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Cavalera Conspiracy – Interview mit Max Cavalera am 15. Januar 2008, Köln
Cavalera Conspiracy – Interview mit Max Cavalera am 15. Januar 2008, Köln„Keinen Ansprüchen genügen müssen, nichts beweisen müssen, einfach Brüder sein, die wieder zusammen Musik machen.“

Nachdem Max Cavalera nach heftigem Streit die damals erfolgsverwöhnte Band Sepultura, die er gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Iggor gegründet hatte, nach dem Release ihrer siebten Platte 'Roots' verließ und jeglichen Kontakt mit dem Bruder abbrach, ging für die Fans der brasilianischen Thrash Metal Band eine Welt unter. Es folgten zehn Jahre fast völlige Funkstille. Zehn Jahre, in denen sich Max ebenso ausgibig wie erfolgreich seinem Projekt Soulfly widmete und Iggor weiter bei Sepultura die Drumsticks schwang. Wut und Enttäuschung hatte für verhärtete Fronten gesorgt, aber Blut ist nun mal dicker als Wasser und nachdem auch Iggor bei Sepultura ausgestiegen war, näherten sich die beiden Brüder wieder vorsichtig an. Und nun im Jahre 2008 schicken Max und Iggor mit dem Namen Cavalera Conspiracy das wohl meist- und sehnlichst erwarterte Album der Metalszene an den Start: 'Inflikted'. Die höchst druckvolle und metallastige Scheibe wird bei uns am 28. März erscheinen und wenn man schon in den Genuß gekommen ist, kann man mit Fug und Recht behaupten: Das Dingen wird so einiges wegsprengen! Wie es letztendlich wieder zu einer Annäherung und sogar einer Zusammenarbeit kam, deren Frucht ein derartiger Kracher geworden ist, was die Fans davon zu erwarten haben und wie die Aufnahmen verliefen, verriet uns ein relaxter Max Cavalera in Köln, den wir nun erstmals als „Sänger und Gitarrist für die Cavalera Conspiracy“ trafen.

Wastin!com: Hi Max! Schön dich zu sehen! Tja, nun nach langer Zeit bist du wieder mit deinem Bruder Iggor vereint. Wie kam es dazu?

Max: Na ja, wir haben eine verdammt lange Zeit nicht miteinander gesprochen, ca. zehn Jahre, aber nun haben wir letztendlich unseren Frieden miteinander gemacht. Iggor hat mich vor zwei Jahren angerufen, um die „Bruderschaft“ wiederherzustellen. Also zuerst kam das Familiäre und später war ich dann derjenige, der gesagt hat; „Komm lass´ uns wieder zusammen arbeiten, lass´ uns was zusammen machen.“ Und dieses Mal war es etwas anderes, es war etwas, dass wir schließlich genossen haben und wir haben uns das vom Business nicht ruinieren lassen. Und das war auch das Hauptziel, das ist es heute immer noch, das ist der Grund, warum wir dieses Album gemacht haben. Und wir haben es ohne Einfluss von Außen gemacht, das ist der Grund warum es so metal, so punk, so heavy ist. Es ist ein „I-don´t-give-a-fuck-kinda-like-Album“, das ist es, was ich so daran liebe. Wir wollten einfach Spaß damit haben. Keinen Ansprüchen genügen müssen, nichts beweisen müssen, einfach Brüder sein, die wieder zusammen Musik machen.

Wastin!com: Du bist doch schon ein Familienmensch, das kann man doch so sagen. Du bist immer in Begleitung deiner Frau Gloria und deiner Kinder und genießt diese Zeit mit ihnen auch. Und nun, da du wieder mit deinem Bruder vereint bist, würdest du sagen, dass du ihn vorher viel mehr vermisst hast, als du immer dachtest oder dir vielleicht eingestanden hast?

Max: Ja, das kann man sagen. Du nimmst das manchmal als selbstverständlich hin, dass du all diese Leute um dich hast, du denkst dir; „Ja, das bleibt für immer so.“ Aber so ist es nicht. Und in den zehn Jahren, in denen ich Iggor nicht hatte, habe ich es vermisst, jemanden wie ihn um mich zu haben. Und ich habe immer gehofft, dass wir wieder zueinander finden und wieder zusammen spielen werden. Nun ist es so und ich werde jetzt nicht mehr dieselben Fehler machen. Jetzt genieße ich wirklich jeden Tag, weißt du. Und während der Aufnahmen herrschte die entspannteste Atmosphäre, obwohl es alles andere als ein relaxtes Album ist, es ist komplett verrückt, weißt du, und das ist das Großartige daran. Ich denke, auf irgendeine Art hat es funktioniert, das unrelaxteste Album in der entspanntesten Atmosphäre zu produzieren. Ich weiß nicht, wie das funktioniert hat, frag´ mich nicht, aber es ist verdammt cool! Es funktioniert!

Wastin!com: Ich habe auf der Roadrunner Website gelesen, dass Iggor den ersten Schritt auf dich zu gemacht hat. War dir das wichtig, dass alles vom ihm ausging? Würdest du sagen, dass du vielleicht der Sturere von euch beiden bist oder warst du einfach der Meinung, es wäre ganz klar an ihm, den ersten Schritt zu machen?

Max: Ja, das war mir wichtig. Aber ich meine, ich würde mich nicht als stur bezeichnen, sobald er angerufen hatte, war ich sehr offen. Ich war sehr begeistert davon, dass er es getan hatte. Na ja, aber ich war anderseits schon sehr besorgt, oder besser gesagt beunruhigt, wieder mit ihm in Kontakt zu treten, weil ich die Dinge nicht noch verschlimmern wollte. Ich habe mir immer gedacht; „Na gut, wenn es passiert, dann passiert es eben, ich bin bereit.“ Aber ich hatte nicht die innere Einstellung, den ersten Schritt zu machen, also der kam von ihm, was ich sehr toll finde. Und ich bin sehr, sehr froh, dass er das getan hat.

Wastin!com: Warum wolltet ihr nicht mehr den Namen Sepultura tragen, um ein Projekt zu starten, quasi als so eine Art Reunion? Ist es nun einfach Zeit für etwas komplett Neues?

Max: Ja, weißt du, das ist jetzt ein neues Kapitel. Für mich ist es nicht Sepultura, für mich ist es nicht Soulfly, es ist Conspiracy. Es entstand aus etwas anderem, aber es hat denselben Spirit und dieselbe Gesinnung, die ich gespürt habe, wenn ich mit Soulfly, Sepultura oder mit Nailbomb gespielt habe. Und ich denke, dass es großartig ist und dass es etwas Neues ist, das ist es, was es noch spannender macht. Bei einer Reunion-Tour... ich meine, das ist toll, verstehe mich da nicht falsch! Das ist eine tolle Sache für die Fans, aber man bekommt eben nichts Neues. In zehn Jahren werde ich zurück auf dieses Album schauen und ich werde sehr glüklich darüber sein, dass ich mich dazu entschieden habe, lieber ein neues Album zu machen als eine Reunion. So sehe ich das.

Wastin!com: Das ist ja dann auch eher ein Schritt in Richtung Zukunft.

Max: Das ist es. Und die Zeit dafür war gekommen. Es war Zeit... ich weiß nicht, wir hatten einfach das Gefühl, dass Heavy Music so etwas jetzt gebraucht hat, so eine Art Injektion, „they needed to be inflikted with 'Inflikted'!“ (lacht!)

Cavalera Conspiracy – Interview mit Max Cavalera am 15. Januar 2008, Köln„Es klingt wie ein doppelköpfiger brasilianischer Godzilla auf Crack!“

Wastin!com: Ja, du sagst es! 'Inflikted', das ist der Titel der Platte und eigentlich wolltet ihr ja dem Projekt den Namen 'Inflikted' geben, aber da gab es dann irgendwelche rechtlichen Probleme oder wie war das genau?

Max: Oh, das war nicht wirklich ein Problem, aber es gab schon Leute mit diesem Namen und ich wollte erst gar kein Problem entstehen lassen (lacht!) Also haben wir das Problem vermieden, indem wir den Namen einfach beiseite ließen und das Album 'Inflikted' nannten. Ich mochte den Namen 'Inflikted' einfach. Er erinnerte mich daran, als wir einmal in Indonesien waren und ein Ganzkörper Piercing Ritual beobachtet haben. Die Leute haben sich ihr Gesicht und ihre Augen durchbohren lassen, ohne Schmerz zu empfinden, sie waren in einer Art spirituellen, ritualistischen Trance. Und ich dachte mir; „Das ist verdammt cool!“ Es erinnerte mich an die Musik, die wir spielen, denn wenn wir spielen, dann zählt nichts anderes mehr in diesem Moment. Weißt du, ich spüre dann keine Schmerzen, ich habe schon mal Shows mit einer angeschlagenen, blutenden Stirn zuende gespielt. Aber du bist so glücklich in diesem Moment, du kümmerst dich einfach nicht darum, du fühlst keine Schmerzen. Das ist das Gefühl, das mir die Musik vermittelt, insbesondere die Musik, die ich mit Iggor mache, denn jetzt ist sie entfacht und sehr, sehr aggressiv. Also habe ich Iggor erzählt, dass ich den Namen gerne als Titel für das Album hätte, denn das ist genau das Gefühl, was ich empfinde, wenn ich wieder mit ihm Musik mache.

Wastin!com: Du hast es ja schon angesprochen, die Aufnahmen zum Album waren sehr relaxt und entspannt. Ihr habt für alle Aufnahmen nur zehn Tage gebraucht und habt unglaubliche viele First Takes genommen. Warum war dir das so wichtig, wolltet ihr so hauptsächlich den rohen Sound des Ganzen einfangen?

Max: Ja, viele der großartigen Songs, die wir gemacht haben, waren diese rohen, ungeschliffenen Songs. Und mir fällt auf, immer wenn ich die Alben später analysiere, dann sind meine Lieblingstracks immer die rohen Songs und das sind auch die, wo die Connection zu den Fans sofort funktioniert. Also dachte ich mir, und das war meine Vorgabe für das Album, eine Platte mit ausschließlich rohen Songs zu machen. Normalerweise hat man davon nur ein paar und alle anderen sind ausgearbeitet. Aber ich dachte, es wäre doch eine sehr gute Idee, mal zu versuchen ein ganzes rohes, ungeschliffenes Album zu machen. Also haben wir das gemacht, und jeder Track ist so einer, jeder Song kam aus dem Nichts und wir haben sie alle auch sehr spontan behandelt.

Wastin!com: Das finde ich sehr gut, denn heutzutage klingen viel zu viele Alben einfach überproduziert.

Max: Yeah, das wollten wir nicht.

Wastin!com: Ich finde eben auch, dass es so viel intensiver klingt, wenn es roher ist.

Max: Yeah, yeah, das mögen wir sehr.

Wastin!com: Gut so! 'Inflikted' wird bei uns in Deutschland Ende März erscheinen. In ein paar Worten: Was können die Fans von diesem Machwerk erwarten?

Max: Nun ja,... also der rituelle Spirit ist auf jeden Fall dabei, das Rohe ist dabei, aber um es auf den Punkt zu bringen: Es klingt wie ein doppelköpfiger brasilianischer Godzilla auf Crack! (lacht!) Ich scherze nur! (lacht weiter!) Es klingt wie etwas, das nun entfesselt ist, vielleicht etwas, das zehn Jahre lang gefangen und gefesselt war und nun endlich entfesselt wurde. Ich denke, so fühlt es sich an. Es ist etwas Befreites und es gibt da auch sowas wie einen friedlichen Zusammenhang in dem Ganzen, weißt du, wir sind endlich da angelangt, wo wir unsere Probleme beiseite legen, und diese Musik entfesseln konnten. Das ist Max, der wieder Musik mit seinem Bruder machen will.

„Keep metal alive, keep good heavy shit alive!“

Wastin!com: Ich habe gelesen, dass es sei dir sehr wichtig sei, 'Inflikted' in einem ganz besonderen, ungewöhnlichen Rahmen zu präsentieren. Ohne eine großartige Lichtshow und sowas. Warum ist dir das so wichtig und was wäre also die perfekte Location für Cavalera Conspiracy live?

Max: Ach, der Ort spielt eigentlich keine Rolle, das Wichtige sind die Elemente: Die Leute, die Musik und wir. Und ich denke, das geht zurück auf den Ursprung auf Metal und Punk. Das Wichtigste sind einfach die Musiker und das Publikum, wenn diese beiden eine Verbindung eingehen, dann ist alles andere wie Licht oder die Kulisse nicht mehr so wichtig. Wenn du das alles hast, toll, noch besser, aber wenn du das nicht hast, dann ist die Musik immer noch der Schlüssel. Also ja, dieses Album ist sehr gehaltvoll, denn wir können es überall und zu jeder Zeit spielen ohne Effekte und wir klingen dennoch wie auf dem Album.

Wastin!com: Und wann werdet ihr auf Tour gehen und vor allem, wann werdet ihr nach Europa für ein paar Shows kommen?

Max: Ahm, bald schon. Wir sind gerade in Gesprächen mit unseren Freunden, die unsere Shows in England booken. Also, ja, wir kommen bald.

Wastin!com: Und all diese „Schei**“, die damals passiert ist, gerade auch was die Anschuldigungen gegen Gloria als eure damalige Managerin betraf, ist nun alles Vergangenheit? Ist sie nun auch eure Managerin für Cavalera Conspiracy?

Max: Richtig. Das ist sie.

Wastin!com: Das ist ja toll, also kann sie wieder mit dir reisen!

Cavalera Conspiracy – Interview mit Max Cavalera am 15. Januar 2008, KölnMax: Yeah, jeder kommt mit. Iggor hat jetzt auch seinen Sohn dabei, heute ist sogar sein Geburtstag, er ist erst zwei. Und wir freuen uns darauf, mehr Familie mit on the Road zu nehmen, denn ich habe das schon immer gemacht. Ich mag das und die Fans mögen das auch. Viele der Fans kennen meine Familie und gehen toll damit um. Und – ja, ich kann es gar nicht erwarten, wieder auf Tour zu gehen und es wieder so richtig krachen zu lassen mit meinen Fans und Freunden, wenn die Zeit dafür reif ist.

Wastin!com: Okay, unsere Zeit nähert sich schon dem Ende. Hast du deinen deutschen Fans noch irgendwelche letzten Worte zu sagen?

Max: Ahm, ja. Ich wollte euch danken, es ist eine Wahnsinnskarriere gewesen. Ich meine, ich wusste das gar nicht, aber jemand hat mir kürzlich gesagt, dass das nun mein 25. Jahr ist, in dem ich Musik mache. Ich kann das verdammt noch mal gar nicht glauben, aber es ist so! (lacht!) Also möchte ich mich einfach bei allen deutschen Fans bedanken dafür, dass ihr immer so verdammt cool zu mir gewesen seid, egal ob in guten oder schlechten Zeiten. Und ich bin hier, um weiterhin für euch zu spielen, so lange ihr das wollt und so lange wir das wollen und – ja, keep metal alive, keep good heavy shit alive!

Wastin!com: Okay, das wars! Vielen Dank!

Max: Ich danke dir!

Mehr Info:
CD-Review: Cavalera Conspiracy – 'Inflikted'
Cavalera Conspiracy: Website / MySpace
Autor: Vera Bunk