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Blind Myself - Interview mit Greg Tóth am 12. April 2007
"Wir drehen auf der Bühne durch, also erwartet jede Menge Energie und Rumgespringe von uns. Aber kein Bodypainting."

Skandinavien ist bekannt dafür Heimatland guten, ehrlichen und hangemachten Metals zu sein. Dass aber auch andere Länder, vor allem solche, die man nicht gleich auf dem Schirm hat, verdammt gute Bands dieses Genres vorweisen können, beweisen nach den Italo-Metallern Doomsday dieser Tage einmal mehr Blind Myself aus Ungarn. Das Quartett bestehend aus Sänger Gergely Tóth, Bassist Peter Bodnar, Gitarrist Tibor Szalkai und Drummer Laszlo Szabo ordnet sich mit seinem nun auf dem Hamburger Label Tiefdruck-Musik erscheinenden Album 'Ancient Scream Therapy' im Bereich Metal und Rock ein. Allerdings liegt das Dargebotene weit abseits dieser Bezeichnung, denn viele Anleihen aus dem Mathcore machen die Songs zu echten Krachern und sorgen für die perfekte Untermalung für Schlägereien in feucht-warmen Moshpits. Besonders Landsmänner wie Ektomorf müssen sich wohl in nächster Zeit warm anziehen, aber auch internationale Konkurrenten sollten aufhorchen, denn Blind Myself haben noch Großes vor. Und genau darüber sprachen wir mit Frontmann Greg.

Blind Myself - Interview mit Greg Tóth am 16. April 2007Wastin!com: Hi Greg! Stell dich doch bitte mal kurz vor!

Greg: Ja, klar. Hi! Ich bin Greg Tóth von Blind Myself aus Ungarn und ich bin der Lead Screamer, äh, sorry, ich meine, ich bin der Sänger der Band.

Wastin!com: Mit 'Ancient Scream Therapy' ist es das erste Mal, dass ein Album von euch in Deutschland veröffentlicht wird. Also was sollten die Leute über Blind Myself wissen?

Greg: Dass wir die beste Band auf dem Planeten Erde sind! Ich meine natürlich, die zweitbeste Band, denn Slayer ist die No. 1. Okay, und nun zum Bullshit-Part: Wir haben uns 1994 gegründet und haben bis jetzt vier Alben und eine EP veröffentlicht. Wir sind ausführlich durch Europa, Ungarn und auch die USA getourt. Wir können einen ziemlichen Erfolg verbuchen: Wir haben als Support für Slayer gespielt, haben die ungarischen Metal Awards in drei Kategorien gewonnen: Beste Live Band (2005), Best Album und Best Production für unser Album 'Ancient Scream Therapy' (2006), und unsere Videos sind bei VIVA TV Ungarn gespielt worden, und so weiter...

Wastin!com: Ihr seid bei Tiefdruck-Musik gesigned. Wie seid ihr da zusammen gekommen?

Greg: Also eigentlich hat mich ein Freund von mir, Andreas von der Band Superbutt, letztes Jahr auf der Popkomm in Berlin mit Daniel (Chef von Tiefdruck) bekannt gemacht. Ich habe ihm ein paar Demos von 'Ancient Scream Therapy' in die Hand gedrückt. Er antwortete ein paar Wochen später, dass er vielleicht daran interessiert sei, es zu veröffentlichen. Da haben wir ihm das ganze Album geschickt und er antwortete darauf mit den fantastischen Neuigkeiten, dass er will, dass wir bei ihm einen Vertrag unterzeichnen sollen.

Wastin!com: Ungarn ist in Deutschland nicht gerade bekannt für Metalbands wie ihr es seid. Klar, wir kennen alle Ektomorf, aber das ist es auch schon. Wie sieht die Metal-Szene in Ungarn aus? Erzähl uns doch bitte etwas darüber!

Greg: Ja, das ist eine traurige Sache, dass Ungarn nicht besonders für seine Bands bekannt ist. Ich denke, das liegt daran, dass die meisten Bands immer nur die bekannten Acts wie Metallica oder Sepultura gecovert haben. Aber jetzt haben wir eine Menge guter Bands, die bereit sind zu rocken. Wir haben eine Band Community, in der ich auch arbeite, die heißt Budapest Rock And Roll, da kannst du so großartige Bands wie Superbutt oder Bridge To Solace finden, nur um einige zu nennen.

Wastin!com: Wie stehen die Chancen für eine Metalband, in Ungarn groß zu werden? Wir habt ihr das geschafft?

Greg: Es ist wesentlich einfacher zu schaffen als außerhalb von Ungarn, denke ich. Als wir uns damals dazu entschieden haben, nicht irgendwelche Bands zu kopieren, sondern unseren eigenen Weg zu gehen, haben wir schnell unseren eigenen Sound gefunden. Natürlich mussten auch wir die klassischen shitty Tourneen durchmachen, wo du mit dem Zug durch die Gegend reist mit deinen Amps auf deinen Schultern :)
Aber als unsere erste EP veröffentlicht wurde, da haben wir ein Video dazu gemacht und das wurde tatsächlich von einem Fernsehsender auf Rotation gespielt. Die meisten Leute dachten da, dass wir gar keine ungarische Band seien... die Leute begannen auf unsere Konzerte zu kommen. Unsere erste LP wurde von Warner Music Ungarn veröffentlicht. Dann sind wir für drei Jahre in die USA gegangen...

Wastin!com: Ja, ihr habt eine Zeit lang in New York gelebt. Lebt ihr immer noch dort oder wo wohnt ihr jetzt?

Greg: Ich lebe zurzeit in Ungarn. Wir haben uns entschieden, heimzukehren. Wir haben ab 2000 bis 2003 in New York gewohnt. Aber nach dem 11. September haben sich viele Dinge verändert und es war besser hier weiter zu machen als dort.

Wastin!com: Was denkst du über solche Trends wie Metalcore? Und was tut ihr dagegen, um nicht im Sumpf dieser ganzen Bands unter zu gehen und weiterhin powervollen Metal zu fabrizieren?

Greg: Ich habe so viele trendige Sachen aufkommen und wieder vergehen sehen. Alles, was ich dazu sagen kann, ist, dass ich mich darum nicht kümmere. Wir versuchen, etwas anderes zu machen und wir hoffen, dass es funktioniert. Glücklicherweise inspirieren uns so viele unterschiedliche Musikstile, dass das Endprodukt nicht zu typisch ist, denke ich.

Wastin!com: Es gibt euch jetzt mittlerweile seit 12 Jahren. Was hat sich in der ganzen Zeit verändert in der Metal-Szene in Ungarn?

Greg: Der Wettbewerb ist viel, viel besser heute als zuvor. Als wir 1994 angefangen haben, da gab es nur drei oder vier Bands, die auf Englisch gesungen haben. Heute haben wir bessere Bands und einen härteren Wettbewerb. Natürlich waren wir sowas wir Pioniere mit diesem ganzen Ding und es ist toll zu sehen, dass so viele Bands daraus nachgewachsen sind und andere Musik machen wollen als diesen ungarischen shitty Pop oder Folk.

Wastin!com: Okay, dann lass uns mal über euer neues Album im Besonderen sprechen! 'Ancient Scream Therapy' ist letzten Monat in Deutschland veröffentlicht worden. Bist du zufrieden mit der Platte und wie war überhaupt die Reaktion der Fans darauf?

Greg: Ich bin absolut zufrieden mit dem Album, obwohl du immer das Gefühl hast, dass du noch mal zurückgehen möchtest um kleinere Dinge zu verändern, aber so ist das Leben :)
Die Fans haben das Album sehr gut aufgenommen, wir haben mehr Platten in Ungarn verkauft als mit irgendwelchen Blind Myself Releases zuvor. Ich bin glücklich, aber nun schaue ich der Zukunft entgegen... ich habe schon ein paar Ideen für die nächste Platte.

Wastin!com: Worin bestehen denn die größten Unterschiede zwischen diesem und dem letzten Album?

Greg: Die letzte Platte war komplexer als dieses Album jetzt. Wir haben beschlossen, einfachere Songstrukturen zu benutzen als zuvor. Und der Sound ist einfach 100 Mal besser. Unser Bassist arbeitet auch in dem besten Studio, das es hier gibt, das heißt Bakery und er hat einen unglaublich guten Job gemacht.

Wastin!com: Warum habt ihr euch für genau diesen Titel entschieden, was ist die Message dahinter?

Greg: Ich habe den Titel in einem großartigen Buch, einer Sammlung von Vorlesungen von einem bekannten ungarisch-kanadischen Psychologen namens Andrew Feldmar, gefunden. Er schildert eine Therapie, bei der eine Gruppe von Menschen in der Fötusstellung auf dem Boden liegt und im Chor einen Satz wie ein Mantra grölt: „Meine Mutter hat mich nie geliebt! Meine Mutter hat mich nie geliebt!“ usw. Nach einer Weile fangen die Leute dann plötzlich an zu schreien, so als ob sie gerade noch einmal geboren werden, aber ohne die Hilfe ihrer Mutter. Und von da an beginnen sie ihr eigenes Leben zu leben. Und dann leben sie ihr Leben wesentlich erfüllter als andere Leute, die immer noch von persönlichen Beziehungen behindert werden. Ein Beispiel: Ich könnte dieses Gefühl mit der Situation vergleichen, als ich Schwimmen gelernt habe, als Erwachsener. Ich habe mich noch nie am Strand wohl gefühlt, aber als ich das Schwimmen dann endlich gelernt habe, und zwar selbst und zu meinem eigenen Vergnügen, da konnte ich das viel mehr genießen als irgendjemand um mich herum. Und ich genieße das auch immer noch mehr als alle anderen. Wir werden in unser Leben hineingeboren, ohne viel darüber nachzudenken, aber wir kommen nicht darum herum letztlich zu unseren Sinnen zurück zu kehren. Früher oder später müssen wir uns selbst besser kennenlernen, unsere Kindheit, unsere Ängste und unsere Traumata... eben so als würden wir noch einmal eine Wiedergeburt durchmachen. Ich empfehle jedem diese Erfahrung zu machen, sich in seine Kindheit zurück zu besinnen, sie zu untersuchen und zu verstehen. Dieses Album geht genau darum, darum, sich selbst zu finden: Und unsere Lungen aus dem Leibe zu brüllen und zu schreien, um unsere Ängste, die wir haben, abzuschütteln... „Fear of death is fear of the unknown” – Alle Ängste in uns können auf die Angst vor dem Tod zurückgeführt werden. Nicht nur der Tod, auch das Leben ist etwas, das wir fürchten: Die meisten Menschen haben Angst davor zu leben, haben Angst davor am Leben zu sein. Vielleicht spielt dabei ein Gefühl von Schuld eine Rolle? Wir haben Angst davor, unser Leben bis zum Äußersten auszuleben, denn wir fürchten, dass uns die guten Dinge weggenommen werden. Also ist es das, was wir „fear of life is losing the known” nennen.

Wastin!com: Bist du denn jetzt immer noch mit der Scheibe zufrieden oder würdest du jetzt noch gerne etwas daran ändern, nachdem du sie schon öfters gehört hast?

Greg: Ja, das ist eben das, was ich gerade meinte... Ich liebe alle Songs auf der Platte, die Sachen, die ich ändern würde, sind nur Kleinigkeiten. Sowas wie ein paar mehr Stimmen oder spezielle Sound Bites hier da und da hinzu zufügen. Solche Sachen eben. Ich denke, die ersten vier Songs sind die besten auf der Platte. Die sind sowas wie ein Schlag ins Gesicht.

Wastin!com: Bitte vervollständige den Satz: "Man sollte Blind Myself hören, wenn... "

Greg: “...du dir die Platte gekauft hast. Und dann die ganze Zeit über.” :)

Wastin!com: Ward ihr auch schon in Deutschland unterwegs, als ihr durch Europa getourt seid?

Greg: Na klar. Wir haben schon ein paar Mal in Deutschland gespielt. Auf unserer Website kann man sich auch unsere vergangenen Shows ansehen. In der Tat mag ich es sehr gerne, in Deutschland zu spielen, deutsche Fans sind cool, ohne Scheiß!

Wastin!com: Wie genau sehen da deine Erfahrungen mit der Crowd in Deutschland aus? Sind die Fans enthusiastischer als die in Ungarn?

Greg: Es ist anders, weil die Crowd in Ungarn uns bereits kennt. Aber wir hatten jede Menge Spaß bei unseren Shows in Deutschland, auch wenn unsere CD in Deutschland noch nie zuvor veröffentlicht wurde.

Blind Myself - Interview mit Greg Tóth am 16. April 2007Wastin!com: Werdet ihr denn dieses Jahr für ein paar Shows nach Deutschland kommen?

Greg: Yeah, wir werden mit Black Bomb.A aus Frankreich im September und Oktober nach Deutschland kommen! Stay tuned!!!

Wastin!com: Generell, was können die Leute dann von euch auf der Bühne erwarten?

Greg: Wir drehen auf der Bühne durch, also erwartet jede Menge Energie und Rumgespringe von uns. Aber kein Bodypainting :)

Wastin!com: Wie also sehen eure weiteren Pläne für dieses Jahr aus?

Greg: So viele Shows zu spielen wie wir können. Was soll ich sonst noch sagen? :)

Wastin!com: Irgendwelche letzten Worte?

Greg: Ja, eine sehr wichtige Sache. Versucht euren lokalen Hunderettungsdienst zu unterstützen. Das ist mir sehr wichtig. Ich denke, Hunde sind die einzigen Tiere, die auf uns Menschen angewiesen sind. Also zögert nicht, ihnen zu helfen!!! Vielen Dank für das Interview!

Wastin!com: Ich danke dir!!! :)

Mehr Info:
CD-Review - Blind Myself – 'Ancient Scream Therapy'
Blind Myself: Website / MySpace
Autor: Vera Bunk