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Alternate Eve
Die RadioShow auf Antenne AC
zum Mag! Aber gerade gönnt sich 'Alternate Eve' eine verdiente Pause! Den nächsten Sendetermin erfahrt ihr demnächst an dieser Stelle!
EELS (with Strings) - 26. Mai 2005 - Köln / Live Music Hall
EELS (with Strings) - 26. Mai 2005 - Köln / Live Music Hall Zu spät. Mal wieder. Aber welches Konzert fängt schon pünktlich um 20.00 Uhr an? Laut Murphy wird dieses eines der wenigen sein, zumindest bin ich der sicheren Auffassung dass es so ist, als ich und meine Begleitung um 20.05 Uhr über die A57 brettern und noch mindestens zehn Minuten bis zur LMH benötigen werden. Stress pur also - Doch das Licht, bzw. die Lichtstraße, am Ende des Tunnels nähert sich und um 20.15 Uhr stehen wir in der noch locker gefüllten und halb bestuhlten Halle. Draußen fläzt man sich bei Kölsch in der Abendwärme, drinnen Grüppchenbildung an der Theke – lediglich die komplett besetzten Sitzreihen suggerieren gespannte Erwartung und den „Ausverkauft“-Status der Live Music Hall.
Klar – zu früh also!
Da sich Herr E., der an diesem Abend übrigens „with Strings“ erscheinen wird, nicht um eine Vorband bemüht hat, ziert lediglich eine weiße Leinwand die Bühne. Aus den Boxen daneben klingt Eels-typische Wartemusik, sprich Tom Waits, Chansons und ähnlich schräge Töne.
Viertel vor Neun. Mein Weißwein wird langsam warm in dem stilvollen Plastikbecher den mir eine stressfreie (weil kaum Betrieb) Thekenkraft gereicht hat. „Zehn nach Neun am Backstage-Zaun“ heißt es, was den Fotografen-Treff angeht. Also weiter warten. Plötzlich geht das Licht aus und die Leinwand wird erleuchtet. Ein Vorfilm? Tatsächlich – allerdings ein russischer welcher. 80ies – Style brabbeln stop-and-go animierte Holzpuppen unverständliches (immerhin mit englischen Untertiteln) und schemenhafte Erinnerungen an die gute, alte Kindheit (WDR Kinder-Sonntagsprogramm sag ich da nur) steigen auf. Was hat dieser Mann hinter der Bühne (oder wo immer er gerade sein mag) für einen kaputten Humor? Lässt seine Anhänger zwei Stunden auf Stühlen hocken (Einlass: 19.00 Uhr!) und serviert ihnen dann statt seiner selbst einen russischen Uralt-Kinderfilm.
Kurz nach neun reicht es mir und ich begebe mich schon einmal zum Foto-Treffpunkt, wo ich einige Kollegen wähne. Mich erwarten ein kettenrauchender Tourmanager und ein Security-Mann. Nee, mehr Fotografen seien nicht angemeldet. Und überhaupt würde es noch was dauern, da noch ein Vorfilm kommen solle.
Die nächsten 20 Minuten (und weitere fünf (!) Filterlose seitens des Tourmanagers) werden mit Anekdoten über vergangene Konzerte jeglicher Art überbrückt. Der Security-Mensch schwelgt in Erinnerungen von 1990er Konzerten mit Westernhagen, während der sympathische Eels-Begleiter erzählt, dass E. seine Gäste gerne etwas warten ließe. Er sei halt ein Exzentriker und kein wirklich einfacher Mensch. Das schlägt sich wohl auch in der Fotoregelung wieder. Obwohl ich offensichtlich der Einzige bin der E. heute Abend ablichten möchte gilt: „Nur beim zweiten Song und nur von der Seite“.
Dann, endlich, erklingen aus der Halle die ersten Klänge. Ich werde Backstage geführt und während der zweite Song bereits begonnen hat, darf ich mich knapp zwei Minuten seitwärts in der Hocke und bei einer Eingangs mit wenigen Funzeln beleuchteten Bühne abmühen, Herrn E. einigermaßen abzulichten. Wieder in der Halle mache ich mir ein Bild von der Gesamtsituation. Der 42jährige E. alias Mark Oliver Everett bestimmt, sich auf einen Gehstock stützend und Zigarre paffend, die Bühnenmitte in ein einem sandfarbenen Zweireiher. Kaum vorstellbar, dass dieser Mann zwei Jahre zuvor „ganz normal“ mit Eels ohne Strings auf Tour war und den Rocker gegeben hat. Aber er ist nun einmal beides und das ist gut so. Was die „Strings“ betrifft: Flankiert wird E. von drei Geigen, einem Cello, einem Akustik-Bass und Mitstreiter „Big Al“, der sich wahlweise um die Steel-Guitar, E-Gitarre, Mandoline, ein selbstgebasteltes Drumkit und die singende Säge kümmert. E. selbst pendelt zwischen Gitarre und Keyboard bzw. Klavier. Kurz: Musikalisch gestaltet sich der Abend nach den ersten Stücken schon jetzt vom Feinsten.
Was die Songs angeht, mischt Everett zwischen Neuem aus dem eben erschienenen Doppelalbum „Blinking Lights And Other Revelations“ (siehe auch Platten-Review hier auf wastin!com) und Klassikern. Die ruhigen, sanften Klänge dominieren dabei ganz klar, und bis zum ersten „Rocker“ muss das Publikum lange ausharren.
Zeitweise sieht E. mit Gehstock und Zweireiher nicht nur aus wie ein alter Mann, sondern bewegt sich auch so. Leicht gekrümmt tippelt er bei Solos seiner Band über die Bretter, schwingt den Gehstock im Takt oder pafft einfach genüsslich vor sich hin. Apropos: Der Tourmanager erzählte mir vorab, dass E. eigentlich gar nicht rauche und die Zigarre nur der Show dienen solle. Umso spaßiger, dass Everett, der Kauz, in der ganzen Halle Schilder anbringen ließ: „Der Künstler bittet, während der Veranstaltung nicht zu rauchen“.
Nach den ersten vier, fünf Songs folgt mit „Dankeschun“ und „Gutten Abend“ die unvermeidliche Begrüßung des Publikums, dass den ganzen Abend zwar immer artig applaudiert, aber gemäß den langsamen Klängen im Allgemeinen eher verhalten reagiert. Dennoch sind die Ansagen des Kaliforniers durchaus spaßig. Unglaublich traurige Balladen wie etwa „Suicide Life“ kündigt er mit Ansagen wie „Now comes something, that will blow the roof off this Hall“ an. Zeitweise erlaubt er sich auch ein kleines Wortgefecht mit dem Publikum. Nach einem Kommentar wie sehr es ihn doch freue, wieder in Deutschland zu sein (Köln war der erste Deutschland-Gig der Welt-Tournee) ruft irgendwer „Schleimer!“. E. reagiert süffisant mit „Hey Man, don´t talk to me! Let me explain some rules here. I got the lights on me, I got the mic, so I talk to you and that´s it!” Rufe nach “Rock!” quittiert er mit „Come up here yourself and play a guitar solo! I mean it serious – come up here! Play one! And it should better be good, man!”
Natürlich traute der Zwischenrufer sich nicht nach oben und dennoch setzte es Rock, wenn auch in ungewohnter Art und Weise. „Big Al“ malträtiert bei „Bus Stop Boxer“ das Mülltonnen-Drumkit, während die Streicherinnen diverse Rhythmus-Geräte in die Hand nehmen.
Nach exakt 75 Minuten allerdings ist schon Schluss mit lustig und die Band verschwindet allzu schnell hinter die Bühne. Plötzlich lebt die Halle auf und fordert lautstark mehr. E. lässt sich nicht bitten, kann sich aber wieder nicht einen kauzigen Kommentar sparen, bevor er der ausverkauften Live Music Hall die erste Zugabe spendiert: „You know – I wouldnt want to have a relationship with you. You are all that kinda girlfriend that always is very cool while you´re together with her. But when you once go she yells and begs to come back to her”.
Noch zwei weitere Male werden E. und seine Truppe wieder herausgerufen bevor endgültig Schluss ist. Was bleibt ist der Eindruck, einmal einen „etwas anderen“ Gig erlebt zu haben, der mit Sicherheit musikalisch herausragend und unterhaltsam war. Allerdings hätte ich mich bei diesem Konzert in einem anderen Ambiente wohler gefühlt. Oder zumindest inmitten der Sitzgruppe vor der Bühne. Nicht, weil ich so ein fauler Sack bin der ungern steht, sondern weil „Eels with Strings“ irgendwie nicht so richtig in die Live Music Hall gepasst haben.

Website Eels


Weitere Tourdaten in Deutschland:

01.06. / München / Tonhalle
03.06. / Dresden / Schlachthof
04.06. / Berlin / Postbahnhof
05.06. / Hamburg / Kleine Musikhalle

Foto: Alexander Kuffner
Autor: Alexander Kuffner