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David Nathan & Simon Jäger 'Prima Vista' – 10. Dezember 2009 – Kulturbrauerei, Berlin
David Nathan & Simon Jäger 'Prima Vista' – 10. Dezember 2009 – Kulturbrauerei, Berlin„Let´s keep the candles burning!“ - Oder simpel: „Frohe Weihnachten!“

Ungewohnterweise ludt die Lauscherlounge diesen Monat mal an einem Donnerstag- nicht an einem Freitagabend in die alte Kantine der Kulturbrauerei nach Berlin Prenzlauer Berg ein. An diesem 10. Dezember 2009 stand die letzte Veranstaltung der Lauscher in diesem Jahr auf dem Plan und das sollte auf Grund der starken Nachfrage die Zusatzveranstaltung für alle Fans der beliebten Prima Vista Lesung sein. Dieses Mal wieder mit David Nathan und Simon Jäger. Nachdem im vergangenen Oktober bereits das Vater-Sohn-Dreamteam David Nathan und Michael Pan Wunschtexte des Publikums prima vista – das heißt auf den ersten Blick – in Szene gesetzt und dabei für große Unterhaltung gesorgt hatte, war es nun an der Zeit vorweihnachtliche Stimmung zu verbreiten und wer könnte das besser als das Duo Nathan/Jäger, schließlich hat es das schon in den Vorjahren unter Beweis gestellt. Und es sollte ein sehr besinnlicher und sogar äußerst kuscheliger Abend werden – und es wurde auf der Bühne nicht nur gekuschelt, sondern sogar auch geknutscht, aber dazu später mehr.

Die klirrende Kälte draußen trieb die Hörbegeisterten schon früh in den kleinen Vorraum der alten Kantine, da nutzte auch der Weihnachtsmarkt vor der Tür trotz reichhaltigem Angebot an erhitzten alkoholischen Getränken nichts. So war es sehr erfreulich, dass sich der Einlass um ca. 10 Minuten nach vorne verschob und man die Gäste schon um 20 nach sieben in den lauschigwarmen Saal einließ. Auf dem Tisch, an dem später David Nathan, bekanntermaßen u.a. die deutsche Stimme von Johnny Depp oder Christian Bale und Simon Jäger, bekannt nicht nur durch seine Synchronisation von Matt Damon, platz nehmen sollten, stand zwischen den Mikrophonen eine Isoteekanne und eine dicke weiße Kerze, die wohl vorweihnachtliche Stimmung verbreiten sollte – was ihr auch durchaus gelang. Während sich der Raum immer weiter füllte, türmten sich auch die Lesevorlagen der Gäste auf dem Tisch, Kopien, Bücher – alles wild durcheinander. Ab viertel vor acht begaben sich die beiden Sprecher dann auch schon mal an ihre Plätze und warfen einen Blick in die Manuskripte, die ihnen da so vorgelegt wurden. Es war für reichlich Lesestoff gesorgt worden und der musste natürlich ersteinmal gesichtet werden. Als die beiden sich einen groben Überblick über alles verschafft und die Kopien auch etwas vorsortiert hatten, verließen sie noch einmal den Platz. Zwischenzeitlich wurden dann Weinflasche – ein 2007er Ricasoli 1141 Chianti Classico, füllig und würzig, Aschenbecher, ein großer Knabber-Mix und anderer Süßkram auf den Tisch drapiert. Als dann eine gute Versorgung garantiert war, betrat um 19 Uhr 55 Johanna Steiner von der Lauscherlounge das kleine Podium und begrüßte alle Anwesenden zur letzten Veranstaltung in diesem Jahr und bat dann die Stars des Abends auf die Bühne. Lässig und absolut relaxt trat David Nathan mit Zigarette in der Hand und Simon Jäger, ebenso relaxt und gut gelaunt – allerdings ohne Fluppe – unter jubelndem Applaus an ihren Tisch. Es wurde von Johanna bereits zuvor angekündigt, dass man an diesem Tage leider nicht ganz so lange machen könne, da die Kantine wohl später noch eine andere Veranstaltung in dem gleichem Raum habe. Deshalb wollten die beiden nach einer kurzen Begrüßung auch gleich in die Vollen gehen mit den Worten: „Da wir ja heute keine Zeit haben, beschränken wir uns nur auf die Überschriften!“ so Jäger. David Nathan & Simon Jäger 'Prima Vista' – 10. Dezember 2009 – Kulturbrauerei, BerlinDie Heiterkeit und Gelassenheit auf der kleinen Bühne war sofort spürbar und übertrug sich sogleich auf die Zuschauer und diese super Stimmung sollte auch den ganzen Abend über anhalten.
Begonnen wurde dann, passend zur vorweihnachtlichen Stimmung mit dem Text: 'Weihnachtsstress', weiter gings mit Horst Evers´ 'Beitrag zur Besinnlichkeit' und der 'Weihnachtsfeier'. Alle Geschichten waren kurzweilig, witzig und unterhaltsam und Jäger und Nathan wussten den Charakteren die richtigen Nuancen zu verleihen.
Für richtig großes Gelächter sorgte dann unter dem Motto 'Proletenhumor' der nächste Text: 'So stirbt man standesgemäß', um einige Beispiele zu nennen: „Der Maurer springt von der Schippe. Der Turner verreckt. Der Zahnarzt hinterlässt eine schmerzliche Lücke. Die Putzfrau kehrt nie wieder. Der Anwalt steht vor dem jüngsten Gericht. Der Spanner ist weg vom Fenster. Der Verliebte schwebt im siebten Himmel.“ oder: „Der Gynäkologe scheidet dahin.“ Die im Wechsel vorgetragenen Todesvariationen steigerten sich immer mehr und endeten mit großem Applaus und auch der darauffolgende Text, 'Dinge, die du bei einer Operation nicht hören willst' sorgte für große Begeisterung. Hier wieder ein kurzer Auszug: „Aus, aus! Bring’ das zurück, böser Hund! Nimm’ dieses Opfer an, oh Herr der Finsternis! Warte einen Moment... Wenn das der Blindarm ist, was war denn das? "Operation", ich hatte "Obduktion" verstanden.“
Nach dieser geballten Lachattacke wurde es mit dem Gedicht von Loriot namens 'Advent' wieder etwas ruhiger, wobei das Versstück die witzige Pointe nicht vermissen ließ. Der 'Advent im Seniorenheim', den die beiden wieder in verteilten Rollen lasen, war dann wieder ein richtiger Burner. Simon Jäger verstand es gradnios einen alten Rentner zu mimen, der mit seinen „Mitinsassen“ verzweifelt versucht dem vorweihachtlichen charitativen Unterhaltungszeremonien zu entgehen.
Desweiteren gab es dann noch Auzüge aus dem Buch 'Gut gegen Nordwind' von Daniel Glattauer und Matt Beaumont´s 'Gummi' zu hören. Beides auch wieder überzeugend und treffsicher in Szene gesetzt.
Der letzte Text vor der Pause – die Weinflasche war zu diesem Zeitpunkt bereits halbleer – gab es noch die kleine Anekdote 'Albert braucht Schuhe' zu hören. Auch hier wieder grandioses rollenverteiltes Lesen. Und dann kam es zu den ersten zartgeknüpften Banden auf der Bühne als Simon David zärtlich einen Kuss auf den Kopf drückte, als sich dieser mal eben runterbückte. Ein wenig irritiert, aber dennoch gewohnt professionell konnte das den Berliner aber nicht aus der Ruhe bringen und er las seinen Text souverän weiter und man nahm Nathan alle drei Figuren ab – die gestresste Verkäuferin, den Opa und klein Albertchen. Dann – um 21 Uhr – war aber wirklich Pause. Simon und David verließen die Bühne und auch ein Großteil der Zuschauer erhoben sich von ihren Stühlen und holten sich Nachschub an der Bar.

David Nathan & Simon Jäger 'Prima Vista' – 10. Dezember 2009 – Kulturbrauerei, BerlinNach einer viertel Stunde ging es dann auch schon wieder weiter. Das Licht im Zuschauerbereich wurde erneut gedimmt und als Opener nach der Unterbrechung gab es das Gedicht 'Die Geschichte vom Lametta' auf die Ohren. Darauf folgte Douglas Adams Klassiker 'Kekse' und dann ein Aufsatz aus dem Buch 'In Afrika ist immer August: Sechzig Schulaufsätze neapolitanischer Kinder' - auch sehr humorvoll. Dann sollte es eine Geschichte von dem achtjährigen Jakob K. zu hören geben, allerdings wurde fälscherlicherweise erstmal mit einer anderen begonnen, nämlich mit 'Der dumme Usch entdeckt die Liebe'. Doch anhand der Syntax, die alles andere als kindlich war, klärte sich dieser Irrtum schnell auf und David griff zur richtigen Kopie: Mustangfliegen auf Reisen'. Und hier ging Nathan nun völlig auf. Er schmiss sich richtig in die reizende wirklich allerliebst geschriebene Geschichte rein, erweckte so die Mustangfliegen, den englischen Flugelefant und den afrikanischen Getränkeverkäufer aus dem Laden wo es was „für zum Trinken“ gab, zu authentischem Leben. Es war herrlich mit anzusehen und zuhören. Und Simon bescheinigte dem jungen Verfasser ein großes Potential und die begeistert klatschende Meute unterstrich diese Behauptung am Ende der Lesung noch einmal.
Dann wurde die vorher bereits „angelesene“ Geschichte vom dummen Usch nochmals aufgegriffen, wobei den beiden Jungs dann plötzlich auffiel, dass die ganze Story aus wahnsinnig langen Sätzen zusammengesetzt war und das verleitete David zu der Äußerung: „Warum sollen wir das lesen? Alles ein Satz die ganze Scheiße!“ Der Saal brüllte vor Lachen und man setzte die Lesung fort. Bei der ausführlichen Schilderung von Uschs Liebesabenteuern wurde es dann erneut kuschelig auf der Bühne: Simon streichelte David zärtlichst über den Kopf und ließ seine Finger dann auf dessen Hinterkopf eine Weile kreisen. Ja, bald steht Weihnachten vor der Tür, das Fest der Liebe, man merkt´s. Ob dieser körperlichen Zuneigung völlig überrascht verstummte Nathan kurz, bis Jäger ihn mit den Worten: „Du musst schon laut lesen!“ wieder aus seiner „Starre“ erweckte. Auch hier war wieder sehr schön der Berliner Dialekt zu hören, wenn die beiden mal zwischen der Lesung ins Private fielen und ihre kurzen Kommentare abgaben.
Während Usch immer noch traktiert wurde, hatte sich Johanna bereits am Bühnenrand postiert, das bedeutete nichts Gutes, denn sie wollte augenscheinlich und aller Erfahrung nach, einen Wink geben, dass man nun zum Ende kommen sollte. Aber als die beiden geendet hatten und sie ihre Ansage machen konnte, forderte das Publikum lautstark ein weiteres Stück und die beiden Jungs meinten auch: „Eins machen wir noch!“ Daraufhin musste sich Johanna geschlagen geben und verschwand ersteinmal wieder.

Jäger: „Dann gibt’s jetzt erstmal noch einen Tee.“
Nathan: „Yo!“

David Nathan & Simon Jäger 'Prima Vista' – 10. Dezember 2009 – Kulturbrauerei, BerlinSomit war noch Zeit für 'X-Mas Rollout'. Und auch dieser Text hatte es in sich, nahm den ganzen Anglizismus, also die zunehmende „Einenglischung“ unserer Sprache im vorweihnachtlichen Chaos auf die Schüppe. Und abschließend wurde „durch intensives Brain Storming ein Konsens über das Mission Statement gefunden. Es lautet "Let's keep the candles burning" und ersetzt das bisherige "Frohe Weihnachten".“ Der perfekte Abschluss für diesen gelungenen Abend, an dem übrigens Dirk Wilhelm von der Lauscherlounge an den Reglern stand und für einen reibungslosen Ablauf der Technik sorgte.
Unter tosendem Applaus verabschiedeten sich die beiden gegen zehn vor zehn vom Publikum und auch Johanna trat noch einmal herbei und verabschiedete das Publikum höchst offiziell.
Wirklich genial, wie die beiden die Vorlagen, die sie vielleicht noch nie zuvor gesehen hatten, mit großer Hingabe, viel Humor und natürlich Charme gemeistert haben und besonders erfreulich, dass sie nach der Lesung noch für ihre Fans bereit standen und das ein oder andere Schwätzchen mit ihnen hielten. Nun verabschiedet sich die Lauscherlounge mit ihren Live-Terminen ersteinmal für dieses Jahr, aber im Januar 2010 geht’s ja sogleich weiter. David und Simon wird es dann wahrscheinlich im März wieder zu sehen und zu hören geben. Und uns bleibt abschließend nur zu sagen: Bitte mehr davon!

29. Januar 2010: Die drei ???-Party Folge 136 - Alte Kantine, Berlin


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Lauscherlounge Records
Das Hörspielstudio XBerg GmbH
Autor: Vera Bunk