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The Blackout Argument - Interview mit Chris Zehetleitner am 12. Februar 2009
„Die Leute stellen sich immer vor, dass eine Band in den Proberaum geht und sagt: „So, jetzt schreiben wir einen Song der wie ‚Rookie’ von Boy Sets Fire klingt!“...“

Mit ihrem neuen Album 'Remedies' stellen die Münchener von The Blackout Argument eindrucksvoll unter Beweis, dass erstklassiger moderner Hardcore nicht zwingend aus den Staaten kommen muss. Ein Album, das einfach Spaß macht und von allen Zutaten genau die richtige Dosis enthält. Wie der Schaffensprozess des Albums aussah, warum die Platte in den USA gemastert wurde und was das Konzept hinter den Songs ist, verriet uns jetzt Gitarrist Chris Z.

Wastin!com: Hallo und vielen Dank, dass du dir die Zeit nimmst, unsere Fragen zu beantworten! Für alle, die euch vielleicht noch nicht kennen, stell dich und deine Band doch bitte kurz in ein paar Sätzen vor!

Chris: Hey, gleich mal vorweg vielen Dank für das Interview, ich hab schon im überfliegen erfreut festgestellt, dass es ziemlich coole Fragen sind. Packen wirs an! Ich bin Chris Z und spiele bei The Blackout Argument Gitarre. Die Band habe ich 2006 zusammen mit Philip Seidl (Drummer) gegründet und seitdem gings bei uns ziemlich rund. Viele Touren und Releases, eine Menge Spass und ne wilde Zeit. Ich möchte nichts davon missen und freu mich auf die nächsten drei Jahre! ;-) Außerdem spielen in der Band noch Chris18 (Gitarre), Sascha (Bass) und Raphael am Gesang.

Wastin!com: Seit dem 6. Februar 2009 steht euer neustes Album 'Remedies' in den Regalen der Republik. Und wenn ich ein Lob aussprechen darf, für mich ist das schon mal das erste musikalische Highlight des Jahres. Wie lange hat es insgesamt gedauert, das Album fertig zu stellen, sprich vom ersten Songwriting bis zum finalen Mastering?

Chris: Cool vielen Dank! Der gesamte Prozess von der ersten Song-Writing Probe bis zur Veröffentlichung von 'Remedies' war gar nicht so lang. Wir hatten ja Mitte 2009 die 'Smile Like A Wolf EP' gerade erst veröffentlicht, bevor wir uns an die Arbeit zu den Songs von 'Remedies' gemacht haben. Ich denke, das war so Juni/August, wobei im August die Tour mit Architects dazwischen kam. Nach der Tour hatten wir noch mal drei intensive Wochen, in denen wir das Meiste geschafft haben. Im September haben wir dann aufgenommen und Ende September bis Mitte Oktober gemischt. Das Mastering bei West West Side Music hat noch mal zwei Wochen gedauert und dann war alles im Kasten.

Wastin!com: Hinter dem Album steht ja eine Art Konzept mit dem Bezug einzelner Songs zu bestimmten Bachblüten. Kurz in eigenen Worten: wie ist diese Idee entstanden, und was bedeuten die einzelnen Verbindungen zwischen Song und Bachblüte für euch?

Chris: Richtig, dem Album Titel liegt ein übergreifendes Konzept zugrunde, was die Texte, das Artwork, die Linernotes und die Musik von 'Remedies' miteinander in Einklang bringt. Bei diesem Konzept geht es (kurz zusammengefasst) um Bachblüten, ein bekanntes homöopathisches Heilmittel, welches mich meine ganze Kindheit und Jugend über begleitet hat. Für jeden Gemütszustand gibt es eine passende Blüte. In Analogie hierzu haben wir den einzelnen Songs auf 'Remedies', welche ebenfalls alle von verschiedenen Gefühlswelten handeln, jeweils eine passende Bachblüte zugewiesen, was sich in den Doppeltiteln der Songs (z.B. 'Daisied Tree / HORNBEAM' oder 'Sven Tones Of Grey / PINE') widerspiegelt. Die Idee dahinter ist es, die Songs, die Texte, das Album als Ganzes oder Musik im allgemeinen als „Heilmittel“ anzuerkennen, welches die Fähigkeit hat, den Rezipienten, aber auch uns als Musiker/Menschen zu helfen, mit negativen Gefühlen wie Wut, Angst, Trauer, Stagnation oder Verzweiflung besser umgehen zu können.
Was die Bachblüten betrifft, so war das ein allgegenwärtiger Bestandteil meiner Kindheit und Jugend. Ich habe mir nie große Gedanken darüber gemacht WARUM es funktioniert, es HAT einfach funktioniert und der Rest war mir immer egal.

Wastin!com: Alle bisherigen EPs und Alben, die ihr veröffentlicht habt, habt ihr auch selbst produziert. Habt ihr einmal schlechte Erfahrungen mit einem "fremden" Produzenten gemacht oder nehmt ihr die Sache einfach lieber selbst in die Hand?

Chris: Das stimmt so nicht ganz. Unser Album 'Decisions' wurde zum Teil von Kristian Kohlmannslehner in den Kohlekeller Studios mitproduziert. Es ist schon immer spannend zu sehen, wie andere Leute, die Ahnung von Musik haben, unsere Songs wahr nehmen. Aber wir haben meistens SEHR konkrete Vorstellungen wie am Ende alles zu klingen hat. Deswegen ist es natürlich naheliegend, selbst zu produzieren. Wir wissen, glaube ich, auch schon ganz gut, was wir da tun, und drehen an den richtigen Reglern. hahaha 

Wastin!com: Aufgenommen wurde 'Remedies' in München, gemastert wurde das Ganze aber in New York von Alan Douches. Wie ist der Kontakt dahin zustande gekommen? Hatten This Is Hell damit zu tun? Immerhin geht ihr gemeinsam auf große Europatour, und wie man liest, mischt Gitarrist Rick Jimenez auch auf 'Kidnap Yourself (Aspen)' mit Gastvocals mit.

Chris: Stimmt, das Mastering haben wir in den West West Side Studios machen lassen. Alan hatte bereits das letzte Album meiner ex-Band Paint The Town Red gemastered und so war der Kontakt eh schon da. Alan Douches wusste sofort, was wir wollten. Eine klare, offene und große Rock-Produktion. Nicht krampfhaft hart am Lautstärke-Limit und auch nicht so übertrieben in den hohen und tiefen Frequenzen (so wie die meisten Metalproduktionen heute), sondern in erster Linie transparent. Das Ergebnis ist hammer-dick geworden und wir freuen uns, dass das alles so prima geklappt hat.
Stimmt Rick von This Is Hell hat einen hammer coolen Part zu 'Kidnap Yourself' beigetragen! Ich feiere es jedes mal wieder ab, wenn ich den Song höre! Seine Gesangszeilen passen wie Arsch auf Eimer! hahaha

Wastin!com: Der Sound von The Blackout Argument wird oft mit BoySetsFire, Comeback Kid, aber auch This Is Hell verglichen. Zählen diese Bands mit zu euren musikalischen Paten und Vorbildern?

Chris: Auch wenn diese Bands bei uns hoch im Kurs stehen, passt die Bezeichung „musikalische Paten“ oder „Vorbilder“ nicht wirklich. Die Leute stellen sich immer vor, dass eine Band in den Proberaum geht und sagt: „So, jetzt schreiben wir einen Song, der wie 'Rookie' von BoySetsFire klingt!“. Mag sein, dass das manche Bands so machen, aber bei uns ist das definitiv nicht so. Wir treffen uns zum Songwriting und jeder bringt die Ideen mit, die er zuhause erarbeitet hat. Meistens ist es so, dass ich z.B. einfach eine Gitarre in die Hand nehme und spiele. Am Ende kommt dabei ein Riff raus, das wir dann verwenden. Dass man beim Riffs schreiben natürlich AUCH von den Sachen, die man selbst hört, beeinflusst wird, ist klar, aber das ist kein bewusster Prozess und die Einflüsse reichen aufgrund unseres doch recht breit gefächerten Musikgeschmacks von Hardcore, Metal und Punk bis hin zu Pop, Rock und HipHop.
Aber um noch mal auf deine Frage zurückzukommen: Diese Vergleiche stören uns nicht. Wir freuen uns mit unseren Lieblingsbands verglichen zu werden, auch wenn das im Fall von BoySetsFire meiner Meinung nach ein wenig vermessen ist, die waren einfach deutlich BESSER als wir, hahahaha!

Wastin!com: Dass man mit anderen Bands verglichen wird, lässt sich ja kaum vermeiden. Empfindet ihr die Vergleiche mit diesen Bands denn eher negativ und nervig oder doch positiv bis schmeichelhaft?

Chris: Oh, ich glaube, das hab ich grad schon beantwortet :) Ich sehe das in der Tat eher positiv. Für uns ist es cool, weil wir die Bands mögen und schätzen und für Außenstehende, die sich ein Bild von The Blackout Argument machen wollen, helfen diese Vergleiche meistens sehr. Bisher habe ich auch noch nicht gehört, dass jemand enttäuscht war, wenn er in einem Review gelesen hat, dass wir ein wenig nach BoySetsFire oder Comeback Kid klingen und sich dann die CD gekauft hat. Von daher: Grünes Licht an alle Musik-Journalisten für weiter BSF-Vergleich, hahahaha!

Wastin!com: Eine Frage, die mich schon einige Zeit beschäftigt, genauer gesagt, seit ich auf die 'Smile Like A Wolf' EP gestoßen bin: auf der Seite zur kostenlosen EP habt ihr die Gründe für dieses Geschenk an eure Fans ja recht deutlich erklärt und auf den Punkt gebracht, nämlich dass es euch um die Hörer eurer Musik geht, und nicht in erster Linie um das "Business". Ein sehr schönes Dankeschön an die Fans und ein sehr großzügiges noch dazu. Inwiefern konntet ihr bei diesem Projekt, auch mit dieser Message, auf Labelsupport bauen?

Chris: Nun, vertraglich sind wir an Lifeforce Records gebunden. Wenn Stefan (Stefan Lüdicke, Inhaber und Geschäftsführer von Lifeforce Records, Anm. d. Red.) also „nein“ gesagt hätte, wäre das ganze Projekt den Bach runter gegangen. Er fand die Idee aber von Anfang an recht cool und hat uns keine Steine in den Weg gelegt. Da wir die gesamte Planung und Umsetzung jedoch selbst in die Hand genommen haben, und die 'Smile Like A Wolf EP' auf meinem eigenen Label Let It Burn erschienen ist, waren Lifeforce nicht weiter involviert. Let it Burn Records war also das Label, das uns dabei unterstützt hat. ;-)

Wastin!com: 'Smile Like A Wolf' ist nun etwas mehr als ein halbes Jahr in freier Wildbahn, aus eurer Sicht zusammen gefaßt: wie war bisher die Resonanz? Auf die Musik, aber auch auf das Geschenk einer "kleinen Band" an ihre Hörer?

Chris: Die Reaktion auf die Musik war richtig gut. Für uns war 'Smile Like A Wolf' ja der Anfang eines neuen Kapitels, weil es die ersten Aufnahmen mit Raphael am Gesang waren. Die Leute fanden ihn von Anfang an extrem cool und wir haben hundertfacht gehört, dass er super zur Band bzw. zum Sound der Band passt. Das waren so eher die „alten“ Hörer von The Blackout Argument.
Gleichzeitig haben wir aber auch extrem viele NEUE Leute angesprochen mit 'Smile Like A Wolf', die dadurch das erste Mal von uns gehört haben. Letztendlich war das auch unser Hauptziel und so wie es aussieht, waren wir damit erfolgreich.
Zudem habe ich auch das Gefühl, dass wir mit 'Smile Like A Wolf' ein Statement abgeliefert haben das sagt: „Hey, wir sehen dass im Musik-Biz im Moment alles im Umbruch ist und wir sind bereit!“.

Wastin!com: Die EP liegt der Special Edition von 'Remedies' als Bonus Disk bei. Plant ihr darüber hinaus noch eine "reguläre" bzw. Hardcopy Veröffentlichung der EP auf CD oder Vinyl?

Chris: Es gab bzw. gibt noch eine limitierte Vinyl 7inch Version davon auf Blacktop Records! Ein paar Copies haben wir noch und werden sie auch im März/April mit auf Tour nehmen. Eine weitere separate CD-Veröffentlichung ist nicht geplant.

Wastin!com: Von der EP hat es nur ein Song auf euer neues Album geschafft. Es ist ja oft so, das sich fast die komplette EP auf dem Folgealbum wieder findet. Spontan fallen mir da zum Beispiel Bullet For My Valentine mit ihrem ersten Album ein, aber auch Enter Shikari. Warum habt ihr nur einen Song auf das Album genommen und warum speziell 'Vampire Searching For Some Light'?

Chris: Wenn wir das getan hätten, hätten wir rückwirkend die ganze 'Smile Like A Wolf'-Veröffentlichung und Idee wieder stark abgewertet! 'Smile Like A Wolf' sollte von Anfang an ein exklusives, eigenständiges Release sein und bleiben. Wir stehen voll auf die Songs und einige davon hätten sich sicherlich auch auf 'Remedies' gut gemacht, aber wir haben uns bewusst dazu entschieden, dreizehn komplett NEUE Tracks zu schreiben für das Album.
Es gibt, wie du schon richtig erkannt hast, nur einen Song, der es von der EP auf das Album geschafft hat: 'Vampire Searching For Some Light'. Der Grund dafür ist, einfach: Das Album hat regelrecht nach diesem Song VERLANGT! Obwohl wir über 17 Songs geschrieben hatten (zwei davon sind als weitere Bonus-Tracks auf der Bonus-CD des 'Remedies' Albums enthalten), war es uns enorm wichtig, dass das Album einen schönen „Verlauf“ hat. Auch wenn du wirklich starke Songs hast, ist es eine wichtige Sache, diese auch in die richtige Reihenfolge zu bringen, um ein Album richtig gut zu machen. Für 'Remedies' hat uns genau so ein Song wie 'Vampire… gefehlt. Der Song ist ein wenig ruhiger, aber trotzdem extrem mitreißend. Wir finden, dass er hervorragend auf 'Remedies' passt!

„Jeder, der Augen im Kopf hat, kann nachvollziehen, was Geert da erzählt.“

Wastin!com: Wie sehen ansonsten die aktuellen Pläne für The Blackout Argument aus, abgesehen von der anstehenden Europatour mit This Is Hell?

Chris: Im Moment cutten wir gerade an einem Musikvideo zu 'Dead But So Alive', das wir vor zwei Wochen gedreht haben. Ich denke, das sollte so um die Tour rum irgendwann fertig werden. Ansonsten sind wir quasi schon in den Tourvorbereitungen. Ist ja nicht so, dass man sich einfach in den Bus setzt und los fährt. Es gibt eine MENGE organisatorsicher Dinge zu klären. Je mehr man davon im Vorfeld erledigen kann, desto weniger Stress hat man damit auf Tour. Den Rest des Jahres werden wir dann noch so viele Shows wie möglich spielen, hoffentlich auch einige Festivals. Weiter haben wir noch nicht geplant.

Wastin!com: Um einmal kurz auf die Hardcore-Szene generell zu sprechen zu kommen: Vergangenes Jahr hatten wir die Möglichkeit, ein Interview mit Geert van der Velde zu führen. Als früherer Sänger und Frontmann von Shai Hulud, kann man ihn ja durchaus als Veteranen der modernen Hardcore-Szene bezeichnen. Auf die Frage, wie er die Änderungen und den Wandel von Hardcore wahr nimmt, sagte er, es wäre eine sehr kommerzialisierte, angesagte aber sozial inaktive Szene geworden. Vom zur Schau stellen der neusten T-Shirts und Dance-Moves mal abgesehen. Als auch im Hardcore verwurzelte Band, könnt ihr diese Ansicht teilen? Warum oder warum nicht?

Chris: Jeder, der Augen im Kopf hat, kann nachvollziehen, was Geert da erzählt. Es ist einfach nicht zu leugnen, dass Inhalte in dieser Subkultur immer mehr in den Hintergrund rücken und modische Oberflächlichkeiten sowie Selbstdarstellung und Ego-Trips immer mehr an Bedeutung gewinnen. Das war zwar schon immer auch auf Gewisse Art und Weise Teil dieser Subkultur, aber im Unterschied zu früher wechseln sich die Trends und Strömungen nicht mehr so häufig ab. Das Ganze hat sich ziemlich festgefahren und im Moment sehe ich wenig Tendenzen, dass sich das in absehbarer Zeit wieder ändert.
Und dennoch: Die Hardcore-Szene, mit all ihren Schattenseiten, ist nach wie vor ein wichtiges Auffangbecken für Outcasts, Querdenker, Underdogs und andere Kids, die nirgends so richtig reinpassen. Ich sehe immer wieder eine Menge Leute (inklusive mir selbst), die aus der Sache viel Kraft und Hoffnung schöpfen können und für die „Hardcore“ einen großen positiven Einfluss auf ihr Leben hat. Auch wenn man Bands mit Inhalt inzwischen suchen muss, es gibt sie noch, und jede einzelne Textzeile, die einen im tiefsten Herzen berührt, ist 1000 mal mehr Wert als alle Texte von Rihanna, Katy Perry, Mark Medlock und Monrose zusammen.

Wastin!com: Wo denkt ihr geht es in naher Zukunft mit Hardcore hin? Ist für euch eine konkrete Entwicklung in Sachen Publikumszuspruch und Stiländerung auf Konzerten und bei anderen Bands zu erkennen?

Chris: Die Musikrichtung wird ohne Frage immer populärer. Ich denke, das wird auch so weitergehen, da gerade das junge Publikum immer nach neuen Extremen sucht, und bei Hardcore gibt’s da noch einiges zu holen. Vor einigen Jahren war es noch undenkbar, dass Bands wie Parkway Drive, Hatebreed oder Walls of Jericho so erfolgreich sind. Inzwischen gibt es dutzende weitere, teilweise noch „härtere“ Bands, die in den Startlöchern stehen und nur auf ihren Durchbruch warten. Im Endeffekt ist das ein coole Sache, schließlich höre ich im Radio lieber einen Song von Trivium als von Jeanette Biedermann.
Stilistisch wächst das Ganze ein bisschen mehr zusammen. Klar stehen immer noch Welten zwischen dem Dresscode, Verhaltensregeln und „Musik-Richtlinien“ von Youth Crew / Old School Bands und denen von beispielsweise „Deathcore“. Aber gerade wir als eine Band, die so ein wenig zwischen den Stühlen steht, merken, dass es den Kids immer mehr egal ist, welchen Sound eine Band spielt, Hauptsache sie haben Style und können überzeugen. Eine Architects / Blackout Argument-Tour, wie sie im August 2008 stattgefunden hat, wäre früher beispielsweise undenkbar gewesen, hat aber 2008 hervorragend funktioniert!

Wastin!com: In einem früheren Interview von Chris konnte man lesen, was ihr im Einzelnen abseits der Bühne treibt. Da war ja im Grunde alles dabei, von Heilerziehungspfleger über E-Technik Studium bis zur Mediengestaltung. Unterhaltet ihr bewußt ein erstes bzw. zweites Standbein, wie es beispielsweise Heaven Shall Burn immer betonen ("Die Band ist nicht alles!"; sprich von Hardcore kann man ja nicht leben), oder soll auf lange Sicht The Blackout Argument euer Hauptjob werden?

Chris: ALARM!!!! Erzieher ist korrekt, nicht Heilerziehungspfleger ;-) Bisher war es für uns keine Option, darüber nachzudenken, die Band fulltime zu betreiben. So wie es jetzt ist, ist es mit Sicherheit ein extrem intensives Hobby, aber ob wir dafür jemals unsere Jobs aufgeben würden, bezweifle ich. Selbst wenn es mit der Band weiterhin gut läuft und die Band ein oder zwei Jahre alle Mitglieder finanziell tragen würde, was ist danach? Wir wissen alle, dass Bands nicht ewig existieren und wenn du dir für deine Musikerkarriere alles andere verbaut hast, sieht es ziemlich düster aus, wenn diese einmal vorbei ist.

Wastin!com: Kurze Retrospektive: Im Rückblick auf 2008, was waren für euch die herausragendsten und beeindruckendsten Alben und Bands des vergangenen Jahres?

Chris: Letztes Jahr ist schon so lange her, hahaha! Hm..., lass mal überlegen. Auf jeden Fall die aktuelle Rise Against CD 'Appeal to Reason', aber auch das neue Metallica Album 'Death Magnetic'. Sonst?

Wastin!com: Und was rotiert momentan aktuell in euren CD-Spielern?

Chris: im Moment hoch und runter: Azad's 'Asphalt Inferno' Mixtape. Ab und zu noch die neue Lamb Of God.

Wastin!com: Zum Abschluss, gibt es Bands oder Alben, auf die ihr euch 2009 schon ganz besonders freut?

Chris: Yep, die neue Most Precious Blood ist seit langem mal wieder eine Platte, der ich richtig entgegen fieber!!

Wastin!com: Wenn ihr noch ein abschließendes Wort an unsere Leser richten wollt, sei das eure Möglichkeit!

Chris: 19 Fragen sind eine Menge, vielen Dank fürs Lesen und euer Interesse an The Blackout Argument. Unser Interesse an euch ist mindestens genauso groß, wenn ihr also Lust habt, uns etwas mitzuteilen schreibt uns!

Wastin!com: Vielen Dank für das Interview! Die besten Wünsche für die anstehende Tour und das neue Album. Und wenn ich ergänzen darf, freue mich jetzt schon auf das kommende Album!

Chris: Vielen dank für das Interview! An das kommende Album mag ich noch gar nicht denken jetzt ist erstmal 'Remedies' am Start, hahaha ;-)

Mehr Info:
CD-Review: The Blackout Argument – 'Munich Angst' - 27. April 2007
CD-Review: The Blackout Argument – 'Munich Valor' - 27. April 2007
CD-Review: The Blackout Argument – 'Decisions' - 07. September 2007
CD-Review: The Blackout Argument – 'Smile Like A Wolf' - 31. Mai 2008
The Blackout Argument: Website / MySpace
Autor: Jens Classen