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Interview mit Dirk Wilhelm - Musiker und Komponist - Juni 2009 - Berlin
Interview mit Dirk Wilhelm - Musiker und Komponist - Juni 2009 - Berlin„Ich kenne auf jeden Fall das Gefühl als Kind zum Einschlafen Hörspiele zu hören.“

Was wären unsere Lieblingshörspiele ohne die passenden Soundeffekte und vor allem der perfekten Musik? - Richtig! Eine ziemlich öde Angelegenheit! Aber zum Glück gibt es Soundtüftler und Komponisten, die sich mit Hingabe an die Stoffe setzen und helfen mit musikalischer Untermalung die von den Sprechern erzeugten Emotionen der Vorlagen noch zu unterstreichen. Einer dieser Komponisten ist der Berliner Dirk Wilhelm. Er steht unter anderem als Musiker und Komponist in den Diensten der Lauscherlounge, der Firma, die Oliver Rohrbeck, bekannt u.a. als Sprecher aus der Kult-Hörspielserie 'Die Drei ???', im Jahre 2003 gründete.
Wie genau er zu einem Komponisten für Hörspiele wurde und wie so eine Komposition entsteht, verriet uns und der sympathische Hauptstädtler im Interview!


Wastin!com: Hi Dirk! Stell dich doch bitte einmal kurz vor und verrate unseren Lesern, was du so in deinem alltäglichen Leben mit Hörspielen zu tun hast! :)

Dirk: Hallo! Ich bin Dirk Wilhelm, wohne in Berlin und bin Musiker von Beruf. Genau genommen Komponist. Noch genauer genommen Komponist für Hörspiele, daher beschäftige ich mich im alltäglichen Leben damit.

Wastin!com: Würdest du dich als typisches „Kassettenkind“ bezeichnen? Also bist du mit Kinderkassetten wie 'Die Drei ???' etc. aufgewachsen? Oder wie bist du dazu gekommen?

Dirk: Ich habe die klassische „Kassettenkind-Schule“ durchlaufen, das heißt, eigentlich hat die meine ältere Schwester durchlaufen und ich kam schon in frühester Kindheit mit 'Die Drei ???', 'Hui Buh', 'TKKG' u.ä. in Kontakt, auch der eine oder andere Gruseltitel war dabei. Ich kenne auf jeden Fall das Gefühl als Kind zum Einschlafen Hörspiele zu hören, und kenne die ersten 30 'Drei ???' Kassetten recht gut, was mich wohl zum „Kassettenkind“ qualifiziert.

Wastin!com: Worauf achtest du bei Hörspielen besonders? Die Musik ;) ?

Dirk: Auf die Musik achte ich natürlich von Berufswegen am meisten, aber was mir bei Hörspielen immer am wichtigsten ist, ist einfach, dass man „mit dem Ohr auf Reisen gehen“ kann, dass es eine schöne Atmosphäre herstellt. Ich denke, das ist auch der Vorteil gegenüber anderen Medien, wie dem Film, man kann sich in ferne Länder einfühlen und sich sein eigenes Bild herstellen.

Wastin!com: Mal ganz einfach gefragt: Wie wird man Komponist für Hörspiele? Du warst ja auch mal als Musiker unterwegs (u.a. The Ocean), warum hast du dich gerade für diese Richtung (Hörspiele) entschieden?

Dirk: Dass ich gerade Hörspielmusiker geworden bin, war nicht so direkt geplant, da gibt es wohl auch kein Patentrezept. Es ist jedoch so, dass ich immer Interesse daran hatte, Musik für Geschichten zu komponieren und mal ganz andere Spannungsbögen bauen zu können, als in Songs. Außerdem hat es mich immer gereizt eine bestehende Stimmung aufzunehmen und diese auf meine Weise zu interpretieren.

Wastin!com: Machst du nebenbei immer noch in einer Band Musik?

Dirk: Im Moment bin ich mit Hörspiel und Film komplett ausgelastet, da bleibt einfach keine Zeit für ´ne Band. Das finde ich ein bisschen schade, denn Bandmusik macht einfach Spaß und funktioniert auch ganz anders als Musik für Geschichten.

Wastin!com: Du bist Teil des kreativen Teams der Lauscherlounge. Wie ist es dazu gekommen?

Dirk: Wie so oft, hat da der Zufall nachgeholfen. Nachdem ich bei The Ocean ausgestiegen war, hatte ich mich gerade in Richtung Filmmusik umgesehen und auch zwei kleinere Filme mit Musik bestückt. Zum Hörspiel kam ich dadurch, dass ich Oliver Rohrbeck kennen lernte, der mich fragte, ob ich Musik für ein Live-Hörspiel machen wollte und daraus wurden dann einige.

Wastin!com: Was manchmal vielleicht übersehen wird; Musik ist ein elementarer Teil eines Hörspiels oder Hörbuches. Könntest du bitte mal exemplarisch aufzeigen, wie die Arbeit eines Komponisten aussieht, wenn er die Musik für ein Hörspiel produzieren soll!

Dirk: Die Arbeit richtet sich natürlich immer nach dem Hörspiel und ist deshalb nicht immer gleich; in den meisten Fällen jedoch läuft das so: Erst bekommen alle Beteiligten das (im Idealfall) fertige Hörspielskript, mit Dialogen, den Einsätzen für die Geräusche und meist auch für die Musik. Dann gibt es ein Vorgespräch mit Regisseur und manchmal auch Mischer und Sounddesigner, in dem besprochen wird, wie das Ganze klingen soll. Nachdem alles fertig aufgenommen und geschnitten ist, bekomme ich das (im Idealfall) fertig vorgemischte Hörspiel, natürlich ohne Musik, und dann geht’s ans Komponieren.

Interview mit Dirk Wilhelm - Musiker und Komponist - Juni 2009 - BerlinWastin!com: Wie genau sieht die Arbeit eines Komponisten dann im Detail aus? Was fällt so alles in seinen Aufgabenbereich?

Dirk: Für mich besteht die Aufgabe darin mit meiner Musik die zu transportierenden Emotionen an den richtigen Stellen zu verstärken und auch den Spannungsbogen der Geschichte deutlicher zu machen. Ich halte es für sehr wichtig, dass die Musik die Handlung mit ordnet, dazu gehört zum Beispiel, dass bestimmte Personen oder Orte, ihr eigenes kleines Thema bekommen, also eine Tonfolge, eine Harmonie oder einen Klang, an dem man sie erkennt. Diese Themen kann ich dann im Laufe der Geschichte immer wieder mehr oder weniger deutlich einsetzen. Außerdem kann ich als Musiker dem Hörspiel einen Wiedererkennungseffekt geben, wie zum Beispiel mit der Musik für 'Team Xtreme', die ein sehr klares Hauptthema hat.

Wastin!com: Inwieweit bringt der Regisseur in der Regel seine eigenen Vorstellungen, was die Musik angeht, mit ein? Gibt es da auch welche, die den Komponisten da völlig freie Hand lassen? Oder das genaue Gegenteil, welche, die alles haarklein so haben wollen, wie sie sich das vorstellen?

Dirk: Größtenteils hat der Regisseur schon eine recht klare Vorstellung davon, wie die Musik klingen soll, das heißt er gibt mir eine Richtung, erklärt mir zum Beispiel, welche bekannte Musik, wie zum Beispiel Film Scores, er da „hört“, oder welches Instrument für ihn eine tragende Rolle übernehmen könnte. Manche Vorstellungen sind auch sehr abstrakt, wie: „...das soll nach Wüste in der Nacht klingen...“, oder ähnliches. Diese Vorstellungen sind mir immer besonders lieb, denn da kann ich mich richtig austoben und Bilder hörbar machen. Natürlich gibt es aber auch Regisseure, die mir völlig freie Hand lassen; mit der Option den Sound wieder grundlegend zu ändern, wenn es für sie nicht passt. Und am Ende ist meine Aufgabe bloß noch, die Vorstellungen des Regisseurs noch zu übertreffen ; )

Wastin!com: Wie gehst du genau vor beim Komponieren von Musik? Recherche etc.

Dirk: Das Recherchieren steht meist an erster Stelle. Das kann soweit gehen, dass ich mich mit bestimmten Instrumenten intensiv beschäftige, mich mit ihrer Geschichte, Spieltechniken und ähnlichem auseinandersetze, oder mir einfach Filme oder Songs aus entsprechenden Genres anschaue, bzw. anhöre. Dann stelle ich mir einen Grundsound mit entsprechenden Instrumenten zusammen, mit dem ich arbeite, um meinen gefundenen Klang für die Geschichte zu bauen. Der nächste Schritt ist dann Grundthemen zu finden und diese szenengenau auszuarbeiten.

Wastin!com: Woher nimmst du deine Ideen für deine Kompositionen?

Dirk: Die kommen meist einfach, wenn ich mich mit der Geschichte auseinandersetze. Das ist teilweise Gefühl, teilweise Logik und auch teilweise Erfahrung. Man kann sich darin üben musikalische Ideen umzusetzen, aber erstmal eine gute Idee zu haben, also sich die Grundidee zu ersinnen, das kommt, oder kommt nicht; man kann das nur bedingt beeinflussen.

Wastin!com: Spielst du alle Instrumente selbst ein? Oder wer macht das sonst?

Dirk: Die meisten Instrumente, die eingespielt sind, spiele ich selbst, z.B.: Gitarre, Bass, Klavier oder Mundharmonika. Bei manchen Produktionen allerdings möchte ich auch Instrumente einsetzen, die ich nicht beherrsche, wie zum Beispiel das Cello bei 'Drei Märchen'. Da kommen dann Musiker, die ihr Instrument gelernt haben, und wir nehmen die komponierten Stücke im Studio auf. Manchmal ist es auch so, dass mich Musiker so faszinieren, dass ich ihnen etwas „auf den Leib schneidern“ möchte. So habe ich zum Beispiel vor kurzem eine fantastische Harfenistin kennen gelernt, mit der ich unbedingt mal eine Produktion machen möchte. Es ist für mich dann sehr interessant mich mit einem Instrument auseinanderzusetzen, von dem ich erst lernen muss, was man aus ihm herausbekommt und wie man es einsetzen kann, das ist sehr inspirierend.

Wastin!com: Das glaube ich! Wie lange dauert ca. eine Produktion für ein 90 Minuten Hörspiel?

Dirk: Das ist recht unterschiedlich. Der Anteil den die Musik hat, unterscheidet sich sehr von Produktion zu Produktion, außerdem spielt das Arrangement eine wichtige Rolle. Bei einem Orchester Arrangement, muss ich natürlich mehr Instrumente mit Noten versehen, als bei einem Stück für zwei Gitarren. Generell kann ich aber sagen, die Zeit ist natürlich immer viel zu knapp ; )

Wastin!com: Du hast für die Lauscherlounge u.a. die Musik zu 'Dracula' und 'Richard Diamond – Privatdetektiv' gemacht. Dies sind ja zwei sehr gegensätzliche Genres, was hat dir besser gefallen oder was ging dir leichter von der Hand? Wo hattest du einen besseren Zugang?

Dirk: Bei 'Dracula' hat mir ganz klar mein Metal-Einfluss geholfen. Ich denke, bei bestimmten Passagen hört man den Metaller auch etwas. Das Thema zu Beginn zum Beispiel, ist sehr düster und kraftvoll. 'Richard Diamond' hingegen war etwas sperriger, denn ich wollte eine Musik bauen, die wieder erkennbar und eigenständig ist und zu der Zeit passt, in der diese Hörspiele entstanden sind. Da die Musik, die man am ehesten mit dieser Zeit verknüpft Jazz ist, ist die Instrumentierung auch recht jazztypisch. Da ich aber kein Jazzer bin, habe ich versucht, dieser Instrumentierung einen neuen, und moderneren, Anstrich zu geben.

Wastin!com: Gibt es überhaupt ein bestimmtes Genre, für das du am liebsten Musik schreibst? Wenn ja welches?

Dirk: Ich mag einfach gute Geschichten. Wenn die Geschichte gut ist und auch sonst alles stimmt, ist für mich das Genre eher zweitrangig. Trotzdem ist es schon so, dass mir die düsteren Geschichten einfach besser von der Hand gehen, ich denke, das hat mit meinen Metal-Einflüssen zu tun, gelernt ist gelernt.

Interview mit Dirk Wilhelm - Musiker und Komponist - Juni 2009 - Berlin„Die Musik sollte die Emotionen, die die Schauspieler übertragen, verstärken und nicht ein zusätzlicher Faktor sein, den der Zuhörer bewusst verarbeiten muss, es sei denn, dies ist gewünscht. “

Wastin!com: Leider fallen ja die Komponisten oder die Soundeffekte-Macher bei den Produktionen oft hinter den Sprechern zurück, weil man sie einfach nicht so präsent hat, was sehr schade ist. Empfindest du das auch so?

Dirk: Manchmal finde ich es ehrlich gesagt schon etwas schade, wenn ich das Gefühl habe, etwas wirklich Gutes gemacht zu haben und es fällt den meisten Hörern nicht unmittelbar auf. Andererseits ist es ja so, dass der Musiker, wie auch der Sounddesigner sich nicht in den Vordergrund spielen sollten. Der Schauspieler, wie der Sänger in einer Band, ist meistens der direkte Draht zum Publikum. Der Zuhörer, sollte, denke ich, den Schauspielern zuhören und einfach die Stimmung wirken lassen. Die Musik sollte die Emotionen, die die Schauspieler übertragen, verstärken und nicht ein zusätzlicher Faktor sein, den der Zuhörer bewusst verarbeiten muss, es sei denn, dies ist gewünscht.

Wastin!com: Du bist ja auch bei den Live-Events der Lauscherlounge tätig, wie etwa bei dem 'Krimi zum Mitmachen' in der Alten Kantine in Berlin im letzten März 2009. Was genau machst du dann dort?

Dirk: Das ist unterschiedlich. Oft mache ich dort den Live Mix, das heißt ich stehe hinterm Mischpult. Bei einigen Events mache ich Live-Musik, wie zum Beispiel bei dem Western-Dreiteiler 'Der Trek nach Westen', den es auch als Live-Mitschnitt zu kaufen gibt. Das hat ganz besonderen Spaß gemacht, da ich dort (nicht gleichzeitig natürlich) Gitarre, Keyboard, Bongos, Mundharmonika, Flöte gespielt und auf ´nem Kamm geblasen habe.

Wastin!com: Was macht (vielleicht) den besonderen Reiz aus so „live“ zu arbeiten?

Dirk: Musikalisch macht den besonderen Reiz vor allem aus, dass man das Spiel der Schauspieler ganz direkt unterstützen kann. Es gibt diesen Moment, an dem ich merke, dass die Schauspieler auf die Musik reagieren und die Musik die Schauspieler und die Szene trägt und unterstützt. Ganz allgemein macht es einfach Spaß Live-Musik zu machen, auch weil die Reaktionen des Publikums direkt zu spüren sind.

Wastin!com: Was wird es demnächst von dir zu hören geben? Woran arbeitest du momentan? Was ist außerdem noch geplant?

Dirk: Gerade arbeite ich an 'Plan B', einem Hörspiel von Ivar Leon Menger, der unter Anderem 'DODO' und 'Der Prinzessin' geschrieben hat. Es freut mich sehr mal mit ihm was zu machen, denn ich mag seine Ideen und auch die Umsetzungen sehr gerne. Außerdem kann ich mal wieder meine düstere Musikerseite zeigen. Außerdem arbeite ich noch an einem Film, 'Schlick.TV'. Das ist eine absurdes Drama in acht Akten (ich schraube gerade an Akt 3 und 4) das weniger ernst daher kommt, als die Bezeichnung „Drama“ vermuten lässt. Besonders ulkig finde ich, dass alle Szenen, obwohl die Schauspieler deutsch reden, wieder deutsch synchronisiert sind, das ergibt teilweise lustige Rainer Brandt ähnliche Szenen, ein großer Spaß.

Wastin!com: Klingt vielversprechend! So, das war´s aber auch schon! Vielen Dank für das Gespräch, wenn du möchtest, kannst du nun gerne noch ein paar Worte an unsere Leser loswerden!

Dirk: Vielen Dank, auch. Habt weiter Spaß am Hörspiele und Hörbücher hören und hört vielleicht mal ein wenig genauer hin, was die Musik da so macht.


Mehr Info:
Lauscherlounge: Website
Autor: Vera Bunk