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The Dresden Dolls - Interview mit Amanda Palmer / Brian Viglione - 28. April 2006
„Wir sind keine Goth-Band. Hört schon auf, sowas zu behaupten!!!!!“

The Dresden Dolls – Das sind Sängerin und Pianistin Amanda Palmer und Brian Viglione verantwortlich für Bass, Drums, Gitarre und Gesang. Das musikalische Ausnahmepaar, das schon von Billy Corgan höchst selbst als Inspirationsquelle benannt wird, hat gerade seinen zweiten Longplayer 'Yes, Virginia ... ' veröffentlicht. Grund genug für uns da mal nachzufragen, wie man sich eigentlich gefunden hat, was die beiden von ihrem Publikum so erwarten und wie man sein Bühnenoutfit in Schuss hält. Was Zuschauer mit Zombies zu gemein haben und vieles mehr, es trat dabei Erstaunliches zu Tage, aber lest selbst!

The Dresden Dolls - Interview mit Amanda Palmer / Brian Viglione - 28. April 2006Wastin!com: Hi ihr zwei! Wie habt ihr zwei euch gefunden und was macht euch zum perfekten musikalischen Paar?

Brian: Wir haben uns auf einer Halloween Party kennengelernt, die Amanda gegeben hat, und ich sah sie dort am Piano spielen. Ihre Musik und die Art wie sie spielte, das beinhaltete alle wichtige Elemente wie Leidenschaft, Kreativität und Überzeugung und da wusste ich, dass wir großartige Partner abgeben würden. Wir verstehen es, uns gegenseitig zu zuhören.

Wastin!com: Und was ist mit eurem Bandnamen, wie seid ihr darauf gekommen? Wer hatte die Idee dazu, warum habt ihr den gewählt und was bedeutet er euch?

Amanda: Ich habe ihn gewählt, weil ich eine Kontrast-Süchtige bin und ich mochte die Idee von: Krieg versus Puppe. Dieser Name hat für mich wirklich die Seele der Musik eingefangen. Feminin und teuflisch.

Wastin!com: Euer Album ist gerade in Europa erschienen. Welche Reaktionen erwartet ihr? Und welche wünscht ihr euch?

Amanda: Ich hoffe einfach, dass die Leute es finden. Wenn sie es finden, dann glaube ich, dass sie es auch mögen.

Wastin!com: Bitte erzähle uns doch mal mehr über euer neues Album 'Yes, Virginia...!' Was sollten die Leute darüber wissen, worum geht es?

Amanda: Es ist unser zweites Album ... es ist ein wenig rockiger als das erste, aber das sollte unsere Fans, die unser verrücktes Zeug lieber mögen, nicht enttäuschen, denn davon gibt es dann auch noch genug.

Wastin!com: Warum habt ihr euch für diesen Titel entschieden, was steckt dahinter?

Amanda: „Yes Virginia, there is a santa claus“ ist ein berühmtes Zitat aus einem alten Brief, den ein kleines Mädchen 1897 zu dem Redakteur einer Zeitung schrieb und der dort auch abgedruckt wurde. Der Redakteur erklärt ihr, dass wir nicht immer in der Lage sind Dinge zu sehen und zu erfahren, an die wir glauben. Wie die Liebe. Und eben Santa Claus.

Wastin!com: Seid ihr immer noch zufrieden mit der Platte oder würdet ihr jetzt gerne etwas daran ändern, wo ihr sie schon so oft gehört habt?

Brian: Wir versuchen immer unsere Musik und unsere Performance zu verfeinern. Es gibt immer Wege neue Perspektiven in die Songs zu bringen und auf Tour haben wir da viele Möglichkeiten.

Wastin!com: 'Yes, Virginia...' ist ein sehr facettenreiches Album. Setzt ihr euch musikalisch überhaupt irgendwelche Grenzen?

Amanda: Das einzige, was ich versuche, ist, die Songs, die ich in meinem Kopf höre, mit Musik umzusetzen. Ich denke, der Rest kommt ganz von alleine. Ich mag es, Sachen zu schreiben, die in meinen Ohren gut klingen, und eben das zu verfolgen, wie ich den Song gerne im Radio hören würde. So versuche ich objektiv zu sein. Natürlich achte ich noch auf viele andere Dinge als ein Durchschnittshörer und ich denke, das sorgt für einen sehr abgedrehten Sound.

Wastin!com: Bei dem Song 'Mrs. O' beschäftigt ihr euch sogar mit dem Holocaust. Warum war es euch wichtig, dieses Thema zu behandeln?

Amanda: Es war nicht wichtiger als irgendwas anderes. Mich macht das Verleugnen von Geschichte sehr traurig. Der größte Rückschritt, den die Menschheit machen kann, ist nicht aus unserer Vergangenheit zu lernen.

Wastin!com: Generell: Was inspiriert euch?

Brian: Ich mache weiter Musik, wegen dem göttlichen Gefühl, das du erleben kannst, wenn du selbst und dein musikalischer Ausdruck eins werden. Das ist das innigste aller spirituellen Erlebnisse für mich.

Wastin!com: Der Komponist Kurt Weill gehört zu euren Idolen. Was fasziniert euch an ihm?

Amanda: Er hat Musik gemacht, die ich verstehe, hauptsächlich als er mit Bertolt Brecht zusammengearbeitet hat. Ich habe diese Songs zum ersten Mal gehört als ich 15 oder 16 Jahre alt war und habe gedacht; „Das ist es! Ja! Das ist die Art von Musik, die ich gerne schreiben möchte!“ Es ist schwer zu sagen, warum. Ich denke, es war die Kombination aus eingängigen Melodien und dem Mangel an Sentimentalität ... Ich hasse schmalzige Musicals und kitschige Radiosongs über Liebe.

Wastin!com: Für 'Yes, Virginia ...' habt ihr zusammen mit Sean Slade und Paul Q. Kolderie gearbeitet. Wie war die Arbeit mit ihnen und wie haben sie eure Musik beeinflusst?

Brian: Das Team Sean uns Paul hat wirklich dafür gesorgt, dass wir konzertriert waren und Spaß hatten. Sie waren in der Lage mir und Amanda dabei zu helfen uns darauf zu konzentrieren, die besten Performances abzuliefern, zu denen wir imstande waren, und uns nicht in albernen Auseinandersetzungen oder Ablenkungen zu verlieren. Wir haben eine Platte mit echten Freunden gemacht, nicht einfach mit ein paar Musikindustrie-Menschen.

The Dresden Dolls - Interview mit Amanda Palmer / Brian Viglione - 28. April 2006Wastin!com: Ihr habt das Album in den Allaire Studios aufgenommen. Wie wichtig ist euch das Ambiente während euren Recording Sessions?

Brian: Sehr wichtig. Wir wollten, dass dieses Album eine spezielle akustische Struktur bekommt, die sich sehr live und großräumig anfühlen sollte. Die ganze Atmosphäre in den Allaire Studios war sehr schön und hat dafür gesorgt, dass man in der Lage war, völlig abzuschalten und den Fokus auf die Aufnahmen zu legen.

Wastin!com: In der New York Daily News hat Billy Corgan euch neben Bands wie Nine Inch Nails und The Love And The Rockets als Inspiration für seine Arbeit benannt. Was habt ihr da gedacht? Seid ihr stolz darauf?

Brian: Das war wirklich schmeichelnd, denn als ich aufwuchs habe ich viel Smashing Pumpkins gehört, also diese Anerkennung jetzt von ihm zurück zu bekommen, zeigte mir, was das eigentlich für eine kleine Welt ist. Es fühlt sich jedes Mal toll an, wenn jemand sagt, dass er Inspiration durch unserer Arbeit bekommt. Billy hat mich auf jeden Fall bei vielen Gelegenheiten inspiriert.

Wastin!com: Und wie genau entstehen Dresden Dolls-Songs?

Amanda: Ich beende den Song und zeige ihn im Proberaum Brian. Er hört es sich an und er legt dann Drums darunter wie er sie hört. Wir arrangieren den Song zusammen und wir haben fast nie Meinungsverschiedenheiten. Es ist wie eine psychische Gedanken-Vereinigung.

Wastin!com: Amanda, du warst für ein Jahr in Deutschland. Welche Erfahrungen hast du gemacht, die auch dein Leben und deine Art Musik zu machen beeinflusst haben?

Amanda: Mein Jahr in Deutschland war eher eine persönliche und emotionale Wachstumstumsperiode als eine künstlerische. Ich war schließlich weg von zu Hause, wo ich das das Gefühl hatte, meine Persönlichkeit nicht entfalten zu können, und weg von meiner Familie, die mich einengte. Ich habe mich dort wirklich zum ersten Mal befreit gefühlt. Ich hatte keinen Zugang zu einem Piano also schrieb ich nur sehr wenig, und das linderte die Bürde „nichts zu schreiben“, die ich oft empfand. In Deutschland gab es einen Sinn für Kultur und Respekt für Kunst und Geschichte, der einfach nicht in der gleichen Art und Weise in Amerika zu finden ist.

Wastin!com: Ihr ward ja mit Nine Inch Nails auf Tour letztes Jahr. Glaubt ihr, dass es da jemals eine Kollaboration zwischen The Dresden Dolls und Nine Inch Nails geben wird? Ich könnte mir vorstellen, dass das sehr interessant sein könnte!

Brian: Das wäre sehr aufregend. Wer weiß .......?

Wastin!com: Welche Bezeichnung würdet ihr für euren Sound bevorzugen?

Brian: Ich habe immer die Bezeichnung „gute Musik“ gemocht. Wenn wir es „Punk Kabarett“ nennen würden, dann würde das ein Weg sein, den Spirit unserer Musik zusammen zu fassen. Wer weiß? Es ist Rock mit Piano und Schlagzeug und coolen Lyrics.

Wastin!com: The Dresden Dolls ist eine Band, die sehr viel tourt. Was mögt ihr daran am meisten und was nervt euch am Leben on the road?

Brian: Das Glück zu verspüren, Musik auf einer Bühne zu spielen, das ist in erster Linie der Grund, warum wir diese bizarre Karriere eingeschlagen haben. Also in der Lage zu sein, Leute überall auf der Welt zu treffen, das zu tun, was man liebt, das ist schon äußerst befriedigend. Diese Art zu leben kann einen aber auch ziemlich zum Wahnsinn treiben. Wenn du immer an einen anderen Ort fährst und nie wirklich viel Zeit hast, dir den Ort anzuschauen, wenn du schon mal stoppst, und dass man eben weit weg von Zuhause, Freunden und allem ist, das einem normalerweise einen Hort der Ruhe bietet. Die größte Herausforderung für uns ist, während der Tour den Sinn des Ganzen im Auge zu behalten, denn andernfalls verlierst du das Gefühl für dich selbst und was dein Leben bedeutet. Du fühlst dich einfach nach einer Weile wie eine Maschine.

Wastin!com: Habt ihr ein Ritual bevor ihr auf die Bühne geht?

Brian: Stretchen. Dafür sorgen, dass dein Blut ordentlich durch die Adern pumpt, die Stimme aufwärmen. Tief einatmen und deinen Kopf klar kriegen. Du bist dort, um eine Verbindung mit der Musik aufzunehmen und du bist kurz davor zu spielen, also ist es wichtig, deinen Körper aufzuwärmen und mit einem klaren Kopf auf die Bühne zu gehen. Amanda und ich legen normalerweise unser Make-Up während wir nebeneinander sitzen auf, und scherzen ein wenig und helfen uns gegenseitig, uns noch mehr aufzuwärmen. Andernfalls könntest du dich verletzen.

Wastin!com: Ihr werdet in den nächsten Monaten auch nach Europa kommen. Was erwartet ihr euch vom Publikum und was werdet ihr ihm im Gegenzug liefern?

Brian: Wir erwarten von den Leuten, dass sie uns ihre erstgeborenen Töchter bringen, damit wir diese heiraten können und sie uns dann unsere Kinder gebären. Im Gegenzug geben wir ihnen vier Ochsen, zwölf Schafe, drei Ziegenböcke, einen Acker Land und eine Buttermachmaschine.

The Dresden Dolls - Interview mit Amanda Palmer / Brian Viglione - 28. April 2006Wastin!com: Mit welchen Impressionen sollten die Leute eurer Meinung nach nach eurem Konzert nach Hause gehen?

Brian: Wir hoffen, dass das Publikum die Show als ein Mob aus Zombies wie nach einer Gehirnwäsche verläßt. Der dann jedem unserer Kommandos gehorcht und uns dabei helfen wird, die neue Welt Ordnung und die Illuminaten zu stürzen und uns dabei helfen wird eine neue Weltregierung aufzustellen, die von Zirkusclowns und den älteren Menschen geleitet wird. Das ist zwar ein bisschen viel verlangt, das weiß ich, aber wir haben eine loyale Fanbase und ich denke, sie sind bereit sich für die Herausforderung zu erheben. Ich weiß nicht, vielleicht bin ich ja ein Träumer. Vielleicht fühlen sie sich einfach dazu inspiriert, etwas Gutes für sich zu tun.

Wastin!com: Ist euch jemals etwas überaus Peinliches auf der Bühne passiert?

Brian: Nein. Wir nehmen uns selbst bei weitem nicht so ernst, dass uns etwas Peinliches passieren könnte. Wenn aber jemals sowas passiert wäre, dann wäre jemand gefeuert worden, sogar wenn er nichts damit zu tun gehabt hätte. Ich meine, auch wenn er null komma nichts damit zu tun gehabt hätte. Einfach gefeuert.

Wastin!com: Was ist mit eurem Stage-Outfit. Wie lange braucht ihr dazu euch für die Bühne fertig zu machen? Und wie wichtig ist es für euch eine gute Show für das Publikum abzuliefern?

Brian: Ich mag es immer noch in einem Kostüm zu spielen. Aber wir haben gerade erst eine große Show in Austin, Texas, gespielt und alles, was ich getragen habe, waren Shorts, ein Iron Maiden-T-Shirt und Sandalen an den Füssen und ich hatte trotzdem eine gute Zeit.

Wastin!com: Und wer kümmert sich um eure Klamotten auf Tour?

Brian: Das machen wir. Das ist ziemlich einfach, wenn du immer nur ein Outfit trägst und das für Wochen. Ansonsten wasche deine Socken und deine Unterwäsche gelegentlich und kaufe dir Klamotten, die Gerüche nicht gut speichern. Wir hängen unsere Bühnenklamotten einfach jede Nacht zum Trocknen hinten im Bus auf. Die Tür bleibt meistens sowieso geschlossen.

Wastin!com: Seht ihr euch in erster Linie als Musiker, als Künstler oder Kabarettisten?

Amanda: Ich sehe mich selbst vorwiegend als Performer. Künstlerin paßt auch.

Wastin!com: Was bedeutet euch Musik?

Amanda: Freiheit.

Wastin!com: Wenn nicht Musik, was dann?

Amanda: Mein Gott. Ich würde vielleicht wieder als Straßenkünstlerin arbeiten. Das war mein Job bevor ich Brian getroffen habe und noch in den ersten Jahren neben der Band. Ich vermisse das manchmal wirklich sehr. Ich war eine lebende Statue und habe dabei wirklich einige großartige Begegnungen mit den Leuten in den Straßen gehabt. Und ich fühle mich manchmal sehr beengt und begrenzt in den Clubs und Theatern und durch die Eintönigkeit der Gesichter dort.

Wastin!com: Wenn es ein Gerücht über euch persönlich oder The Dresden Dolls gäbe, das ihr jetzt ausräumen könntet, welches wäre das?

Amanda: Dass wir eine Goth-Band sind. Hört schon auf, sowas zu behaupten!!!!!

Wastin!com: Wie sehen eure weiteren Pläne für dieses Jahr aus?

Amanda: Wir werden mit der Platte bis Herbst auf Tour gehen und dann drei Monate in Boston bleiben und an einem Stück arbeiten, wofür wir die Musik der Band verwenden werden.


Wastin!com: Okay, das war´s. Vielen Dank!

Mehr Info:
Website Dresden Dolls
Autor: Vera Bunk