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Limbogott - Interview mit Lard Mason - 15. Mai 2006
„Was zur Hölle sollen mir Begriffe wie Metalcore, New Romantic, Hellektro oder neue deutsche Härte sagen? Am Ende ist es doch alles eh Rock’n’Roll…“

Ihr Zweitling 'Pharmaboy' steht seit letztem Freitag in den Läden. Mit der Veröffentlichung ihres Debüts 'One Minute Violence' im letzten Jahr haben sich Limbogott aus Norddeutschland einem Namen im Bereich Industrial-Metal gemacht. Herrlich verwirrende, düster-schöne, aggressiv-fette Sounds zeichnen den Sound aus, den die Herren Lard Mason, Limbosonic und Co. da veranstalten. Grund genug also mit Sänger Lard, der sich ebenfalls verantwortlich für Synthies, Computer und Songwriting zeichnet, zu unterhalten. Und dieser verriet uns auch prompt alles über die neue Platte, das Limbogottsche Songwriting und über seine Abneigung gegen Kategorien und Schubladen-Denken. Willkommen also in der Welt von Lard Mason!


Limbogott - Interview mit Lard Mason - 15. Mai 2006Wastin!com: Was sollten die Leute über Limbogott wissen?

Lard: Na ja, sagen wir mal so, wir sind ´ne recht durchgeknallte Rock-Band in der so ziemlich alle Beteiligten nicht ganz richtig im Kopf funktionieren, nicht dass ich jetzt auf Psycho-Style hausieren gehen will, aber wir sind doch recht eigenwillig, was nicht auch zuletzt an unserer Musik zu bemerken ist.

Wastin!com: Seit letztem Freitag steht euer neues Album 'Pharmaboy' in den Regalen. Was sollten die Hörer darüber wissen? Warum sollte man es kaufen?

Lard: 'Pharmaboy' ist ein Bastard, nervös, verstört, polarisierend aber zugleich das beste Stück Musik, was wir meiner Meinung nach jemals produziert haben. Wir haben da wirklich einen frischen aber zugleich auch schweren Sound erzeugt, ich will jetzt bestimmt nicht behaupten, wir hätten das Genre neu erfunden oder so einen Quatsch, aber in der Konstellation und dem Sound habe ich bis heute halt noch nichts Vergleichbares gehört. Aber die Menschen sollen selbst urteilen, ich denke das ist genug Grund sich unseren Zweitling zu zulegen.

Wastin!com: Was steckt hinter dem Titel 'Pharmaboy'?

Lard: Hinter 'Pharmaboy' verstecken sich viele mögliche Bedeutungen und Erklärungen, je nach Interpretation halt. Gestartet ist das Ganze aus einem Arbeitstitel heraus, erst war es einfach nur ein cooles Wortspiel, wie bei vielen Titeln von uns, aber mit der Zeit entwickelte sich für mich allein da eine Art Konzept, vielleicht auch ein bisschen biographisch, bzw. auf mein Leben oder besser gesagt auf meine Art mein Leben zu führen bezogen.
Ins Detail will ich da nicht gehen, jedenfalls geht es um beschissene Situationen, Selbstmitleid, Phasen des fehlenden Selbstbewusstseins und alle möglichen Begebenheiten, die mir in der vergangenen Zeit so passiert sind.
Wenn man sich jetzt 'Pharmaboy' als Person vorstellen soll, dann kann man von einer durchaus gestörten, konsumierenden und im Leben nicht klarkommende Persönlichkeit ausgehen, die es durchaus nicht einfach hat zurechtzukommen.
Aber für andere ist es halt nur ein Wort, ein vielleicht auch ironischer Titel in Bezug auf die Gesellschaft oder was auch immer. Die Interpretationsmöglichkeiten sind da absolut frei gesteckt und haben keine Grenzen. U CAN THINK WHAT YOU WANT !

Wastin!com: Was war das Ziel, dass es mit 'Pharmaboy' zu erreichen galt?

Lard: Das Ziel war eigentlich nur eine neue Platte zu machen, ohne Druck, ohne bestimmte Vorgaben oder eben einem konkreten Ziel. Wir machen Musik hauptsächlich für uns, das bedeutet, wir gestalten sie so wie sie uns gefällt, und nicht so wie wir glauben, dass andere sie gerne hätten.

Wastin!com: Welche Weiterentwicklungen in der Band kannst du erkennen?

Lard: Ich finde, dass unsere Songs einfach besser geworden sind, sie sind in jeder Hinsicht tiefgreifender und emotionaler. Das gilt sowohl für den musikalisch/songwriterischen Bereich, als auch für den textlichen. Wir kommen schneller auf den Punkt, hauen besser in die Fresse und bremsen noch optimaler ab.
Im Winter haben wir unseren Drummer rausgeschmissen und proben seit einigen Wochen intensiv an unserem neuen Live Set, und ich kann sagen, dass wir uns auch spiel- und gesangstechnisch im Gegensatz zum letzten Jahr verbessert haben, aber die Leute sollen selbst sehen, live haben wir auf jeden Fall noch mal in Sachen Metal noch mal ´ne Hacke zugelegt und hoffen auf ordentlich Pogo. :-)

Wastin!com: Wie würdest du euren Sound benennen wollen?

Lard: New level shit – nach wie vor!

Wastin!com: Wo liegen eure Stärken?

Lard: Wohl darin, dass wir eigentlich alle recht verschiedene Persönlichkeiten, mit ebenso unterschiedlichen Musikgeschmäckern sind und alle gehörig einen an der Pfanne haben. Das ist wohl auch letztendlich der Grund dafür, warum wir alle zueinander gefunden haben. Wir sind nicht richtig irgendeiner Szene zuzuordnen und deshalb grenzen wir uns nicht so in vorgefertigte Strukturen ein.
Des Weiteren denke ich, dass eine unserer Stärken in unserem Live-Spiel liegt, denn wir gehen live mehr zur Sache als man uns auf Platte kennt, dass passiert einfach so. Live-Spielen ist einfach großartig, eine Platte zu veröffentlichen ist schon ´ne feine Sache, aber der Adrenalin-Stoß vor ’nem Gig, das ist mit so ziemlich nix zu vergleichen.

Wastin!com: Welche Bands beeinflussen euch?

Lard: Diese Frage ist nicht so einfach zu beantworten, denn immerhin sind wir sechs und jeder hat da so seine eigenen Helden und Favourites. Limbosonic z.B. steht unheimlich auf so Songwriter-Zeugs, wobei T.B. Lemper eher dem Old-School Hardcore und Goa verfallen ist. Ich bin da wirklich der Crossover Mensch und kann mich mit vielen Stilen identifizieren, spielt keine Rolle ob nun Ashanti, Frontline Assembly oder Deftones… Aber so richtig beeinflusst? Für meine Wenigkeit kann ich sagen, dass mich schon immer sehr die Arbeit Mike Patton sehr beeindruckt und damit vielleicht wohl auch beeinflusst hat. Was dieser Mann in den letzten Jahren an Bands und Projekten auf die Beine gestellt hat, finde ich mehr als beachtlich. Und denn auch noch mit einer so gewaltigen Stimmenvielfalt. Wow!

Wastin!com: Wie sehr freuen oder stören euch Vergleiche mit Industrial-Bands wie Nine Inch Nails?

Lard: Ich finde diese Vergleiche immer sehr an den Haaren herbeigezogen, aber grundsätzlich ist es okay, zumal NIN nicht unmaßgeblich ein Grund dafür sind, warum ich Limbogott gegründet habe. Überhaupt diese ganze Industrial Bewegung der Mitt-Neunziger hat viel dazu beigetragen, dass heute alles so ist wie es ist.
Aber dennoch kann ich nicht sagen, dass ich unseren Sound ähnlich finde, so dass ein direkter Vergleich mehr als frei erfunden ist. Manchmal liest ein Journalist auch nur die Bandinfo des Plattenlabels in welcher gerne mal solche Bands aufgeführt werden, hat dann evtl. nicht so viel Zeit für eine ausgiebige Review, denn dazu gehört ja nun mal auch das Auseinandersetzen mit der Musik, und kritisiert oder lobt nach kurzem Hören eine Verbindung zu genau den Bands, welche in der Info stehen.
Mit NIN verglichen zu werden ist aber auch eine kleine Ehre für mich, wenngleich ich das auch nicht abnehmen kann. Aber kotzen könnte ich, wenn ich das Wort Marilyn Manson höre. Da fallen mir langsam die Haare von aus.

Wastin!com: Was hälst du von Schubladen-Denken? Kann das auch mal ganz hilfreich sein?

Lard: Es nervt sehr, die Menschen brauchen einfach Kategorien, ohne sie können sie nichts einordnen und einem Schema zuordnen. Ohne ihre Schubladen werden sie unsicher, denn etwas Neues würde die vorherige Ordnung stören. Sei es nun in der Musik oder in der Gesellschaft allgemein: Dieser Mental-state zerstört Individualismus, Kreativität und freies Gedankentum.
Aber es kann auch hilfreich sein, es gibt dem Menschen eine ungefähre Vorstellung von dem, was ihn da erwartet beim CD-Kauf, wenn er jetzt in unserem Falle “Industrial“ liest.
Aber was die Menschen sich manchmal für Bezeichnungen ausdenken ist schon der Hammer und der Gipfel an Lächerlichkeit: Ich meine, was zur Hölle sollen mir Begriffe wie Metalcore, New Romantic, Hellektro oder neue deutsche Härte sagen? Am Ende ist es doch alles eh Rock’n’Roll….

Wastin!com: Wie entstehen die Songs bei euch?

Lard: Es kann shon mal vorkommen, dass ein Song schon mal seine drei, vier Monate braucht bis er fertig ist. Angefangen wird eigentlich immer mit einem Sample, einer Melodie oder einer Sound-Sequenz. Das Schreiben des Liedes an sich geht recht schnell von dannen, und läuft meistens im Alleingang einer Person ab, das sind hauptsächlich Tim und ich. Diesmal hat Lemper zwei Songs zugesteuert. Doch wenn das Grundgerüst steht, dann geht die Arbeit erst richtig los, denn es haben sich immer vier bis fünf andere drüber her zumachen. Jeder für sich bekommt dann eine Rohversion des Songs, und dank eines kompatiblen Recording- und Soundsystems, welches so ziemlich jeder sein eigen nennen kann, wird dann in aller Ruhe daran gearbeitet. Erst jetzt beginnen die eigentlichen Aufnahmen (Gitarre und Schlagzeug), und für gewöhnlich wird dann erst am Ende der Gesang ausgearbeitet und letztendlich aufgenommen. Mitunter dauert es eben ein wenig bis ein solches Demo dann erstellt ist, aber es macht den Hauptaufnahmeprozess nachher viel leichter, denn man hat eine Menge vorproduziert und das spart Zeit.

Wastin!com: 2005 ist viel bei euch passiert. Was war für dich das ultimative Highlight?

Lard: Eigentlich war alles ein Highlight, angefangen beim 'One Minute Violence'-Release, geht über all die positiven Resonanzen bis hin zu den beiden Touren und den genialen Open-Airs, das M’era Luna war derbe geil. Für mich war es ein Highlight auf derselben Bühne wie meine Jugend-Helden Skinny Puppy zu stehen, und diese live zu sehen.

Wastin!com: Habt ihr ein Ritual bevor ihr auf die Bühne geht?

Lard: Schminken, aber so etwas wie einen Schlachruf in der Runde kurz vom Konzi gibt’s bei uns nicht, dazu hassen wir uns alle viel zu sehr. :-)

Wastin!com: Ist dir schon mal was richtig Peinliches auf der Bühne passiert?

Lard: Ich hab’ mal von der Bühne kotzen müssen, weil mein Kreislauf nicht mehr mitmachte… Limbosonic ist mal stockbesoffen in Hamburg in einem Club auf den rechten Boxenturm vor der Bühne geklettert, dann anschließend mit selbigem umgekippt und voll auf die Fresse geflogen.

Wastin!com: Wie wichtig ist es dir, eine gute Show für die Fans abzuliefern? Und was tust du dafür, dass es eine gute Show wird?

Lard: Wir geben immer alles bis zum allerletzten Möglichen bis gar nix mehr geht, immerhin bezahlen die Leute Kohle und machen sich auf den Weg dich an zu gucken, und da ist es doch meine Pflicht alles zu geben? Es spielt dabei auch keine Rolle, ob nun drei oder 300 Leute anwesend sind, wir machen immer voll auf Rille. Ich denke mal, wer uns schon live gesehen hat, der wird dieses bestätigen können. Es ist jetzt aber nicht so, dass ich oder wir das tun, um aus Pflichtgefühl zu beeindrucken, wir gehen einfach ab. Da muss uns keiner motivieren oder anheizen, denn live spielen ist das so ziemlich das Geilste überhaupt, besser als Beischlaf.
Ich versuche mich vor Touren oder Gigs im Allgemeinen mit Laufen und Schwimmen fit zu halten, denn jeden Abend Vollgas zu geben, geht ziemlich auf die Stimme und Kondition, aber oftmals siegt der Schweinehund und man drückt alles auf die letzten Tage vor den Gigs, und das ist dann auch nicht so gut.
Ausserdem versuchen wir immer uns was Nettes optisches in Bezug auf Make Up für die Shows auszudenken.

Wastin!com: Apropos Outfit: Du und Limbosonic sind immer geschminkt, warum nicht auch der Rest der Band, wie es auch andere Bands des Genres machen? Es ja wirkt irgendwie uneinheitlich.

Lard: Die haben nicht so viel Lust darauf sich zum Affen zu machen…

Limbogott - Interview mit Lard Mason - 15. Mai 2006Wastin!com: @Limbosonic: Auf euren Promofotos erinnert dein neues Outfit an Adolf Hitler, war das beabsichtigt oder Zufall? Wenn ja, warum?

Lard: Was hast du denn genommen? Kann ich dir da etwas von abkaufen? Wie Geil ist das denn?

Wastin!com: Wie viel willst du haben ;) Welche Message wollt ihr den Hörern mit eurer Musik vermitteln?

Lard: Es sind fast alles sehr persönliche Texte und ich will keinem eine Meinung aufzwängen oder gar eine verbreiten. Politisch sind wir eh nie gewesen, von daher gibt’s keine Message. Die Texte sind so geschrieben, dass jeder sich da seinen kleinen Film zu drehen, seinen eigene Welt damit ausschmücken kann. Sie sind eben nicht konkret und direkt mit einer klaren Aussage oder einem Klischee behaftet, sondern lassen dem Hörer viel Raum für Interpretation.

Wastin!com: Warum holt ihr euch nie einen Produzenten mit ins Boot, sondern macht alles selbst?

Lard: Weil wir die volle künstlerische Entscheidung haben wollen und im Moment noch nicht bereit sind eine dritte Person von außerhalb mit einzubeziehen. Das mag sich vielleicht mit der Zeit ändern, aber im Moment sind wir absolut zufrieden so. Außerdem hat der Sprodd ´nen 1a Produzenten Job hingelegt, wir besitzen unser eigenes Studio, was wollen wir mehr?
Wir haben immer so viele Ideen und ein Produzent würde mit verrückt werden, und wir könnten die Studiozeit nicht zahlen, wenn wir uns mal wieder nicht einig wären.

Wastin!com: Wie sehen die Pläne für dieses Jahr konkret aus?

Lard: Wir sind jetzt unheimlich stolz, dass am Freitag der 'Pharmaboy' rausgekommen ist, der Vorabverkauf über den Vertrieb lief mehr als gut, und jetzt heißt es abwarten und touren, touren, touren! Wir werden jetzt erst mal ab Donnerstag mit Lluther und Undergod als Support im Gepäck auf Tour gehen, Pfingsten spielen wir das WGT, und nach der WM geht’s dann wieder auf Tour.
Nebenher sind wir fast alle am arbeiten und unsere Freundinnen, Frauen und Kinder wollen auch noch etwas von uns haben, das Jahr ist jetzt schon so gut wie verplant. Und neue Songs für den 'Pharmaboy'-Nachfolger wollen auch noch geschrieben werden.

Wastin!com: Das hört sich vielversprechend an! Vielen Dank!

Mehr Info:
CD-Review Limbogott – 'Pharmaboy'
CD-Review Limbogott – 'One Minute Violence'
Website Limbogott
Autor: Vera Bunk