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Cataract - Interview mit Ricky, 07. Mai 2008, Zürich
„Eine Band ist eigentlich so was wie ´ne Beziehung, in welcher der Sex zu kurz kommt.“

Cataract - Interview mit Ricky, 07. Mai 2008, ZürichMittlerweile gibt es Cataract seit zehn Jahren und beglückt haben die Schweizer die Musikszene immer wieder mit ordentlichen Releases, die spielend den Spagat zwischen düsterem Metal und absolut brachialem Hardcore hinlegten. Kürzlich erst erschien ihr selbstbetiteltes Album 'Cataract', welches dies noch einmal kräftig unter Beweis stellte. Zu Recht haben sich die Herren ihren Ruf in der Szene erspielt und man kann nur hoffen, dass das noch einige Jahre so weiter geht. Aus diesem Grund haben wir es uns natürlich nicht nehmen lassen, den Jungs ein wenig auf den Zahn zu fühlen. Drummer Ricky beantwortete unsere Fragen ausführlich, es ging logischerweise um die neue Platte, aber auch Aspekte, wie das zehnjährige Jubiläum, bandinterne Spannungen und Diebstahl sowie ständige Line-Up Wechsel und die Einschätzung der aktuellen Hardcore-Szene, fanden genügend Platz, um ausführlich besprochen zu werden. Was Ricky uns da alles genau zu sagen hatte, lest ihr am besten selbst einmal nach.

Wastin!com: Hey, danke dir für deine Zeit. Wie geht's dir? Könntest du dich zu Anfang unseren Lesern kurz vorstellen und erzählen, was dein Job bei Cataract ist?

Ricky: Yo, ich bin Ricky und spiele Drums bei Cataract. Alle Fragen zu Gitarren und Texten werde ich ignorieren und dafür mit Exkursen über Dave Lombardo beantworten. Mir geht’s blendend, bin grad auf Arbeit und muss mit einem Auge gucken, dass ich nicht erwischt werde. Haha!

Wastin!com: Im Jahr 2006 hattet ihr mit 'Kingdom' recht großen Erfolg, kurz darauf hattet ihr aber einige Line-Up Wechsel. Wie kam es dazu?

Ricky: Eine Band ist eigentlich so was wie ´ne Beziehung, in welcher der Sex zu kurz kommt. Und wenn es keinen Sex gibt, dann werden die Partner sehr anfällig was "ihre persönliche Entfaltung" angeht, d.h. man nimmt sich mehr als ernst und meint, alle müssten dasselbe denken. So gehen die Meinungen auseinander und am Ende steht dann der Split, sehr nervig, aber unterm Strich das Beste für beide Seiten. Beim letzten Bassisten war es aber was anderes, der hat uns nicht zu knapp beklaut – die Kohle haben wir wieder, aber die Abrechnung ist immer noch offen.

Wastin!com: Jetzt scheint das Line-Up ja wieder stabil zu sein und mit Nico habt ihr einen neuen Bassisten, der sich gut eingelebt zu haben scheint. Wie seid ihr mit ihm in Kontakt gekommen?

Ricky: Ich bin auch der Meinung, dass dieses Line-Up wieder halten sollte. Nico haben wir angekickt, als wir den letzten Basser geschmissen haben, er hatte aber ´ne längere Absenz und wir brauchten dringend eine Aushilfe am Bass. So halfen uns dann Jay von Vale Tudo und Ralph von Disparaged aus. Nach den Aufnahmen hat sich Nico aber wieder gemeldet, als wir den neuen Bassisten gesucht haben.

Wastin!com: Hatte er einen maßgeblichen Einfluss auf den Sound von 'Cataract', eurem neuen Album?

Ricky: Ja, durch Fernhypnose. Spaß beiseite – er kam, wie oben erwähnt, erst nachher zur Band. Er spielt allerdings sehr gut Gitarre und ich bin gespannt wie das Songwriting für die nächste Scheibe dann laufen wird.

Wastin!com: Was bedeutet dir Cataract – als Band und als Album und wie zufrieden bist du mit dem Ergebnis eurer Arbeit?

Ricky: Cataract als Band ist für mich immens wichtig, ich meine, ich verbringe fast meine ganze Freizeit damit, meine Kohle geht seit Jahren dafür drauf und die eine oder andere Beziehung hat auch schon drunter gelitten.
Als Album ist es für uns als Band so was wie ein Neustart, das neue Line-Up ist für uns eine erstklassige Chance, mit neuem Schwung und neuen Ideen ans Werk zu gehen.

Wastin!com: Im März hattet ihr eure zehn Jahre Jubiläums Show in Zürich. Wie war die Show und war das ein großer Moment in eurem Leben als Band?

Ricky: Oh ja, das kann man wohl sagen. Wir wollten nach den letzten zwei Release Shows im Abart Club was Neues wagen und haben mit dem Rohstofflager einen ziemlich neuen Club ausgesucht, der allerdings einiges größer ist als das Abart. Das Abart ist mit 300 Leuten bereits gut gefüllt, und da wir den Laden mehr als gefüllt haben und gut und gerne hundert Leute wieder nach Hause mussten, dachten wir, es wäre an der Zeit, was Größeres zu versuchen. Ich muss zugeben, ich hatte recht Bammel, ob wir den Laden einigermaßen füllen würden, da recht viele Leute aus der Hardcore Szene nicht zu den Shows dort kommen. Es hat dann aber prima geklappt, wir hatten fast 1000 Leute dort und die Show war auch absolut Top was Stimmung und Response anging!

Wastin!com: Ihr habt euch entschieden limitierte Versionen von 'Cataract' auf dieser Show zu verkaufen. Haben euch die Leute die Platten aus der Hand gerissen und wie lange hat es gedauert, bis sie ausverkauft waren?

Ricky: Ich weiß nicht, wie lange, aber die Limited Edition (die es übrigens überall zu kaufen gab) war innerhalb kürzester Zeit weg und die restlichen CD's waren auch alle weg, bevor wir gespielt haben. Wir waren viel zu bescheiden, als wir die bei Metal Blade geordert haben. Die Picture Disc ging auch weg wie nix!

Wastin!com: Wie haben die Leute bislang auf die neuen Songs reagiert?

Ricky: Wir haben schon einige der Songs getestet und gerade bei der Release Show war es schon überwältigend, wie gut die neuen Sachen schon angekommen sind – auch wenn noch niemand die Songs gekannt hat.

Cataract - Interview mit Ricky, 07. Mai 2008, ZürichWastin!com: Mit 'Cataract' habt ihr die schweizer Top 100 geentert (Platz 79). Was war das für ein Gefühl für euch?

Ricky: Es hat uns natürlich gefreut, aber auch genervt, da wir auf der Release Show hunderte CD´s vertickt haben, die nicht für die Charts getippt wurden und dann gingen bei ´nem großen online CD Händler nochmals so viele Vorbestellungen raus, die ebenfalls nicht getippt wurden. Wir hätten also bedeutend besser abschneiden können… aber ´ne Release Show ohne CD wäre einfach nur peinlich gewesen.

Wastin!com: Was sind deiner Meinung nach die Hauptunterschiede zwischen 'Kingdom' und 'Cataract'? Als ich die neuen Sachen gehört habe, fühlte ich mich an die Zeiten von 'With Triumph Comes Loss' erinnert? Richtig erkannt?

Ricky: Vom Sound her ging es ganz klar dahin zurück. 'Kingdom' war einfach zu glatt produziert, obwohl ich da Tue Madsen keinen Vorwurf machen kann, er hätte da gerne einen brutaleren Sound gehabt. Nebst dem Sound sind es sicher die Songs, die viel abwechslungsreicher sind und stilistisch viel breiter gestreut sind; das ganze Album wirkt so viel kurzweiliger und bleibt bis zum Rausschmeißer spannend.

Wastin!com: Warum habt ihr euch entschieden ein selbstbetiteltes Album rauszubringen. War das eine Art Neuanfang, nachdem ihr all diese Line-Up Probleme hattet?

Ricky: Ja genau, wie oben schon erwähnt – dazu kam das zehn Jahre Jubiläum, was auch ein guter Grund war.

Wastin!com: Ihr seid ein wichtiger Bestandteil der europäischen Hardcore- und auch der Metal-Szene. Könntest du uns sagen, was sich in den letzten zehn Jahren in den Szenen verändert hat ?

Ricky: Das ist schwierig, das in einem kurzen und logischen Absatz zu packen. Ich denke, unterm Strich merkt man der Metal/Hardcore-Szene an, dass sich mittlerweile viel mehr ums Image dreht als früher, und das ist nicht nur in unserer Szene so. Bands werden "artgerecht" präsentiert oder gleich passend aus dem Boden gestampft. Mir persönlich dreht sich da der Magen um. Metal war für mich immer eine Musikrichtung für starke Individuen; Kreativität, Intuition und Leidenschaft standen oben und man scherte sich nicht um die Präsentation. Die ganze Szene wurde professionalisiert, was natürlich viele gute Seiten hat, aber auch zum Identitätsverlust führt.

„Schlussendlich sind es die Konsumenten, die entscheiden, was besteht und was nicht. Es ist einfach schade, dass Musik zu so einem Wegwerfartikel geworden ist.“

Wastin!com: Ich habe immer das Gefühl, dass es so viele Bands gibt, die das Herz und den Geist, der dem Hardcore für lange Zeit inne wohnte, vermissen lassen. Was ich sagen will, ist, dass viele Bands einfach nur Musik spielen, um berühmt zu werden oder weil es halt eben gerade im Trend ist, die Musik aber letztendlich nicht fühlen und nicht einmal annähernd eine Message haben. Was kannst du dazu sagen?

Ricky: Das siehst du sehr richtig. Mir fällt das auch auf, aber dann muss ich wiederum sagen – wer kann es einer Band verdenken, wenn sie sich anpasst, um Erfolg zu haben? Früher hat jeder nach neuen Bands gelechzt, sei es während der Thrash Welle, der Death Metal Explosion, Grindcore… das hatte für mich damit zu tun, dass die Bands auch immer etwas repräsentierten, das neu und radikal war. Die Optionen sind mittlerweile durch – noch schneller geht nimmer, noch truer nicht und noch korrekter kann man nur noch sein, wenn man gar nix mehr isst. Es geht nicht mehr darum, was Neues zu schaffen, sondern darum, das Bestehende neu zu verpacken und neu zu vermarkten, denn die Gefüge der Musikindustrie haben sich auch im Underground etabliert. Als Band braucht man sich nicht mehr zu behaupten, es reicht einfach "neu" zu sein und von irgend einem Johnny-no-mates hinterm PC gehypt zu werden, die Leute werden dir schon nachrennen. Aber wie gesagt, die Situation ist nun mal so, wie sie ist, und man kann es einer neuen Band nicht verdenken, wenn sie sich dem unterwirft – schlussendlich sind es die Konsumenten, die entscheiden, was besteht und was nicht. Es ist einfach schade, dass Musik zu so einem Wegwerfartikel geworden ist.

Wastin!com: Welche Bands oder welche Umstände haben dich damals dazu bewegt ein Teil der Harcore-Szene zu werden? Kannst du etwas über deine Eindrücke der guten alten Zeiten erzählen?

Ricky: Ich habe in einer Metalband gestartet, zuerst mit ein paar Kumpels ordentlich Metallica gecovert und dann wieder mit anderen Kumpels eigene Songs geschrieben. Wir haben dann, wie's damals üblich war, irrsinnig viel Zeit damit verschwendet, Roadies zu suchen, ´nen Manager zu finden und andere bescheuerte Details zu klären. Shows gab es so gut wie keine – man musste ja ´nen Lichttechniker haben, für die paar Glühbirnen auf der Bühne, ´ne Security, Platz für Groupies etc. Also ging ich einfach zu Hardcore Shows. Die Leute dort haben sich nicht mit so Krempel aufgehalten, sondern einfach alles selbst gemacht, und das hat mich äußerst stark beeindruckt.

Wastin!com: Bist du immer noch stolz darauf, Teil dieser Szene zu sein?

Ricky: Also kommt drauf an, von welcher Szene du sprichst. Ich bin stolz darauf, mich nicht einer einzigen Szene anzuschließen, egal welche Szene ich ansehe, ich würde mich da nie unterordnen.

Wastin!com: Könntest du uns die Hardcore-Szene in der Schweiz ein wenig näher bringen? Was ist typisch für die schweizer Hardcore-Kids und wo liegen die Unterschiede, zum Beispiel zu den deutschen Leuten?

Ricky: Ich denke, wir haben einen großen Vorteil und einen großen Nachteil mit der Größe unseres Landes. Der Nachteil ist, als Band kann man sich kaum so etablieren, dass auch das Ausland davon Kenntnis nimmt. Wird eine Band in Deutschland groß, kann sie davon ausgehen, auch in der Schweiz was zu reißen. Andersherum funktioniert das nicht. Wir mussten uns in Deutschland einen Ruf erspielen und das über Jahre hinweg. Der Vorteil, die Szene hier ist einfach zu klein, um sich großartig zu separieren. Die Shows sind eigentlich immer sehr gemischt besucht und die Szene bleibt sehr lebendig, da wir auf allen Hochzeiten gleichzeitig tanzen haha!

Wastin!com: Wie ist deine Meinung zum Metalcore Boom der letzten paar Jahre?

Ricky: Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei.

„Der ganze neue Metal/Core was auch immer Kram interessiert mich nicht. Ich kann mir das leisten haha!“

Wastin!com: Welche Musik hörst du dir denn privat an? Besteht deine Sammlung hauptsächlich nur aus Metalkram oder ist dein Geschmack doch breiter gefächert.

Ricky: Was Hardcore und Metal angeht, bin ich vornehmlich in den Neunzigern stehen geblieben. Der ganze neue Metal/Core was auch immer Kram interessiert mich nicht. Ich kann mir das leisten haha! Ich habe Slayer, Sepultura, Carcass, Entombed, Morbid Angel, Godflesh, Candlemass, King Diamond, Sodom, Kreator etc. zu ihren besten Zeiten gesehen und hab´ ergo mehr Szenepunkte als sich Bill Gates auf Ebay zusammenkaufen kann. Spaß beiseite, die Zeiten, in denen ich bei Nuclear Blast alle neuen 7"es bestellt habe, sind sicher vorbei, aber es gibt immer wieder neuen Stoff, den ich mir reinziehe. Das erstreckt sich über vorwiegend extremen Metal bis hin zu Sachen wie Justice, M.I.A., Young Punx oder Army Of The Pharaohs.

Cataract - Interview mit Ricky, 07. Mai 2008, ZürichWastin!com: Ist es euch möglich von der Band zu leben, wollt ihr das, oder geht ihr doch, wenn ihr nicht auf Tour seid, alle einem geregelten Leben nach?

Ricky: Wir haben fast alle reguläre Jobs neben der Band, was uns leider auch ab und zu ´nen Strich durch die Rechnung macht. Wenn wir mal zehn mal mehr CDs verkaufen sollten, überlegen wir uns das sicher noch mal mit dem Rockstar Leben, aber solange wir nicht davon abhängig sind, werden wir auch immer Spaß daran haben. Es ist zwar stressig, so wie es ist, aber uns ist es enorm wichtig, dass wir uns auf die Shows freuen können und es kein Müssen ist.

Wastin!com: Was können wir denn von Cataract im Jahr 2008 erwarten? Was sind eure Pläne?

Ricky: Wir haben ´ne ganze Ladung Shows vor uns, unter anderem eine Tour im Herbst und danach schauen wir mal wie's weiter geht.

Wastin!com: Das war auch schon meine letzte Frage. Ich danke dir vielmals für deine Zeit. Hast du noch letzte Worte oder etwas, das unsere Leser unbedingt wissen sollten?

Ricky: Unser neuer Bassist macht für Geld ALLES!

Mehr Info:
Interview: Cataract mit Simon – 10. August 2006
CD-Review: Cataract - 'Cataract'
CD-Review: Cataract - 'Kingdom'
Cataract: Website / MySpace
Autor: Alexander Greve