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Rammstein - 12. Dezember 2004 - Dortmund
Mehr Bilder vom Konzert seht ihr hier.

Am 12. Dezember brachte Rammstein die Dortmunder Westfalenhalle zum Beben. Lest hier den Konzertbericht aus den Augen von Manuel Rosemann!


Exilia - 12. Dezember - Dortmund
Dieser Sonntag war nicht wie jeder andere. Dieser Sonntag sollte ein Tag werden, den ich so schnell nicht vergessen würde. Besonders der Abend dieses Sonntages hatte ein Highlight in Aussicht, das vor allem etwas für die Ohren und Augen zu bieten haben sollte. Der Grund meiner Hysterie war mein erstes Rammstein-Konzert. Aber Eins nach dem Anderen. Frohen Mutes zog ich nach Verabschiedung von Freundin und Co. in Richtung Dortmund zu den Westfalenhallen, wo Rammstein ihr Wochenendstelldichein veranstalteten. Eine halbe Stunde vor dem offiziellen Einlass um 18 Uhr traf ich an dem Haupteingang ein und war erstmal erstaunt, wie wenig Bandjünger sich versammelt hatten. Ok, es regnete und das Wetter allgemein hätte besser sein können, aber im Großen und Ganzen standen da vielleicht 250 Leute. Mehr nicht.
Ich schlich mich rechts am großen Strom vorbei und war nur wenige Meter von der Eingangsschleuse entfernt. Punkt 18 Uhr begann der Einlass und durch festes Drücken und Drängeln war ich unter den ersten 50, die sich ein Bändchen für den Innenraum greifen durften. Später wurde klar, dass viel mehr Zuschauer in den vorderen Bereich der Halle durften, aber es wurden erstmal die Leute zurückgehalten. In meinen Augen unverständlich. Kurz nach dem Eingangsbereich versteckte sich Exilia, die Vorband, hinter einer Ecke und filmte die hineinströmenden Fans. Interessanterweise erkannte sie keiner der vorbeigehenden Masse. Alle stürmten wie wild Richtung Innenraum.

Das Vorspiel: Exilia

Um ca. 20 Uhr begannen Exilia, was eigentlich so normal war. Trotzdem waren einige Fans verwundert, denn es ging das Gerücht um, Rammstein beginne schon um 20 Uhr, was sich aber als Trugschluss herausstellte.
Masha, Elio Alien, Random und Ge betraten die Bühne, die schon für sie präpariert war. Das Bass-Intro ließ Haare stehen und die Halle erbeben. Feinster Metal mit einer Stimme, die man so schnell nicht vergisst. Leider wollte das Dortmunder Publikum dies nicht würdigen und weigerte sich mehr als 30 Minuten lang ein wenig Stimmung aufkommen zu lassen. Um 20 Uhr 40 war es dann auch schon mit den Krachmachern aus Italien vorbei. Umbau.


Rammstein - 12. Dezember - Dortmund
Rammstein geben sich die Ehre

Die eigentliche Rammstein-Bühne war während des gesamten Auftritts von Exilia hinter einer riesiegen Leinwand versteckt. Als die Vorband die Bühne verließ, wurden nur Flakes Keyboard und ein paar Mikros aufgebaut. Bis schließlich um 21 Uhr die Lichter ausgingen.
Die gesamte Westfalenhalle grölte auf. 6 Männer im Anzug und mit Taschenlampe bewaffnet wanderten vor der Leinwand hin und her, leuchteten in die Menge und über die Bühne. (Später in der Show waren diese Männer dafür verantwortlich, dass alles reibungslos verlief und die Technik funktionierte.) Durch einen Knall und das Herunterfallen der Leinwand wurde das Konzert eröffnet und „Reise, Reise“ brachte die Menge endlich in Bewegung. Es folgten Songs wie „Links 2-3-4“, „Keine Lust“, „Feuer frei!“, „Rein raus“, „Morgenstern“, „Mein Teil“, „Stein um Stein“, „Los“ und „Moskau“. Richtig gute Stimmung kam aber nie wirklich auf. Es folgten ältere Songs wie „Du riechst so gut“, „Du hast“ und „Sehnsucht“, die schon mehr Fans in der Halle zum Ausflippen brachten. Danach kam die erste Singleauskopplung des neuen Albums „Reise, Reise“ „Amerika“, welches mit einer riesigen Konfettiparade endete. Aus.
Aber die 6 ließen sich nicht lumpen und setzten noch 2 Zugaben drauf mit den Songs „Rammstein“, „Sonne“ und „Ich will“ in der ersten und „Ohne Dich“ und „Stripped“ in der zweiten Zugabe.

Rammstein - 12. Dezember - Dortmund
Man darf auch nicht vergessen zu erwähnen, dass es zu fast jedem Lied auch was für die Augen gab. Angefangen von jeglicher Pyrotechnik bei fast jedem Song, gefolgt von Flammenwerfern und Scheinwerferkraft, die ich bis dato so noch nie gesehen hatte. Bei „Feuer frei!“ bekamen Till, Richard und Paul den bekannten Feuerspuckaufsatz, um damit dem Saal kräftig einzuheizen. Zu „Mein Teil“ wurde ein Kessel auf die Bühne gefahren, in dem Flake schlüpfen musste. Zum Ende des Liedes wurde der Kessel mit Flake darin, dank Flammenwerfer, beheizt. Er hüpfte hinaus, Funken sprühten von seinem Körper und er wurde von herabschiessenden Pfeilen gejagt. Spektakulär! Zu „Los“ wurde die ganze Elektronik und Pyrotechnik zurückgeschraubt und nur 2 Konzertgitarren und das Schlagzeug rundeten den Song ab. Ein Highlight war auch der Song „Amerika“. Nicht nur hunderte Scheinwerfer, die hinter der Bühne angebracht waren und hoch und runter gefahren werden konnten, auch die gewaltige Konfettiparade machten den Song zum visuellen Höhepunkt des Abends.
Alles in allem ein großartiges Konzert, vor allem fürs Auge. Kritiker meinen zwar, Rammstein wäre ohne diese Show nichts mehr, aber sie haben diese Show und das macht ihnen so schnell auch keiner nach.

Rammstein - 12. Dezember '04
Nachteil des ganzen pyrotechnischen Schnickschnacks: Die Individualität geht verloren. Kaum Kontakt zu den Fans, keine Extrawege um Kontakt mit dem Publikum zu bekommen und keine Abweichungen von jeglichen Programmpunkten. Fehlende Publikumsnähe wird in Kauf genommen für eine perfekte, kontrollierte aber atemberaubende Show. In meinen Augen ist die Nähe zum Publikum auch nicht möglich, denn sonst würde wohl eine Zeile des Liedes „Rammstein“ vielleicht Wirklichkeit werden; „...ein Mensch brennt...“ .
Eine weitere Problematik war das Publikum selbst. Klar, wenn man 35 Jahre ist, will und kann man nicht mehr so viel als in jüngeren Jahren, aber Rammstein liefern nunmal ein Rockkonzert und da gibt es keinen Grund armverschränkt in der zweiten Reihe zu stehen. Schade fürs Geld. Ich habe ganze Familien gesehen. Vater, Mutter, Kind klatschten zu „Amerika“, wie das Publikum bei „Wetten dass!?“. Im Laufe des Abends konnte man Till auch anmerken, dass ihn das störte. Immer wieder versuchte er durch Kopfschütteln dem Publikum zu verdeutlichen, dass es stimmungsmäßig unter aller Kanone sei. Aber woran mag das liegen? - Meiner Meinung nach an dem hohen Preis. 48 Euro für ein Ticket kann sich halt nicht jeder leisten. Was haben wir uns schon damals bei den Toten Hosen-Konzerten über die 80 Mark aufgeregt, und so trieb es einer der teuersten deutschen Konzertgeber mit teilweise über 50 € schon auf die Spitze. Schade.
Als der letzte Ton gespielt wurde, gingen die Lichter an und es ertönte „Engel“ von CD aus den Boxen. Auf der einen Seite sicherlich stimmungsvoll, auf der anderen Seite enttäuschend, denn diesen Song hätte ich mir auf der Bühne gewünscht.

Fotos: Manuel Rosemann

Auch ihr habt ein unvergeßliches Konzert erlebt und wollt das der ganzen Welt verkünden? Und habt ihr vielleicht auch schicke Fotos gemacht, die das untermalen? - Dann her damit! Schickt euer Review einfach an: reviews@wastin.com
Autor: Manuel Rosemann