr schwer war, an Instrumentarium für Rockmusik zu kommen, so dass man lieber selbst Instrumente baute und sich alles eher in diese Richtung entwickelte.

Wastin!com: Europaweit seid ihr ja schon lange gut unterwegs. Aber wie kam es zu dem Auftritt in den USA?

Patrick: Die Amerikaner sind schon vor einer ganzen Weile auf uns aufmerksam geworden. Nach reiflicher Planung, kam es nun endlich auch dazu, dass wir dort Konzerte gaben und dort mittlerweile in aller Munde sind. Für die Amerikaner ist das natürlich ein ziemlicher Schock, da sie ja keine eigene Kulturvergangenheit haben.

Wastin!com: War das euer erster Auftritt in den Staaten?

Patrick: Ja, es war das erste Mal.

Wastin!com: Und wie hat das amerikanische Publikum auf euch reagiert? Gibt es dort eine vergleichbare Szene?

Patrick: Die Amerikaner sehen alles, was irgendwie in ihren Augen alte Musik ist, als Renaissance an. Da wird dann alles munter in einen Topf geworfen und das ist dann sozusagen eine Szene. Wie gesagt, waren die Amerikaner total aus dem Häuschen, als sie uns sahen. Etwas vergleichbares hatten sie bis dahin nicht gesehen.

Corvus Corax – Interview mit Patrick der Kalauer – 03. April 2006Wastin!com: Seid ihr in der amerikanischen Gothicszene auch so bekannt wie in der deutschen Gothicszene?

Patrick: Es kennen uns sehr viele Leute dort, allerdings ist das Land auch viel grösser.

Wastin!com: Ihr seid bei Roadrunner unter Vertrag. Die haben ja eigenltich nur Metalbands. Wie kam es also dazu?

Patrick: Sie waren so mutig, etwas zu wagen, dass sich bisher kein anderes Metallabel gewagt hat. Musik in ihr Programm aufzunehmen, die zwar nicht zur selben Sparte zählt, in ihrer musikalische Gewalt jedoch durchaus vergleichbar ist. Der Plan ging auf.

Wastin!com: Was dürfen wir von euch in Zukunft erwarten?

Patrick: Zur Zeit arbeiten wir an einem neuen Corvus Corax-Album. Ich will noch nicht darüber reden, da vieles noch in der Entstehungsphase ist. Es wird jedoch wieder ein weiterer Schritt nach vorn sein. Man darf also gespannt sein.

Wastin!com: Okay, dann vielen Dank und alles Gute!

Patrick: Euch auch vielen Dank für euer Interesse und euren Einsatz. Wir sehen uns auf Tour. Euer Patrick der Kalauer.

Mehr Info:
CD-Review Corvus Corax – 'Cantus Buranus'
Website Corvus Corax
Autor: Marco Engel