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19. WDR-Rocknacht - 03. April 2005 - Köln - Palladium
Mit Garbage, The (International) Noise Conspiracy, Turbonegro, Urge Overkill, The Frames, The Zutons

Der Rockpalast rief für Sonntag den 3. April 2005 die WDR Rocknacht aus. Also nichts wie hin zum Palladium nach Köln, denn die Bands die diesen Abend zu einer wahren „Rock-Nacht“ machen sollten waren keinesfalls Unbekannte. Diesmal sollten sogar die europäischen Bands die Übermacht haben, denn lediglich Garbage und Urge Overkill kamen von der anderen Seite des großen Teichs.
Um 17 Uhr sollten sich die Tore öffnen. Draußen vor dem Palladium konnte man schon eindeutig feststellen, wer für welche Band an diesem Abend gekommen war. Denim Jeans soweit das Auge reichte, nein, es war keine Modenschau von Levi’s, sondern die Turbojugend gab sich die Ehre, die aus ganz Deutschland - und wenige auch aus Holland - angereist war, um ihre Schützlinge anzufeuern.

The Frames – Die Opener dieses Abends

The Frames - Rocknacht 2005Es war 17 Uhr 30 als The Frames aus Irland, Dublin, ihre Instrumente in die Hand nahmen und anfingen zu spielen. Die Halle war noch gähnend leer, was wohl auch an dem sonnigen Wetter draußen lag, und so fanden nur einige Besucher ihren Platz vor der Bühne. The Frames legten sehr langsam los, was sich auch nicht ändern sollte im Laufe ihrer Show… Sie wurden von dem Moderator, der durch die Show führte, als Geheimtipp angekündigt, nach der Stimmung in der Halle zu urteilen haben sich die meisten Besucher allerdings wohl gedacht, dass dieser Tipp auch ruhig hätte geheim bleiben sollen. Dies spiegelte sich ganz klar im Desinteresse des Publikums wider. Man quatschte mit seinen Freunden vor der Bühne oder setzte sich nun doch lieber hinten in eine Ecke. Und auch mit einer Textzeile von Turbonegro´s Klassiker 'I Got Erection' konnte sich Frontmann Glen Hansard bei den meisten Besuchern nicht unbedingt lange Gehör verschaffen. Danach sollte es dann etwas mitreißender werden, denn das Publikum sollte mitsummen. Keine schwere Aufgabe – eigentlich - jedoch wurde diese von den meisten nicht erfüllt. Es war schon eine sehr eigenständige Musik, die die Jungs da präsentierten – sehr gut reingepasst hat die Geige in den eigentlich doch typisch britischen Stil. Am Ende ihres Auftritts wollte Sänger Hansard dann wohl auch noch einen richtigen „Rockstar Abgang“ hinlegen. Dieser wurde jedoch vom Publikum belächelt, da er anstatt seine Gitarre nach Rockermanier so richtig auf den Boden zu schmettern, sie lediglich hinter das Schlagzeug legte. Also auch wenn The Frames zur Zeit in ihrem Heimatland Irland abgefeiert werden, haben sie in unseren deutschen Landen noch einiges an Arbeit vor sich.

The Frames

The Zutons - Rocknacht 2005The Zutons – Ein Schuß Exotik

The Zutons aus England wurden angekündigt und siehe da, die Leute im Publikum konnten doch klatschen. Es wurde voller vor der Bühne und einige standen sogar vom Boden auf um die Band zu genießen. Und anhand der Reaktionen der Besucher war zu erkennen, dass die vier Herren und die Dame aus Liverpool sehr erwünscht waren. Die Fünf sorgten auf jeden Fall für Stimmung im Palladium – ja, es wurde sogar getanzt, was man bei der vorherigen Band vermisst hatte. Und Abi Harding sorgte mit ihrem Saxophon für einen einzigartigen Sound an diesem Abend. Es war eine sehr interessante Mischung zwischen Brit-Pop und … - ja, genau das ist die große Frage! The Zutons lassen mit ihrem Bass an Psychobilly-Bass-Geslappe erinnern um im darauf folgenden Moment mit einem Gitarren- oder Drumsolo wieder abzugehen wie Nachbars Lumpi. Eine großartige Live-Band bekam man geboten, der man ihren Spaß am Spielen deutlich angesehen hat. Gerade die Solos sorgten für eine eindrucksvolle Show, welche auch beim Publikum super ankam.

The Zutons


Urge Overkil - Rocknacht 2005Urge Overkill – Glam-Rock-Time!

Den meisten wohl bestens durch den Pulp Fiction-Soundtrack bekannten Urge Overkill betraten die Bretter des Palladiums. Die jüngere Fraktion setzte sich wieder hin, es war Zeit für das ältere Semester. Die Truppe aus Chicago erlangte mit ihrem Hit 'Girl, You’ll Be A Woman Soon', geschrieben von niemand Geringerem als Neil Diamond, Weltruhm. Und jetzt wollte es die als „One-Hit-Wonder“ abgestempelte Band noch mal wissen. So zogen die Mannen um Frontmann Nash Kato ihre Discokugel-artigen Anzüge an, um ihr Können in Köln unter Beweis zustellen. Und sie lieferten eine ordentliche Portion Poser-Rock ab, bewegten jedoch nicht den größten Teil des Publikums, vor allem nicht den jüngeren. Dieser belächelte wohl eher das Outfit der aus der Chicago stammenden Band. Auch die Bühnen-Show war alles anderes als Mitreißend, denn außer Funkeln und Glitzern taten sich bei den aus der Vergangenheit entflohenen Alt-Rockern nämlich nichts.

Urge Overkill



Turbonegro - Rocknacht 2005Neues Outfit, neues Album - Turbonegro machten neugierig

Gegen 20 Uhr 35 wurde die Fahne von Norwegen gehisst und so sollte das erste Turbonegro-Konzert in diesem Jahr in Deutschland starten. Für ihre Anhänger sollte nun auf jeden Fall der „Main Act“ des Abends eingeläutet werden. Ganz klar, die Fangemeinde von den Oslo-Boys nahm gut 80% der vorderen Reihen ein. Aber auch sonst, war die Halle jetzt am vollsten in dieser Rocknacht. Die meisten rückten sich noch ihr Sailor Cap zurecht, da kamen auch schon die fünf Mannen um Frontmann Hank Von Helvete auf die Bühne. Das Outfit war eindeutig anders; raus aus Denim und rein in den Hochzeitsanzug, Lederdress, und Seemannsgarnitur. Kaum kam man aus dem Staunen raus, kam auch schon der „Prince Of Darkness“ auf die Bühne. Auf dem ersten Blick erkannte man, das Hank ordentlich abgespeckt hatte, trug er doch noch letztes Jahr weniger dezent seinen Bauch über den Gürtel. Er veränderte auch den Rest seines äußeren Erscheinens, Zepter und Hut waren weg, dafür ein Wolfsfell ähnelnder Umhang, Obenrum trug er lediglich zwei Lederbänder. Da man aber die Jungs ja doch schon wieder erkennen sollte, blieben sie bei ihrem alten wohlbekannten homo Schminkstil. So viel zum Äußeren, jetzt blieb nur noch zu beobachten, ob sie sich denn auch musikalisch verändert hatten; jedoch Grund zum Aufatmen – alles wie gehabt. Keyboarder Pal Pot Pamparius scherzte mit der Kamera und auch der Rest der Band spielte sein Ding professionell wie immer runter. Der dritte Song sollte der erste von insgesamt drei Neuvorstellungen des neuen Albums 'Party Animals', das am 09. Mai erscheinen soll, werden. Wie nicht anders zu erwarten kam dieser bei dem Publikum gut an, auch die anderen beiden wurden nicht verachtet sondern ordentlich abgefeiert. Dann machten sich die Herren der Dunkelheit aber leider auch schon wieder von der Bühne. Aber was wäre ein Turbonegro-Auftritt ohne 'I Got Erection'? Und natürlich ließen sie sich nicht lange bitten und betraten erneut die Bühne. Doch keinesfalls waren sie erschöpft oder müde, nein ganz im Gegenteil, es sollte jetzt erst so richtig losgehen. 'The Age of Pamparius' vom Album 'Apocalypse Dudes' leitete ihre Rückkehr ein und löste große Begeisterung im Publikum aus. Hank verließ die Bühne um vor dem Wellenbrecher zu singen. Da hieß es aufpassen für die Kameramänner und Kabelträger. Zu guter Letzt spielte Gitarrist Euroboy bei 'Prince Of The Rodeo' sein Solo in der Menge und zwar nicht im stehen, nein warum auch, wenn die treue Turbojugend ihn doch dabei auf Händen tragen kann! Dann mussten Turbonegro aber doch endgültig aufhören und stimmten 'I Got Erection' an. Natürlich sang fast die ganze Halle mit und zollte so den Norwegern ihren Tribut. Eine Wahnsinns-Show, die nur schwer übertroffen werden konnte, da waren sich alle einig, wohl auch der Bassist von Peter Pan Speedrock der ebenfalls begeistert im Publikum stand.

Turbonegro


Zirkusreif – The (International) Noise Conspiracy

The (International) Noise Conspiracy - Rocknacht 2005Die Halle wurde wieder leerer, ein Grund dafür war wohl, dass die Turbonegro-Anhängerschaft außerhalb der Halle an der Theke Platz nahm. Gerade noch von Norwegern ordentlich wachgerüttelt, sollten jetzt die Schweden ran: The (International) Noise Conspiracy gaben sich nun die Ehre. Das Publikum war eindeutig nicht mehr so aktiv und so machte Sänger Dennis Lyxzén (ex-Refused) mit den Worten: „This is not a tea party!“ darauf aufmerksam langsam wieder in Tanz-Stimmung zu kommen. Er wirbelte sein Mikrofon quer durch die Halle und warf auch gern mal das Mikro samt Ständer in die Luft um es dann im richtigen Augenblick wieder aufzufangen. Schon ein sehr interessantes Unterfangen das der Frontmann bot. Nach den ersten Liedern zogen alle Bandmitglieder ihre Jacken aus – und was konnte man feststellen? Alle hatten ein Rotes Shirt an. Rot ist ja bekanntlich die Farbe der Revolution und vielleicht hatten die Jungs die Shirts deswegen ausgewählt oder handelte es sich einfach um einen zufälligen Griff in den Kleiderschrank? Wohl kaum, denn die Band, die stets die Revolution in ihren Texten herbeisehnt und kämpft bringt dieses gern mit der Farbe Rot zum Ausdruck, z.B. roter Banner auf der Bühne mit der Aufschrift 'Capitalism Is Organized Crime'. Die Jungs hatten sichtlich richtig Spaß auf der Bühne, viele Sprünge gaben sie zum Besten und auch sonst zeigten sie viel Engagement in der Rocknacht. Nach diesem Konzert summten die meisten noch 'Let’s Make History' vor sich hin, bis sie wohl den nächsten Schluck Bier aus ihren Plastikbechern nahmen.

The (International) Noise Conspiracy


Garbage - Rocknacht 2005Garbage - Was fürs Auge und für die Ohren

Um halb zwölf sollte nun die letzte Band dieses Abends in Erscheinung treten – die Headliner Garbage. Das sollte das einzige Konzert der Band in Deutschland werden, wo sie nebenbei auch ihr neues Album 'Bleed Like Me' der Feuertaufe unterziehen wollten. Leider wurde das Palladium dafür immer leerer und immer dreckiger, denn die Zeitungen die kostenlos verteilt wurden, lagen überall auf dem Boden rum, wovon sich die Garbage-Fans nicht stören ließen. Und die Besucher, die lange auf ihre Stars warten mussten, machten ordentlich Stimmung. Dann wurde es dunkel, lediglich das Schlagzeug und die Bühne wurden mit roten und mit blauen Scheinwerfern beleuchtet, Johnny Cash erklang mit seinem Nine Inch Nails-Cover-Song 'Hurt' aus den Boxen. Dies sorgte für eine unheimliche Atmosphäre. Mit diesem „Intro“ betraten nun Garbage die Bühne. Sie wurden gebührend und mit tosendem Applaus von ihren Fans empfangen. Erleichterung machte sich breit, denn machte sich doch zwischenzeitig das Gerücht breit, Frontfrau Shirley Manson wäre krank und könne nicht auftreten. Doch die Band aus den USA, Madison, war alles andere als nicht fähig aufzutreten. Nach etlichen Streitereien, Pausen und Trennungen in der Vergangenheit klappte es bei der Combo endlich wieder. Sie rissen das Publikum mit und vertrieben so die Müdigkeit, die sich schon langsam in der Halle breit gemacht hatte. Shirley war in Hochform, kein Wunder bei der gewohnt knappen Bekleidung der Sängerin, kam sie ja auch nicht all zu schnell ins Schwitzen. Das einzig Traurige an diesem Abend für die Garbage-Fans war wohl, dass es keinerlei Merchandise von der Band gab. Aber dafür wurden sie ausreichend mit einer energiegeladenen Show entschädigt. Gegen ein Uhr war dann allerdings Schicht.

Garbage

Insgesamt hat die WDR Rocknacht nicht zuviel versprochen, es war für jeden etwas dabei. Vielleicht hätten die Umbaupausen etwas kürzer sein können, da so der ganze Abend noch mehr in die Länge gezogen wurde und auch eindeutig an der Ausdauer der Besucher gekratzt hat. Aber sicherlich wird auch die 20. Rocknacht im nächsten Jahr sehr gut besucht werden.

Wer sich dieses unvergessliche Event noch mal tapen will, der hat beim WDR Rockpalast zu folgenden Sendeterminen Gelegenheit dazu:

Montag, 11. April, 1 Uhr - 3 Uhr 30 im WDR Fernsehen: mit Garbage u.a.
Montag, 18. April, 1 Uhr – 3 Uhr 30 im WDR Fernsehen mit The (International) Noise Conspiracy u.a.

WDR

Fotos: Andreas Hornoff
Autor: Mario Klein